Die Voraussetzungen erscheinen kompliziert: Die Offensive des 1. FC Köln bewies zuletzt immer wieder Schwierigkeiten, Chancen zu kreieren. Der Ausfall der Zielstürmer mach die Ausgangslage nicht leichter. Und dann geht es jetzt gegen eine der besten Defensiven der Liga.
Ein Sechstel der Saison ist gespielt und der 1. FC Köln sucht nach Lösungen für seine Offensive. Zuletzt fehlte es den Geißböcken an klaren Torchancen und zudem an den Zielstürmern. Nun wartet mit Schalke 04 eine der stabilsten Defensivreihen der Bundesliga. Trainer René Wagner hat vor der Begegnung gleich mehrere Punkte angesprochen, die seine Mannschaft verbessern muss.

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Dass viele Abschlüsse nicht zwingend gute Chancen bedeuten, haben die Kölner in dieser Spielzeit schon mehrfach bewiesen. Der 1. FC Köln hat in der Offensive weiterhin ein Problem. Auch gegen Eintracht Frankfurt gelang es den Geißböcken nur selten, klare Torchancen herauszuspielen. Marius Bülter hatte noch die besten Chancen gegen die Hessen, vergab aber beide. Auch ihm fehlte wie dem gesamten FC die Durchschlagskraft. Dabei verfügt der FC über Spieler, die mit ihrer individuellen Qualität den Unterschied machen können. Said El Mala, Linton Maina oder Mikey Moore bringen Tempo und Fähigkeiten im Eins-gegen-eins mit. Doch die entscheidenden Aktionen im letzten Drittel gelingen zu selten. Und im Sturmzentrum fehlt mit Ragnar Ache ein Spieler, der dem Kölner Angriff eine andere Dimension verleihen kann. Der Angreifer wird wohl erst gegen Union wieder auflaufen können.
Ohne Ache fehlt dem FC ein wichtiger Bezugspunkt
Ausgerechnet in dieser Phase bekommen es die Kölner mit einer der besten Defensiven zu tun. Weniger Gegentreffer kassierten bislang nur die Bayern, Dortmund und Freiburg. Das aktuelle Spitzentrio der Liga erfährt allerdings deutlich weniger Druck als die Knappen. Der Aufsteiger verteidigt kompakt, gewinnt zahlreiche Zweikämpfe und hat sogar dem FC Bayern München beim torlosen Unentschieden einen Punkt abgetrotzt. Für die Kölner Offensive könnte die Begegnung deshalb zu einer besonders schwierigen Aufgabe werden, wie auch René Wagner am Donnerstag auf der Pressekonferenz feststellte. Ragnar Ache ist nicht nur wegen seiner Torgefahr ein wichtiger Spieler für den 1. FC Köln. Der Mittelstürmer bringt körperliche Präsenz mit, kann lange Bälle festmachen und bindet gegnerische Innenverteidiger. Gerade bei hohen Zuspielen und Flanken ist er eine wichtige Anspielstation.
Seine Kopfballstärke ermöglicht den Geißböcken zudem eine Variante, die ohne ihn nur schwer zu ersetzen ist. Das Fehlen eines solchen Zielspielers verändert das Offensivspiel. Wo Ache einen langen Ball behaupten und auf nachrückende Mitspieler ablegen kann, müssen die Kölner ohne ihn häufiger andere Lösungen suchen. Auch im Strafraum fehlt ein Angreifer, der Gegenspieler beschäftigt und bei Hereingaben für Gefahr sorgt. Damit fehlt den Geißböcken nicht nur ein möglicher Abnehmer für Flanken. Es fehlt auch ein Spieler, an dem sich die Bewegungen seiner Mitspieler orientieren können. Das bedeutet nicht, dass sämtliche Offensivprobleme auf Aches Ausfall zurückzuführen sind. Doch sein Fehlen könnte die Schwierigkeiten, klare Torchancen zu kreieren, zusätzlich verschärfen.
