Dank der Niederlage des FC St. Pauli und dem Remis des VfL Wolfsburg ist den Kölnern der Bundesliga-Verbleib nur noch in der Theorie zu nehmen. Allerdings war dazu schon die Hilfe der Konkurrenz von Nöten. Es bleiben also einige Fragezeichen und Baustellen. Auf der anderen Seite können nun die Planungen beginnen. Ein Kommentar zum Klassenerhalt des 1. FC Köln.
Am 32. Spieltag ist es also nahezu vollbracht: Der 1. FC Köln hat sein Saisonziel erreicht. Denn es ging vom ersten Spieltag an nur um den Klassenerhalt. Und dennoch sind die ein oder anderen Fragezeichen durchaus angebracht.

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Nein, es ist nicht wirklich bekannt, wie Lukas Kwasniok den Sonntagnachmittag verbracht hat. Es könnte aber sein, dass der ehemalige Kölner Coach mit einem breiten Grinsen auf der Couch gesessen hat. Das hatte sich eigentlich sein Nachfolger für den Sonntag vorgenommen. Allerdings nur, wenn denn die Geißböcke mit einem Sieg bei den Eisernen die Vorzeichen auf Klassenerhalt gestellt hätten. Spätestens mit dem 2:1-Erfolg der Mainzer über St. Pauli und dem Ergebnis der Wolfsburger in Freiburg wird wohl auch der 37-Jährige gelächelt haben. Dem FC ist der Klassenerhalt nur noch in einer ganz ganz unwahrscheinlichen Theorie zu nehmen. Dass der Vorsprung von sechs Punkten und 21 Toren, an den verbleibenden beiden Spieltagen nicht mehr eingeholt werden wird, ist alles andere als ein Hot Take. Kwasniok hat gleich doppelt Grund zur Freude. Denn auch der Ex-Coach wird sich als Vater des erreichten Klassenziels sehen. Vielmehr aber hat der 44-Jährige am Ende des Tages recht behalten.
Fragezeichen bleiben
Kwasniok wurde auch in seinen letzten Reden als Trainer der Geißböcke nicht müde zu betonen, dass die Kölner den Klassenerhalt noch vor dem finalen Saisonspiel bei Bayern München unter Dach und Fach gebracht haben werden. Das ist nun (so gut wie sicher) eingetreten. Und bei aller doch – vielleicht auch – berechtigten Kritik, dafür wurde Kwasniok im Sommer geholt, dafür wurde René Wagner als sein Nachfolger ernannt. Gerade Kwasniok fiel möglicherweise auch den hohen Erwartungen, die ein perfekter Saisonstart, eine starke Vorbereitung und einer Vielzahl von Transfers verursacht haben, zum Opfer. Die Art und Weise, wie die Geißböcke die Klasse sicherten steht symptomatisch für den Saisonverlauf. Dem FC fehlte die Konstanz, mitunter schon mal die nötige Klasse, aber auch immer mal wieder das nötige Fortune – und trotzdem standen die Geißböcke als Aufsteiger in dieser Saison nicht ein Mal auf den Plätzen unter dem Strich.
Es gab allerdings gleich einige Spiele, die aus unterschiedlichen Gründen Fragezeichen hinterließen. Mit einer überragenden Leistung spielten die Kölner den amtierenden Vizemeister phasenweise an die Wand und standen mit leeren Händen da. Eine Woche zuvor war man glücklich über ein 1:1 gegen St. Pauli, das lange nach einer ganz bösen Niederlage aussah, eine Woche später ärgerte man sich über ein 2:2 bei Union Berlin, bei dem man ebenfalls sehr lange wie der sichere Sieger wirkte. Alleine diese drei Spiele hatten aber erstaunlicherweise ein ähnliches Fazit. Trotz der Ergebnisse hat sich die Situation im Klassenkampf Stück für Stück verbessert. Ohne den Blick in die Geschichtsbücher zu wagen: Es ist wahrscheinlich nicht besonders oft vorgekommen, dass sich eine Mannschaft mit ähnlichen Leistungen und einer ähnlichen Punkteausbeute an den Spieltagen 30 bis 32 auf diese Art und Weise frühzeitig gerettet hat.
Arbeit wird konkreter
Und das spricht eben nicht unbedingt für die Leistung der Mannschaft und nicht für die des Trainers. Zur Wahrheit gehört eben auch, dass es in dieser Saison einfach einige Mannschaften gab, die noch schlechter waren. Wie in den vergangenen beiden Spielzeiten wurde aus unterschiedlichen Gründen dann doch schon viel gerechnet, wie es am Ende reichen könnten. Das alles ist mit dem Schlusspfiff in München nicht mehr relevant. Die Klasse ist gehalten. Tatsächlich ist die Frage nach dem „Wie?“ aber keine, die man einfach unter den Tisch fallen lassen sollte. Trainer, Kader, Verträge, Qualität – es gibt schon noch viele Fragezeichen und Baustellen, die trotz des erreichten Saisonziels bleiben.
Darin liegt nun die Aufgabe, aber eben auch etwas Positives. Thomas Kessler kann nun die Planung für die kommende Spielzeit auch eingleisig intensivieren. Gespräche mit potenziellen Neuzugängen dürften nun deutlich leichter fallen, die Verhandlungspositionen bei Wackelkandidaten wie Eric Martel und Said El Mala hat sich an diesem 32. Spieltag verändert, der Kader für kommende Saison bekommt nun sicher erste feste Konturen. Und auch die Trainerposition wird wohl nun noch einmal gründlich beleuchtet werden. Das Saisonziel ist also geschafft – und damit kann die Arbeit auf anderer Ebene intensiviert werden.

Alles gut und schön. Aber bitte holt einen neuen, erfahrenen Trainer.
Wagner kann es nicht
Es gab vor vielen Jahren eine ähnliche Situation. Sir Georg Kessler wurde entlassen und der als Chefcoach unerfahrene Chritoph Daum übernahm den Job. Was daraus entstanden ist, ist bekannt. Man sollte jetzt in Ruhe alles überdenken und René Wagner die Chance geben sich und die Mannschaft zu entwickeln. Ihn jetzt ausschließlich an dem 3-Fach Wechsel von Berlin zu beurteilen wäre falsch. Erfahrung ist die Summe gemachter Fehler der Vergangenheit. Er muss nur daraus lernen.