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Das Rätsel Jacob Christensen

Jacob Christensen gilt als eins der großen dänischen Zukunftsversprechen. Beim 1. FC Köln ist seit seiner Verpflichtung davon nichts zu sehen. Der Sechser erhielt unter Steffen Baumgart kaum eine Chance.

Heiß umworben, großes Zukunftsversprechen, erstaunliches Potenzial – die Verpflichtung von Jacob Christensen im Sommer war vielversprechend. Im Winter ist die Ernüchterung groß. Dabei spricht eigentlich so viel für den jungen Dänen vom 1. FC Köln: Das Rätsel Jacob Christensen.

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So wirklich schlau kann man aus der Personalie Jacob Steen Christensen auch fünf Monate nach seiner Verpflichtung noch nicht werden. Das zurückhaltende, fast schon schüchterne Auftreten des 22-Jährigen passt so gar nicht zu der von ihm kolportierten ruppigen Spielweise, für die er bei seinen ehemaligen Mannschaftskollegen bekannt gewesen sein soll. Und: Die von Experten prophezeite Qualität des Sechsers ist nicht mit der aktuellen Einsatzzeit übereinzubringen. Jacob Christensen und seine Verpflichtung bleiben ein Rätsel. Denn das heiß umworbene dänische Talent kommt nach der Hinrunde auf keine einzige Spielminute in der Liga. Immerhin durfte der Däne in der ersten Runde des DFB-Pokals mal ran. Dann war Christensen raus, wurde nicht mehr berücksichtigt. „Die Kölner sagen, dass sie daran glauben, dass ich ein wichtiger Spieler werden kann“, sagte Christensen im Sommer der dänischen Zeitung „BT“. „Es ist aber mein erster Wechsel als Seniorenspieler. Deswegen gehen sie davon aus, dass es Monate dauern wird, bis ich mich eingelebt habe.“

Hohe Einnahmen durch Abgänge

Dass Christensen nicht direkt ein adäquater Ersatz für Ellyes Skhiri sein würde, war allen Beteiligten klar. Doch sprachen die Vorzeichen für eine deutlich schnellere Integration. Mit gerade einmal 17 Jahren gab Christensen sein Debüt beim aktuellen dänischen Vizemeister, dem FC Nordsjælland, mittlerweile kommt der Mittelfeldspieler auf 159 Pflichtspiele für die Profis. 159 Einsätze – mit 22 Jahren. Tatsächlich war Christensen einer der erfahrensten Spieler des FC Nordsjælland. Von den Stammspielern war nur der 33-jährige Innenverteidiger Kian Hansen deutlich älter. Das kommt nicht von ungefähr. Der FCN ist wohl der Inbegriff eines Entwicklungsklubs. Der dänische Klub bildet Spieler auch aus, um sie gewinnbringend zu verkaufen. In der vergangenen Transferperiode nahm der Klub laut transfermarkt.de 25 Millionen Euro durch Abgänge ein, in der Vorsaison waren es knapp 20 Millionen Euro. Die Ausgaben durch Zugänge belaufen sich für beide Transferperioden auf keine zehn Millionen Euro.

Christensen ging ablösefrei, der FC bezahlte nur eine geringe Ausbildungsentschädigung. Noch im vergangenen Winter hatte Panathinaikos Athen ein hübsches Sümmchen für den Mittelfeldspieler geboten, doch der dänische Klub lehnte ab. Auch im Sommer war Christensen heiß umworben. Dem Dänen sollen Angebote aus Spanien, Italien, England und Frankreich vorgelegen haben. Und eben eins vom FC. „Es mag überraschen, aber Köln kam nicht gerade mit den besten Bedingungen, was das Gehalt angeht“, sagte Christensen „BT“. Der 22-Jährige wollte zu einem Klub wechseln, „in dem ich mich fußballerisch entwickeln kann, und deshalb ist es Köln geworden.“ Vor allem das Gespräch mit Steffen Baumgart und Christian Keller habe die Entscheidung in Richtung Domstadt gelenkt. „Ich habe einfach gespürt, dass sie mich unbedingt haben wollten.“

Die Karten werden neu gemischt

Dieser unbedingte Wunsch bestätigte sich während der Saison allerdings nicht. Dabei war die Saisonvorbereitung noch vielversprechend. Christensen hinterließ einen ordentlich Eindruck. Der 22-Jährige löste in den Testspielen viele Drucksituationen erstaunlich souverän. Dazu fiel sein taktisches Zweikampfverhalten besonders positiv auf. Negativ dagegen, dass Christensen offenbar Probleme mit der hohen Intensität hatte. Wie er zunächst auch selbst bestätigte und später auch von Steffen Baumgart zu hören bekam. Nun ist der Trainer, bei dem Christensen so ein gutes Bauchgefühl hatte, nicht mehr in Köln tätig. Und kurioserweise könnte genau darin die Chance des Mittelfeldspielers liegen. Unter Timo Schultz werden die Karten neu gemischt. Auch für das umworbene Talent Jacob Christensen.

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