René Wagner schreit bei einem Spiel des 1. FC Köln
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Kommentar: Zu große Erwartungshaltung? Der Fan des 1. FC Köln fordert (vorerst) nicht mehr als das Erwartbare… und das Angekündigte

Thomas Kessler stärkt René Wagner trotz der wachsenden Kritik den Rücken. Bei der Frage nach der Erwartungshaltung der Fans setzt der Geschäftsführer Sport allerdings einen anderen Akzent als sein Trainer. Und das ist richtig. Denn die Unzufriedenheit der Kölner Anhänger lässt sich nicht allein mit den besonderen Ansprüchen am Standort erklären.

Die Rückendeckung für René Wagner war erwartbar. Interessanter war, was Thomas Kessler am Sonntag über die Erwartungen der Kölner Fans sagte. Während der Trainer die besonderen Ansprüche am Standort betonte, wollte der Geschäftsführer Sport diese nicht bewerten. Eine bemerkenswerte Nuance in einer Debatte, in der die sportlichen Probleme des FC nicht aus dem Blick geraten sollten.

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Nein, überraschen konnte Thomas Kessler am Sonntagvormittag wahrlich nicht. Natürlich stärkte der Geschäftsführer Sport seinem Trainer bei der Einheit den Rücken. Er habe die „volle Rückendeckung“, sagte der ehemalige Keeper der Kölner. Und das aus mehreren Gründen. Der simpelste: So lange eine Trainerentscheidung nicht gefallen ist und wichtige Spiele anstehen, wäre es ziemlich fatal, dem Coach nicht öffentlich das Vertrauen auszusprechen. Ein weiterer? Eine Entlassung des Trainers wäre auch eine gefühlte Niederlage für „Kess“ und nach Lukas Kwasniok der zweite Trainergriff, der daneben gegangen wäre. Ein möglicher? Die Kölner Führungsetage traut Wagner die sportliche Wende weiterhin zu. Acht Punkte aus sieben Spielen sind auch noch weit entfernt von einem Offenbarungseid. Dass der Coach nun den – zugegeben erwartbaren – heftigen Gegenwind der Fans zu spüren bekommt, hat der 40-Jährige natürlich mitbekommen.

Thomas Kessler über die Erwartungshaltung der Fans des 1. FC Köln

Kessler überraschte dann aber doch mit einer Aussage. Er würde sich nicht anmaßen, die Höhe der Erwartungshaltung der Kölner Anhänger zu bewerten, so der Tenor des Sportchefs. Von der hatte Wagner am Tag zuvor gesprochen. Die sei „an diesem Standort riesig“, so der Trainer. Es ist ein Satz, den man in Köln schon häufig gehört hat. Zu häufig. Die FC-Fans träumen nach dem zweiten Sieg von der Champions League, heißt es viel zu schnell. Dabei wird oft das Augenzwinkern bei einer aufkeimenden Euphorie übersehen. Was wiederum nicht bedeuten soll, dass der Kölner nicht auch ein hoffnungsloser oder eben hoffnungsvoller Träumer sein kann und darf. Denn eine gewisse Erwartungshaltung sollte man im Sport weder als Spieler, noch als Trainer und auch nicht als Fan vermissen lassen. Erwartung spielt in der Sportpsychologie eine beeindruckend wichtige Rolle – in beide Richtungen.

Wagner hat schon einige Standorte der Bundesliga erlebt, für verschiedene Vereine gearbeitet und kann deswegen auch natürlich einordnen, dass die Erwartungshaltung in Köln dann tatsächlich eine Spur größer ist. So weit so gut. Nur erklärt das noch lange nicht, warum der FC gegen einen ersatzgeschwächten Gegner über weite Strecken so wenig zustande brachte, in dieser Saison noch nicht so wirklich eine Handschrift erkennen ließ – gerade in der Offensive. Die Erwartungshaltung erklärt auch nicht, warum Problemfelder nicht in den Griff bekommen werden. Wagners Feststellung ist keine Erklärung für die offensichtlichen Kölner Schwächen und damit auch nicht für den wachsenden Unmut. Die Kölner Fans erwarten nicht, dass der FC durch Europa tourt – zumindest noch nicht. Die FC-Anhänger gehen auch nicht davon aus, dass ein Aufsteiger mit einem Torfestival aus dem Stadion geschossen wird.

Kritik an René Wagner: Was die FC-Fans erwarten dürfen

Die Kölner Fans erwarten nicht weniger als das Erwartbare und ja, als auch das Angekündigte. Eine Entwicklung der Spieler, der Mannschaft, aber auch einer Spielidee zum Beispiel. Oder die Intensität, die die angekündigte fitteste Mannschaft der Liga dann doch oft vermissen lässt. Das ist keine überzogene Erwartung. Das ist eine ziemlich normale Anforderung an einen Trainer und auch an die Kaderplaner. Wagner hob nach der Begegnung hervor, dass seine Spieler alles gegeben hätten. Ähnlich klangen auch die Worte von Borna Sosa. Daran gibt es wenig Zweifel. Die Mannschaft arbeitet, läuft, kämpft. Sie hat gegen Schalke erstmals in dieser Saison kein Gegentor kassiert. Nach den defensiven Problemen der vergangenen Wochen ist das durchaus ein Fortschritt. Nur darf die Bewertung eines Bundesligaspiels nicht beim Einsatz enden.

Dass Profifußballer alles versuchen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Entscheidend ist, was am Ende dabei herauskommt. Und wenn die Mannschaft alles gegeben hat und das Resultat am Samstag auf dem Platz zu sehen war, dann stehen dem FC schwere Zeiten bevor. Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang die Kritik aus der eigenen Mannschaft. Marius Bülter bemängelte das fehlende Tempo und die mangelnde Durchschlagskraft. Luca Waldschmidt sprach von einem langsamen, trägen Auftritt. Die Spieler benannten damit ziemlich genau das, was viele Zuschauer zuvor gesehen hatten. Man muss also keineswegs überhöhte Ansprüche haben, um mit diesem Auftritt unzufrieden zu sein. Es ist zu kurz gedacht, die Unzufriedenheit vor allem mit der besonderen Kölner Erwartungshaltung zu erklären. Die Kritik ist nicht allein das Ergebnis eines emotionalen Umfelds. Sie hat eine sportliche Grundlage.

Der FC braucht keinen Zauberfußball. Er muss auch nicht jeden Gegner dominieren. Aber die Anhänger dürfen erwarten, dass die Mannschaft Lösungen entwickelt und auf erkannte Schwächen Antworten folgen. Wagner hat bei der defensiven Stabilität zuletzt Fortschritte erzielt. Nun steht er vor der Aufgabe, auch die Offensive wieder gefährlicher zu machen. Dass das nicht von heute auf morgen gelingt, sollte jedem klar sein. Zumal die personellen Probleme die Arbeit zusätzlich erschweren. Geduld ist deshalb durchaus angebracht. Sie darf allerdings nicht mit Anspruchslosigkeit verwechselt werden. Denn Geduld bedeutet nicht, die eigenen Erwartungen aufzugeben, sondern der Entwicklung Zeit einzuräumen. Und ob diese Entwicklung tatsächlich stattfindet, daran wird sich Wagner messen lassen müssen.

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