Déjà-vu beim 1. FC Köln – wieder Elfmeter-Frust mit Daniel Siebert: „Dass man das nicht sieht, dafür habe ich kein Verständnis“

Handspiel oder nicht? Eigentlich gab es keine zwei Meinungen
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Déjà-vu beim 1. FC Köln – wieder Elfmeter-Frust mit Daniel Siebert: „Dass man das nicht sieht, dafür habe ich kein Verständnis“

Der FC hat die große Überraschung gegen Borussia Dortmund verpasst und bleibt auch im siebten Topspiel ohne Sieg. Auch, weil ein klarer Elfmeter nicht gegeben wurde für den 1. FC Köln: Wut über nicht gegebenen Elfmeter.

Klare Worte nach dem 1:2 gegen Borussia Dortmund bei den Geißböcken. Schiedsrichter Daniel Siebert verwehrte dem FC einen klaren Elfmeter.

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So wirklich war nicht mehr damit zu rechnen, der FC ist nach einem 0:2-Rückstand und in 45-minütiger Unterzahl nur hauchdünn an einer Überraschung vorbeigeschrammt. Hauchdünn auch, weil dem FC in letzter Minute ein möglicher Elfmeter verwehrt geblieben ist. Lukas Kwasniok war kaum noch zu bändigen an der Seitenlinie und stürmte unmittelbar nach dem Schlusspfiff in die Kabine – möglicherweise auch, um sich selbst zu bremsen. Denn das Handspiel war eigentlich ziemlich eindeutig. Nach einer Flanke aus dem Halbfeld sprang Yan Couto der Ball an den ausgestreckten Arm.

„Verstehe nicht, dass man den Schiedsrichter nicht rausschickt“

Schiedsrichter Daniel Siebert gab keinen Strafstoß, auch nicht nach Rücksprache mit dem VAR. „Ich kann es halt nicht nachvollziehen, wo man dann die Messlatte legt“, sagte Kapitän Marvin Schwäbe nach dem Spiel. „Vor ein paar Wochen war es ein paar Millimeter Abseits, das wird dann zurückgenommen. Bei einem Handspiel im Sechzehner, wo man immer drüber gucken sollte, da verstehe ich nicht, dass man den Schiedsrichter nicht rausgeschickt.“ Siebert schaute sich die Bilder selbst nicht an. Nur wenige Minuten später gab es eine weitere brenzlige Szene. Auch Cenk Özkacar wurde im Strafraum am Schuss gehindert, doch stand zuvor knapp im Abseits. Dieses Mal war es richtig, den Strafstoß nicht zu geben.

Über den ersten gab es eigentlich keine zwei Meinungen. „Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe es nicht. Ich weiß nicht, was Benjamin Cortus in diesem Moment im Keller gemacht hat“, sagte Thomas Kessler. „Der Ball ist lange unterwegs, er geht am Kopf vorbei, er berührt ihn mit der Hand und deswegen ist Linton Maina im Rücken, wo er sich verschätzt, nicht in der Lage, den Ball anzunehmen. Dann ist es eine hundertprozentige Torchance, wenn er den Ball am Fuß hat und frei vorm Tor steht“, so der Geschäftsführer der Geißböcke weiter. „Dass da keiner von Außen eingreift… Ich will da auch ehrlicherweise keine Erklärung hören. Das ist eine klare Vereitlung einer Torchance. Dass man das nicht sieht, dafür habe ich absolut kein Verständnis.“

„Ich habe da keine Erklärung für“

Auch für FC-Coach Lukas Kwasniok war die Szene eindeutig. „Ich brauche mir die Situation nicht öfter anschauen, ich muss ja nur einmal hinschauen. Da gibt es für mich nicht so viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie man die Szene bewerten kann“, sagte der Trainer. „Ich habe da keine Erklärung für. Ich möchte, ich weiß gar nicht wer verantwortlich ist, dem DFB oder der DFL den Gefallen nicht tun, und losledern. Denn dann müsste ich dafür bezahlen. Das macht kein Sinn. Den Elfmeter bekommen wir nicht mehr gepfiffen.“

