Zu Beginn der Vorbereitung gab es zumindest extern keine Zweifel, dass Sebastian Sebulonsen den Stammplatz sicher hätte. Doch eine Verletzung bremste den Norweger aus. Nun wird sich das durch die Verletzung von Alessio Castro-Montes wohl wieder ändern beim 1. FC Köln: Sebastian Sebulonsen kehrt wieder in die Startelf zurück, doch der Stammplatz scheint ein ganz anderer zu sein.
Eigentlich könnte die Geschichte vom wechselnden Stammplatz schnell erzählt sein. Doch möglicherweise steckt deutlich mehr dahinter. Sebastian Sebulonsen wird wohl seinen verlorenen Stammplatz vom verletzten Alessio Castro-Montes zurückerhalten, doch die Rolle dürfte sich durchaus verändert haben.

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Als im Sommer fleißig über den kommenden Kader spekuliert und diskutiert wurde, waren einige Positionen ganz offenbar außen vor. Marvin Schwäbe war beispielsweise nie wirklich ein ernstes Thema, Tom Krauß oder Isak Johannesson auch nicht. Ein Stammplatz, der ebenfalls schon in den Wochen rund um das Trainingslager in Kitzbühel vergeben schien, war der von Sebastian Sebulonsen. Der Norweger hatte sich schon in der vergangenen Spielzeit in der ersten Elf festgespielt. 33 Mal stand Sebulonsen im Kader, 33 Mal stand er auf dem Platz, 30 Mal von Beginn an. Der Rechtsverteidiger, der sich aber auch auf anderen Positionen austoben durfte, war weder aus der Mannschaft von Lukas Kwasniok noch aus der von René Wagner wegzudenken. Und da auch der Auftakt in die Vorbereitung der neuen Spielzeit reibungslos verlief, gab es zumindest extern wenig Zweifel daran, dass der Abwehrspieler seinen Platz in der neuen Saison sicher habe.
Castro-Montes spielt die Rolle anders
Zumal in der öffentlichen Wahrnehmung tatsächlich ausschließlich über ein Backup auf der linken Seite für Gideon Mensah diskutiert wurde, weil der Plan mit Castro-Montes wohl der des Backups für Sebulonsen sein sollte. Nur änderte sich die Situation des Norwegers Anfang August. Sebulonsen fiel aufgrund einer muskulären Verletzung mehrere Wochen aus, verpasste den Pokal und den Liga-Auftakt. Vor dem Spiel gegen Werder Bremen meldete sich der 26-Jährige zurück und kam direkt für 25 Minuten zum Einsatz. Als wiederum Castro-Montes in der Folgewoche einige Tage aufgrund von muskulären Beschwerden kürzer treten musste, deutete viel auf eine Startelf-Rückkehr des Rechtsverteidigers hin. Doch der Belgier erholte sich schneller als wohl angenommen. „Monti“ lief gegen den HSV von Beginn an auf. Für Außenstehende eine überraschende Entscheidung – schließlich hatte Sebulonsen die gesamte Woche ohne Probleme zu 100 Prozent absolviert.
Ob Wagner mit der Nominierung von Castro-Montes ein Risiko eingegangen ist, ist rein spekulativ. Einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Verletzung und den Beschwerden vor dem HSV-Spiel kann man ohne weitere Informationen nicht herstellen. Die Kölner Mediziner hätten den Spieler aber sicherlich nicht angeschlagen auf die Platte geschickt. Dass sich Wagner für Castro-Montes entschied, dürfte vor allem taktische Gründe haben. Denn nach den ersten Spielen der neuen Saison festigt sich der Eindruck, dass Castro-Montes die Position des Rechtsverteidigers anders auslegt als der Norweger – oder auslegen soll. Möglicherweise erklärt sich daraus, der aktuelle Stammplatz, den der Belgier weiterhin hatte. Das untermauert auch ein Blick in die Statistik, die allerdings nur bedingt als wirklicher Beweis gelten kann. Vor allem, weil wohl die bisherigen Spiele des Belgiers aus dieser Spielzeit mit denen des Norwegers aus der Vorsaison verglichen werden müssen.
Daten zeigen eine Tendenz
Castro-Montes kommt in dieser Saison auf 34,31 Pässe pro 90 Minuten, bei Sebulonsen waren es in der vergangenen Spielzeit 29,26. Wesentlich größer wird die Differenz aber, wenn es Richtung gegnerisches Tor geht. Castro-Montes spielt aktuell 5,25 Pässe pro 90 Minuten ins letzte Drittel, Sebulonsen kam auf 3,3. Auch bei den Vorwärtspässen liegt der Belgier mit 11,63 zu 9,42 deutlich vorne, bei den Pässen in den gegnerischen Strafraum sind es 2,81 zu 2,13. Bemerkenswert ist dabei, dass die stärkere Einbindung in Richtung gegnerisches Tor nicht mit einer niedrigeren Passquote einhergeht. Die liegt bei Castro-Montes mit 75,4 Prozent nahezu exakt auf dem Niveau von Sebulonsen in der vergangenen Saison mit 75,5 Prozent. Bei den Flanken ist der Unterschied dagegen nur gering: Castro-Montes kommt auf 2,44 pro 90 Minuten, bei Sebulonsen waren es 2,28. Allerdings sei auch betont, dass die Abweichungen sich in Grenzen halten, aber eine Tendenz abbilden.
Dabei wäre es sicherlich zu leicht, zu behaupten, Castro-Montes ist aufgrund der Daten der offensivere Rechtsverteidiger. Möglicherweise spielt die taktische Ausrichtung dann eine größere Rolle. Denn auch dort gibt es in der neuen Saison andere Vorzeichen. Eine offensichtliche Erkenntnis der letzten Spiele könnte zum Beispiel sein, dass Spieler wie Linton Maina, häufiger ins Zentrum ziehen wie ein Jan Thielmann. Dadurch entstehen auf den Außen Räume, in die Castro-Montes leichter vorstoßen kann. Der Kölner hielt selbst immer wieder die Breite und besetzte die Außenbahn. Für Sebulonsen bestand dadurch weniger Notwendigkeit, permanent außen nachzuschieben. Rückt Maina nach innen, stellt Castro-Montes die Breite her und wird dadurch zwangsläufig stärker in die Ballprogression eingebunden.
Für Sebulonsen ergibt sich nun eine besonderen Situation. Der Norweger hatte sich festgespielt, die Position aufgrund einer Muskelverletzung verloren, die ihm nun die Tür erneut öffnet. Der 26-Jährige bekommt also möglicherweise seinen Stammplatz zurück, seine Aufgabe könnte zumindest in Teilen eine andere sein.
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