Isak Johannesson im Interview mit come-on-fc.com
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Isak Johannesson im Interview: „Deswegen bin ich den Hatern dankbar“

Der Isländer fühlt sich wohl in Köln – und das nicht nur fußballerisch. Mit come-on-fc.com spricht der 22-Jährige über den Wechsel, sein Vorbild und seine Rolle beim 1. FC Köln: Isak Johannesson im Interview.

Nach einem starken Saisonstart lief es zuletzt weniger rund für den 22-jährigen Sommerzugang. Doch der Isländer fühlt sich wohl in Köln und blickt positiv in die Zukunft. Mit come-on-fc spricht der isländische Nationalspieler über seine bisherige Zeit bei den Geißböcken, seine Position im Team und seine Entscheidung für den 1. FC Köln: Isak Johannesson im Interview.

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Das Gespräch führte come-on-fc.com
Herr Johannesson, wenn wir es hier im Training am Samstag richtig mitbekommen haben, mussten Sie bei einer Trainingsform laut auf Deutsch zählen. Wie weit ist es mit Ihrem Deutsch?

Isak Johannesson: Ich verstehe alles und versuche auch möglichst oft und viel Deutsch zu sprechen. In Island habe ich gerade erst einen Deutschen kennengelernt, mit dem ich mich gut unterhalten konnte. Ich habe schon sehr gute Fortschritte gemacht.

Besonders deutsch ist es, Fondue oder Raclette an Silvester zu machen. Zudem gibt es Feuerwerk. Wie feiert man den Jahreswechsel in Island?

Isak Johannesson: Dort gibt es viele Menschen, die sich verkleiden. Tatsächlich schaut man in Island traditionell eine Comedy-Show, in der Späße über die Politik und Politiker des vergangenen Jahres gemacht werden. Das sehen sich bestimmt 95 Prozent aller Isländer an. Die Sendung geht bis 23.30 Uhr und dann machen alle ein großes Feuerwerk. Das ist schon ein wenig verrückt. Wenn man das das erste Mal erlebt, ist es überwältigend.   

„Ich bin im Sommer zu einem Topclub gewechselt“

Ein Feuerwerk war das Jahr 2025 nicht immer. Sie sind mit dem FC stark in die Saison gestartet, der Trend zeigte zuletzt aber nach unten. Mit der Nationalmannschaft gab es den Achtungserfolg gegen Frankreich, die Siege gegen Aserbaidschan und dann das Aus gegen die Ukraine. Von außen betrachtet war es für Sie wohl ein wenig eine Achterbahn der Gefühle…

Isak Johannesson: Für mich persönlich lief das Jahr schon sehr gut. Ich bin im Sommer schließlich zu einem Topclub gewechselt. Wir sind richtig gut gestartet, dann kamen leider auch ein paar schlechtere Ergebnisse dazu. Man darf aber nicht vergessen, dass wir gerade erst aufgestiegen sind und da gehört eine Achterbahnfahrt schon mal dazu. Wir müssen weiter hart arbeiten, ruhig und fokussiert bleiben, dann werden wir auch wieder Spiele gewinnen. Auch in der Nationalmannschaft war es vermutlich mein bestes Jahr. Ich bin dort Stamm- und Schlüsselspieler.

Und dennoch steht da das WM-Aus auf dem Papier. Wie groß war der Traum von den USA, Mexiko und Kanada für Sie persönlich?

Isak Johannesson: Natürlich war das ein großer Traum von mir. Insofern ist es auch hart, dass wir uns nicht qualifiziert haben. Es hat vielleicht zwei, drei Tage gebraucht, um es zu verarbeiten. Rückschläge gehören zum Sport genauso wie zum Leben einfach dazu. Es ist aber nicht der erste Rückschlag meiner Karriere.