Insgesamt bleibt aber ein fader Beigeschmack, denn Siebert verwehrte den Kölnern nicht das erste Mal einen Elfmeter. 2023 hätten die Kölner gegen die TSG Hoffenheim gerne einen Elfmeter bekommen. Hoffenheims Wout Weghorst war in einen Schussversuch von Florian Kainz gesprungen und hatte den Ball an den Stützarm bekommen. Einen Elfmeter gab es nicht. „Er hat die Hand hinterm Rücken und geht nicht mit Absicht dahin“, sagte der damalige FC-Trainer Steffen Baumgart. „Es war trotzdem eine hervorragende Torwartparade, mit der er es sicherlich in die Elf des Tages gekommen wäre.“ Auch Marius Bülter spielte damals den Ball mit der Hand in der Box. Siebert entschied auf Offensiv-Foul von Davie Selke. Gegen Werder Bremen verwehrte der Unparteiische 2024 einen Elfmeter, als Keeper Michael Zetterer Luca Kilian mit einem Sprung in den Rücken niederstreckte.


Die Diskussionen um den Elfmeter beim 1. FC Köln zeigen die Schwierigkeiten des VAR

Matthias Jöllenbeck schaut sich das Foul von Marvin Schwäbe ab
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Die Diskussionen um den Elfmeter beim 1. FC Köln zeigen die Schwierigkeiten des VAR

Die sportlichen Geschehnisse bei der 1:2-Niederlage der Kölner gegen den VfB Stuttgart gerieten ein wenig in den Hintergrund, ein Elfmeter in den Vordergrund und der führte zu zahlreichen Diskussionen beim 1. FC Köln: Der Elfmeter zeigt die Schwierigkeiten des VAR.

Unterm Strich war die Niederlage wohl verdient, allerdings wäre das Spiel gegen den VfB Stuttgart bei einer anderen Entscheidung vielleicht anders verlaufen für den 1. FC Köln: Der Elfmeter zeigt die Schwierigkeiten des VAR.

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Thomas Kessler wurde ungewohnt deutlich. Der Sportdirektor blieb nach dem Spiel in der Mixed Zone äußerlich ruhig, doch innerlich schien der Sportdirektor heißer zu brodeln als die Kölner Gerüchteküche zu Beginn der Transferphase. Ungewohnt deutlich kritisierte der Sportdirektor die Situation auf dem Feld, nicht so sehr die Entscheidung von Matthias Jöllenbeck einen Elfmeter gegen Köln zu vergeben, vielmehr den Eingriff des Video-Assistenten. Die Elfmeter-Entscheidung im Spiel der Geißböcke gegen den VfB Stuttgart hatte nicht nur Kessler zum Kochen gebracht, das Stadion war aufgeladen, die Geräuschkulisse, als Ermedin Demirovic zum Elfmeter anlief, ohrenbetäubend. Auch am Tag nach der bitteren, wenn auch verdienten, 1:2-Niederlage kochten die Stimmen in den Sozialen Medien hoch.

„Dann ist das kein Foul“

Die Meinungen gehen dabei weit auseinander. Und das ist auch kein Wunder: die Situation ist schließlich sehr vielschichtig. Dabei ist wohl die unstrittigste Komponente der Tritt von Marvin Schwäbe an den gegnerischen Stürmer. Den gab der Torhüter schließlich auch selbst zu. „Ich treffe ihn und wenn man die Bilder sieht, glaube ich, muss man ihn dann auch einfach geben“, sagte der Kölner Kapitän. Doch genau da gehen die Meinungen auseinander. Hätte Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck den Elfmeter wirklich geben müssen? Für diese Entscheidung ist es grundsätzlich unerheblich, ob Demirovic weiterläuft oder sich theatralisch fällen lässt. Wäre er gefallen, wäre der Pfiff wohl sofort gekommen und niemand hätte sich beschweren können. Dass der Stürmer nicht hingefallen ist, schließt den Strafstoß natürlich nicht kategorisch aus. „Wenn Ermedin fällt, gibt es die Diskussion nicht. Die Frage ist: Soll er dafür bestraft werden, dass er weiterläuft?“, wollte deswegen auch Sebastian Hoeneß wissen.

