René Wagner in der Zwickmühle: Der 1. FC Köln und die fehlende Kreativität im Mittelfeldzentrum

Tom Krauß ist bisher im Zentrum des 1. FC Köln gesetzt
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René Wagner in der Zwickmühle: Der 1. FC Köln und die fehlende Kreativität im Mittelfeldzentrum

Gegen den HSV hatte der FC zwar einige Torchancen, trotzdem tat man sich gegen die tief stehenden Hanseaten häufig schwer. Besonders aus der Mittelfeldzentrale fehlte es an spielerischen Ideen beim 1. FC Köln: Wer soll die Kreativität aus dem Zentrum geben?

Aktuell scheint sich René Wagner auf Tom Krauß und Ellyes Skhiri als Doppelsechs festgelegt zu haben. Die Kombination hat jedoch vor allem mit dem Ball ihre Limitierungen. Das könnte gerade im anstehenden Derby gegen Borussia Mönchengladbach zum Problem werden. Dem FC fehlen im Ballbesitz die Ideen.

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Es hatte ein bisschen was von einer Dauerschleife in der ersten Halbzeit zwischen dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV am vergangenen Samstag. Die Rothosen zogen sich die meiste Zeit tief in die eigene Hälfte zurück, während der FC immer wieder probierte, eine Lücke in diesem dichten Block zu finden. Das gelang ihnen auch hin und wieder, häufig vor durch Einzelleistungen von Mikey Moore oder Said El Mala. Bei der Großchance von Thijs Dallinga kurz vor dem Hamburger Führungstreffer, wurde der Niederländer von einer präzisen Flanke von Gideon Mensah gefunden. Der FC hatte also seine Abschlüsse, Zählbares kam dabei allerdings nicht heraus. Dennoch blieb besonders ein Bereich im Kölner Spiel, der für noch mehr spielerische Lösungen sorgen sollte, in der Chancenkreation eher blass: das Mittelfeldzentrum.

Kaum Ideen aus dem Zentrum

Dort liefen wie schon im Spiel zuvor gegen Werder Bremen Tom Krauß und Ellyes Skhiri auf. Ein Duo, das seine Stärken primär im Spiel gegen und nicht mit dem Ball hat. Dementsprechend hatten die beiden gerade gegen den tiefen Hamburger-Block zu wenige Ideen, um diesen zu knacken. Es kamen kaum spielerische Akzente aus der Kölner Zentrale. Das führte dazu, dass sich die Geißböcke phasenweise sehr schwer taten, Gelegenheiten und Torchancen herauszuspielen. Gerade Krauß konnte in dieser Hinsicht nicht überzeugen. Als aggressiver Leader hat er zwar einen großen Wert für die Mannschaft, aber speziell in Partien, in denen der FC mehr Ballbesitz hat, könnten seine spielerischen Limitierungen zum Problem werden.

Skhiri auf der anderen Seite zeigt zumindest immer wieder Ansätze, wie bei seiner Flanke zum Kölner Anschlusstreffer durch Ragnar Ache kurz vor Schluss. Der Tunesier weist mit überragenden 97,5 Prozent nach vier Spieltagen momentan die beste Passquote der Liga auf, das könnte jedoch auch daran liegen, dass der Sechser eher das Risiko meidet und lieber den sichereren Pass wählt, anstatt die Tiefe zu suchen. Dabei braucht es gegen einen tief stehenden Gegner gerade solche Pässe, die das Tempo des Spiels ändern und es nicht zu statisch werden lassen. Ansonsten kann der Gegner in der Defensive Lücken zu leicht schließen, sofern sich solche überhaupt ergeben.

Ähnliche Herausforderung im Derby

Im Derby nach der Länderspielpause gegen Borussia Mönchengladbach könnten die Kölner vor einer ähnlichen Herausforderung wie in Hamburg stehen. Die Elf vom Niederrhein dürfte nach 16 Gegentoren an den ersten vier Spieltagen, ähnlich wie der HSV, speziell darauf bedacht sein, die Verteidigung zu stabilisieren. Dafür haben sie mit Alexander Blessin einen neuen Trainer verpflichtet, der aus seiner Zeit bei St. Pauli dafür bekannt ist, viel Wert auf eine gute Defensive zu legen. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Borussia dem FC in Müngersdorf den Ball überlässt, zunächst tief steht und auf Umschaltsituationen lauert.

In dem Fall braucht es aus Kölner Sicht auch mehr Lösungen aus dem Mittelfeldzentrum. Nur dürfte die Frage sein, wie sehr Trainer René Wagner seinen Alternativen auf der Sechs vertraut. Mit Isak Johannesson haben die Geißböcke einen Spieler in den Reihen, der für die nötige Kreativität steht. Allerdings kämpft der Isländer seit seinem Wechsel in die Domstadt im vergangenen Sommer mit Leistungsschwankungen und fehlender Konstanz. Außerdem fühlt sich der 23-Jährige am wohlsten in einer etwas offensiveren Rolle. So fallen auch seine Schwächen in der Defensive weniger ins Gewicht. Diese dürften auch ein Grund sein, warum in den vergangenen beiden Spielen Krauß und Skhiri den Vorzug erhielten.

Schwierige Entscheidung für Wagner

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Einsatz von Paul Okon-Engstler. Der 21-Jährige wäre spielerisch gerade im Vergleich zu Krauß ein Upgrade. In der Vorbereitung hatte der Mittelfeldspieler außerdem bereits angedeutet, dass er das Potential für die Bundesliga hat. Gegen den HSV schaffte es der Sommerneuzugang jedoch nicht einmal mehr in den Spieltagskader. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass der australische Nationalspieler in der Rangordnung derzeit hinter den anderen drei Kandidaten steht. So braucht Okon-Engstler für Wagner wohl noch etwas Zeit, um sich an das Niveau in der höchsten deutschen Spielklasse anzupassen.

