Mit Borna Sosa endet für den FC der Transfer-Sommer – zumindest auf der Zugangsseite. Thomas Kessler hat wieder ordentlich investiert und die Mannschaft umgekrempelt. Wie im Vorjahr gibt es viel Euphorie rund um den 1. FC Köln: Thomas Kessler hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Wenige Minuten vor dem offiziellen Transferschluss war es so weit, der FC hat auch den letzten Sommer-Transfer unter Vertrag genommen. Und es klingt nicht wirklich nach einem Schuss aus der Hüfte. Borna Sosa hat jedenfalls reichlich Erfahrung, überzeugte bereits in der Bundesliga. Auch, wenn es zuletzt nicht mehr so rund lief. Insgesamt scheinen sich die Geißböcke aber sehr breit und gut für die kommende Spielzeit aufgestellt zu haben.

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Was haben Marvin Schwäbe, Timo Hübers und Linton Maina gemeinsam? Sie gehören zu den fünf Spielern, die im aktuellen (berücksichtigten) Kader der Geißböcke stehen und die bereits vor der Amtszeit von Thomas Kessler verpflichtet worden sind. Mal abgesehen von den eigentlichen Abgangskandidaten Julian Pauli, Imad Rondic und Elias Bakatukanda bleiben dann nur noch Luca Waldschmidt und Jan Thielmann übrig. Fünf Spieler haben also das erste Jahr unter Thomas Kessler „überlebt“, sind von den Planungen eines Christian Kellers (und Vorgängern) übrig geblieben. Fünf Spieler, von denen aber auch nur Schwäbe und Hübers über jeden Zweifel erhaben sind oder vorerst sein werden. Um Waldschmidt, Thielmann und Maina gab es mindestens Spekulationen. Alle drei schoben diesen mit klaren Aussagen jeweils einen Riegel vor. Wie heiß ein Abschied wirklich war, ist nicht bekannt. Aber selbst die Spekulationen sind natürlich ein Zeichen dafür, dass die drei Kandidaten dann zumindest nach außen nicht immer unumstritten waren.
Wirtschaftlich enorm gesteigert
Kessler ist eine Saison in neuer Position, hat sich zweifelsfrei von seinem Vorgänger emanzipiert. Das ist insofern bemerkenswert, da es nicht wenige Unkenrufe gab, die eine Veränderung angesichts der Nähe der beiden Sport-Verantwortlichen für unmöglich hielten. Kessler war eine Art Kellers rechte Hand. Der Verdacht, der Ex-Chef könnte seinem Nachfolger die vermeintlichen falschen Tipps mit auf den Weg gegeben haben, lag für viele Fans nahe. Aber Kessler hat in seinem Wirken wenig mit Keller gemein. Der Ex-Keeper hat die Mannschaft komplett umgekrempelt, ihr ein neues Gesicht verliehen und sie qualitativ verbessert – zumindest auf den ersten Blick. Auch auf den wirtschaftlichen. Der Kölner Kader hat nach aktuellem Stand einen geschätzten Marktwert von 160 Millionen Euro, die Steigerung zum Ende der vergangenen Saison erscheint marginal. Doch in genau jene Spielzeit 25/26 waren die Kölner mit einem Kaderwert von 70 Millionen Euro gestartet. Ginge es nach den Werten der Bundesliga-Teams würde der FC diese Runde im sicheren Mittelfeld beenden.
Alleine die Neuverpflichtungen sind laut transfermarkt.de mehr als 40 Millionen Euro wert. Sollten einige FC-Spieler eine ähnliche wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen wie Jakub Kaminski, Jahmai Simpson-Pusey und na gut, Said El Mala im Vorjahr, würden die Kölner mittelfristig tatsächlich mit anderen Saisonzielen hantieren können – zumindest finanziell. Zweifelsohne geht der aktuelle Geschäftsführer Sport auch ein höheres Risiko als sein Vorgänger ein. Kessler nimmt wieder Geld in die Hand, das aber in den vergangenen Jahren so auch nicht da war. Keller wiederum hat den Verein finanziell saniert und somit vielleicht die Basis für den aktuellen Weg gelegt. Der neue Mann auf der Kommandobrücke nimmt Geld, investiert es und hofft auf eine sportliche, vor allem aber auch wirtschaftliche Entwicklung. Denn der Kader wurde eben nicht nur sportlich verändert. Kessler sucht mit seinem Team Talente, die dem FC auch in den kommenden Jahren ein gewisses Risiko ermöglichen.
Ein anderer Weg zum Entwicklungsclub?
