Mit neun Punkten aus acht Spielen belegt der 1. FC Köln aktuell Platz 13 der Bundesliga. Trotzdem ist die Situation angespannt. In den kommenden beiden Partien gegen Bayer Leverkusen und den FC Bayern sind die Geißböcke der klare Außenseiter. Da Teile der Konkurrenz in direkten Duellen punkten werden, droht dem FC nach zehn Spielen ein Abstiegsplatz. Dennoch ist die Stimmung rund um den Verein aufgrund des deutlichen Siegs im Pokal und dem gewonnenen Derby vor einigen Wochen gar nicht so schlecht. Die Ausgangslage erinnert beinahe schon an eine Situation vor einigen Jahren. Damals konnte der FC den Kopf noch aus der Schlinge ziehen – gelingt das am Sonntag erneut?
Partien gegen Bayer Leverkusen bringen immer eine gewisse Brisanz mit. Am Sonntag geht es für den 1. FC Köln im Duell mit dem Nachbarn allerdings um mehr, als nur um drei Punkte. Der Ausgang könnte den weiteren Saisonverlauf nachhaltig beeinflussen. Auch die Zukunft von René Wagner könnte auf dem Spiel stehen.

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Der 1. FC Köln hat sich schon einmal in einer vergleichbaren Situation befunden. Nach 14 Spieltagen in der Saison 2019/20 wackelte der Stuhl des damaligen FC-Trainers Markus Gisdol. Das Heimspiel gegen die Werkself galt als letzte Bewährungsprobe. Trotzdem traf Gisdol eine mutige Personalentscheidung. Anstatt auf die erfahrenen Marcel Risse oder Louis Schaub zu setzen, ließ er im rechten Mittelfeld erstmals ein junges Talent aus der eigenen Jugend auflaufen. Der Name dieses 17-Jährigen war: Jan Thielmann.
Das Debüt des Eigengewächses ist wohl eben so unvergessen, wie der spätere Spielverlauf. Nach einem Leverkusener Platzverweis traf Jhon Cordoba in der 73. Minute zur 1:0-Führung, kurz darauf folgte ein weiterer Platzverweis, bevor Sebastiaan Bornauw in der 84. Minute auf 2:0 erhöhte und damit den Heimsieg endgültig sicherte. Daran anschließend folgten sieben Siege aus den nächsten neun Spielen, die nicht nur Gisdol den Job sicherten, sondern die Geißböcke auch in der Liga hielten. Womöglich kann das anstehende Spiel gegen den Nachbarn von der anderen Rheinseite wieder so eine Euphorie entfachen.
Schlechte Karten in Fernduellen
Die Abstände sind nach etwa einem Viertel der Saison noch sehr klein. Zwischen Platz acht und 16 liegen lediglich vier Punkte und ein Spieltag kann alles auf den Kopf stellen. Aktuell sind die Geißböcke ein Teil dieser Gruppe, das kann sich allerdings bald schon geändert haben. Mit Bayer Leverkusen und dem FC Bayern stehen den Domstädtern zwei anspruchsvolle Aufgaben bevor. Niederlagen gegen diese beiden europäischen Spitzenmannschaften sind zwar keine Schande, könnten in der aktuelle Situation jedoch die weitere Saison entscheidend beeinflussen.
Mit Hamburg gegen Gladbach und Hoffenheim gegen Schalke treten an diesem Spieltag gleich mehrere Konkurrenten im direkten Duell gegeneinander an. Die entsprechenden Mannschaften haben also die Gelegenheit am FC vorbeizuziehen oder ihren Vorsprung auszubauen. Nach der Länderspielpause reist der FC nach München, wo mit dem Rekordmeister, der stärkste Gegner der Liga wartet. Erneut gilt ein Punktgewinn als unwahrscheinlich, während andere Teams die Chance haben zu punkten. Bei einem Zwei-Punkte-Vorsprung auf Rang 17, ist ein Abstiegsplatz nach zehn Spieltagen nicht auszuschließen. Sollte dieses Szenario eintreten, dann könnten auch die Tage von Wagner als Cheftrainer gezählt sein. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders.
Einzelne Spiele überschatten das Hauptgeschäft
Obwohl der FC vor einigen Herausforderungen steht, ist die Stimmung bei den Kölner Fans in Ordnung. Gründe dafür dürften vor allem der Derbysieg vor rund einem Monat und der furiose Auftritt im Pokal sein. Solche Spiele können Probleme überschatten und die Laune hochhalten. Das Derby gilt für viele Fans als das wichtigste Spiel der Saison. Dennoch können auch gegen den Rivalen vom Niederrhein nur drei Punkte erzielt werden. Gegen andere direkte Konkurrenten wie den HSV, Schalke 04 und Werder Bremen wurde hingegen nicht gewonnen. Punkte, die zum Saisonende fehlen können.
Ähnliches gilt für das Pokalspiel. Der 5:0-Sieg hat gezeigt, dass der FC Spiele dominieren und gewinnen kann. Pokalspiele sind zudem etwas besonderes und bleiben in Erinnerung. Für das Ligageschäft bringen sie trotzdem nicht viel. Ex-Kapitän Jonas Hector erklärte kürzlich in seinem Podcast „Schlag & Fertig“, dass Pokalwettbewerbe für ihn immer eher lästig waren. Sein Hauptargument: Sie lenken vom Hauptgeschäft ab und das ist nun mal die Liga. Hector soll Steffen Baumgart sogar gebeten haben, ihn in der Conference League zu schonen, damit er am Wochenende uneingeschränkt fit ist. Ähnliches könnte auch gerade am Geißbockheim passieren. Durch den Erfolg im Pokal und den Sieg gegen den größten Rivalen wird ausgeblendet, wie ernst die Situation um den FC ist bzw. wie ernst sie bald schon sein kann. Ein Sieg gegen Leverkusen würde helfen, diese Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen.
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