Die Kritik an René Wagner und seinem Team war nach dem 0:0 gegen den FC Schalke 04 groß. Nun gab die Mannschaft im Pokal die richtige Antwort. Denn das 5:0 war der Gegenpol zu den kritischen Stimmen der Fans. Wie nachhaltig der vermeintliche Befreiungsschlag ist, könnte sich schon am Sonntag zeigen. Dann ist Köln in der Liga zu Gast bei Union Berlin.
Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, heißt es bekanntlich. Tatsächlich zeigte der 1. FC Köln gegen Union Berlin ein anderes Gesicht als in weiten Teilen des bisherigen Saisonverlaufs. Der FC spielte zwei Hälften mutig nach vorne, entwickelte eine beeindruckende Torgefahr und nutzte diese auch weitestgehend konsequent. Doch in der Liga muss nun nachgelegt werden.

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Es war schon eine besonders innige Umarmung, die Thomas Kessler und René Wagner nur wenige Minuten nach dem 5:0-Erfolg über Union Berlin teilten. Man sollte in die Geste vielleicht nicht zu viel hineininterpretieren, doch sie stand besonders gut für das kollektive Gefühl des 1. FC Köln. Das Gefühl einer Befreiung. „Es ist nach diesen 90 Minuten, die wir gespielt haben, extrem viel Last von uns abgefallen“, erklärte der Doppel-Torschütze Said El Mala, der mit seinen beiden Treffern und einem Assist sehr großen Anteil am Kölner Erfolg hatte. Der ganzen Mannschaft war die Erleichterung nach dem Kantersieg anzumerken. Noch lange nach dem Abpfiff tanzte die Mannschaft durch den Dauerregen in Müngersdorf, vor den Fans in der Südkurve. „Wir haben uns jetzt den Frust von der Seele geschossen“, sagte Linton Maina, der zweite große Matchwinner der Begegnung.
1. FC Köln: Nach „Wagner raus“-Rufen folgt die Entlastung im DFB-Pokal
Der Pokalerfolg war sicher eine große Frustbewältigung, er verdeutlichte aber auch ein weiteres Mal wie nah Freud und Leid im Fußball beieinander liegen. Am Samstag münzte die Katerstimmung in „Wagner raus“-Rufe, in Pfiffe. Die Kritik am Trainer ist nicht neu, sie begleitet René Wagner schon seit Beginn der Saison. Doch der Ton nach der Nullnummer gegen Schalke war ein anderer. Und mit einer Niederlage im Pokal und einem weiteren trostlosen Auftritt an der Alten Försterei am Sonntag wäre die Trainerfrage sicherlich auch eine einige Etagen höher geworden. Dann wäre es mit der oft zitierten „Rückendeckung“ so eine Sache geworden. Die musste Thomas Kessler seinem Trainer am Sonntag noch aussprechen und das ist bekanntlich, aber ironischerweise nie ein besonders gutes Zeichen. Dabei gibt es dem Vernehmen nach am Geißbockheim ohnehin (noch) nicht die ganz großen Zweifler.
Thomas Kessler gilt als Befürworter des Trainers. Der Sportchef hat Wagner nach Lukas Kwasniok als zweiten Cheftrainer seiner Amtszeit verpflichtet. Entsprechend steht mit der sportlichen Entwicklung auch seine eigene Personalentscheidung auf dem Prüfstand. Und so war der Erfolg natürlich auch Balsam auf der geschundenen Sportchef-Seele, die Umarmung mit Wagner vielleicht auch ein kleines Zeichen von „Habe ich doch gesagt“. Tatsächlich zeigte der FC am Dienstagabend die richtige Reaktion auf die Kritik an Trainer und Team. Nahezu den gesamten Saisonauftakt hatte es an Ideen, Präzision und kreativen Momenten im letzten Drittel gefehlt. Gegen Union fand Köln immer wieder Wege hinter die letzte Kette. Besonders Said El Mala und Linton Maina sorgten mit ihrem Tempo und ihrem Zusammenspiel dafür, dass aus vielversprechenden Angriffen diesmal auch klare Torchancen wurden.
René Wagner und Thomas Kessler: Was der 5:0-Sieg gegen Union Berlin bedeutet
Der FC war in der Offensive plötzlich zielstrebig, fand Lösungen und vor allem das Tor. „Es hat nur noch gefehlt, dass ich noch ein Tor schieße“, sagte Joel Schmied mit einem breiten Lächeln. „Es tat auch mal gut, dass vorne jeder Mal getroffen hat.“ Wagner, der auch für seine Einwechslungen am Samstag kritisiert worden war, fand sein Goldenes Händchen. Denn Isak Johannesson und Sebastian Sebulonsen trafen nach ihrer Einwechslung. Joker Reigan Heskey bereitete ein Tor vor, Einwechselspieler Jan Thielmann leitete einen Treffer stark ein. „Es ist schon cool, wenn die Einwechselspieler dann auch noch mal einen Akzent setzen können“, sagte der Schweizer weiter, der aber auch Kritik äußerte. „Ich hatte nach dem zweiten Tor das Gefühl, dass wir nicht mehr so richtig den Zugriff hatten. Wir hatten da noch ein paar einfache Ballverluste. Wenn wir heute einen Gegner gehabt hätten, der ein wenig konsequenter ran gegangen wäre, wäre es vielleicht nochmal eng geworden.“
Das 5:0 darf beim 1. FC Köln nicht über Schwächen hinwegtäuschen
Das wurde es nicht, weil die Kölner den Deckel drauf machten. Nach dem 1:0 durch Said El Mala in Durchgang eins trafen Linton Maina, erneut El Mala sowie eben Johannesson und Sebulonsen. Dennoch darf das 5:0 nicht über Schwächen hinwegtäuschen und die von Wagner angesprochene Erwartungshaltung steigen lassen. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass der FC auf erschreckend schwache Köpenicker traf. Schwache, aber durchaus auch gefährliche Berliner, die ebenfalls die Chance auf die Führung hatten. Das war nach dem 5:0 dann aber kein Thema mehr. Vielmehr standen die jüngsten beiden Begegnungen symptomatisch für das in Köln oft kolportierte: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. „Das war schon ein Crashkurs 1. FC Köln“, sagte Wagner. „Man hat erlebt, was hier passieren kann, wenn Leute mit einer Leistung und Ergebnissen unzufrieden sind. Man erlebt aber auch, was passiert, wenn wir den Fußball auf den Platz bekommen, den wir wollen.“
Wagner betonte, dass es nicht um seine Gefühlslage gehe. „Es freut mich, dass sich die Mannschaft für das, was sie auf den Platz bringt, belohnen konnte“, so Wagner weiter. Tatsächlich hat die Mannschaft mit dem deutlichen Pokalerfolg ein wichtiges Zeichen gesetzt. Nach den Diskussionen über fehlende Ideen, mangelnde Effizienz und die Entscheidungen des Trainers folgte die Antwort diesmal auf dem Rasen. Und die fiel mit fünf Toren deutlicher aus, als es vor dem Anpfiff wohl viele erwartet hatten.
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