Brisanz und Besonderheiten: Ein Blick auf wegweisende Duelle zwischen dem 1. FC Köln und St. Pauli

Florian Kainz gegen St. Pauli
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Brisanz und Besonderheiten: Ein Blick auf wegweisende Duelle zwischen dem 1. FC Köln und St. Pauli

Kaum hat der FC das erste Kapitel der Endspiele um den Klassenerhalt erfolgreich geschrieben, wird schon das nächste aufgeschlagen. Nach dem Sieg gegen Werder treten die Geißböcke bei St. Pauli an. Und ein Blick in die Bundesliga-Geschichtsbücher zeigt: Zum Saisonende gab es schon manches Mal entscheidende Duelle zwischen den Paulianern und dem 1. FC Köln: Erneut ein richtungsweisendes Spiel gegen St. Pauli.

Mit 21 Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen ist die Pflichtspielbilanz des 1. FC Köln gegen den FC St. Pauli ziemlich positiv. In den häufig umkämpften Partien stand des Öfteren Abstiegskampf auf dem Programm – allerdings nicht immer.

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Duelle um Meisterschaft und UEFA-Cup-Teilnahme

Vor dem 34. Spieltag der Saison 1977/78 war für den 1. FC Köln alles angerichtet: Ein Sieg auf St. Pauli sollte doch zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft locker reichen. Zwar lag Borussia Mönchengladbach punktgleich hinter dem FC auf dem zweiten Tabellenplatz, hatte aber das deutlich schlechtere Torverhältnis. Klare Verhältnisse also? Denkste! Der Titel stand für den Effzeh plötzlich auf Messers Schneide: Die Elf vom Niederrhein zerlegte Borussia Dortmund mit 12:0 und war drauf und dran, den Geißböcken das Kölsch zu versalzen. Das schmeckte Köln-Coach Hennes Weisweiler freilich so gar nicht. Und weil ein knapper FC-Sieg am Millerntor unter diesen Umständen nicht mehr gereicht hätte, machte er seinen Profis weiter Dampf. Mit Erfolg: Die Kölner Mannschaft legte nach und dank eines 5:0-Auswärtssieges war der Meister-Braten am Ende dann doch gar.

Weniger Erfolg hatten die Rheinländer bei ihrem Trip an die Elbe am 31. Spieltag der Saison 1990/91. Der 1. FC Köln lag als Tabellenfünfter klar auf UEFA-Cup-Kurs, als er bei den akut abstiegsbedrohten Kiez-Kickern baden ging. Die gewannen nämlich nach Toren von Jan Kocian und Dirk Zander 2:0. So wurde der FC am Ende nur Siebter und verpasste die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Allerdings schwammen auch St. Pauli trotz der Punkte gegen die Geißböcke am Ende die Felle davon: Man scheiterte in der Relegation an den Stuttgarter Kickers und stieg in die 2. Bundesliga ab.

Von Abstiegsk(r)ampf und Aufstiegsfeiern

Das Abstiegsgespenst geisterte in der Spielzeit 1995/96 auch durch die Domstadt, als im Müngersdorfer Stadion am 29. Spieltag der FC St. Pauli gastierte. Die Millerntor-Truppe hatte zu diesem Zeitpunkt fünf Punkte mehr auf dem Konto als der 1. FC Köln, bei dem mit Bodo Illgner, Olaf Janßen und Toni Polster der Kult-Faktor auf dem Platz hoch war. In einer allerdings eher krampfigen statt kultigen Partie erlöste kurz vor Spielelende Holger Gaißmayer die Geißböcke mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg. Der Torschütze wurde ein paar Wochen später endgültig zum FC-Retter, weil sein Tor in Rostock den Klassenerhalt bedeutete. Der FC St. Pauli sicherte sich mit Platz 15 ebenfalls den Ligaverbleib.

Für die Rettung reichte es bei beiden Vereinen in der Saison 2001/02 unterdessen nicht mehr. Am 31. Spieltag trafen sich die beiden Krisenclubs zum Kellerduell in Köln. Zwar schoss Ex-Pauli-Stürmer Mathias Scherz die Geißböcke in der Nachspielzeit zu einem 2:1-Erfolg, wodurch die Domstädter ihre Minimal-Chance auf den Klassenerhalt wahrten. Am Ende ging es für den FC aber zusammen mit den Paulianern runter in Liga Zwei.

Und dort setzten die Teams nur ein Jahr später ihre brisanten Begegnungen kurz vor Saisonende einfach fort. Dabei behielt der EffZeh nach Toren von Carsten Cullmann und Francis Kioyo sowie einem Gegentreffer von Fabian Gerber zuhause erneut knapp die Oberhand. Der 2:1-Sieg führte am 30. Spieltag zur vorzeitigen Kölner Rückkehr ins Fußball-Oberhaus, während St. Pauli den bitteren Gang in die Regionalliga antreten musste.

Die nun anstehende Partie zwischen dem FC St. Pauli und dem 1. FC Köln steht einmal mehr im Zeichen des Abstiegskampfes. Ein wegweisendes Spiel allemal. Ob es auch wieder Stoff für die Fußball-Geschichtsbücher bietet, wird sich am Freitag zeigen.


