So lange es einen Spielraum gibt, wird es auch keine klare Fehlentscheidungen geben – Kommentar zum VAR

Wieder Diskussionen über den Videoassistenten
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So lange es einen Spielraum gibt, wird es auch keine klare Fehlentscheidungen geben – Kommentar zum VAR

Nach der 1:3-Niederlage der Geißböcke gegen Gladbach wird hauptsächlich über den VAR diskutiert. Und damit stellt sich wieder einmal die Frage, ab wann eine klare Fehlentscheidung vorliegt. Zumindest bei Regeln mit Handlungsspielraum wird das nie der Fall sein. Kommentar zum VAR im Rheinischen Derby.

Und wieder wird nach dem Rheinischen Derby über den Video-Assistenten diskutiert. Das wird auch so bleiben. Denn das Regelwerk lässt eindeutige Fehlentscheidungen nur in manchen Fällen zu. Es muss über eine Veränderung nachgedacht werden. Kommentar zum VAR im Rheinischen Derby.

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Nach der bitteren 1:3-Niederlage im Rheinischen Derby eröffnete Lukas Kwasniok die Pressekonferenz mit den Worten, dass es das Wichtigste sei „Siege mit Stolz zu feiern und Niederlagen mit Anstand zu akzeptieren“. Es wirkte ein wenig so, als wolle der Trainer gar nicht mehr über das leidige Thema VAR reden, als wäre er müde, darüber zu sprechen. Doch die Aussage enthielt vielleicht dann doch schon eine kleine Tendenz, die der Kölner Coach später doch deutlich aussprach. „Ich hasse den VAR“, sagte Kwasniok und wird damit einigen Fans, an diesem Abend wohl vorwiegend FC-Anhängern, aus der Seele gesprochen haben. Natürlich haben auch die Kölner in der Vergangenheit schon vom Video-Assistenten profitiert, vermutlich gleichen sich die Entscheidungen nach Ansicht der Videobilder im Laufe einer Saison aus. Und doch ist der Frust nach dem 1:3 mehr als verständlich.

Schwammige Regelauslegung

Der FC kassierte zwei Elfmeter, beide vom gleichen Unglücksraben verursacht und beide hatten ein Tor zur Folge – wenn auch das erste über Umwege. Unterm Strich lagen die Kölner aufgrund der Strafstöße 0:2 im Borussia-Park zurück und der Weg zu einem erfolgreichen Rheinischen Derby war für den FC viel zu weit. Dass nach der Pleite also wieder einmal über den VAR diskutiert wird, ist ärgerlich, frustrierend, aber auch Erkenntnis bringend. Als das Mittel in der Saison 2017/2018 eingeführt wurde, war der Begriff „Videobeweis“ noch in vieler Munde. Eine irreführende Wortwahl. Denn ein Beweis kann nur erbracht werden, wenn die Regelauslegung so klar definiert ist, dass man einen Fehler nachweisen kann. Insofern ist der Begriff Video-Assistent wohl deutlich passender.

Der Assistent soll eben eingreifend assistieren, wenn eine „klare und offensichtliche Fehlentscheidung“ vorliegt, so das Regelwerk. Und genau in diesem Regelwerk steht aber schon ein Nebensatz, der die ganze Thematik so schwierig und ärgerlich macht. Voraussetzung für ein Eingreifen sei es, wenn nach „Einschätzung“ des Assistenten jene Fehlentscheidung vorliege. Die genaue Definition dieses Begriffes wird mit „Interpretation eines Sachverhaltes“ angegeben. Also Begriffe, die einen Handlungsspielraum beinhalten. Und genau in diesem Moment muss die Frage erlaubt sein, ob in gewissen Fällen denn jemals eine klare Fehlentscheidung vorliegen kann. Ab wann ist ein Foul ein rotwürdiges Foul? Welche in diesen Fällen oft herangezogene „Dynamik“ entscheidet denn über die Farbe der Karte?

Situationen bleiben strittig

Ab wann ist die Handbewegung natürlich, ab wann nicht? Während die Kölner Vertreter am Samstagabend Kristoffer Lund eine natürliche Handbewegung bescheinigten, sprach Deniz Aytekin davon, dass es ein klares Handspiel gewesen sei und erklärte, Lund hätte die Bewegung auch weglassen können. Sicher hätte er das. Genauso sicher wollte der Außenbahnspieler den Ball aber auch nicht mit der Hand berühren. Aytekin beharrte auch bei Lunds vermeintlichen Foulspiel einen schweren Knietreffer ausgemacht zu haben. Die Bewegung im Oberkörper sei nicht ausschlaggebend gewesen. Dabei hätte Lund – von Joe Scally mindestens beschleunigt – seine Knochen gar nicht anders sortieren können. Beide Fälle waren also durchaus strittig. Wie auch Aytekin zugab, der erklärte, bei einer anderen Auslegung hätte es genauso Diskussionen gegeben.

