„Dann gibt es irgendwann einen anderen Spieler, der die Chance hat, es besser zu machen“ – René Wagner über Skhiri, El Mala, Moore und van den Berg

René Wagner beobachtet seine Mannschaft
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„Dann gibt es irgendwann einen anderen Spieler, der die Chance hat, es besser zu machen“ – René Wagner über Skhiri, El Mala, Moore und van den Berg

René Wagner spricht im zweiten Teil des Interviews mit come-on-fc.com über die sportlichen Baustellen und die schwierigen Personalentscheidungen beim 1. FC Köln: René Wagner über El Mala, van den Berg und die Abwehr.

Wer spielt, wer nicht? Wo muss sich der FC noch verbessern? Und wie lange hält René Wagner an Spielern fest, wenn die erhoffte Entwicklung ausbleibt. Im zweiten Teil des großen Exklusiv-Interviews mit come-on-fc.com wieder Trainer bei den sportlichen Themen und einigen Personalien konkret.

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Das Interview führten Matthias Wilhelm und Simon Bartsch für come-on-fc.com

In Teil 1 des Interviews mit René Wagner sprach der Coach mit come-on-fc.com über harte Entscheidungen und emotionale Momente.

Herr Wagner, man spricht ja immer ein bisschen von der Handschrift eines Trainers. Gab es für Sie hier in Köln schon Momente, in denen Sie dachten: Das ist der René-Wagner-Fußball, den ich sehen will?

René Wagner: Ganz, ganz oft. Das können Teilbereiche des Spiels sein, aber auch Trainingsinhalte und wie wir uns miteinander verhalten. Um in einem Umfeld langfristig Erfolg zu haben, müssen die Kultur und die Erwartungshaltung an jedem einzelnen Tag klar sein. Im Spiel wird es aber immer Phasen geben, in denen der Zufall übernimmt, in denen Sachen nicht wie geplant laufen, in denen das Ergebnis etwas verändert, in denen wir uns anpassen müssen und das Spiel anders aussieht, als man es sich gewünscht hat. Nach fünf Spielen kann ich da nur Teilbereiche, Teilphasen und Momente in Spielen nennen. Letzte Saison war das Leverkusen-Spiel fast schon so etwas wie eine Benchmark, wo ich sagen würde: So wollen wir spielen, da sind wir zu Hause.

Würden Sie sagen, der aktuelle Kader ist gut genug, um den Fußball zu spielen, den Sie sehen wollen? Oder mussten Sie sich in größeren Bereichen schon an den Kader anpassen?

René Wagner: Als Trainer musst du immer auf Nuancen reagieren. Du holst einen Spieler, mit dem du dich lange beschäftigt hast. Dann lernst du den Menschen kennen, arbeitest zusammen und plötzlich fallen Dir neue Dinge auf. Darauf gehen wir bei jedem Spieler in der täglichen Arbeit ein. Dabei achten wir darauf, dass niemand überfordert und in Phasen oder Situationen gebracht wird, in die er nicht gehört. Wir haben zum Beispiel auf der rechten Seite Alessio Castro-Montes und Sebastian Sebulonsen. Und natürlich muss sich die taktische Rolle leicht verändern, je nachdem, wer spielt. Wir haben einen sehr vielfältigen Kader – und viele Spieler, die uns viel Freude bereiten werden, wenn sie nur annähernd ihr Potenzial ausschöpfen werden.

In den ersten fünf Spielen haben Sie fünfmal eine unterschiedliche Startelf beginnen lassen. Insgesamt waren es 16 verschiedene Spieler. Dennoch kristallisiert sich schon in weiten Teilen eine Stammelf heraus. In welchem Moment wird denn aus dem Ausprobieren eine feste Überzeugung?

