Die Sรผdkurve singt seinen Namen, die Medien รผberschlagen sich: Said El Mala ist der neuer Star am Geiรbockheim. Doch die guten Leistungen bringen auch Druck mit sich beim 1. FC Kรถln: Der Hype um Said El Mala.
Trotz der bitteren Derby-Niederlage ist die Stimmung gut am Geiรbockheim. Das liegt nicht nicht nur am Karnevalsauftakt, viel grรถรer ist der Anteil von Shootingstar Said El Mala. Der 19-Jรคhrige hat mit seinen Leistungen zuletzt fรผr viel Aufsehen um seine Person gesorgt beim 1. FC Kรถln: Der Hype um Said El Mala.

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Von Marie Reiners und Hendrik Broschart
Lรคnderspielpausen gehen fรผr einige Effzeh-Fans wohl eher in Richtung Stimmungskiller als Fuรballfest. Alle paar Wochen mรผssen sich die Anhรคnger statt mit der Herzensmannschaft dann doch mit der DFB-Elf „begnรผgen“. Diesmal ist das jedoch anders. Denn endlich steht wieder ein Geiรbock im Aufgebot der Nationalmannschaft. Sturmjuwel Said El Mala hat die Bundesliga mit seinen spektakulรคren Dribblings und sehenswerten Toren so sehr begeistert, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn fรผr den Lehrgang gegen Luxemburg und die Slowakei nominierte.
Durch die Nominierung ist El Mala noch stรคrker in den Fokus der รffentlichkeit gerรผckt. Genau darin zeigt sich, wie sehr sportlicher Erfolg heutzutage auch von medialer Inszenierung begleitet wird. Doch woher kommt dieser Rummel und wann wird aus berechtigter Begeisterung ein รผbertriebener Hype? Darรผber hat come-on-fc.com mit dem Kommunikationswissenschaftler Dr. Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule Kรถln gesprochen.
Zwischen Begeisterung und Opportunismus: Wie der El-Mala-Hype die Medien treibt
Jeder Ballkontakt von Said El Mala lรถst ein Raunen im Stadion aus, und selbst kleinste Nebensรคchlichkeiten scheinen zur Breaking News zu werden. Lรคngst ist von einem medialen Hype die Rede. Hypes lieรen sich dadurch definieren, โdass ein Thema immer weiter in seiner Tiefe und Breite mit enormer Kraft in die รffentlichkeit getragen wird. Dabei entspricht die Nachrichtenlage lรคngst nicht mehr dem Umfang der Berichterstattung“, sagte Bertling. Die geht รผber die erbrachten Leistungen lรคngst hinaus. Seriรถse Medien vermelden beispielsweise, ein konkretes Interesse von Top-Clubs wie Bayern Mรผnchen oder Borussia Dortmund und heizen die Sorge, vor einem Abschied genauso an, wie die Aussicht auf Millionen. Hinter der jรผngsten El-Mala-Newsflut stecke auch ein wirtschaftliches Interesse vieler Medien, erklรคrt der Experte: โMan erkennt hier hรคufig einen gewissen Opportunismus bei Journalistinnen und Journalisten. Sie versuchen, eine groรe Reichweite zu erzielen und setzen deshalb immer stรคrker auf diesen Hype.“
Said El Mala – Der grรถรte Coup in der jรผngeren Geschichte des 1. FC Kรถln (SZ-Digital, 28. Oktober)
Einschaltquoten, Klicks und Reichweite wรถgen dabei oft schwerer als journalistische Prinzipien: โEigentlich sollte der Journalismus die sportliche Leistung, das Alter und die Position kritisch einordnen und nicht den Hype unreflektiert รผbernehmen. Wenn Fans in den sozialen Medien oder auf Blogs euphorisch reagieren, ist das vรถllig in Ordnung. Das gehรถrt zu ihrer Rolle. Der Journalismus ist jedoch dafรผr da, diese Phรคnomene zu erklรคren und einzuordnen. Das geschieht jedoch hรคufig nicht, stattdessen lassen sich viele Redaktionen emotional mitreiรen und verstรคrken den Hype dadurch noch.โ Doch ist ein Hype nicht erst durch das ins Spiel bringen eben dieser Formulierung erst so richtig losgetreten worden? Und, wenn Journalisten bewusst auf viele Klicks abzielen, befriedigen sie damit nicht eine offenbar besonders groรe Nachfrage? Immerhin werden die Artikel ja geklickt. Ab wann wird aus einer Berichterstattung รผberhaupt ein Hype?
Zwischen Medienrummel und Spielerwohl
Es ist ein schmaler Grad zwischen dem Aufbau einer kรผnstlichen und inszenierten Aufregung und einer journalistischen Abbildung des Geschehens, die das gesteigerte Interesse der รffentlichkeit bedient. Gleichzeitig sei es zu kurz gedacht, die Verantwortung allein bei den Medien zu suchen: โEs ist der ureigene Mechanismus. Sportjournalismus lebt von Stars. Es geht nicht nur um Fuรball, sondern auch um ein bisschen Show.โ Sportmedienschaffende befinden sich bei Personalien wie der von Said El Mala in einer schwierigen Lage. Denn es sind Geschichten wie die des gebรผrtigen Krefelders, des fast gescheiterten Talents, das รผber Umwege den Durchbruch schafft und nun einen kometenhaften Aufstieg erlebt, die dem Fuรball jene besondere Faszination verleihen, die ihn umtreibt.
