„Ein Moment kann alles verändern“: Das ist die größte FC-Baustelle für das Rheinderby

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„Ein Moment kann alles verändern“: Das ist die größte FC-Baustelle für das Rheinderby

Die Standardschwäche ist endlich abgelegt, doch vor dem Derby verweist FC-Trainer Lukas Kwasniok auf die nächste Baustelle: Fehlende Härte in den Duellen. Warum das Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach zur echten Härteprobe werden wird für den 1. FC Köln: „Bin total transparent“- Hier sieht Kwasniok eine große Schwäche seiner Mannschaft

Die Standardschwäche scheint überwunden, doch vor dem Derby rückt die nächste Problemzone in den Fokus. Warum das Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach zur echten Härteprobe für den 1. FC Köln wird und wo Kwasniok die größte Schwäche seiner Mannschaft ausmacht.

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Viel wurde in den vergangenen Wochen darüber diskutiert, worin ein Ausweg heraus aus der Ergebniskrise führen könnte. Thema war immer wieder die Standardschwäche der Geißböcke, hinter das Coach Lukas Kwasniok spätestens nach dem vergangenen Spieltag gegen den HSV ein Häkchen setzten kann – zumindest vorerst. Vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach wies Kölns Trainer nun eigenhändig auf eine andere Schwäche im Spiel der Geißböcke hin: “Wenn wir in einer Sache zulegen können, dann ist es meiner Meinung nach in der Zweikampfführung, in Duellen.“ Er arbeite daran, seine Mannschaft auf ein zweikampfbetontes Spiel einzustellen: “Die Probleme bei den Standards haben wir egalisiert. Wir haben viele Abschlüsse. Aber, das habe ich den Jungs auch schon heute gesagt, in einem Derby wird es eben darauf ankommen, Duelle zu gewinnen”, und schob kryptisch hinterher: “Wenn ich sie nicht gewinnen kann, dann verliere ich sie zumindest nicht.”

Gladbach dominiert die Lüfte, Ragnar Ache aber auch

Und tatsächlich trifft der FC im Duell gegen Gladbach auf eine überdurchschnittlich zweikampfstarke Mannschaft. Die Elf von Eugen Polanski dominiert zusammen mit dem VfB Stuttgart den Luftraum: 54,4 Prozent der Zweikämpfe in der Luft gehen auf das Konto der Gladbacher, während der FC hier nur auf 51,7 Prozent kommt. Dennoch gehören die Domstädter in dieser Kategorie zu den sieben besten Mannschaften der Beletage. Maßgeblichen Anteil daran hat Kopfballmonster Ragnar Ache. Der Mittelstürmer befindet sich nach 26 Spieltagen unter den drei Bundesliga-Spielern mit den meisten gewonnenen Kopfballduellen. Mit 125 erfassten Duellen liegt er knapp hinter Luka Vuskovic vom HSV (128) und Willi Orban von RB Leipzig (132).

Neben Ache spielt im Duell Mano a Mano Eric Martel eine Schlüsselrolle. Der defensive Mittelfeldspieler ist der beste Zweikämpfer auf dem Platz. Im ligaweiten Vergleich schafft er es unter die Top 20 der Duellanten. Martel langt dabei gerne auch kräftig zu: Der 23-Jährige hat in der laufenden Spielzeit bereits 34 Fouls am Gegner begangen und belegt damit den sechsten Platz in dieser Kategorie. Und Martels Robustheit und harte Gangart ist es, die sein Coach für das Derby einfordert.

Einstimmen auf eine raue Begegnung

Im Hinspiel habe man spielerische Lösungen gegen die Elf vom Niederrhein herangezogen. Beim Rückspiel am Samstag werde nun ein anderer Wind wehen, meinte Kwasniok: “Wir haben im Hinspiel versucht, mit Huseinbasic, Johannesson und Kainz im Zentrum mit drei guten Fußballern zu agieren. Das geht zu Lasten der Konterabsicherung, weil die Spieler natürlich auch irgendwann den Ball verlieren”. Winterneuzugang Felipe Chávez muss sich demnach weiter für einen ersten Startelfeinsatz gedulden. Der talentierte Peruaner kam auch gegen die passiven Hamburger nur auf einen Kurzeinsatz. Das wird sich am nächsten Spieltag nicht ändern, schlussfolgerte Kwasniok: „Deshalb bringt man gute Fußballer oftmals erst hinten raus, wenn man ein Spiel nicht komplett dominieren kann, und arbeitet mit einer gewissen Physis, mit Körperlichkeit, mit Geschwindigkeit und Robustheit ein Spiel ab.“