Damit steht der Coach allerdings vor einer Zwickmühle: Spielerisch kann er zumindest nicht vollständig zufrieden sein mit seinem Zentrum. Gleichzeitig bergen die Alternativen Risiken und haben andere Nachteile. Daher ist es gut möglich, dass der Trainer auch im Derby auf des bekannte Duo vertraut und vielleicht darauf setzt, dass Skhiri das Angedeutete weiter bestätigt. Ansonsten müsste der Rest der Mannschaft die spielerischen Defizite vermehrt auffangen. Glücklicherweise stehen gerade in der Offensive mit Spielern wie Said El Mala und Mikey Moore gleich mehrere Kreativspieler auf dem Rasen. Ohne das Zentrum wird es trotzdem nicht gehen.

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Wagners Anspruch, andere Statistik: Dem 1. FC Köln fehlt ausgerechnet das, was ihn letzte Saison auszeichnete

Mikey Moore im Zweikampf um den Ball
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Wagners Anspruch, andere Statistik: Dem 1. FC Köln fehlt ausgerechnet das, was ihn letzte Saison auszeichnete

Eigentlich verlangt René Wagner von seinem Team eine hohe Einsatzbereitschaft, vor allem gegen den Ball. Wie die Statistik zeigt, konnte die Mannschaft das noch nicht komplett umsetzen trotz Wagners Forderungen: Dem 1. FC Köln fehlt die Intensität.

Gerade im Kampf gegen den Abstieg sind Grundlagen wie die Laufbereitschaft einer Mannschaft sehr wichtig. Nicht umsonst äußerte der Trainer unlängst den Wunsch, die fitteste Mannschaft der Liga zu stellen. In einiger dieser Statistiken hinkt der FC aber zum Saisonstart noch hinterher.

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Wenn man bei Trainern nachfragt, für was für einen Spielstil ihre Mannschaft stehen soll, ist dieses Wort wohl eines der am häufigsten genannten: Intensität. Auch FC-Coach René Wagner hat den Begriff bereits benutzt. „Und generell geht es um Intensität. Wir waren letztes Jahr eine der intensivsten Mannschaften und das werden wir beibehalten“ meinte der Coach schon zu Beginn der Vorbereitung auf die Frage, worauf bei Neuzugängen geachtet werde. Und an diesem Anspruch an sein Team hat sich seitdem nichts geändert. Allerdings zeigt die Statistik, dass es seiner Mannschaft noch schwer fällt, dem auch gerecht zu werden.

Schwache Kölner Laufdaten

Denn gerade die läuferischen Daten, die die Bundesliga veröffentlicht, belegen, dass der FC noch deutlichen Nachholbedarf hat. So liegen die Geißböcke mit Blick auf die Laufdistanz gerade mal auf Platz 14 mit 464 Kilometern. Im Schnitt liefen sie damit pro Spiel knapp acht Kilometer weniger als Bayern München, die in dieser Statistik Spitzenreiter sind. In Sachen Sprints sind die Kölner mit Rang zwölf immerhin im unteren Mittelfeld. Aber damit immer noch deutlich entfernt von Wagners Ziel, eine der intensivsten Mannschaften der Liga zu sein.

Noch extremer wird es, wenn man auf die Anzahl der intensiven Läufe schaut: Dort belegen die Geißböcke den vorletzten Platz. Nur Mainz 05 hat in dieser Saison noch weniger intensive Läufe. Damit zeigt sich ein deutliches Missmatch zwischen dem Anspruch, den Wagner an sein Team hat, und der Realität. Statt eine der intensivsten Mannschaften zu sein, bewegen sich die Kölner statistisch in dafür wichtigen Bereichen maximal im unteren Mittelfeld. Und das zeigt sich nicht nur läuferisch.

Klare Baustellen für Wagner

So schneiden die Domstädter beim Portal „Fotmob“ in einigen Bereichen gegen den Ball schwach ab. Sie stehen zum Beispiel nur auf Rang 14 bei den Ballgewinnen im letzten Drittel pro Spiel. Auch bei den abgefangenen Pässen pro Partie sowie den Tacklings pro Spiel haben die Geißböcke noch eine Menge Nachholbedarf. Nur Platz 16 beziehungsweise 17 sind in diesen Kategorien für den FC drin. Dabei verlangt Wagner eigentlich von seiner Mannschaft, aggressiv und mutig nicht nur mit, sondern auch gegen den Ball zu sein. Ein Musterbeispiel dafür dürften vor allem die ersten circa 20 Minuten gegen Werder Bremen gewesen sein. Diese Art von Spiel jedoch wirklich umzusetzen, gelingt den Kölnern bisher höchstens phasenweise, wie die Statistik belegt.

Damit zeigen sich klare Baustellen, an denen der FC arbeiten muss, um zurück in die Erfolgsspur zu kommen. Wobei die Werte natürlich noch mit Vorsicht genossen werden müssen, da die Grundlage mit vier Spielen noch sehr gering ist. Trotzdem lässt sich eine erste Tendenz nach dem Saisonstart schon festhalten. Und diese überrascht schon angesichts der eigentlichen Ankündigungen und Ziele des Trainers. Wagner muss nun schnell die Ursache finden, warum die Mannschaft seine Vorstellungen noch nicht ausreichend umsetzen kann. Denn gerade im nächsten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach ist angesichts der Derby-Atmosphäre eine hohe Intensität noch mehr als sonst gefordert.