Nach dem 0:2-Rückstand fühlte sich das Remis gegen die Geißböcke für die Eisernen fast schon wie Sieg an. Und doch gab es auch bei Union nach dem Spiel Gesprächsstoff. Die Führung des 1. FC Köln sorgt für Diskussionen.
Bei 50:50-Entscheidungen hatten die Kölner in dieser Spielzeit nicht so wirklich viel Glück. Die 1:0-Führung im Duell gegen Union Berlin war mindestens diskutabel.

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Die Szene war durchaus kurios. Kristoffer Lund spielte einen starken langen Ball aus der eigenen Hälfte auf den gestarteten Said El Mala. Der Kölner Offensivspieler nahm ordentlich Tempo auf, hob dann aber die Arme und nahm die Geschwindigkeit wieder heraus, wollte gar nicht mehr an den Ball kommen. Vermutlich gab es einen Hinweis von Jakub Kaminski, der sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatte, die Kugel übernahm und anschließend die Kölner Führung durch Marius Bülter einleitete. Die Geißböcke wähnten sich auf einem guten Weg Richtung möglichem Klassenerhalt, die Eisernen fühlten sich benachteiligt. Kein Wunder, denn El Mala hatte sich eindeutig im Abseits befunden. So eindeutig, dass der Linienrichter nicht lange fackelte und die Fahne hob. Doch Schiedsrichter Daniel Schlager ließ weiterlaufen, El Mala ging nicht an den Ball und auch der Mann an der Seite ließ die Fahne wieder sinken.
„Wenn er dann nicht aktiv ist…“
„Ich kann das nicht nachvollziehen. Das ist für mich klares Abseits. Der Spieler rennt in den Raum rein, steht im Abseits und kriegt den Ball da reingespielt. Und dann hebt der Linienrichter auch noch die Fahne“, erklärte der ehemalige Kölner Sportboss Horst Heldt, der mittlerweile bekanntlich die sportlichen Geschicke in Köpenick leitet. „Das ist für Fußballer ein klares Zeichen, dass es Abseits ist. Er hätte einfach pfeifen müssen. Ich glaube, es gibt viele, die die Sichtweise nachvollziehen können.“
Zum Beispiel Sky-Experte Didi Hamann, der sich zuletzt nicht gerade oft pro Köln ausgesprochen hatte. „Das ist Abseits. Der Ball wird auf El Mala gespielt. Der läuft zehn, zwölf Meter Richtung Ball. Will den Ball spielen, merkt dann erst, dass sein Kollege kommt. Und erst dann geht er weg“, sagte der Ex-Spieler. „Die Fahne geht hoch, weil der Linienrichter das genau so wahrgenommen hat. Und dann kann er nicht einfach die Fahne runternehmen und dann sagen: Naja, er hat ja den Ball nicht gespielt. Also wenn der zehn Meter hinter dem Ball herläuft, der für ihn gedacht war: Wenn er dann nicht aktiv ist, ja wann dann?“
Erklärung des Schiedsrichters
Schiedsrichter Daniel Schlager hatte eine andere Auffassung: „Damit eine strafbare Abseitsposition vorliegt, muss eins der drei Kriterien erfüllt sein. Zum einen muss er (El Mala; Anm. d. Red.) entweder den Ball spielen. Das tut er nicht. Er muss in einem Zweikampf mit dem Gegenspieler um den Ball sein. Das ist auch nicht der Fall, weil der Gegenspieler weit entfernt ist. Oder er muss den Gegenspieler beeinflussen beim Kampf um den Ball. Das liegt auch nicht vor, weil der Ball noch weit entfernt ist von dem nächsten Abwehrspieler, sodass dann keine strafbare Abseitsposition vorlag, weshalb ich dann das Tor auch habe zählen lassen“, so der Unparteiische. „Da kam die Fahne in dem Moment etwas zu früh. Es ist immer schwer, das aus einer großen Entfernung zu sehen, wer tatsächlich an den Ball geht. Für ihn war klar, dass El Mala an den Ball kommt und er hat den Spieler, der dann noch zusätzlich an den Ball kommt nicht einmal gesehen.“
Laut DFB-Regelwerk wird ein passives Abseits geahndet, wenn „der Spieler
- sich damit einen Vorteil in Folge eines Pfosten- oder Lattentreffers bzw. einer absichtlichen Abwehr- oder Torverhinderungsaktion gegenüber dem Gegner verschafft. den Ball spielt oder berührt,
- einen Gegner beeinflusst, beispielsweise im Rahmen eines Zweikampfes oder durch Versperren der Sicht,
- den offensichtlichen Versuch unternimmt, den Ball zu spielen oder aktiv den Gegner zu beeinflussen,
- sich damit einen Vorteil in Folge eines Pfosten- oder Lattentreffers bzw. einer absichtlichen Abwehr- oder Torverhinderungsaktion gegenüber dem Gegner verschafft.
Doch Hamann war mit dieser Erklärung nicht glücklich. „Wenn das so ist, wie er sagt, ich gehe mal davon aus, dass das richtig ist, dass er im Kampf um den Ball sein muss, dass ein Gegenspieler dabei sein muss. Dann frage ich mich, was mit unserem Regelwerk passiert ist. Wer denkt sich denn diese Regeln aus?“, sagte der Sky-Experte.