Und diese Diskussionen wird es auch weiter geben, wenn der VAR weiterhin in Gesetzmäßigkeiten mit Handlungsspielraum, in schwammige Regeln eingreift. Würde ein Handspiel beispielsweise immer zu einem Schiedsrichterpfiff führen, egal, ob absichtlich, unbewusst oder unnatürlich, dann wäre der Einsatz des VAR unmissverständlich. Nur würde das Spiel eine andere Dynamik bekommen. Eine, die der Fan zu recht nicht akzeptieren würde. Noch drastischer würde eine präzise Regel beim Foulspiel sein. Da müsste bereits der Kontakt geahndet werden, um in eine klar definierte Regelauslegung einzugreifen. Undenkbar! Insofern kann die eigentliche Folge nur sein, dass es den Einsatz des VAR bei diesen Entscheidungen nicht mehr geben darf. Fairer wird das Spiel (in diesen strittigen Aktionen) dadurch wohl nicht.

Videobeweis muss Fehlentscheidungen belegen

Anders verhält es sich wiederum bei klar definierten Regeln. Etwa beim Abseits, ob der Ball im Aus gewesen ist, die Position des Foulspiels. Dinge, die schon jetzt technisch zu belegen sind. Diese Auslegungen und Regeln dürften dann aber auch nicht in Frage gestellt werden. Wenn die kalibrierte Abseitslinie ein Vergehen um Millimeter nachweist, dann ist es geradezu absurd, dass ein Verantwortlicher den Videoassistenten vorwirft, „Lack gesoffen“ zu haben. Auch ein um Millimeter begangener Regelverstoß ist ein Regelverstoß – egal von welchem Team. Immerhin ein eindrucksvoller Beleg, dass die Emotionen nicht mit der Geburt des VAR gestorben sind. Vielleicht sollte man sich also Gedanken darüber machen, ob der Begriff Videobeweis doch gar kein schlechter ist. Dann nämlich, wenn eine Fehlentscheidung klar belegt ist. Und nur dann sollte der VAR auch eingreifen.


VAR-Dilemma für den 1. FC Köln: Das sagen Schiedsrichter Aytekin, Kessler und Trainer

Denis Aytekin im Einsatz
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VAR-Dilemma für den 1. FC Köln: Das sagen Schiedsrichter Aytekin, Kessler und Trainer

Gleich mehrere strittige Szenen erhitzten im Rheinischen Derby die Gemüter. Gleich zwei Mal erhielt Gladbach einen Elfmeter nach Eingriff des Schiedsrichter-Assistenten und die waren wohl Spiel entscheidend. VAR-Frust beim 1. FC Köln: Das sagt Deniz Aytekin.

Nach der 1:3-Niederlage im Rheinischen Derby gab es VAR-Frust beim 1. FC Köln: Das sagt Deniz Aytekin zu seinen Entscheidungen. Und auch Lukas Kwasniok und Thomas Kessler sprachen über die Szene.

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Niedergeschlagen gingen die Kölner Spieler zu den rund 6000 mitgereisten Fans. Die Enttäuschung war den Akteuren nach dem 1:3 gegen Gladbach natürlich anzusehen – möglicherweise auch, weil das Ergebnis nicht so richtig den Spielverlauf widerspiegelte. Immerhin gaben die Kölner den Ton an, hatten eigentlich auch die bessere Chancen. Doch unter anderem war auch das Glück auf Seiten des Gegners. Gleich mehrfach gab es strittige Entscheidungen, in denen der Video-Assistent eingriff und Schiedsrichter Deniz Aytekin schließlich dann doch anders entschied. Das Resultat: Kristoffer Lund agierte in zwei Situationen besonders unglücklich, Gladbach erhielt zwei Strafstöße nach Ansicht der Videobilder und kam so auf die Erfolgsspur. Auch, wenn der erste Elfmeter verschossen wurde und erst die anschließende Ecke zur Gladbacher Führung diente.

„Im modernen Fußball ist das halt ein Elfmeter“

Und so sorgte die erste strittige Situation bereits für viel Ärger bei den Kölnern. Lund war von Joe Scally leicht geschubst worden. Der Kölner Außenspieler knallte in Franck Honorat. Aytekin ließ zunächst weiterspielen, wurde dann rausgebeten und entschied sich um. „Im Oberkörperbereich ist das für mich niemals ein Elfmeter. Niemals. Aber als ich draußen stand, hat man mir Bilder gezeigt, wo der Kölner Spieler ihn eindeutig mit dem Knie auch am Knie trifft“, so der Unparteiische bei „Sky“. Tatsächlich knallten die Knie aufeinander. Allerdings hatte Lund auch nur wenige bis gar keine Möglichkeiten seine Beine anders zu sortieren. „Im modernen Fußball ist das halt ein Elfmeter“, sagte Aytekin dennoch. Auf den Hinweis von Sky-Reporter Sebastian Hellmann, dass Lund geschubst worden sei, ging der Schiedsrichter nicht ein.

