René Wagner und Thomas Kessler
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Kommentar zum 1. FC Köln: Eine Bewerbung sieht anders aus

Noch zu Beginn der vergangenen Woche verdichteten sich die Anzeichen, dass René Wagner auch in der kommenden Spielzeit Trainer der Geißböcke sein wird. Das scheint nach dem Heidenheim-Spiel aber nicht mehr ganz so sicher. Eine Bewerbung hat Wagner jedenfalls nicht abgegeben. Ein Kommentar zur 1:3-Pleite des 1. FC Köln.

Für das Duell gegen Heidenheim hatte sich der Kölner Trainer viel vorgenommen, umgesetzt hat es seine Mannschaft am Sonntag nicht. Und so ließen die Pfiffe nach dem Spiel nicht lange auf sich warten.

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Als der FC am Sonntag eine Stunde vor Beginn der Begegnung gegen den 1. FC Heidenheim wie gewohnt den Kader präsentierte, da fehlte ungewöhnlich ein Name: Jahmai Simpson-Pusey, einer der Leistungsträger der vergangenen Wochen, ein Transfer, von dem man sich in Köln eigentlich auch für die Zukunft viel verspricht. Die Erklärung ließ keine drei Minuten auf sich warten. Der Engländer, so teilte der Verein mit, sei zu spät zum Anschwitzen gekommen und von René Wagner aus dem Kader gestrichen worden. Eine bemerkenswerte Meldung und das auf unterschiedlichen Ebenen. So war der junge Vater beispielsweise bislang eher nicht durch Disziplinlosigkeit aufgefallen – zumindest nicht nach außen. Bemerkenswert auch, weil der Verein Verfehlung und Strafe so schnell, so deutlich kommunizierte. Immerhin gab es in der jüngeren Vergangenheit auch Vorfälle, bei denen ein anderer Weg gewählt wurde.

Fahriger Auftritt wirft Fragen auf

Über die Beweggründe zu spekulieren, ist von außen schwer. Fakt ist aber, dass der Verein ein deutliches Signal ausgesendet hat – ob bewusst oder nicht. Mit der Entscheidung bewies René Wagner eine beachtliche Konsequenz, die ein Image vom alles tolerierenden, zu nahen Trainer-Freund nicht zulässt. Gleichzeitig untermauerte der Coach seine Worte von Freitag. Dort hatte Wagner betont, dass es seine Aufgabe sei, die Spannung im Team aufrecht zu halten – selbst, wenn der Klassenerhalt sicher sei. Auch deswegen hatte es der 37-Jährige vermieden, den Routiniers Dominique Heintz und Florian Kainz eine Einsatz-Garantie vorab auszusprechen. Nur brachte die Mannschaft die geforderte Spannung eben nicht auf den Platz. Im Gegenteil: Der Auftritt war fahrig, teils wirkte er unkontrolliert, auf jeden Fall unkonzentriert. Er war in der Offensive ideenlos, in der Defensive erschreckend anfällig.

Marvin Schwäbe sagte später zu recht, dass so eine Leistung nicht für die Bundesliga reicht. Und so muss es nicht wundern, dass die Fans die Frage nach dem Trainer so deutlich stellen. Erst wenige Tage zuvor hatten sich die Zeichen verdichtet, dass Wagner im Sommer zum Cheftrainer befördert und den FC in die kommende Spielzeit führen werde. Dem Vernehmen nach wollten aber Teile der Entscheidungsträger die beiden Leistungen aus den ausstehenden Spielen gegen Heidenheim und den FC Bayern München abwarten, wohlwissend, dass gegen den Rekordmeister nicht mit einem Kantersieg zu rechnen ist. Die Bewerbungsunterlagen von Sonntag hätte der Trainer wohl lieber nicht abgegeben. Der Kölner Keeper hat schon recht, wenn er anmerkt, dass man nun nicht alles schlecht reden soll. Wagner hat der Mannschaft zunächst Stabilität verliehen, hat die richtige Ansprache bei einigen Spielern gewählt.

Saison soll analysiert werden

Das kommt an und auch deswegen stehen große Teile des Teams hinter dem Coach. Kessler ist ebenfalls weiterhin von dem Dresdener überzeugt. Doch zeigt die Form- und die Entwicklungskurve augenscheinlich gerade nicht nach oben. Und so erscheint es als nur folgerichtig, dass der Geschäftsführer am Sonntag erklärte, dass man die Saison in ihrer Gänze analysieren werde und dass dann auch noch einmal die Trainerfrage auf den Tisch komme. Kessler wird sich sicher nicht aufgrund der Fanstimmung von Wagner abwenden, doch der ehemalige Kölner Keeper wird mit seinem Team sicherlich den Trainermarkt ebenfalls im Auge behalten. Denn einen Fehlstart in die neue Saison kann sich der FC vermutlich nicht erlauben, ihn zumindest nicht leicht wegstecken. Ohne den (teils glücklichen) Einstand nach Maß zu Beginn dieser Saison würden die Kölner sich nun in einer erschreckend dramatischen Situation befinden. Und das muss um jeden Preis in der kommenden Spielzeit verhindert werden.

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