Das sicherlich nicht. Doch ist dann mindestens die Frage erlaubt, wie schlimm der Tritt des Kölner Keepers denn wirklich war. Immerhin nicht so schlimm, dass sich Demirovic über den ausbleibenden Pfiff des Schiedsrichters vehement aufregte – ähnlich wie die Mitspieler. „Wenn man ohne irgendwelche Einwirkungen weiterlaufen und weiterspielen kann, dann ist das kein Foul“, sagt der ehemalige Schiedsrichter Manuel Gräfe in seinem Video-Format „Gräfes Varheit“. Ähnliche Aktionen gibt es zahlreiche in jedem Spiel, die ebenfalls nicht abgepfiffen werden. „So ein Zweikampf wird im Mittelfeld nie im Leben abgepfiffen“, erklärte DAZN-Reporter Marco Hagemann. „Oder habe ich eine Regel nicht im Kopf, dir mir das schlüssig erklärt? Krasse Fehlentscheidung.“ 

Hätte der VAR eingreifen dürfen?

Die Geister scheiden sich auch darüber, ob die Fehlentscheidung wirklich so „krass“ war. Auch viele FC-Anhänger erklären in den Sozialen Medien, dass sie nach Ansicht der Bilder den Elfmeter eigentlich nachvollziehen könnten. Eigentlich, weil dann noch eine weitere Komponente dazukommt. Und die besagt, dass der Video-Assistent laut DFB nur eingreifen soll, wenn eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung vorliegt. Und schon die unterschiedlichen Meinungen sprechen dafür, dass die Entscheidung alles andere als eindeutig, also klar ist. Das gilt nun mal auch für Matthias Jöllenbeck, der sich die Szene erstaunlich lange anschaute, sich offenbar also selbst nicht sicher war. Und spätestens dann sollte die Frage erlaubt sein, ob der Video-Assistent überhaupt hätte eingreifen dürfen.

Einmal mehr zeigt sich also, dass der Einsatz des VAR nach wie vor zu wilden Diskussionen führt. Der Grund ist recht simpel: So lange die Worte Ermessens- und Interpretationsspielraum eine so wichtige Rolle spielen, werden die Entscheidungen des Video-Assistenten Spielraum für Frust, Wut und Enttäuschung im Schlepptau haben. Die Fragen, ab wann ein Foul ein Foul oder ein Handspiel ein Handspiel sind, werden mit den Regeln nicht eindeutig beantwortet. Dementsprechend ist die Einordnung dann auch Auslegungssache des Schiedsrichters und anscheinend auch des Video-Assistenten. Eine eindeutige Linie wie die der Kalibrierung beim Abseits wird es nach den aktuellen Statuten bei Foul- und Handspiel einfach nicht geben.

Was sind also die Alternativen?

Der Blick in andere Sportarten bietet zwar Möglichkeiten. Aber ob die am Ende so gewollt werden, ist eine andere Frage. So wäre eine Handregel analog zur Hockey-Fußregel eine eindeutige. Dann würde jedes Handspiel strafbar sein – egal, ob angeschossen, Stützarm oder zum Schutz aus kurzer Distanz. Nur würde diese Regel die Spieldynamik erheblich stören. Eine Äquivalent bei Körperkontakt wäre zudem für eine Kontaktsportart undenkbar. Interessanter könnte der Einsatz einer Challenge der Teams sein. Jede Mannschaft hätte die Chance, den VAR zu Rate zu ziehen – so wie schon üblich beim Hockey oder beim Football. Für die Saison 23/24 hat der DFB angegeben, dass der VAR 126 Mal eingegriffen, es anschließend 123 korrekte Entscheidungen gegeben habe. Der Elfmeter von Köln ist noch nicht bewertet. Am Ende des Tages bleiben aber zu viele Fragen, für etwas, das eigentlich Klarheit bringen soll.