In der Regionalliga West ist der 19-jährige Justin Diehl der absolute Torjäger, bei den Kölner Profis herrscht Sturmflaute. Und dennoch wird das Talent wohl auch weiterhin keine Chance in der Bundesliga erhalten.
Sechs Siege verbuchten die vier Nationalspieler auf ihrer Länderspielreise, viel besser hätte die Ausbeute nicht sein können. Oder? Doch, drei der vier Spieler trugen sich in die Scorerliste ein. Die FC-Profis kehren mit Selbstvertrauen von der Länderspielreise zurück.

>>>Update: Mittlerweile hat sich Steffen Baumgart zu der Causa Diehl geäußert. Das sagt Baumgart zu Diehl.<<<
Bis auf das Ergebnis war eigentlich viel wie immer. Nach Vorarbeit von Meiko Wäschenbach traf Justin Diehl am vergangenen Freitag zur 2:0-Führung gegen die Zweitvertretung von Fortuna Düsseldorf. Für den Kölner Angreifer war es bereits der elfte Treffer im 17. Regionalliga-Spiel, zudem bereitete der Youngster acht weitere Tore vor. Diehl hat damit bislang die meisten Tore der Regionalliga West geschossen, die zweitmeisten vorbereitet und kommt damit auf den besten Scorerwert der Liga. Geholfen hat das den Kölnern aber nicht. Die U21 des FC unterlag dem rheinischen Rivalen 2:3 und erlebte damit einen herben Rückschlag im Kampf um die 3. Liga. Der Torschütze zum 2:0 wird in der kommenden Saison wohl weder 3. noch Regionalliga spielen. Spätestens im Sommer wird Diehl den FC mit großer Wahrscheinlichkeit verlassen.
Justin Diehl ist ein Kölner Eigengewächs
Dabei täte der Torriecher den Kölner Profis generell nicht schlecht. Auch wenn der Vergleich aufgrund der Höhe der Klasse mächtig hinkt, der gesamte FC-Sturm kommt in der bisherigen Bundesliga-Saison auf fünf Treffer, die gesamte Kölner Mannschaft auf neun. Kein Wunder also, dass ein Großteil der Kölner Anhängerschaft den Youngster auch gerne in der Bundesliga spielen sehen würde. Zumal Diehl der Prototyp eines Eigengewächses ist. Seit seinem sechsten Lebensjahr trägt der Angreifer den Geißbock auf der Brust. Der 19-Jährige kam in der vergangenen Spielzeit bekanntlich zu seinem ersten Einsatz bei den Profis und ist damit der sechstjüngste Debütant der FC-Geschichte. Der Sprung von der Regionalliga in die Bundesliga ist und bleibt ein großer, bei der offensichtlichen Regionalliga-Torgarantie wäre aber die Rolle des Jokers sicherlich auch bei den Profis keine verkehrte.
Selbst die Chance auf Kurzeinsätze bleibt dem 19-Jährigen aber verwehrt. Und das nicht, weil Baumgart ein grundsätzliches Problem mit der Jugend hat, wie es von einigen Fans kolportiert wird. Tatsächlich gibt der Kölner Trainer dem Nachwuchs eine Chance. Max Finkgräfe und Damion Downs kamen in dieser Saison bekanntlich zu ihren Debüts, standen schon mehrfach im Kader. Ob die Einsatzzeit der Youngsters aber der aktuellen Krise gerecht wird, ist ein diskutables Thema. Baumgart hält es mit den Vorstellungen des DFB. Der Verband erklärte aufgrund einer Studie, dass der punktuelle Einsatz von Jung-Profis in der Bundesliga die Akteure eher hemme, viele Einsätze in den Nachwuchsmannschaften auf hohem Niveau dagegen förderlich seien. Baumgart sieht die Spieler, ist immer im Austausch mit den Nachwuchstrainern und wird mit Sicherheit einschätzen können, welches Talent wie weit ist – zumindest besser als Außenstehende.