René Wagner: Wir stellen an jedem Spieltag die Mannschaft aufs Feld, von der wir glauben, dass es die besten elf Spieler sind, die wir in dem Moment zur Verfügung haben. Ich persönlich bin ein Freund davon, einer Mannschaft eine gewisse Sicherheit zu geben. Trotzdem werde ich niemals versuchen, Spieler durchzuschleppen, nur um an meiner Stammelf festzuhalten. Jeder Spieler, der gerade nicht zu der Startelf gehört, muss das Gefühl haben, dass er in die Anfangsformation reinbrechen kann. Im Idealfall ist klar, dass jene elf Akteure am Wochenende spielen, die in dem Moment die elf besten Spieler sind und die beste Leistung zeigen. Und die Spieler 12 bis 16 sind gleichzeitig so knapp dran, dass sie von der Bank kommen, Gas geben und Impact haben. Viel Rotation ist eher etwas für Teams, die international spielen. Wenn ein Profi nach drei guten Spielen ein schlechteres gemacht hat, möchte ich ihm auch nicht direkt das Gefühl geben, er sei jetzt raus.

„Egal, was passiert, er bringt immer seine Leistung“

Sie haben im Sommer keinen Hehl daraus gemacht, wie wichtig Ihnen persönlich die Verpflichtung von Ellyes Skhiri war. Die gezeigten Leistungen geben Ihrem Gefühl recht. Diese Entwicklung war jedoch nach seiner vergangenen Saison nicht zwingend erwartbar. Wie wichtig ist Ellyes das Vertrauen, das Sie ihm schenken? Und in welchem Moment wussten Sie, dass er beim FC wieder funktionieren wird?

René Wagner: Ellyes ist ein Spieler, mit dem ich schon in meiner Zeit als Co-Trainer eng zusammengearbeitet habe. Alle im Verein haben sich gefreut, als er wieder hier war. Er arbeitet extrem hart. Er ist mir vor kurzem abends noch im Geißbockheim entgegengekommen, weil er gerade von einem Lauf zurückkam. Er ist ein Vollprofi und wir wussten, dass er unserer Mannschaft Stabilität, Halt und Struktur geben wird. Er bringt einfach eine Qualität mit, die unbestritten wichtig für uns sein wird. Auch in Frankfurt hat er sich so eingebracht: Denn egal, was passiert, er bringt immer seine Leistung.

René Wagner gibt im Training Anweisungen
René Wagner gibt im Training Anweisungen
Bei seiner ersten Zeit beim FC hat er auch Offensivqualitäten bewiesen, die in Frankfurt kaum zur Geltung kamen. Und jetzt ist er wieder hier und hat schon zwei Tore vorbereitet. Kennen Sie die Gründe?

René Wagner: Ellyes ist auf jeden Fall jemand, der Vertrauen braucht. Dadurch kann er vielleicht noch den einen oder anderen Prozentpunkt mehr rausholen. Wenn das am Ende der Hebel ist, um ihn dazu zu befähigen, Tore zu machen und zu assistieren, dann bin ich froh, dass wir den Hebel haben. Ich hätte mir für ihn aber genauso gewünscht, wenn es auch in Frankfurt so gelaufen wäre.

Mehr Stabilität wünschen sich viele Fans bei den Standards. Ihnen ist das Thema bekannt, spätestens nach letzter Saison sowieso und Sie haben im Sommer auch an Stellschrauben gedreht. Kevin McKenna wurde als Assistenztrainer installiert. Luka Lochoshvili ist gekommen, weil er beim ruhenden Ball stark in der Box ist. Wieso bekommen Sie das Problem nicht in den Griff?

René Wagner: Wenn es darauf diese eine Antwort gäbe, müssten wir nicht darüber sprechen. Es ist ein Thema, mit dem wir nicht zufrieden sind, ganz klar. Wir arbeiten daran, der Mannschaft jede Woche im Training und in der Analyse Sicherheit zu geben, sodass sich die Abläufe verbessern und das Vertrauen zurückkommt.

Luka Lochoshvili stand ja auch zweimal sehr knapp davor, ein Tor nach einem Standard zu erzielen. Ist doch nicht alles nur schlecht?

René Wagner: Das ist absolut erfreulich. Bei den Daten, die wir bei Offensivstandards betrachten, sind wir in den Top 5 und tatsächlich auf einem guten Weg. Da fließen nicht nur die Tore ein. Es geht um Chancen, erwartbare Tore und Abschlüsse. Wir hätten schon einige Treffer nach Ecken erzielen können.