Isak Johannesson im Trainingslager in La Nucia
Isak Johannesson im Trainingslager in La Nucia
In Island hofft man wieder auf eine goldene Ära wie 2016 oder 2018 mit großem Turnieren. Jetzt kam das Aus – wie weit ist das aktuelle Team von einer Teilnahme an einem Endturnier entfernt?

Isak Johannesson: In Island vergleicht man die Situation jetzt mit der von 2014. Damals war die Nationalmannschaft auch in den Playoffs gescheitert und es folgten die großen Turniere. Wir sind ein sehr junges Team. Wir haben sehr gute Spieler, die in Frankreich und in Italien spielen – alle im besten Fußballeralter. Ich habe auch zwei, drei richtig gute Freunde im Team, die in starken Ligen spielen und auch erst 22 oder 23 Jahre alt sind. Es ist schon eine sehr positive Entwicklung. Mein Ziel ist aber schon länger die Europameisterschaft in England 2028. Es wäre großartig, wenn wir uns dafür qualifizieren könnten. Und der Weg zur EM ist ja auch ein bisschen leichter als der zur WM.

Sie sind unter Islands Trainer Arnar Gunnlaugsson absoluter Schlüsselspieler – und das mit gerade einmal 22 Jahren. Ist das für Sie eher eine Ehre oder auch ein Haufen Verantwortung?

Isak Johannesson: Arnar Gunnlaugsson ist für uns junge Spieler in erster Linie ein Vorbild. Er ist ein hervorragender Trainer, der mich immer wieder mit seinem taktischen Wissen überrascht. Es ist für mich eine Ehre unter ihm zu spielen. Er hat mich zum Schlüsselspieler gemacht und ich fühle mich sehr wohl mit ihm als Trainer.

„Das ist schon die perfekte Position für mich“

Gerade zu Saisonbeginn warst du auch in Köln unumstrittener Stammspieler. Wie siehst du deine Rolle beim FC?

Isak Johannesson: Ich stand in 15 Spielen auf dem Platz, deswegen bin ich sehr glücklich. Ich übernehme auf der Doppelsechs eine wichtige Aufgabe, kann mich in das Spiel nach vorne einschalten. Das ist schon die perfekte Position für mich.

Trotzdem haben Sie sich bei der Fortuna häufiger in die Scorerliste eingetragen. Gerade weil Ihre Rolle deutlich offensiver war. Wie wohl fühlen Sie sich auf der Sechs?

Isak Johannesson: Auf der Sechs fühle ich mich extrem wohl. Aber es stimmt schon, ich habe in Düsseldorf mehr Tore geschossen. Jetzt habe ich eine etwas andere Aufgabe. Ich bin eher für den Spielaufbau mitverantwortlich, spiele die Pässe zu den Jungs, die die Tore erzielen sollen. Zudem spiele ich diese Saison das erste Mal in der Bundesliga. Natürlich würde ich gerne mehr Tore schießen oder vorbereiten, aber meine Rolle ist jetzt eben anders. Ich bekomme nicht mehr die drei, vier Abschlüsse im Spiel wie noch in Düsseldorf. Bislang sind es sechs oder sieben in der gesamten Saison.

Zuletzt lief es in Köln aber auch nicht rund. Sechs sieglose Spiele in Folge. Woran machen Sie den negativen Trend fest?

Isak Johannesson: Das gehört bei einem Aufsteiger dazu. Es gibt Höhen und Tiefen. Wir wollen jetzt wieder zu dem zurückkehren, was uns am Anfang der Saison stark gemacht hat. Daran arbeiten wir hier im Trainingslager. Das ist ein klarer Matchplan, gegen den man nur schwer bestehen konnte. Da haben wir die Gegner überrannt, waren voller Energie. Zu diesen Basics müssen wir zurückfinden. Denn da haben wir Punkte geholt. Vielleicht fehlte uns zuletzt auch ein wenig Glück.

Lukas Kwasniok hat Sie schon vor Ihrer Verpflichtung als seinen Lieblingsspieler betitelt. Was bedeutet Ihnen das?