Dafür aber der gegnerische Trainer Eugen Polanski. „Ich bin kein Freund des VAR. Ohne den wird der vielleicht nicht gepfiffen und dann wohl auch zu recht nicht gepfiffen. Mit VAR musst du ihn wahrscheinlich geben“, sagte der Gladbacher Coach, der aber auch eine spätere Szene monierte, die zum Elfmeter für Köln führte. Zunächst aber bekam Borussia noch einen zweiten Strafstoß. Wieder war Lund mit in der Verlosung. Dieses Mal mit einem Handspiel. Wieder entschied Aytekin erst nach Ansicht der Videobilder auf Strafstoß. Allerdings konnte der Unparteiische das Handspiel tatsächlich auch nicht sehen. Am TV war der Kontakt mit der Hand eindeutig. Aber war es wirklich ein absichtliches Handspiel? „Wenn ich das so sehe, ärgere ich mich noch mehr darüber“, sagte Marvin Schwäbe, nachdem man ihm die Bilder zeigte. „Es ist vom Prinzip her irgendwie die Bewegung in Richtung wo der Ball liegt, wo er ist. Soll man sich die Arme abhacken?“

„Er kann die Bewegung vielleicht weglassen“

„Man sieht [in den Videobildern, Anm. d. Red.], dass der Spieler am Anfang keine Orientierung hat. Dann kommt diese Bewegung Richtung Ball. Und das sieht dann sehr unglücklich aus. Am Ende ist es für mich einfach zu klar gewesen“, sagte Aytekin. „Er kann die Bewegung vielleicht weglassen.“ Der Schiedsrichter betonte, dass für ihn das Handspiel eindeutig gewesen sei. Ganz so eindeutig schien die Aktion dann wohl doch nicht. „Wenn man sich die Lund-Szene mit dem Handelfmeter ansieht, dann muss man konstatieren, dass das eine ganz normale Bewegung ist. Der Spieler will den Ball einfach nach vorne rausführen, hat nach einem Einwurf im Getümmel keine Kontrolle über irgendetwas“, sagte Lukas Kwasniok. „Dann ist das wahrscheinlich nach den Maßstäben und der Superslomo am TV ein Elfmeter.“

„Man findet immer eine Argumentation“

Und genau da liegt wieder einmal ein Problem. In beiden Fällen war der Strafstoß vertretbar, aber eben kein Muss. „Bei den Elfmetern findet man immer eine Argumentation, warum man das pfeifen kann oder warum man das nicht pfeifen kann. Ich finde, man sollte die Diskussion führen, wann geht man tatsächlich rein und weist den Schiedsrichter darauf hin“, sagte Kölns Sportdirektor Thomas Kessler. „Wenn wir einen der besten Schiedsrichter Deutschlands auf dem Platz haben und der relativ gut steht bei beiden Situationen und der bewertet das aus dem Spiel so, dass das beides keine Elfmeter sind, dann sollte man vielleicht die Diskussion führen, wann es dann tatsächlich eine klare Fehlentscheidung ist“, so der Ex-Keeper weiter. „Wenn man sich beide Szenen anschaut, dann wird der Kölner heute auf der Couch sitzen und bei beiden sehen, dass es kein Elfmeter ist. Der Gladbacher wird sehen, dass es zwei klare Elfmeter sind. Das zeigt ja, dass es oft Kleinigkeiten sind, die entscheiden, ob man etwas pfeift oder nicht.“

Indirekt war Aytekin wohl ähnlicher Meinung. Denn der Schiedsrichter erklärte zum Handelfmeter: „Wenn wir ihn nicht geben, diskutieren wir umgekehrt“, sagte Aytekin. Demnach war der Strafstoß dann zumindest nicht ganz so unstrittig. Auch der FC bekam einen Elfmeter. Ragnar Ache war leicht geschubst worden. Luca Waldschmidt verwandelte sicher. Dieses Mal entschied Aytekin selbst und lag wohl wieder daneben. Zumindest sagte der Ref nach dem Spiel, dass es ein „harter Elfmeter“ gewesen sei und überraschte dann mit der Aussage, dass er ihn „bei einem 0:0 wohl nicht gegeben“ hätte. Kwasniok wurde unterdessen in Bezug auf den VAR auf der abschließenden Pressekonferenz recht deutlich: „Ich mag ihn nicht nur nicht, ich hasse ihn. Er verfälscht alles.“