„Natürlich gibt es irgendwann eine Grenze“

Auch unabhängig von den Standards hatte die Mannschaft defensiv bisher ein paar Probleme. Sie haben sich früh auf Lochoshvili und Jahmai Simpson-Pusey als Duo in der Innenverteidigung festgelegt. Ab welchem Punkt hinterfragen Sie auch selbst, ob es nicht nur an den Abläufen, sondern möglicherweise auch an personellen Entscheidungen liegt?

René Wagner: Innenverteidiger sind wie der Torhüter oft das letzte Glied in einer Fehlerkette. Sie sind natürlich diejenigen, die noch eingreifen können und dann vermeintlich den Fehler mit der größten Folge begehen. Beide Spieler stehen am Anfang ihrer Bundesliga-Karriere – und wir sind eine Mannschaft, die am Anfang ihrer Entwicklung steht. Wir erklären den Spielern, woran es lag und bewerten nicht blauäugig. Wir wollen, dass sie sich entwickeln. Und natürlich gibt es irgendwann eine Grenze, wo wir sagen: Wenn der Spieler sich nicht entwickelt, dann gibt es irgendwann einen anderen Spieler, der die Chance hat, es besser zu machen.

Zwei Dinge, auf die Sie sehr viel Wert legen, sind Kommunikation und klare Abläufe. Trotzdem hat Linton Maina nach dem Spiel gegen Werder gesagt, dass es Phasen gab, da wusste keiner so richtig, was er jetzt gerade eigentlich machen soll.

René Wagner: Wenn ich den Spieler nicht kennen würde und nicht wissen würde, was er in dem Moment gemeint hat, dann hätte ich ihn am nächsten Tag wahrscheinlich an die Wand genagelt (lacht). Das musste ich zum Glück nicht. Linton wollte damit ausdrücken, dass die Mannschaft es in diesen Phasen nicht geschafft hat, sich selbst wieder zusammenzurotten und zum Plan zurückzufinden. Es gibt solche Phasen in jedem Spiel und Fußball ist leider nicht Schach. Wenn eine neu formierte Mannschaft gemeinsam auf dem Platz steht, ist das normal. Meine Aufgabe ist es dann, den Jungs zu helfen. Es ist aber nicht so einfach, in unserem geilen Stadion einen Spieler an der gegenüberliegenden Seitenlinie zu erreichen und mit irgendwelchen Handbewegungen Anweisungen zu geben.

Zwei Spieler, die am Anfang noch in der Startformation standen, sind Isak Johannesson und Paul Okon-Engstler. Gerade sind beide nicht da, sondern auf Länderspielreise. Wie hilfreich ist es für die beiden, jetzt gerade diese positiven Erfahrungen mit der Nationalmannschaft zu machen? Oder hätten Sie sie lieber hier in Köln und im Training gehabt?

René Wagner: Aus Trainersicht ist es immer schöner, alle Spieler da zu haben. Wir freuen uns aber genauso, dass wir Spieler bei der Nationalmannschaft haben. Es ist ein Zeichen von Qualität. Paul und Isak sind zwei Spieler für die Zentrale. Mit Ellyes ist ein weiterer dazugekommen, der seine Position sicher hat, wenn er fit ist. Tom Krauß macht es bisher ebenfalls gut. Er liefert derzeit keinen Grund, ihn nicht aufzustellen.

Sie haben schon angekündigt, dass es harte Entscheidungen und auch Enttäuschungen geben wird. Ist es für Sie einfacher, einem Routinier wie Luca Waldschmidt oder einem Talent wie Reigan Heskey mitzuteilen, dass es für den Kader nicht gereicht hat?

