Manchester statt Mainz? Der FC verschiebt offenbar seinen Scoutradar und blickt nach England

Jahmai Simpson-Pusey und Chido Obi
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Manchester statt Mainz? Der FC verschiebt offenbar seinen Scoutradar und blickt nach England

Jahmai Simpson-Pusey war im Winter sicher eine überraschende Neuverpflichtung, entwickelte sich aber zu einem Überraschungstransfer. Nun blickt der FC erneut nach England und das nächste Talent steht im Fokus des 1. FC Köln: Warum England plötzlich so interessant ist.

Jahmai Simpson-Pusey und Chido Obi sind in England alles andere als unbekannte Spieler. „JSP“ hat bereits im Nachwuchsbereich Ehrungen gesammelt, war bei ManCity eine Säule der Juniorenmannschaften. Chido Obi wiederum wurde bereits als „Wunderkind“ vor seiner Zeit bei ManUnited tituliert, erzielte in der U16, in der U18 Tore am Fließband – alleine zehn in einem Duell gegen Liverpool, mal sieben gegen Norwich. Beide Spieler stehen auf einigen Scoutblöcken der Premier League. Beide kommen aus den Nachwuchsabteilungen englischer Schwergewichte – eigentlich sogar der Junioren-Schwergewichte Englands. Nun aber hat der FC den Innenverteidiger von City unter Vertrag genommen und führt über den Stürmer offenbar Gespräche mit dem Rivalen, den Red Devils. Zufall? Möglich. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich dahinter dann doch mehr verbirgt.

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Der FC scheint sein Scoutradar zu verschieben und England spielt ganz offensichtlich eine entscheidende Rolle. Über viele Jahre waren die Regalfächer auf dem Transfermarkt schon abgegriffen: Erfahrene Erstligisten, Leistungsträger der 2. Bundesliga, hin und wieder Talente aus unteren Klassen, vor allem aber Spieler, die erschwinglich, vielleicht sogar ablösefrei waren. Verständliche Mechanismen der Branche, gerade wenn das Budget dann überschaubar ist. Doch aktuell scheint sich das Bild ein wenig zu verschieben. Die Spieler auf dem Radar: Jung, in renommierten Nachwuchszentren ausgebildet, entwicklungsfähig und damit im Besitz eines Wiederverkaufswerts. Gerade der englische Markt scheint dort besonders interessant. Spieler, die in den Akademien von Manchester City, Manchester United, Arsenal oder Liverpool ausgebildet werden, erfahren früh ein Training unter herausragenden Bedingungen, spielen internationale Turniere, werden taktisch und technisch auf höchstem Niveau geschult. Doch gerade aufgrund des hohen Leistungstands in England bleibt der Sprung zu den Profis oft verwehrt.

Schlüssel zum lukrativen Markt

Nicht, weil sie nicht gut genug sind, vielmehr, weil sich die Premier League mittlerweile eine eigene Realität geschaffen hat. Die Kader sind überragend besetzt, auf Erfolg gedrillt. Für Youngster bleibt kaum Zeit, sich zu entwickeln, kaum Platz, Spielpraxis zu sammeln. Und darin liegt die Chance der Bundesligisten. Je nach Qualität bieten die Clubs Einsatzzeit, eben Spielpraxis. Der Verein erhält den Gegenwert: Technisch hochausgebildete Spieler, die in der Liga sofort weiterhelfen können, vor allem aber im Besitz eines Marktwertversprechens. Denn, wenn sie funktionieren, fliegen sie nicht nur in Deutschland über dem Radar. Und gerade England macht die Geschäfte dann wieder interessant. Denn jene Akteure bleiben natürlich auf dem englischen Markt, nur werden dort die deutlich besseren Preise bezahlt. Der FC findet also den Schlüssel zu einem Markt, der deutlich lukrativer ist, als der eigene. Simpson-Pusey steht symptomatisch für diesen Effekt. Der Innenverteidiger wird sicherlich irgendwann zurück auf die Insel kehren. Nur zu einem anderen Preis.

Rekrutierungsstrategie England?

Auch Chido Obi kann nun so ein Thema werden, JSP wäre kein Einzelfall mehr und eine Rekrutierungsstrategie könnte sich abzeichnen. Es könnte zumindest die These aufgestellt werden, dass der FC durchaus gezielt in England scoutet. Und das nach Spielern, die eben eine hohe Ausbildung in den Akademien genossen haben, aber keinen Weg aufgezeigt bekommen. Ein Problem, das man auch in Köln natürlich kennt – wenn auch auf anderer Ebene. Und doch bleibt natürlich auch ein Risiko. Es ist nicht gesagt, dass der Spieler sofort funktioniert. Die Kölner können sich zudem nicht nur junge Experimente leisten, müssen auch auf eine einigermaßen sichere Qualität setzen. Die Verpflichtung von Jahmai Simpson-Pusey war nach dessen verkorkster Leihe nach Celtic alles andere als ein Selbstläufer. Neuverpflichtungen kommen, um zu helfen – möglichst sofort. Und genau darin liegt die Herausforderung für Thomas Kessler und Tim Steidten: Entwicklung darf nicht der Selbstzweck werden.

Die Richtung macht für den FC dennoch total Sinn. Wer finanziell vielleicht nicht mit vielen anderen Teams mithalten kann, muss cleverer scouten, muss Spieler finden, bevor sie zu offensichtlich werden. Es geht also vielleicht gar nicht so sehr um das Wunderkind Chido Obi, vielleicht geht es vielmehr darum, eine Brücke in den lukrativsten Markt Europas zu bauen. Der FC scoutet also nicht England, er scoutet die Premier League von morgen.


