Die Auswechslung von Mikey Moore sorgte beim 0:0 des 1. FC Köln gegen Schalke 04 für heftige Reaktionen. Die Fans quittierten die Entscheidung von René Wagner mit Pfiffen und „Wagner raus“-Rufen. Der Trainer lieferte anschließend eine taktische Erklärung, der junge Engländer zeigte sich überrascht. Doch die Diskussion um den Wechsel hat mehrere Seiten.
Es war eine der auffälligsten Szenen des ohnehin enttäuschenden Kölner Nachmittags. Als René Wagner nach 68 Minuten Mikey Moore vom Feld nahm, entlud sich der Unmut auf den Rängen. Der Trainer hatte seine Gründe für den Wechsel, doch nicht nur bei den Fans sorgte die Entscheidung für Verwunderung. Auch der Engländer selbst hätte offenbar gerne weitergespielt.

Ihr wollt immer aktuell informiert sein? Folgt dem WhatsApp-Kanal von come-on-fc.com.
Was in Mikey Moore vorging, als er seine Nummer auf der Tafel des vierten Offiziellen ausmachte, ist nicht bekannt. Sein Gesichtsausdruck wirkte aber alles andere als glücklich. Bereits nach 68 Minuten war der Arbeitstag für den jungen Engländer am Samstagnachmittag schon wieder beendet. Immerhin mehr als noch in der Vorwoche, als der 19-Jährige gegen die Eintracht erst für die Schlussphase eingewechselt wurde und nicht mehr für die ganz große Gefahr sorgte. Schon diese Maßnahme hatte bei dem ein oder anderen Fan für Unverständnis gesorgt. Immerhin hat sich der FC sehr um das Ausnahmetalent bemüht und Moore wiederum mit feinster Technik bereits seine Qualität bewiesen. Zählbar waren die Aktionen bislang nur gegen den VfB, als der Engländer ein Eigentor vorbereitete. Dass Moore aber ein hochversierter Spieler ist, steht außer Frage.
Moore-Wechsel sorgt für Pfiffe und „Wagner raus“-Rufe
Dennoch erhielten gegen Frankfurt routinierte Spieler wie Marius Bülter oder Linton Maina den Vorzug. Gegen Schalke wollte dem gebürtigen Londoner auch nicht viel gelingen. Das Spiel mit Said El Mala kam nicht so recht in Schwung. Sicherlich auch, weil der deutsche Nationalspieler ab und an das letzte Abspiel verpasste, aber ganz sicher auch, weil Moore nicht den passenden Schlüssel gegen die kompakte S04-Defensive fand. Und so mühte sich Moore, kam auf drei Abschlüsse, die allerdings geblockt wurden oder nicht so wirklich Richtung Schalker Gehäuse kamen. Als der Engländer dann nach 68 Minuten seine Nummer auf der Tafel sah, wunderte sich nicht nur Moore. Das Stadion quittierte die Auswechslung mit Pfiffen und „Wagner raus“-Rufen. Tatsächlich kam die Maßnahme auch deswegen überraschend, weil der Engländer gerade ein wenig besser ins Spiel gefunden hatte.
Doch FC-Trainer René Wagner verfolgte einen anderen Plan. „Die Erwartungshaltung in dem Stadion ist riesig. Mikey hatte drei, vier Aktionen, bei denen wir das Gefühl hatten, dass er mit dem Risiko, das er geht, uns den ein oder anderen Umschalter kosten kann“, sagte der Coach. „Da muss er noch lernen, dass die Balance im letzten Drittel dann noch da sein muss, dass er den Ball dann vielleicht nochmal zum Mitspieler bekommt. Damit wir nicht nach diesen Einzelaktionen dann wieder in einen Umschalter laufen.“ Einen diesen Umschalter, bei dem Moore die Kugel verlor, stoppte Tom Krauß mit einem taktischen Foul. Der beste Kölner Spieler sah dafür den gelben Karton, verhinderte aber eine besonders gefährliche Situation. „Wir dachten, mit Luca hätten wir dann zwischen den Linien einen Spieler, der da auch gefährlich werden kann, der das im Training auch jeden Tag nachweist. Der Wechsel hat zu diesem Zeitpunkt für uns Sinn gemacht“, sagte Wagner weiter.
René Wagner erklärt seine Entscheidung – doch Fragen bleiben
Über den Sinn von Wechseln lässt sich nach einem Spiel natürlich viel leichter urteilen. Doch Waldschmidt war nach seiner Einwechslung auch kein Faktor. Der ehemalige Nationalspieler kam noch zu einem Abschluss, der aber geblockt wurde. Tatsächlich erzeugte der Offensivspieler bei diesem Versuch statistisch genauso viel Torgefahr wie Said El Mala bei seinen fünf Abschlüssen zuvor. Beide erreichten mit ihren Schüssen einen xGoals-Wert von 0,4. Und zur Wahrheit gehört auch, dass neben Moore auch ein weiterer Spieler den Ball „vielleicht nochmal zum Mitspieler“ hätte bringen können. So als El Mala im ersten Abschnitt von der linken Seite in die Box zog und mit Moore, Isak Johannesson und Linton Maina nicht nur drei Spieler besser positioniert schienen, sondern auch deutlich gestikulierten, dass sie ebenfalls gerne mit dem Spielgerät hantieren wollten.
El Mala kam immerhin auf fünf Abschlüsse und der 20-Jährige sorgte insgesamt erneut für die größte Gefahr, musste aber auch nach 80 Minuten vom Platz. „Abgesprochen war die Auswechslung nicht“, gestand der 19-Jährige später. „Mir ging es noch gut. Wenn der Trainer sagt raus, dann heißt es raus. Da gibt es nichts zu diskutieren.“ Das sahen die Fans wohl eindeutig anders. Denn auch nach dem Spiel war der Unmut der Anhänger im Stadion deutlich zu hören. Pfiffe, „Wagner raus“-Rufe – die Stimmung angespannt. Auch in den Sozialen Medien wird gerade über die Wechsel des Trainers heftig diskutiert.
Ob Moore in den verbleibenden gut 20 Minuten tatsächlich noch für die entscheidende Aktion gesorgt hätte, bleibt Spekulation. Genauso wenig lässt sich behaupten, dass Wagner mit seiner Einschätzung grundsätzlich falsch lag. Der Trainer wollte das Risiko von Ballverlusten und gefährlichen Gegenstößen reduzieren, gleichzeitig aber mit Waldschmidt einen Spieler bringen, der zwischen den Linien für Gefahr sorgen sollte. Der erhoffte Effekt blieb jedenfalls aus. Die „Wagner raus“-Rufe nach Abpfiff machten deutlich, dass die Geduld bei Teilen des Kölner Anhangs weiter schwindet. Ausgerechnet vor zwei Duellen gegen Union Berlin innerhalb weniger Tage wächst damit auch der Druck auf den FC-Trainer.
Verpasse keinen Artikel mehr und markiere come-on-fc.com als bevorzugte Quelle
