Mit Max Finkgräfe und Damion Downs haben in dieser Saison schon zwei Kölner Talente ihr Bundesliga-Debüt beim FC gefeiert. Dennoch monieren viele Fans die wenige Spielzeit der eigenen Hoffnungsträger. Zu recht? DFB und DFL haben zu diesem Thema eine Studie veröffentlicht.
Max Finkgräfe und Damion Downs feierten in dieser Spielzeit bereits ihr Profidebüt. Dennoch kritisieren Fans, dass der Kölner Coach dem Nachwuchs zu wenig Spielzeit gebe. Gerade in der Krise beim 1. FC Köln: Ist Baumgarts Weg mit den Talenten der richtige?

Nach dem schwachen Saisonauftakt mit sechs Punkten und einem Sieg aus elf Bundesliga-Spielen sowie dazu noch dem Aus in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen einen sicher nicht übermächtigen Zweitligisten wächst der Unmut rund um das Geißbockheim. Neben Sportdirektor Christian Keller gerät auch Trainer Steffen Baumgart zunehmend in die Kritik. Der Trainer halte stur an seinem Spielsystem fest und gebe gerade in der schwierigen Phase den jungen Spielern zu wenig Einsatzzeit. „Schlechter als die aktuellen Spieler kann es doch auch nicht sein“, lautet das Argument einiger FC-Anhänger. Auch, weil die Kölner Nachwuchsspieler sich gerade so verheißungsvoll präsentieren.
Vor allem Max Finkgräfe wusste in dieser Spielzeit bereits zu überzeugen. Das Talent gab nach einer überzeugenden Vorbereitung mit den Profis sein Bundesliga-Debüt und ist in der U21 ein absoluter Leistungsträger. Erst am Samstagnachmittag war der 19-Jährige beim 3:3 gegen Gütersloh an zwei Toren unmittelbar beteiligt. Und auch bei den Profis setzte Finkgräfe bereits seine Duftmarke. Insgesamt kommt der Schienenspieler in der Bundesliga auf vier Einsätze, Damion Downs, der ebenfalls sein Debüt feierte, spielte bislang einmal. Gegen Porz kamen die Youngsters erneut zum Einsatz. Torschütze Finkgräfe erhielt ein Extra-Lob. „Es sieht nicht so schlecht aus, was der Kleine da macht. Wir haben immer mehr gute Alternativen“, sagte der Kölner Coach, der diese Alternative aber zuletzt nicht berücksichtigte. Baumgart vertritt die Meinung, die Kölner Youngsters sollen erst einmal Spielpraxis in der U21 sammeln. Viel Einsatzzeit in der Reserve sei demnach besser als wenig Einsatzzeit bei den Profis.
Studie gibt Baumgart recht
Tatsächlich ist genau dieses Thema ein großes beim DFB. So veröffentlichte der Verband gemeinsam mit der DFL eine Studie zur Talentförderung. „England und Frankreich haben in dem U21-Bereich drei bis vier Mal so viele Spieler, die in den Profiligen eingesetzt werden wie wir. Das heißt, in der Breite fehlt uns die Spitze“, zitiert der „Deutschlandfunk“ Hannes Wolf, den DFB-Direktor für die Bereiche Nachwuchs, Training und Entwicklung. Gerade der Zeitraum nach der A-Jugend gilt als besonders fragil, ist der entscheidende Faktor, der immens wichtige Zeitpunkt für die Entwicklung der Spieler. Und genau dort haben einige internationale Konkurrenten dem deutschen Nachwuchs einiges voraus. Vor allem, weil die jungen Spieler in anderen europäischen Klubs behutsamer an den Profifußball herangeführt werden – das aber über Einsätze in den unteren Profiligen.
Und das hat einen Grund. Daniel Feld, Leiter Nachwuchs & Leistungszentren der DFL, erklärte gegenüber dem Deutschlandfunk, dass sich die Zeit auf einem hinteren Platz im Profikader mit punktuellen Einsätzen tendenziell negativ auf die Entwicklung der Spieler auswirken würde, während regelmäßige Einsätze „auf einem Niveau von 2., 3., vor allem auch 4. Liga“ einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Spieler hätten. Heißt: die Jungprofis werden laut der Experten in ihrer Entwicklung gehemmt, wenn sie zu früh im Kader der Profis auf wenig Einsatzzeit kommen. Mehr Einsatzzeit über Leihen zu unterklassigen Teams wie im Falle von Jonas Urbig und Tim Lemperle oder das eigene Nachwuchsteam wie die Kölner U21 fördern die Entwicklung.
Die Marschroute, den jungen Spielern mehr Zeit in ihrer Entwicklung zu geben, entspricht also den Aussagen von DFB und DFL. Dabei sind es mitunter noch nicht einmal die Klubs, die einen anderen Weg einschlagen. „Wir haben in Deutschland einen sehr engen Flaschenhals, aber auch wenige Talente, die bereit sind, sich über die dritte Liga im Profifußball zu etablieren“, sagte Joti Chatzialexiou, der sportliche Leiter der Nationalmannschaft, in der „Frankfurter Rundschau“. „Spieler kommen aus der Junioren-Bundesliga hoch und wundern sich dann, wenn sie irgendwie mal in der Regionalliga oder in der 3. Liga spielen und glauben, seit vier Jahren Bundesligaspieler gewesen zu sein. Das ist ein Kopf-Thema.“ So fehle es auch oft bei Spielern und deren Umfeld an der nötigen Geduld, wenn es nicht sofort zu Einsätzen bei den Profis reicht.
Zwei Bundesliga-Debütanten
Nun befindet sich der FC allerdings in einer brisanten Lage. Die Kritik, der Kader sei nicht stark genug besetzt, wird von der aktuellen Tabellensituation und Spielweise genährt. Gerade Spieler wie Max Finkgräfe sind durch ihre unbekümmerte Spielweise Hoffnungsträger. Doch der Sprung ist ein großer. Laut diversen Studien schaffen ein bis zwei Prozent der Spieler der vierten Liga den Sprung zu den Profis. Max Finkgräfe und Damion Downs sind bereits einen Schritt weiter und wenn auch nur mit Kurzeinsätzen in der Bundesliga angekommen. Wenn auch nur für wenige Einsatzminuten. Sie werden ihren Weg machen.
Der Vorwurf, Baumgart vernachlässige die Jugend, ist zumindest im direkten Ligavergleich auch nicht ganz richtig. Tatsächlich gibt der FC in der Kategorie der Eigengewächse der Bundesligisten keine schlechte Figur ab, belegt mit sieben Spielern aus den eigenen Reihe den vierten Platz und ist eins der wenigen Bundesliga-Teams, die in dieser Spielzeit bereits zwei Debütanten im eigenen Team haben. Gerade in der Krise setzt der Kölner Coach bewusst auf die Routiniers, die Erfahrung. „Wir sollten nicht die kleinsten Strohhalme greifen, sondern die, die ein bisschen dicker sind“, hatte der Trainer vor einigen Woche gesagt. Ob der Weg der richtige ist, wird sich spätestens am Ende der Saison zeigen.

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