Der FC hat im Sommer einiges im Kader bewegt. Neuzugรคnge bilden schon jetzt die zentrale Achse der Mannschaft. Die zahlreichen neuen Gesichter bedeuten jedoch auch: Viele Ideen, wenig Automatismen. Das Team wird noch etwas Zeit benรถtigen beim 1. FC Kรถln: Die neue Startelf-Achse muss sich noch finden.
Ein jeder Neuanfang ist schwer und bringt seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Beim 1. FC Kรถln entschied man sich nach der Saison dazu, mit Cheftrainer Renรฉ Wagner in die neue Spielzeit zu gehen. Wรคhrend dort auf Kontinuitรคt gesetzt wurde, staffierte man den Kader mit zahlreichen Neuzugรคngen aus. Einige davon bilden bereits in der Frรผhphase der Saison das Zentralgestirn der Mannschaft. In der Abwehr hat Luka Lochoshvili prompt das Kommando รผbernommen, flankiert von Gideon Mensah. Eine Ebene weiter vorn fungiert Ellyes Skhiri als Anker und Bindeglied zwischen Offensive und Defensive. Auf der Zehn wirbelt in bester Freigeist-Manier Mikey Moore, wรคhrend im Sturmzentrum Strafraumrรคuber Thijs Dallinga sein Unwesen treibt. So zumindest die Theorie.

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Dass dieser Umbruch nicht einfach reibungslos von Statten geht, zeigten die vergangenen Spiele eindrucksvoll. In einzelnen Momenten und Phasen blitzte die Qualitรคt eines jeden einzelnen klar sichtbar auf. Auch das Zusammenspiel funktionierte vereinzelt und prรคsentierte einen durchaus ansehnlichen Anblick. Sobald der Gegner den FC jedoch vor eine neue Aufgabe stellte, waren die Fragezeichen groร. โIch glaube, dass jeder so ein bisschen mit sich selbst beschรคftigt war und nicht so richtig wusste, was jetzt genau der Grund und der Fehler istโ, bilanzierte Linton Maina nach der Partie gegen Bremen. Damit trifft der 27-Jรคhrige den Nagel auf den Kopf. Keiner weiร, was der Nebenmann im nรคchsten Moment tun wird. Die Automatismen sind noch nicht ausgereift. Das kรถnnen sie aber auch noch nicht sein.
Es greift noch nicht jedes Rad ineinander
Das Hoffnungsvolle aus FC-Sicht ist die Tatsache, dass es nicht an der individuellen Qualitรคt mangelt. Wenn in einer Situation einmal alles ineinandergegriffen hat, konnte jeder Neuzugang seinen Wert bereits unter Beweis stellen. Auch die Kaderstruktur wurde nach einem altbewehrten Muster zusammengestellt. Erfahrene, routinierte Abwehrrecken in der Defensive, junge, vielversprechende Spieler in der Offensive. Zudem mit Mikey Moore und Thijs Dallinga zwei Spieler, bei denen man รผber der eigenen Gewichtsklasse verpflichten konnte.
Fรผnf Neuzugรคnge in der Startelf
Es gibt allerdings nur wenige Beispiele, wo ein so groรer Umbruch von heute auf morgen funktioniert hat. In den meisten Fรคllen wird die altgediente Achse รผber Jahre hinweg erneuert, sodass รผberhaupt kein wirklicher Bruch zu erkennen ist. Bei den Kรถlnern standen zuletzt gleich fรผnf Neuzugรคnge auf dem Platz. Dass da noch nicht alles rund lรคuft, ist eigentlich eingepreist. Renรฉ Wagner ordnete die Situation nach der Partie gegen Bremen ein: โDas war jetzt Ellyes sein erster Startelfeinsatz. Von ihm versprechen wir uns natรผrlich fรผr die Zukunft, dass er in genau den Phasen auch Fรผhrung รผbernimmt. Wir sind noch frรผh in der Saison. Auch fรผr Mikey war es sein erster Beginn. Wir hatten auch andere die so noch nicht zusammengespielt haben und dann ist es fรผr eine Mannschaft, wo wir gerade stehen, in Phasen auch mal ein bisschen schwieriger den Halt wieder zurรผckzubekommen.โ
Hierfรผr ist es wichtig, Sprachrohre auf dem Feld zu haben. Nur sind auch diese mit Luka Lochoshvili und Ellyes Skhiri beide neu im Team. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nicht immer Gehรถr finden. โEs ist natรผrlich dann schwer, in so einem lauten Stadion dann irgendwie jeden ranzuholen und mit jedem zu redenโ, erklรคrte Linton Maina die Kommunikationsschwierigkeiten.
Neuanfang ist kein Freifahrtschein
Im Optimalfall mรผssen auf dem Feld nicht mehr so viele Anweisungen gegeben werden, wenn jeder weiร, was er zu tun hat. Ja, der Umbruch braucht seine Zeit, aber auch der Trainer ist in die Pflicht zu nehmen. Die Mannschaft sah zuletzt nicht so aus, als wurden ihnen die passenden Lรถsungen an die Hand gegeben. Sobald der Gegner etwas รคnderte, wusste niemand mehr, was zu tun war. In der Folge verlieร man sich auf das, was immer geht: Tief hinten reinstellen und auf Konter lauern. Zudem stellt sich die Systemfrage, wenn Spieler vermehrt โ wie beispielsweise Lochoshvili gegen den VfB Stuttgart โ in undankbare Situationen gebracht werden. Es ist die Aufgabe des taktischen Korsetts, die vorhandenen Spieler in die bestmรถglichen Situationen zu bringen. Und zu guter Letzt ist da die fortwรคhrende Thematik der Standardsituation. In der abgelaufenen Spielzeit bildeten die Domstรคdter mit 20 Standardgegentoren das Schlusslicht der Liga. In dieser noch jungen Saison scheinen sie ihren Titel verteidigen zu wollen. Die Schwรคche beim ruhenden Ball ist also ebenfalls nicht mit der groรen Menge an Neuzugรคngen zu rechtfertigen.
Nichtsdestotrotz muss man am Rhein nicht gleich alles zu dramatisch sehen. Die Mannschaft wird mit der Zeit zusammenwachsen, die Automatismen werden sich einschleifen. Darรผber hinaus steht der Trainer vor einigen Aufgaben, um die Mannschaft optimal fรผr die Begegnungen zu rรผsten. Der Druck ist frรผh in der Saison bereits groร. Aber vielleicht ist der FC ja kein ICE, sondern eine Dampflok. Vielleicht brauchen sie erst etwas Druck, bevor sie richtig Fahrt aufnehmen kรถnnen.
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