Thomas Kessler beim Spiel des 1. FC Köln
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Wenige Stammspieler, einige Fragezeichen: Wie gut war Kesslers Transfersommer bis jetzt?

Thomas Kessler hat im Sommer einen weiteren Umbruch im Kader vollzogen. Neun Spieler hat der FC neu verpflichtet. Nicht jeder schlägt bislang ein, andere überraschen. Doch wurden wirklich alle Kader-Baustellen zur Zufriedenheit geschlossen?

Als René Wagner in der Sommerpause gefragt wurde, wie viele Neuverpflichtungen er sich denn wünschen würde, gab der Trainer die Zahl „zehn“ aus. Allerdings mit einem Lächeln im Gesicht und aufgrund der bis dahin zehn getätigten Transfers auf der Abgangs-Seite. Nun ist die Spielzeit angelaufen und es lohnt sich ein ersten Blick auf die Neuverpflichtungen.

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Dabei ist Thomas Kessler im Sommer nicht eine stringente Strategie gefahren. Das war angesichts der Marktlage aber auch nicht möglich. Zu viele Fragezeichen taten sich während und auch im Nachgang der WM auf. Alleine die Wendungen in der Causa Said El Mala waren fast ein eigenes Buch wert. Wie in jedem Sommer wurden Namen gehandelt, manche waren oder wurden heißer, manche blieben kalt. Am Ende hat Kessler alle Kader-Baustellen geschlossen und gleichzeitig auch Spieler mit Perspektive verpflichtet. Aber halten alle Transfers den Erwartungen stand? Und wo liegen überhaupt jene Erwartungen?

Erst Skepsis, dann Stammspieler

Nachdem die Kölner Verantwortlichen recht früh nach der vergangenen Saison Nägel mit Köpfen mit den bisherigen Innenverteidigern gemacht hatten und die Verträge von Dominique Heintz und Cenk Özkacar nicht verlängerten wurden, war klar, dass es mindestens einen neuen Innenverteidiger geben würde. Der wurde in Luka Lochoshvili gefunden. Der Georgier kam bekanntlich aus Nürnberg, sollte die Lücke schließen und ein Kernproblem aus dem Vorjahr angehen: die Standardsituationen. Der Innenverteidiger ist in der Box kopfballstark, hat beim Club bewiesen, dass er weiß, wo das Tor steht und wie er es auf der anderen Seite verteidigt. Rund fünf Millionen Euro haben sich die Geißböcke die Dienste des Spielers kosten lassen. Doch so wirklich Spuren hat „Locho“ noch nicht hinterlassen, obwohl er sich einen Stammplatz erkämpft hat. Gegentore haben die Kölner bereits fünf nach einem ruhenden Ball kassiert, erzielt hat der Georgier noch keins.

Anders ist die Entwicklung bei Ellyes Skhiri und Gideon Mensah. Die Verpflichtung oder die ersten Eindrücke der beiden WM-Teilnehmer waren von Skepsis begleitet. Skhiri hatte beim Turnier in den USA, in Mexiko und in Kanada nicht wie erhofft performt und auch die vergangene Saison bei Frankfurt ließ die Kölner Fans an der Neuverpflichtung zweifeln. Mensah wiederum zeigte in den ersten Tests und gegen Würzburg noch einige Wackler. Allerdings haben beide Akteure mittlerweile bewiesen, wie wichtig sie für die Mannschaft sind. Im aktuellen Kader entpuppen sich beide Routiniers zumindest zurzeit als echte Verstärkung. Doch die Saison ist noch jung. Bemerkenswert: Für die beiden Neuverpflichtungen gaben die Kölner gerade einmal eine Millionen Euro aus, Mensah war sogar ablösefrei. Dabei galten beide Positionen nach den Abgängen von Eric Martel und Kristoffer Lund als dringende Baustellen. Stand jetzt hat sich der FC mindestens auf der linken Verteidigerposition verbessert. Doch auch beim Tunesier läuft viel auf eine Bereicherung hinaus.