Der FC braucht Lösungen statt weiterer Abschlüsse
Dass die Kölner im Angriff neue Lösungen finden müssen, ist auch René Wagner bewusst. Der Trainer benannte vor dem Duell gegen Schalke gleich mehrere Bereiche, in denen sich seine Mannschaft verbessern soll. „Es gilt für uns, dass wir Chancen kreieren und gefährlich ins letzte Drittel bekommen. Wir müssen schauen, dass wir noch mehr Spieler in die Box bekommen. Dass wir mehr Situationen im Eins-gegen-eins für uns entscheiden. Dass wir die Spieler im richtigen Moment an den Ball bekommen.“ Vor allem die geforderte Strafraumpräsenz dürfte gegen Schalke entscheidend werden. Wenn Ache als klassischer Zielspieler fehlt, müssen andere Kölner diese Räume besetzen. Das gilt nicht nur für die nominellen Angreifer, sondern auch für nachrückende Mittelfeldspieler. Denn selbst eine gelungene Aktion über die Außenbahn bringt wenig, wenn im Zentrum anschließend die Anspielstationen fehlen.
Gleichzeitig braucht der FC Spieler, die mit individuellen Aktionen Lücken in die gegnerische Defensive reißen. Said El Mala, Linton Maina und Mikey Moore bringen diese Fähigkeiten grundsätzlich mit. Doch gerade gegen einen kompakt verteidigenden Gegner kommt es darauf an, sie im richtigen Moment in aussichtsreiche Eins-gegen-eins-Situationen zu bringen. Andernfalls droht der nächste Angriff an einer bereits organisierten Abwehr zu scheitern.
Es braucht Lösungen: „Wir wollen Tore machen, wir wollen gefährlich werden. Wir wollen viel Zeit in der gegnerischen Hälfte verbringen“, sagte Wagner. Gerade der letzte Punkt dürfte gegen Schalke durchaus erreichbar sein. Die Königsblauen haben bislang mit durchschnittlich 40 Prozent den geringsten Ballbesitz der Bundesliga. Auch bei der Passquote und der Anzahl der Torschüsse liegen die Schalker am Ende des Ligavergleichs. Doch viel Zeit in der gegnerischen Hälfte bedeutet nicht zwangsläufig viele gute Torchancen. Das ist eine Erfahrung, die der FC bereits gemacht hat. Wenn sich der Gegner tief zurückzieht, kann eine Mannschaft den Ball über längere Phasen kontrollieren, ohne gefährlich in den Strafraum zu gelangen. „Wir wollen den Gegner unter Stress setzen und das werden wir auch gegen die Schalker zuhause tun“, kündigte Wagner an.
Viel Ballbesitz, aber wieder zu wenig Torgefahr?
Die Herausforderung für Wagner ist damit klar umrissen. Der FC muss gegen Schalke nicht zwangsläufig häufiger auf das Tor schießen als zuletzt. Er muss vor allem bessere Möglichkeiten herausspielen. Dafür braucht es die Strafraumpräsenz, die Wagner ausdrücklich fordert. Es braucht erfolgreiche Dribblings und das richtige Timing beim letzten Pass. Und es braucht eine Antwort darauf, wie der Angriff ohne Zielstürmer funktionieren soll. Gegen eine zweikampfstarke Schalker Defensive dürfte das besonders schwierig werden. Die Königsblauen werden dem FC kaum Räume schenken und könnten die Kölner damit genau dort treffen, wo zuletzt die größten Probleme lagen.
Wagner hat die Baustellen seiner Offensive klar benannt. Nun muss seine Mannschaft zeigen, dass sie auch ohne ihren klassischen Zielstürmer in der Lage ist, genügend Torgefahr zu entwickeln. Denn gegen Schalke könnten die Geißböcke erneut viel Aufwand betreiben – und am Ende trotzdem vor dem gegnerischen Tor zu wenig zustande bringen.
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