Mit dem Sieg im Derby gegen Mönchengladbach hat der FC nach drei sieglosen Spielen wieder ein Erfolgserlebnis feiern können. Während das 2:1 gegen den Rivalen zurecht ausgiebig gefeiert wird und sehr wichtig für die Stimmung am Geißbockheim ist, bleibt doch auch ein Wermutstropfen beim 1. FC Köln: Ein wichtiger Sieg zu einem hohen Preis.
Sowohl für die Stimmung als für die Bewertung des Saisonstarts feierte der FC mit dem Derbysieg einen extrem wichtigen Erfolg. Allerdings haben die Geißböcke gleichzeitig vermutlich den nächsten Schlüsselspieler für längere Zeit verloren. Ellyes Skhiri wird den Kölnern lange fehlen.

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Am Ende war es dann doch mal wieder eng geworden. Nach einer über weite Phasen starken zweiten FC-Halbzeit schnürte die Borussia die Geißböcke in den letzten Minuten nochmal hinten ein und drückte auf den Ausgleich. „Die letzten Minuten waren brutal“, merkte man auch Trainer René Wagner noch nach der Partie die Anspannung an. Aber sein Team hielt dem Druck stand. „Die Jungs haben sich in alles reingeschmissen. Wir haben jeden Ball verteidigt“, lobte der Coach. Dass das in den letzten Wochen nicht immer so erfolgreich war wie am Sonntagnachmittag, bemerkte Tom Krauß: „Nach dem Bremen-Spiel hatten wir das Thema, dass wir nicht mit allen Mann das Tor verteidigt haben. Heute haben wir es mit aller Macht gezogen. Und das ist das wichtige.“
Johannesson trifft nach einem Standard – Gladbach antworte
Über das gesamte Spiel hinweg gesehen ging der Sieg für die Kölner auch in Ordnung. Diese hatten nach ausgeglichenen ersten zehn Minuten langsam die Kontrolle übernommen und kamen durch Sebulonsen und gleich zweimal El Mala zu den ersten gefährlichen Aktionen. Die Geißböcke brauchten aber eine Situation, die eigentlich zu den FC-Schwächen gehört, um sich für diese Phase zu belohnen: ein Standard. Borna Sosas Freistoß klärte Isac Lidberg per Kopf zentral vor den Strafraum, von wo aus Johannesson den Ball direkt mit viel Gefühl ins Tor schweißte. Dass seine Mannschaft mal nach einem Standard treffen konnte und auch selber kein Tor auf diese Art kassierte, freute Wagner natürlich besonders: „Das ist wichtig für uns, weil wir da ein Thema hatten. Es ist brutal wichtig, in diesen Phasen auch mal Glück zu haben. Isak hat es in der Szene überragend gemacht.“
Weniger erfreut durfte der Coach darüber gewesen sein, dass sein Team dann aber erstmal wieder nachließ. „Wir haben nach dem 1:0 den Faden verloren, bekommen dann das 1:1, das völlig verdient war“, beschrieb Krauß die Minuten nach der Kölner Führung passend. Dabei wäre der Gegentreffer von Joe Scally nach Flanke von Lukas Ullrich definitiv vermeidbar gewesen. So verlängerte Jahmai Simpson-Pusey den Ball unglücklich und Ellyes Skhiri war im Anschluss zu weit weg vom Torschützen.
Ellyes Skhiri schwer verletzt: Der hohe Preis des Derbysiegs
Der Sechser stand dann kurz vor der Pause erneut im Mittelpunkt – beim großen Kölner Wermutstropfen der Partie. Bei einem Zweikampf mit Florian Neuhaus erwischte ihn der Gladbacher wuchtig mit seinem rechten Knie am Fuß. Dabei knickte der Tunesier sehr schmerzhaft weg, musste sogar mit einer Trage vom Platz gebracht werden. Ein längerer Ausfall war schon angesichts der Bilder wahrscheinlich. Am Sonntagabend gab der FC dann bekannt, dass sich der Routinier schwerer am Sprunggelenk verletzt hat und länger pausieren muss. Ein extrem hoher Preis für die Geißböcke, schließlich hatte der Mittelfeldspieler über die vergangenen Spiele nach seiner Rückkehr gezeigt, dass er sich zu dem Schlüsselspieler im Mittelfeld entwickeln kann, den die FC-Verantwortlichen sich von seiner Verpflichtung erhofft haben.
Umso bemerkenswerter war die Reaktion der Kölner nach der Pause. Denn ab dem Wiederanpfiff nahmen die Domstädter das Zepter in die Hand und drängten auf die Führung. So vergab El Mala in der 57. Minute die wohl größte Chance, als er einen katastrophalen Rückpass von Daiki Hashioka erlief, aber statt auf den freien Marius Bülter, der nur noch hätte einschieben müssen, lieber selbst den Abschluss suchte. Diesen konnte Jan Leszczynski gerade noch blocken. Aber der Kölner Youngster ließ sich davon nicht beirren. Und erzielte keine zehn Minuten später mit einem wunderschönen Schlenzer, nachdem er von rechts nach innen gezogen war, das zweite Kölner Traumtor der Partie. „Ich glaube mich zeichnet es auch aus, dass ich den Kopf nach so einer Chance nicht in den Sand stecke. Ich versuche, immer weiter zu machen, um meine Chance zu nutzen“, erklärte der 20-Jährige seine mentale Stärke selbst.
Said El Mala entscheidet das Derby – Wagner darf aufatmen
Kurz darauf hätte der Youngster sogar schon für die Vorentscheidung sorgen können, zielte im Strafraum bedrängt von Kevin Diks aber knapp vorbei. Und schonte damit nicht die Nerven seines Trainers. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit eine Phase, in der wir auf das dritte Tor gegangen sind, es aber nicht gemacht haben. Dann hätten wir weniger Stress gehabt“, meinte dieser. Am Ende konnte Wagner aber trotzdem zufrieden sein, weil seine Mannschaft dafür den knappen Vorsprung über die Zeit brachte.
Damit feiern die Kölner einen Sieg, der gerade für die Stimmung im FC-Umfeld sehr wichtig ist. Die Leistung im Derby dürfte die kritischen Stimmen gegenüber Wagner erstmal ruhiger werden lassen. Mit nun sieben Punkten aus fünf Spielen legten die Geißböcke schließlich insgesamt einen ordentlichen Start hin. Auch wenn die drei Punkte im Derby mit der Skhiri-Verletzung einen hohen Preis haben. „Es tut mir unglaublich Leid für Flacco“, dachte Krauß nach dem Spiel an seinen Teamkollegen. Und widmete ihm den Erfolg: „Deswegen ist der Sieg auch für Flacco!“
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