Seit einigen Wochen ist der Trainer nun im Amt. Im Trainingslager sprach der Coach mit come-on-fc nicht nur über die Fannähe des Vereins, die dann doch überraschende Realität beim FC und den Weg zum Ziel des 1. FC Köln: Das sagt Lukas Kwasniok im Interview.
Nach ein paar Wochen als Cheftrainer des 1. FC Köln hat Lukas Kwasniok seine ersten Erfahrungen mit dem Verein und der Mannschaft gesammelt. Der Coach äußert sich zu einer Zeit beim 1. FC Köln: Das sagt Lukas Kwasniok im Interview.

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Herr Kwasniok, vor einigen Tagen beim Fan-Fest in Bad Waltersdorf haben wir Sie beim Zapfen, aber auch beim Bierverkauf beobachten dürfen. Haben Sie eine neue Berufung gefunden?
Lukas Kwasniok: Nein, auch wenn ich das nicht zum ersten Mal gemacht habe – im FC-Dress natürlich schon. Wenn du im Amateurfußball groß wirst, dann wirst du bei den Sportfesten auch für den Bierwagen eingeteilt. Insofern bin ich eigentlich geübt, aber der Zapfhahn lief nicht so gut. Es war schon sehr schaumig. Aber im Ernst: Wir wollen nahbar bleiben, deshalb habe ich das gerne gemacht. Ich glaube, in Köln ist es ganz wichtig, den Menschen das Gefühl zu geben, dass du Teil dieses Clubs bist. Wahrscheinlich ist diese Verbundenheit bei keinem anderen Verein in Deutschland so sehr ineinander verwurzelt wie hier. Die Menschen in Köln geben einem das Gefühl, der FC gehört zu der Stadt und die Stadt zum FC. Das ist schon sehr, sehr speziell.
Haben Sie das bei Ihrem Amtsantritt so erwartet?
Natürlich wurde mir erzählt, wie es in Köln so ist. Es ist ein bisschen so, wie wenn dir erzählt wird, dass sich mit einem Kind das Leben verändert, dann denkst du auch: ,Ja, ja – Danke für den Hinweis‘. Und wenn es dann soweit ist, merkst du, dass sich tatsächlich alles verändert hat. So ähnlich war das jetzt beim FC. Du versuchst dich darauf einzustellen und wenn es dann soweit ist, ist es doch nochmal etwas anderes.
Wie wichtig ist es, als Trainer Inhalte, Ideen oder eben Spielweisen dem Team “gut verkaufen“ zu können?
Verkaufen ist für mich der falsche Begriff. Du musst die Jungs davon überzeugen, dass das, was du machst, ein erfolgreicher Weg sein kann. Insofern würde ich aus „Verkaufen“ „Überzeugen“ machen. Du musst sie von deiner Idee begeistern können. Und ihnen zeigen, dass dieser Weg uns ans Ziel führen kann. Jeder Spieler hat schon verschiedenste Trainer gehabt und mit der Erfahrung fühlen sie sehr schnell, ob der Trainer wackelt, in dem, was er tut oder ob er von seinem Weg absolut überzeugt ist.
Sie sind ein sehr kommunikativer Trainer, suchen das Gespräch mit den Spielern, scheinen bereits ein Vertrauen aufzubauen. Wie wichtig ist für Sie ein enges Vertrauensverhältnis?
Das Vertrauensverhältnis baut sich erst mit der Zeit auf. Es wäre fatal, wenn die Jungs mir jetzt schon komplett blind vertrauen würden. So schnell geht das nicht. Das ist ein Prozess, aber es ist natürlich das Ziel. Die Jungs sollen auf das Feld gehen und erkennen, dass sie einen Wettbewerbsvorteil haben, weil sie Dinge machen oder eben nicht machen. Das müssen sie aber erst einmal spüren und fühlen. Deswegen habe ich aktuell noch nicht diese Erwartungshaltung. Wir haben schon ein gutes Verhältnis. Erstmal beobachte ich die Dinge lange, ohne sie zu bewerten.