Ein Reigan Heskey wurde beispielsweise für rund zwei Millionen Euro verpflichtet. Glaubt man den Erwartungen der englischen Experten könnte der Offensivspieler den FC mittelfristig für ein Vielfaches verlassen. Kessler lebt den Begriff eines Entwicklungsclubs anders aus als sein Vorgänger. Auch dem aktuellen Sportchef ist daran gelegen, seine eigenen Talente zu entwickeln. Allerdings werden diese für Spielpraxis verliehen, sollen sich an anderer Stelle weiterentwickeln. Und dann wird genau geschaut, ob der weitere Weg ein gemeinsamer ist. Kessler blickt genau hin. Nicht umsonst gibt es Anzeichen, dass man bei Spielern wie jetzt konkret Julian Pauli zur Not auch einen Verkauf eben in Kauf nehmen würde. Vielmehr aber setzt Kessler auch auf ganz junge internationale Spieler, die bei einem späteren Verkauf ein Vielfaches einbringen können. Ganz nach dem Vorbild von Borussia Dortmund. Der BVB holte bereits Spieler wie Jude Bellingham, Jadon Sancho und Erling Haaland – die „Entwicklung“ ist bekannt.
Und dabei ist der englische Markt ganz offensichtlich ein sehr interessanter geworden. „Kess“ weiß genau, wo das Geld liegt und wo es verdient wird. Dazu wurde auf der Management-Ebene auch viel umgebaut. Der neue Geschäftsführer setzt andere Schwerpunkte, in einem starken Team. Und legt andere Maßstäbe an. In der Kabine wird nicht mehr nur Deutsch gesprochen. Und das macht durchaus Sinn. Die Qualität des Kaders sollte jedenfalls nicht von solchen Leitplanken eingeengt werden. Auch der einheitliche Spielstil über sämtliche Mannschaften hinweg, festgelegte Taktiken, scheint es nicht mehr zu geben. Eine ähnliche Diskussion, ob Vierer- oder Dreierkette wie in der Zeit um den Abstieg wird jedenfalls nicht mehr geführt. Und dann ist da noch die Causa Said El Mala und eine beeindruckende Härte, ein gutes Verhandlungsgeschick mit einem beeindruckenden Ergebnis, das wohl auch international Türen öffnen könnte.
Sicherlich gibt es auch bei Kessler Themen. Sicherlich ist nicht jede Entscheidung richtig und sicherlich wird auch der Ex-Keeper weitere Fehler beim FC machen. In diesem Sommer sieht es allerdings erneut so aus, als habe Thomas Kessler vor allen Dingen aber viel richtig gemacht.
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Je höher das Risiko, desto größer der potenzielle Gewinn, aber auch das des Verlustes.
Mit Sosa und Moore hat man auf den letzten Drücker zwei kritische Positionen besetzt, wobei man bereits vor einem Jahr mir der Neubesetzung rechnen musste. Entwicklungspotenzial hinter den beiden Positionen? Fehlanzeige!
So wurde die Besetzung auf kommendes Jahr vertagt.
Ich hoffe, dass Kess daraus lernt und sich ab sofort um vakante Positionen des kommenden Sommertransferfensters kümmert und hierbei auch auslaufende Verträge berücksichtigt.
Es geht dabei nicht um erfahrene Spieler, sondern um Perspektivbesetzung.
Die Diskussion um mögliche Transfers zeigt einmal mehr, wie komplex die Realität im Profifußball ist. Positionen können erst dann sinnvoll besetzt werden, wenn die finanziellen Mittel tatsächlich zur Verfügung stehen. Ein Sportdirektor wie Thomas Kessler kann sich seine Wunschspieler nicht einfach aus einem Katalog aussuchen – jeder Schritt ist das Ergebnis harter Verhandlungen, klarer Prioritäten und wirtschaftlicher Verantwortung.
Umso höher ist die Arbeit des FC zu bewerten: Junge, entwicklungsfähige Talente nach Köln zu holen, ist ein strategisch kluger Weg. Natürlich bleibt ein gewisses Risiko – das gilt für jeden Verein und jede Verpflichtung. Das Beispiel Dortmund zeigt es eindrucksvoll: Der Königstransfer fällt nach dem ersten Spiel mit einem Kreuzbandriss aus. Der Fußball ist manchmal unberechenbar und schlägt gnadenlos zu.
Doch genau deshalb sollte die hervorragende Arbeit unseres Sportdirektors nicht infrage gestellt werden. Kessler agiert mit Weitsicht, Konsequenz und einem klaren Plan für die Zukunft des Vereins. Et kütt wie et kütt – und wir blicken voller Hoffnung auf eine Mannschaft, die in der kommenden Saison etwas bewegen kann.
Der FC geht seinen Weg, mit Mut, Augenmaß und einer klaren Idee. Und Köln steht hinter ihm.