Kwasniok: „Im Fußball kann ein Moment alles verändern“

Wer auch immer das Privileg haben wird, im 100. Rheinderby (Anpfiff 15.30 Uhr, Abrufbar im Liveticker auf come-on-fc.com) von Beginn an mit dem Geißbock auf der Brust auf dem Rasen zu stehen, der hat insbesondere eine Aufgabe zu erfüllen: “Es gilt einfach, dass die guten Fußballer, wie Felipe, Luca, Isak, Kuba und Said, auch in der Defensive voll dagegenhalten können. Und zwar immer.” Am vergangenen Spieltag gegen den HSV wäre dies den Kölnern um ein Haar um die Ohren geflogen: “Wenn man sich anschaut, wie der Eckball in Hamburg entstanden ist – der einzige Eckball von ihnen in der 94. Minute – dann verlieren wir auf unserer linken Seite ein Duell. Wir sind dann in der Mitte einen Tick zu spät und verlieren im Fünfer fast ein Duell. Daraus resultiert der einzige Eckball. Wir waren in den meisten Momenten voll da, aber im Fußball kann ein Moment alles verändern.”


Das 100. Rheinderby: Kuriose, legendäre Duelle und nun erneut ein Schicksalsspiel

Marcel Risse nach seinem Traumtor
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Das 100. Rheinderby: Kuriose, legendäre Duelle und nun erneut ein Schicksalsspiel

Für Lukas Kwasniok wird wohl ausgerechnet das 100. Bundesliga-Rheinderby zum Schicksalsspiel. Es ist aber nicht das erste Duell der beiden Rivalen, das über das Traineramt entscheidet. Zahlreiche kuriose Geschichten umwabern die Begegnung. Das sind die legendärsten Rheinderbys.

Zum 100. Mal stehen sich der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga gegenüber. Das Duell gab es schon deutlich öfter. Gleich mehrere Geschichten umgeben die Partie und einige Spiele sind einfach nur legendär.

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Saison 1965/66: Schon in den 50er Jahren lieferten sich die Teams packende Duelle in der Oberliga. In der Bundesliga standen sich die Rivalen dann erstmals in der Spielzeit 65/66 gegenüber. Auf dem Bökelberg gewannen die Kölner 3:2, nachdem Jupp Heynckes die Fohlen früh in Führung gebracht hatte. Kurios wurde es im Rückspiel. Die Borussia sah bereits wie der sichere Sieger aus. Doch Toni Regh hatte noch die letzte Pointe des Spiels auf dem Fuß. Der Abwehrspieler hatte sich in der Begegnung verletzt und da Auswechslungen noch nicht erlaubt waren, schleppte sich Regh nur noch über den Platz. Möglicherweise verloren die Borussen den Kölner auch deswegen kurz vor Spielende aus den Augen, als der Verteidiger den viel umjubelten 2:2-Ausgleich erzielte.

Fernduell um die Meisterschaft

23. Juni 1973: Es ist wohl die berühmteste Einwechslung im deutschen Fußball. Denn Günter Netzer nahm sie bekanntlich selbst vor. Das allerdings im Pokal und nicht in der Meisterschaft. Der Wechsel zu Real Madrid steht längst fest, eigentlich wollte Netzer sich gar nicht erst auf die Bank setzen, nicht mit zum Endspiel reisen. Seine Mitspieler überreden ihn. In der Verlängerung erklärt der spätere Weltmeister seinem Coach Hennes Weisweiler, dass er jetzt spielen werde. Vier Minuten später erzielt Netzer den entscheidenden Treffer.