Jene Geschichten sind es aber auch, die die Sehnsucht nach einem groรen Star in Kรถln befriedigen. Einem Spieler, der nach der schmerzhaften Causa Wirtz die Kรถlner Seele zu heilen vermag. Der Hoffnung auf Erfolg und die ganz groรen Transfereinnahmen schรผrt und somit ein Stรผck weit Wiedergutmachung liefern kรถnnte. Der Trubel um den Teenager stellt sowohl den Verein als auch sein privates Umfeld vor eine Herausforderung. El Mala soll geschรผtzt werden, ohne ihn vollstรคndig von der รffentlichkeit abzuschirmen. Anfang Oktober erklรคrte sein Berater dem Kรถlner Stadt-Anzeiger gegenรผber: โEs gibt leider auch ein paar Dinge, die dem Jungen und dem FC schaden. Unruhe bringen zu viele mediale Spekulationen und Influencer, die um jeden Klick und jedes Like kรคmpfen. Auรerdem tauchen plรถtzlich Berater auf, die sich frรผher nie fรผr den Spieler interessiert haben, und buhlen um Said.โ
โWir mรผssen jetzt unbedingt damit aufhรถren, Said El Mala kleinzuhalten!โ (Fuรball-Creator Max Giesen (giesenmax) via Instagram am 19. Oktober)
Doch nicht nur das Umfeld, sondern auch der Spieler selbst ist gefordert. Bertling sieht ihn in der Pflicht, zusรคtzlich eigene Strategien zum Umgang mit dem medialen Druck zu entwickeln: โOftmals verstehen junge Spieler sehr schnell, wenn man ihnen direkt erklรคrt, wie Journalisten aus welchen Grรผnden Geschichten zusammenstellen und welche Notlagen hinter bestimmten Berichten stehen. Wenn sie die Mechanismen begreifen, nehmen sie es nicht mehr so persรถnlich, sondern denken sich: โAh ja, so ist das`“.
Heldenstatus auf Probe
Fuรball ist zwar ein Mannschaftssport, doch seit jeher ziehen Einzelspieler die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Schon zu Zeiten von Pelรฉ, Maradona oder Beckenbauer standen die Stars im Mittelpunkt des Interesses, und daran hat sich bis heute wenig geรคndert. Fans folgen zunehmend den Spielern, weniger den Vereinen. Die Suche nach dem nรคchsten groรen Star beginnt immer frรผher. El Mala ist ein aktuelles Beispiel dafรผr, wie junge Talente in kรผrzester Zeit zum Mittelpunkt der รffentlichkeit werden. Seine unbekรผmmerten Auftritte verbinden Veranlagung, Lockerheit und Selbstvertrauen.
Schon wenige Auftritte genรผgten, um ihn mit Lukas Podolski zu vergleichen, der einst รคhnlich frรถhlich die Domstadt und spรคter ganz Deutschland begeisterte. Ein รถffentlicher Aufruf, El Mala solle mit zur WM 2026, folgte prompt und zeigt, wie schnell aus Begeisterung Heldenstatus entstehen kann. El Mala euphorisiert die Stadt und bekommt nach kรผrzester Zeit sogar seinen eigenen Song von den Fans. Eine nicht aufzuhaltende Spirale entsteht, der sich weder die Anhรคnger noch der Verein oder die Medien entziehen kรถnnen.
Kwasnioks Wunder-Junge jetzt schon besser als Poldi (BILD-Online, 3. November)
Zahlreiche gescheiterte Karrieren vieler hochgehandelter Talente belegen, dass Erwartungen und Vergleiche zur Last werden kรถnnen. Je euphorischer und ungefilterter รผber ein vermeintliches Jahrhunderttalent gesprochen wird, desto schmerzhafter kann der Fall sein. Bertling erklรคrt: โWir wissen aus der Forschung, dass negative Effekte einen viel stรคrkeren Einfluss auf Menschen haben als positive. Momentan kann es ihn bestรคrken, wenn er die Situation richtig einordnet. Wenn er seine Leistung aber nicht mehr bestรคtigen kann, dann ist die Gefahr viel grรถรer, dass es ihn hemmt.โ So wurde es auch zum Stadtgesprรคch, dass der Youngster im Rheinderby bereits nach 45 Minuten ausgewechselt wurde. โEr war nicht gut, deswegen habe ich ihn rausgenommen. So einfach ist dasโ, machte Kwasniok im Anschluss an die Partie deutlich.
Die Zauberformel lautet: „Behutsam-Hype“
Schon Anfang Oktober mahnte der Trainer zu einem behutsamen Umgang mit seinem Schรผtzling. Die Situation des Teenagers, der laut mancher Stimmen aus der Sportmedienlandschaft nach nur wenigen Bundesligaminuten schon ganz oben angekommen ist, sei โvergleichbar mit der ersten Liebeโ, so der Trainer des 1. FC Kรถln damals. Er habe immer wieder talentierte Jungs erlebt, โdie sich mit 14 das erste Mal verliebenโ. Das habe hรคufig irreversible Brรผche in den Karrieren zur Folge.
Und auch der Bundestrainer machte umgehend nach der Nominierung deutlich, dass die Berufung nicht รผberbewertet werden sollte: โDer Spieler muss klar verstehen, warum er hier ist und was seine Aufgabe ist. Es kann aber durchaus sein, dass er das zweite Spiel dann schon wieder bei der U21 ist“, sagte Nagelsmann. Festhzuhalten bleibt aber: Selbst wenn El Malas Ausflug zur Nationalelf nur von kurzer Dauer bleibt, markiert er doch die nรคchste Stufe im ohnehin brodelnden Hype um den 19-Jรคhrigen und eine Bestรคtigung seiner Leistungsexplosion der letzten Wochen.