Diehl sieht Zukunft nicht in Köln
Dass der Kölner Trainer aber einen Bogen um Diehl macht, hat nichts mit einer Studie oder einem etwaigen Unvermögen des Spielers zu tun. Diehl ist, wenn man so will, aus persönlichen Gründen außen vor – und das von beiden Seiten. Denn der Kölner Youngster weiß um seinen Wert, weiß, dass er Begehrlichkeiten geweckt hat und ahnt, welche große Karriere da vielleicht möglich ist. Eine Karriere, die er aber nicht beim 1. FC Köln sieht. Bemüht haben sich die Kölner, boten der Nachwuchshoffnung eine Vertragsverlängerung an, haben sich dem Vernehmen nach sehr gestreckt. Denn auch in Köln sieht man das außerordentliche Talent. Man befinde sich in guten Gesprächen, hieß es damals. Doch offenbar waren sie nicht gut genug. „Justin hat uns mitgeteilt, dass er seine Zukunft nicht beim FC sieht. Wir haben ihm eine klare sportliche Perspektive aufgezeigt und er hat sich gegen diese Perspektive entschieden“, sagte FC-Trainer Steffen Baumgart dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Sommer. Dem Vernehmen nach sollen Diehl und oder sein Umfeld bereits an höhere Aufgaben denken.
Und das hat sich anscheinend nicht geändert. „Meine letzte Information von Jörg Jakobs ist, dass der Berater, Herr Wittmann, jedes Gespräch über eine weitere Zusammenarbeit mit Justin Diehl ablehnt“, sagte Erich Rutemöller, sportlicher Berater des FC-Vorstands, am Dienstag auf einer Talkrunde. Das FC-Problem: Der Vertrag des Youngsters läuft im kommenden Sommer aus. Will Köln noch etwas an dem Stürmer verdienen, wird der Angreifer den Verein wohl schon im Winter verlassen müssen. Und das dürfte auch im Interesse des Offensivspielers liegen. Diehl wird beim FC in dieser Saison nicht über das Regionalliga-Team hinauskommen, kann sich nicht auf höherem Niveau zeigen oder empfehlen. Denn die Absage hatte bekanntlich auch sportliche Konsequenzen. „Damit ist nicht mehr die Grundlage gegeben, dass wir ihn im Profi-Kader entwickeln. So oder so gilt es eben dann seine Entscheidung zu respektieren“, sagte Baumgart im Sommer. „Genauso gilt es dann aber auch unsere Entscheidung zu respektieren, dass wir unseren Fokus auf die Förderung anderer Nachwuchstalente legen.“
Der FC will das Thema nicht groß werden lassen
Und an dieser Aussage halten die Kölner Verantwortlichen weiterhin fest, versuchen, das Thema zu keinem großen werden zu lassen, weisen lieber auf die anderen Kölner Talente hin. Dabei ist Diehl alleine schon aufgrund der Schwächen der Kölner Offensive und seiner überragenden Leistungen ein großes Thema. Und sollten die Profis weiterhin kriseln, der FC-Sturm eher einer Flaute gleichen und Diehl in der Regionalliga weiterhin nach Belieben treffen, wird das Thema größer und größer. Dabei ist alles andere als gesagt, dass Diehl dem FC in der Bundesliga sofort weiterhelfen würde. Ein Stoßstürmer, den der FC bekanntlich sucht, ist Diehl mit seinen gut 1,70 Metern nicht. Bei seinen bisherigen Auftritten bei den Profis fehlte ihm die Körperlichkeit. Ein Abstiegskrampf erprobter Bundesliga-Spieler, einer, der durch seine Routine und Erfahrung umgehend für Gefahr sorgen kann, ebenfalls nicht. Die Fans, die Christian Keller für die Verpflichtung von unfertigen Spieler kritisieren, sollten den 19-Jährigen möglicherweise nicht als den Heilsbringer erwarten.
Ein Versuch könnte sich in Zeiten der Krise dennoch lohnen. Zwar öffneten die Kölner Verantwortlichen dem 19-Jährigen im Sommer noch einmal die Tür, aber nur, wenn er sich anders „entscheide“. Was von einigen Fans als Sturheit angesehen wird, kann vielleicht auch als Festhalten an Prinzipien ausgelegt werden, vielleicht auch als Zeichen, sich von Spielern oder deren Umfeld nicht beeinflussen zu lassen. So oder so ist die jetzige Situation für keine Seite eine befriedigende. Interessant wäre, wie sich der Worst-Case einer bestätigten Transfersperre auf diesen Fall auswirken würde.
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