Said El Mala gegen die Gesetzmäßigkeiten der Bundesliga: Warum am Ende doch nur England bleibt

Said El Mala jubelt nach der Führung
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Said El Mala gegen die Gesetzmäßigkeiten der Bundesliga: Warum am Ende doch nur England bleibt

Dortmund, Chelsea, PSG, Bayern, Manchester City und nun Liverpool — die Liste der Interessenten an Said El Mala war über das Jahr lang. Bei genauerem Hinsehen bleibt davon erstaunlich wenig übrig. Eine Einordnung, warum am Ende wohl nur ein Markt realistisch bleibt.

Der FC Barcelona, der FC Chelsea, Paris Saint-Germain, Bayern München oder Manchester City – die Liste der europäischen Spitzenclubs, die im Herbst vergangenen Jahres mit Said El Mala in Verbindung gebracht wurden, war lang – und gefühlt wurde sie von Woche zu Woche länger. Beeindruckend für einen Spieler, der in der Vorsaison noch in der 3. Liga kickte. Der Fokus hat sich geändert, El Mala ist einer der Shootingstars Europas – immerhin hat wohl nicht viel für die WM-Nominierung der Nationalmannschaft gefehlt. Doch bei genauerer Betrachtung bleiben möglicherweise gar nicht mehr so viele Vereine auf der Liste potenzieller Arbeitgeber.

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Zuletzt wurden mit der TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund zwei Bundesligisten in den Ring geworfen, die angeblich an einer Verpflichtung des Spielers interessiert seien, Vorstöße planen würden. So wirklich viel Substanz haben die Ideen hinter den Gerüchten nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass die TSG nach bisherigen Investitionen von 40 Millionen Euro bei El Mala noch einmal mit 50 Millionen nachlegt. Der BVB wiederum soll angeblich nur 30 Millionen plus Boni bezahlen wollen, dafür aber Leihspieler bei den Kölnern unterbringen wollen. Zwar sind die Kölner grundsätzlich an Leihkonstrukten interessiert, aber nicht um eine wirtschaftliche Lücke von 15 Millionen Euro zu schließen. Aktuell ist das am Geißbockheim kein Thema. Auch die Bayern galten mal als Interessent, doch der Fokus ist längst ein anderer. Tatsächlich hat noch nie ein Bundesligist für einen Spieler aus dem deutschen Oberhaus 50 Millionen auf den Tisch gelegt. Julian Draxler und Dayot Upamecano knackten gerade einmal die 40-Millionen-Euro-Marke. Der Rekordpreis für einen 19-Jährigen lag bisher bei Ozan Kabak, der für 15 Millionen Euro von Stuttgart zu S04 wechselte.

Verkauf auf Rekordkurs

Der Rekordtransfer von Hoffenheim liegt bis heute bei 18 Millionen für Adam Hlozek, der vom BVB bei Ousmane Dembélé für 38 Millionen Euro. Ein Transfer von Said El Mala für 50 Millionen Euro innerhalb der Liga ist sicher nicht ausgeschlossen, doch entspricht nicht den Gesetzmäßigkeiten der Bundesliga. Es bleibt eine sehr unwahrscheinliche Variante. Das gleiche gilt für einen möglichen italienischen Markt. Dort liegen die Ablöseerwartungen in der Regel sogar unter den deutschen. El Mala würde in einer Liga mit Min-Jae Kim und Mauro Icardi mitmischen. In der vergangenen Spielzeit war Christopher Nkunku der teuerste Spieler, der nach Italien wechselte. AC Milan zahlte 37 Millionen Euro für den Ex-Leipziger, der einst für 60 Millionen nach Chelsea ging. Die weiteren Großkaliber wie Barcelona oder Paris haben aktuell kein Interesse, um den Kölner Shootingstar mitzubieten, investieren an anderer Stelle und das einmal mehr sehr intensiv. Dagegen sind die englischen Clubs durchaus bereit, in einer anderen Größenordnung zu investieren.

Und das eben auch Clubs, die nicht zu den absoluten Topteams gehören. Genauso für Spieler, die noch ein enormes Entwicklungspotenzial haben. Und da auf der Insel nun mal viel Geld fließt, ist der Markt auch unter den Aspekten Gewinnbeteiligung und Weiterverkaufsgebühr kein uninteressanter. Sportlich scheint El Mala ebenfalls nach England zu passen. Direktes Spiel, Tempo, Zweikampfbereitschaft, der Wille, durch den Gegner statt um ihn herum zu gehen – Eigenschaften, die man auf der Insel gerne sieht, die El Mala wiederum mitbringt. Aspekte, die in technisch anspruchsvollen Ligen möglicherweise ein wenig kürzer kommen. Nicht umsonst ist das neueste Gerücht eins von der Anfield Raod.

Welche Rolle spielt Tim Steidten?

Möglicherweise spielt ein Faktor eine Rolle, der ein wenig unter dem Radar fliegt: Tim Steidten. Der Direktor für Kaderplanung und Recruiting kam im März zum FC und bringt persönliche Kontakte mit. Der ehemalige Kaderplaner von Bayer Leverkusen kennt als ehemaliger technischer Direktor von West Ham United die Premier League, die Spielerberater, die Vereinsvertreter. Steidten holte zudem seinen Bruder Moritz an den Rhein, der ihm bereits von Werder Bremen nach West Ham gefolgt war und dort die komplette Scouting-Abteilung leitete. Zwei Brüder, beide mit direkter England-Erfahrung, beide jetzt beim FC. Das ist sicher kein Zufall, sondern eine bewusste strukturelle Entscheidung von Thomas Kessler. Sollte El Mala tatsächlich nach England wechseln, könnte sich diese Personalentscheidung auszahlen.