Isak Johannesson: Wenn ein Trainer so etwas sagt, fühlt sich das natürlich gut an. Ich glaube, er sieht die Fähigkeiten, die in mir stecken, meine Stärke mit dem linken Fuß und mein Spielverständnis. Ich will möglichst viele Spiele für den Club aber auch für ihn gewinnen.

Isak Johannesson jubelt mit dem 1. FC Köln
Isak Johannesson jubelt mit dem 1. FC Köln

„Es ist also ein perfektes Match“

Die Gespräche über Ihren Wechsel wurden aber an anderer Stelle geführt. Wie hat Sie Thomas Kessler – oder war es noch Christian Keller – überzeugt?

Isak Johannesson: Das war Thomas Kessler. Aber es brauchte gar nicht viel, um mich zu überzeugen. Der Club hat von Beginn an an meine Entwicklung geglaubt. Der FC hat mir einen Vertrag bis 2030 gegeben, weil wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Ich will ein guter Spieler der Bundesliga werden, der Verein will sich wieder fest etablieren. Es ist also ein perfektes Match.

Der Wechsel nach Köln war erwartungsgemäß von einigen Störgeräuschen der Düsseldorfer Fans begleitet. Was machen solche Hasskommentare mit einem so jungen Spieler? Die werden ja nicht spurlos an Ihnen vorüber gegangen sein.  

Isak Johannesson: Die Kommentare haben mich und meine Familie noch stärker gemacht. Ich habe da etwas durchgemacht, dass noch nicht viele 22-Jährige erlebt haben. Wie gesagt, jetzt bin ich noch stärker. Deswegen bin ich den Hatern auch dankbar.

Neben dem Lob des Trainers gab es zuletzt auch ein Lob Ihres Vaters. Er sei unheimlich stolz auf Sie. Wie eng ist die Verbindung, welchen Anteil hat er an Ihrer Karriere?

Isak Johannesson: Er hat den wohl größten Anteil an meiner Karriere. Er hat mir bei meiner Entwicklung extrem geholfen. Ich war noch sehr jung, als ich aus meiner Heimat weg bin. Aber mein Vater war immer für mich da, ich konnte ihn immer um Rat fragen. Er war auch zwei Jahre mein Nationaltrainer. Und vor allem war er mein Vorbild, als ich als kleines Kind Spiele der Premier League gesehen habe.

Wenn Sie schon von Ihrem großen Vorbild sprechen. Ihr Vater hat für 15 Vereine gespielt. Eine beeindruckende Bilanz. Wäre das etwas für Sie?

Isak Johannesson: Ich habe einen Vertrag bis 2030. Und das sagt eigentlich schon alles. Ich bin sehr glücklich, noch für so viele Jahre beim FC zu spielen.

„Die Fans, die Stadien, das Gesamtpaket ist fantastisch“

Aber Sie sind in England groß geworden, Ihr Vater hat dort erfolgreiche Jahre verbracht. Reizt die Premier League gar nicht?

Isak Johannesson: Für jeden jungen Spieler ist es ein Traum, in der Premier League zu spielen. Aber ich würde meine gesamte Karriere gerne in Deutschland verbringen. Es ist wirklich schön – die Fans, die Stadien, das Gesamtpaket ist fantastisch. Meine Freundin und ich fühlen uns wohl, und das ist das Wichtigste. Natürlich weiß man nie, was passiert, im Fußball kann sich alles sehr schnell ändern.

Nicht so schnell ändern soll sich das Dasein als Bundesligist. Was ist für den FC im kommenden halben Jahr möglich?

Isak Johannesson: Wir wollen einen erfolgreichen Start ins neue Jahr hinlegen. Das würde uns schon helfen. Wir sind aktuell Elfter. Es wäre stark, wenn wir am Ende in der oberen Tabellenhälfte landen. Aber unser erstes Ziel ist der Klassenerhalt. Darauf kann man dann aufbauen.


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