Der Baumgartsche Hurra-Fußball war gestern – die Geißböcke setzen nun doch lieber auf defensiven Ergebnisfußball. Der ist nicht schön, aber am Ende vielleicht erfolgreicher.
In der zweiten Halbzeit gegen die Bayern, vor allem aber gegen den SV Darmstadt hat der FC seine Linie des offensiven, attraktiven Fußballs der vergangenen beiden Jahre verlassen. Nun heißt es beim 1. FC Köln: Ergebnis- statt Hurra-Fußball.

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Der Auftritt von Christian Keller war gewohnt eloquent. Als der Sportdirektor des 1. FC Köln im August bei einer Talk-Runde der Rheinischen Post auf der Bühne saß, erklärte der Kölner Sportdirektor sachlich und logisch die Marschroute der Geißböcke. Es sei „sehr sehr gut, wenn wir in Leistungszielen denken und nicht so sehr in Ergebniszielen denken“, sagte der Sportdirektor damals. Und: „Wenn du deine Leistungsziele erreichst, dann ist das Ergebnis meistens ein Folgeeffekt.“ Meistens eben. Denn der FC bestätigt in dieser Spielzeit die Ausnahme. Glaubte man den Kölner Verantwortlichen im Spätsommer, so zeigten die Geißböcke gerade zu Beginn der Saison durchaus ordentliche Leistungen – das Ergebnis wollte nur nicht stimmen, der erhoffte Folgeeffekt blieb also aus. Der FC steuerte bekanntlich in eine handfeste Krise, bei der schließlich weder Leistung noch Ergebnis in irgendeiner Form passten. Und so wurde der Sportdirektor gegenüber der Mannschaft deutlich, während er seinem Trainer ein „sehr gutes“ Arbeitszeugnis ausstellte.
Kein Hurra-Fußball – der Bus wird geparkt
In der Krise haben die Geißböcke zwangsläufig die Marschroute verlassen. Der Hurra-Fußball, den FC-Trainer Steffen Baumgart zweieinhalb Jahre praktiziert und automatisiert hat, ist mit dem aktuellen Leistungsvermögen des Kaders ganz offensichtlich nicht möglich. Zumindest bleiben die erhofften Ergebnisse trotz der vermeintlich ordentlichen Leistung aus. Und so schwenkt der FC nun doch auf das Prinzip Ergebnis statt Leistung um. Der FC hat den Abstiegskampf angenommen und das offenbar ganz bewusst. So betonte der Kölner Coach nach dem glücklichen Remis gegen Bochum, dass nur der eine Zähler eben zähle, mit dem man zwischenzeitlich die Rote Laterne abgegeben hatte. Trotz aller Bekundungen des Trainers, man würde in seiner Amtszeit keinen geparkten Bus erleben, wurde dieser im Spiel gegen die Bayern erstmals irgendwo zwischen Sechzehner und Fünfmeterraum abgestellt. Gegen müde Bayern gab es immerhin ein knappes 0:1.
Möglicherweise hat den Trainer dieses doch schmeichelhaft knappe Ergebnis in der Umkehr bestätigt. Denn auch gegen Darmstadt war die Ausrichtung defensiv. Eine Marschroute, bei der die Kölner vorerst auch bleiben werden. „Wir haben da angeknüpft, was wir auch die letzten Wochen schon zeigen. Dass wir versuchen, defensiv gut zu stehen“, sagte der Kölner Trainer am Dienstag. „Wir laufen nun nicht mehr nur vorne an. Defensiv stabiler wollen wir stehen. Wir wollen trotzdem eine hohe Intensität im Anlaufen haben. Mittlerweile lassen uns viele Gegner nicht mehr ins Anlaufen kommen.“ Der Erfolg gab Baumgart und der defensiven Variante recht, auch wenn der Fußball nicht besonders schön anzusehen war. Die Geißböcke feierten den ersten Auswärtssieg seit Mai, das erste Zu-Null-Spiel seit April. „Das Wochenende war angenehmer als die vorherigen. Wir haben lange darauf gewartet“, sagte der 51-Jährige.
Baumgart: „Es geht nur darum, die Liga zu halten“
Und so wird auch am kommenden Sonntag gegen Mainz der Fokus auf der stabilen Defensive liegen. Einen fußballerischen Leckerbissen werden die Kölner Fans sicher nicht zu sehen bekommen. Der FC, aber gerade auch Baumgart haben ihren aktuellen Plan verlassen. Vorerst geht es eben nicht um die Leistung, sondern um Punkte. Oder wie Baumgart am Dienstag sagte: „Im Moment geht es nur darum, die Liga zu halten.“ Das sehen seine Spieler wohl ähnlich. Jan Thielmann sagte am Mittwoch, dass ihm ein „dreckiges“ 1:0 gegen Mainz auch sehr recht wäre.
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