„Das wird immer ein Teil von mir sein“
Eine Bewertung haben Sie nach dem Spiel gegen Fortuna Köln getroffen, einige Spieler scharf kritisiert. Hätten Sie gedacht, mit der Mannschaft schon weiter zu sein oder haben Sie einige der Jungs anders eingeschätzt?
Ich habe das nicht als schlimme Aussage empfunden. Nach so einem Spiel, bei dem wir teilweise nicht auf Augenhöhe mit einem Regionalisten waren, muss ich nicht um den heißen Brei rum reden und so tun, als ob es reichen würde. Bei allen Jungs, mit denen wir hier im Trainingslager arbeiten, habe ich das Gefühl, dass alle das Potenzial haben, am ersten Spieltag in der Startelf zu stehen. Zum Trainingslager sind vier Jungs dazu gekommen mit Eric, Jan, Said und Seb. Also mussten wir Entscheidungen treffen, weil ich kein Freund von einem Trainingslager mit 33 Spielern bin. Es geht nicht darum, als sozialer, guter Mensch dazustehen, wir sind im Leistungssport.
Ihre Aussagen wurden von vielen Fans als erfrischend ehrlich und authentisch wahrgenommen. Gibt es denn auch Momente, in denen Sie sich im Nachhinein besser gebremst hätten?
Im FC-Dress ist mir das noch nicht passiert. Es wird immer ein Teil von mir sein, dass ich – für andere ungewohnt, für mich normal – Dinge klar anspreche.
Eins Ihrer Mottos ist „Work hard, be smart“. „Work hard“ haben wir nun einige Wochen hautnah miterlebt, wie sieht „be smart“ aus?
„Be smart“ bedeutet dann auch mal einen Trainingstag freizugeben. Wir arbeiten drei, vier Tage sehr hart und machen dann einen Tag frei. Ich mag es einfach nicht, nur zu trainieren, um Beobachtern das Gefühl zu geben, hier wird richtig durchgezogen. Das ist für mich Zeitvergeudung – viel wichtiger ist es, dass auch der Kopf zwischendurch regenerieren kann.
„Dann macht auf einmal alles Sinn“
Wie weit sehen Sie den Kader nach der Hälfte der Vorbereitung?
Ich bin zufrieden. Auch mit dem Trainingslager. Wir sind deutlich weiter als nach den ersten beiden Wochen. Es ist schon eine exponentielle Kurve zu erkennen. Das war das klare Ziel unseres Trainingslagers. In letzten Einheiten war eine ganz andere Haltung und Herangehensweise zu erkennen. Die Jungs haben meine Ideen so langsam verinnerlicht und wir sind auf einem guten Weg. Es gibt aber noch viele Themen, die wir noch gar nicht angegangen sind, wie zum Beispiel die Arbeit gegen den Ball.
Ihre Spieler sprachen zum einen davon, dass das Training aktuell sehr intensiv ist, sie erklärten aber auch, dass es gar nicht so einfach sei, die Spielidee zu adaptieren. Ist die so komplex?
Die Jungs sind aus der Vergangenheit einen anderen Ansatz gewohnt, und zwar im körperlichen Bereich als auch im gedanklichen. Es ist nicht komplex, es ist anders – ein anderer Spielstil, andere Spiel- und Belastungsformen. Die einzelnen Elemente passen immer besser, und Du merkst: die Zahnräder greifen ineinander und dann macht auf einmal alles Sinn. Dass es in den ersten Wochen hakt, ist ganz normal.
Das Gespräch führte Simon Bartsch
In Teil 2 des Interviews spricht der Trainer über Eric Martel und Said El Mala, die Kaderplanung mit Thomas Kessler und die Hintergründe seiner Kaderentscheidungen. Der zweite Teil erscheint Montagmorgen.