1. Oktober 1977: Tabellarisch waren die Rivalen weit von einem Topspiel entfernt. Der Tabellenvierte aus Köln traf auf den Neunten. Doch mit dem FC kam der aktuelle Pokalsieger zum amtierenden Meister. Und die beiden sollten sich später, am letzten Spieltag, ein spannendes Fernduell um die Meisterschaft liefern. In Gladbach sorgten Dieter Prestin und Herbert Neumann für die Halbzeitführung. Zwar verkürzte Rainer Bonhof, doch erneut Prestin, Harald Konopka und Dieter Müller stellten auf 5:1 aus Sicht der Geißböcke. Der Treffer von Allan Rodenkam Simonsen hatte nicht mehr so wirklich viel Bedeutung. Der 5:2-Erfolg der Kölner schon. Nie wieder erzielte der FC in Gladbach fünf Tore. Aber noch viel wichtiger. Am Ende der Spielzeit nutzte den Fohlen ein 12:0-Erfolg über Dortmund nichts mehr im Titelkampf. Die Kölner setzten sich aufgrund der Tordifferenz im Rennen durch – die Differenz betrug drei Tore.

Kuriose Tore und Geschichten

31. Januar 1998: Gleich zwei Mal gleich Jörgen Pettersson die Führung durch Karsten Baumann und Dirk Schuster aus. Doch wieder einmal haben die Kölner in der Schlussphase die Antwort. Wieder trifft ein Toni. Dieses Mal Toni Polster und das mit dem Hintern. Der FC gewinnt das Derby 3:2. Das sollte aber kein gutes Omen für das Duell am Samstag sein. Denn trotz des Erfolgs stiegen die Kölner am Ende der Spielzeit bekanntlich ab.

5. Februar 2002: Die Geschichte kann man sich nicht besser ausdenken. Im Jahr vor dem Derby hatte Arie van Lent seine Schuhe für einen guten Zweck versteigert. Doch jener gute Zweck hatte aus Gladbacher Sicht eine ärgerliche Nebenwirkung. Denn der Niederländer wollte einfach nicht mehr so richtig treffen. Fast ein halbes Jahr wollte ihm am Bökelberg kein Treffer mehr gelingen. Der Fan, der die Schuhe ersteigert hatte, hatte eine Idee. Van Lent bekam ein Paket mit den alten Schuhen und dem Wunsch diese zu tragen. Der Stürmer tat wie geheißen und erzielte prompt einen Hattrick beim 4:0-Erfolg der Borussia.

31. Januar 2004: Wie es geht testete Lukas Podolski schon wenige Wochen zuvor in der A-Jugend. Dort traf der Stürmer gegen Gladbach. Nun spielte der 18-Jährige sein erstes Derby bei den Profis und war erneut erfolgreich. Der FC gewann 1:0.

19. Juli 2015: Sieben lange Jahre musste die Kölner Anhänger auf einen Derbysieg warten. Nun aber wurde die Begegnung zum Schicksalsspiel aus Gladbacher Sicht. Denn Anthony Modeste erzielte den einzigen Treffer und brachte den Fohlen so die fünfte Niederlage in Folge bei. Für Lucien Favre zu viel. Der Trainer trat nach dem Derby zurück.

Das Tor des Jahres

19. November 2016: In Gladbach hatten die Kölner acht Jahre nicht mehr gewonnen. Das sollte sich eine Woche nach dem Karnevalsbeginn ändern. Anthony Modeste gliche die Führung von Lars Stindl aus. Dann kam in der Nachspielzeit der große Auftritt von Marcel Risse. Der Schienenspieler platzierte in der Nachspielzeit einen Freistoß aus 25 Metern im gegnerischen Tor und avancierte zum Derbyhelden. Der Treffer wurde später zum Tor des Monats und anschließend zum Tor des Jahres gewählt.

11. März 2020: Eigentlich hätte die Begegnung bereits im Februar stattfinden sollen und wäre dann nicht zu einem bitteren Meilenstein geworden. Aufgrund einer Orkanwarnung wurde die Begegnung in den März verlegt. Doch auch dort fand sie nicht unter „regulären Bedingungen“ statt. Denn mittlerweile hatte das Corona-Virus viele Teile des öffentlichen Lebens lahm gelegt. Das Derby avancierte damit zum ersten Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte. Der FC unterlag den Fohlen 1:2.