Hamburger Flaute vs. Kölner Spektakel: Nutzt der 1. FC Köln St. Paulis Offensivkrise?

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Hamburger Flaute vs. Kölner Spektakel: Nutzt der 1. FC Köln St. Paulis Offensivkrise?

Showdown im Tabellenkeller: Der 1. FC Köln reist mit breiter Brust ans Millerntor und kann den Klassenerhalt vorzeitig sichern. Denn während die Geißböcke offensiv aufdrehen, gehört St. Pauli zu den harmlosesten Angriffsreihen der Liga. 1. FC Köln: Ungleiche Verhältnisse gegen den FC St. Pauli.

Während die Geißböcke offensiv aufdrehen, gehört St. Pauli zu den harmlosesten Angriffsreihen der Liga: Die wenigsten Torschüsse, der schwächste xGoals-Wert und nur 25 Treffer sprechen eine deutliche Sprache. Doch trotz dieser eklatanten Offensivprobleme bleibt das Hinspiel als Warnung präsent: Nutzt Köln die Gunst der Stunde oder schlägt der Kiezklub erneut überraschend zu?

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In der Theorie kann der 1. FC Köln im Kellerduell gegen den FC St Pauli den Klassenerhalt festzurren und (noch) Interimscoach René Wagner hätte die Geißböcke zum Erreichen des ausgerufenen Saisonziels getragen. Für diesen feierlichen Anlass erweckt die Reise ans Millerntor zu den “Boys in Brown” in erster Linie aus einem Grund Zuversicht, das Projekt Klassenerhalt bereits drei Spieltage vor Ende der regulären Saison abzuschließen.

Denn Die Kiezkicker sind das Team mit den wenigsten Torschüssen (299), dem geringsten xGoals-Wert (28,3), den wenigsten Joker- (3) und Kontertoren (2). Nur 25 Treffer bejubelten die Hamburger in dieser Saison. Köln hingegen kommt in der gleichen Zeit auf 43 Treffer. Unter Wagner wiesen sie unlängst den höchsten xGoals-Wert aller Teams auf (3,0 in Frankfurt und sogar 4,4 gegen Bremen). Das ist nach dem Heimspiel gegen den HSV (4,6 am 9. Spieltag, 4:1) der zweit- und drittbeste Wert der Domstädter in dieser Saison.

Bitteres Unentschieden- Schmerzhafte Erinnerungen an das Hinspiel

Die Kräfteverhältnisse scheinen vorab also klar. Dennoch warnte Wagner im Pressegespräch davor, die Offensiv-Qualitäten der Kiezkicker zu unterschätzen: „Das ist eine Mannschaft, die es schafft, aus einem kompakten Block heraus gefährlich umzuschalten. Sie haben aber auch mit Ball ganz viele Lösungen. In diese dürfen wir nicht reinlaufen. Sie haben zudem Geschwindigkeit auf der letzten Linie, da kommt es auf die Restverteidigung an. Da waren wir gegen Bremen überragend“.

Das im Fußball trotz derlei eindeutiger Vorzeichen auf dem Platz doch alles passieren kann, zeigte das schmerzhafte Unentschieden im Hinspiel. Denn da reichte ein einziger Abschluss der Blessin-Elf, um den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. Nach einer Hereingabe aus dem linken Halbfeld schraubte sich Paulis Ricky Jade Jones am höchsten in den Nachthimmel über Müngersdorf und erwischte die butterweiche Flanke mit seinem Hinterkopf. Marvin Schwäbe rutschte obendrein während der Parade unglücklich weg, der Ball landete im rechten unteren Eck zum 1:1-Endstand.

Kann Wagner den Klassenerhalt klar machen?

Von Jade Jones wird beim Rückspiel keine Gefahr ausgehen. Der Engländer, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat, fehlt St. Pauli mit einem Riss des Syndesmosebandes. Die ohnehin niedrigen Erwartungen an ein Offensiv-Feuerwerk der Gastgeber werden durch die Gelbsperre ihres besten Vorbereiters, Joel Chima Fujita, zusätzlich gedämpft. Immerhin können sie auf ihren besten Scorer Daniel Sinani zurückgreifen. Neben drei Vorlagen hat der 71-fache luxemburgische Nationalspieler auch fünf Tore auf dem Konto. Drei dieser Treffer gelangen ihm im Jahr 2026.

Trotz Sinani, trotz des unglücklichen Hinspiels und dank der herausragenden Fähigkeiten der Geißbock-Offensive werden die Domstädter mit Selbstvertrauen im Millerntorstadion auf den Rasen treten. Sollte Wagners Matchplan gegen die tief stehenden Gastgeber aufgehen, können die Kölner ein weiteres Jahr in der Beletage planen. Es bleibt abzuwarten, welche Ideen der Kölner Trainer seiner Mannschaft für die wohl wichtigste Aufgabe der Saison mit auf den Weg gibt.