Direkt in die Startelf

Mikey Moore wurde bekanntlich erst kurz vor Toresschluss unter Vertrag genommen. Doch der Engländer hat sich längst als starker Transfer herausgestellt. Der 19-Jährige belebt das Offensivspieler, liefert die vor der Saison gewünschten Ideen und erarbeitet sich Torgefahr. Zwar wollte es bislang mit einem Tor noch nicht klappen, aber das scheint nur eine Frage der Zeit. Angesichts seines Spielstils und seines Profils würde ein Vergleich mit dem Intensiv-Spieler Jakub Kaminski hinken. Zumindest das belebende Element in der Offensive erfüllt der Youngster in Teilen. Moore hat sicherlich mindestens angedeutet, warum Thomas Kessler ihn auch ohne Kaufoption geliehen hat. Nun muss er auch beweisen, dass er ein Gewinn ist. So paradox es klingt, je mehr die Kölner sich im kommenden Sommer über einen Abschied grämen, umso besser für diese Saison.

Vier Neuverpflichtungen, vier Stammspieler klingt wie eine starke Bilanz. Doch es gibt auch Spieler, deren Leistungen bislang eher als durchwachsen, sogar als schwach einzuordnen sind. Thijs Dallinga legte gegen Hoffenheim mit einem Doppelpack stark los und wurde bereits als der kommende Stammstürmer gefeiert. Doch auch der Angreifer erlebt dieser Tage viel Licht und Schatten. Gegen Bremen verschoss der Niederländer einen Elfmeter, gegen den Hamburger SV ließ er freistehend eine nahezu perfekte Chance liegen, als er den Ball mit dem Kopf zu zentral auf HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes. Dennoch hat René Wagner durch die Verpflichtung in der Sturmspitze eine weitere Option zur Verfügung. Eine, die grundsätzlich weiß, wo das Tor steht. Das erhöht den Druck auf Ragnar Ache, der in der Vorsaison nahezu konkurrenzlos als Zielstürmer war.

Erst einmal hinten dran

Mehr erhofft haben dürfte sich Paul Okon-Engstler. Die ersten Eindrücke im Trainingslager waren stark. Der Australier glänzte als Passgeber, als Spieler, der die Kugel auch immer wieder forderte, der Fußball spielen (!) will. Doch in den Pflichtspielen waren die Leistungen bislang überschaubar. Okon-Engstler stand zunächst in der Anfangsformation, verlor den Platz aber durch die Verpflichtung von Ellyes Skhiri – wenn auch mit Verspätung, die wiederum mit der Form des Turniers zu erklären war. Jetzt wird es der junge Mittelfeldspieler erst einmal schwer haben, den Weg in die Startelf wieder zu finden. Das gleiche gilt für Borna Sosa, der als letztes unter Vertrag genommen wurde. Der Linksverteidiger hat aktuell das Nachsehen gegen Gideon Mensah, der seine Aufgabe gut löst. Allerdings dürfte der Kroate bei einer Dreierkette mit seinem Offensivdrang vielleicht besser aufgehoben sein. Gut möglich, dass es also für den Leihspieler bald die Chance geben wird.

Und dann hat Kessler noch drei Spieler verpflichtet, die in ihre Rollen noch reinwachsen sollen. Reigan Heskey gilt als besonders vielversprechendes Talent, spielt aktuell bei der U19 der Three Lions. Möglicherweise hat man sich beim FC schon einen Schritt mehr erwartet. Der Linksaußen hat bereits gute erste Eindrücke hinterlassen, doch betonen die Kölner Verantwortlichen immer wieder, dass es noch ein Weg sei für ihn. Das zeigte sich auch zuletzt, als Heskey nicht für den Kader berufen wurde. Immerhin ist der gebürtige Liverpooler in der Regel ein Teil des Kaders. Ganz anders als Gil Neves und Martin James. Der junge portugiesische Mittelfeldspieler sowie der französische Keeper sollen erst einmal ihren Weg in der U21 machen.

Mit den festen Verpflichtungen der bisherigen Leihspieler hat der FC rund 25 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Stand jetzt sind die großen Kaderbaustellen geschlossen – doch die Saison ist noch früh. Und nach dem 4. Spieltag der vergangenen Saison hatte man ein ähnliches Gefühl.

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