René Wagner: Ich muss sagen, bei Reigan tat mir die Entscheidung richtig weh. Nicht, weil die Entscheidung so brutal schwer war. Sondern weil ich weiß, wie sich für ihn aktuell die Welt verändert. Er kommt hier nach Deutschland, er ist neu in der Mannschaft, er ist neu in einer Top-5-Liga. Er gibt jeden Tag Gas, kennt seine Themen, an denen er arbeiten muss. Gegen Stuttgart hat er gespielt, dann streiche ich ihn aus dem Kader. Das war bitter für ihn. Aber auch Reigan wird seine Spiele bekommen. Für Luca ist es natürlich auch nicht einfach und wir kennen seine Qualität. Er ist natürlich ein Spieler, der den Anspruch hat, immer im Kader zu stehen. Wenn man dann gegen einen Anspruch entscheiden muss, ist logischerweise das Gegenüber nicht glücklich.

„Wir unterstützen ihn dabei, damit er hier beim FC sein Potentialmaximum erreichen wird“

Ein anderer Spieler ist Rav van den Berg. Wie weit ist er vom Kader aktuell entfernt?

René Wagner: Wir haben aktuell vier Innenverteidiger – davon spielen zwei. Joel war zuletzt derjenige, der die Position auf der Bank bekommen hat. Jetzt liegt es an Rav selbst: Er kennt die Gründe, warum er im Moment nicht zum Zug kommt, genauso kennt er aber auch die Mittel und Wege, wie er zurück in die Mannschaft finden kann.

Ein Spieler, der in der letzten Saison schon eine Entwicklung gemacht hat, ist Said El Mala. Würden Sie sagen, er ist immer noch ein Talent oder ist er da schon lange rausgewachsen? Und was fehlt ihm noch, um wirklich ein internationaler Top-Spieler werden zu können?

René Wagner: Said ist ein junger Spieler mit einer brutalen Qualität. Er ist aber auch ein junger Spieler, der noch ganz viel lernen muss. Es ist sehr schwer für jemanden, der so eine kristallklare Unterschiedsfähigkeit hat, weil sich die Gegner inzwischen teilweise mit zwei Spielern dagegenstellen, um ihn zu verteidigen. Im Vergleich zur vergangenen Saison ist die Situation jetzt eine andere für ihn, er ist im zweiten Jahr, und damit verbunden sind neue Themen, an denen er arbeitet und mit denen er umgehen muss. Wir unterstützen ihn dabei, damit er hier beim FC sein Potentialmaximum erreichen wird.

Ein weiteres Talent in Ihren Reihen ist Mikey Moore. Präsident Jörn Stobbe hat gesagt, dass er ohne Sie nicht nach Köln gekommen wäre. Was haben Sie ihm gesagt?

René Wagner: Wir haben einfach offen und ehrlich darüber gesprochen, was wir hier von ihm erwarten. Natürlich waren wir auch sehr früh an ihm dran. Es hilft sicher, wenn man einen jungen Spieler früh überzeugt, dass er bei der Mannschaft den Unterschied machen kann. Wir haben ihm die Perspektive aufgezeigt, dass er hier Spielzeit sammeln kann, wenn er performt. Was letztlich den Ausschlag gegeben hat, kann ich nicht sagen, mit Sicherheit hat es auch geholfen, dass in seiner Muttersprache mit ihm sprechen konnte.

Herr Stobbe hat auch gesagt, dass Sie bei Said einen großen Einfluss auf die Verlängerung hatten. Welche Wege haben Sie ihm aufgezeigt, dass der nächste Entwicklungsschritt für ihn beim FC eher erfolgen kann als bei einem internationalen Topteam?

René Wagner: Auch da war es ein direkter, ehrlicher und klarer Umgang miteinander. Er weiß, was wir von ihm erwarten – und welche Schritte er hier gehen kann. Aus meiner Sicht schätzt er den offenen Austausch sehr und fordert ihn ein. Deshalb fühlt er sich wohl hier. Und er weiß natürlich auch, dass er hier Fußball spielt, wenn er seine Leistung bringt. Das ist das, was er am liebsten macht.

Den ersten Teil des Interviews mit René Wagner lest ihr hier.


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„Das Unangenehmste, das es gibt“ – René Wagner im Interview über harte Entscheidungen und emotionale Momente des Jobs

René Wagner im Interview mit come-on-fc.com
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„Das Unangenehmste, das es gibt“ – René Wagner im Interview über harte Entscheidungen und emotionale Momente des Jobs

Im großen Exklusiv-Interview mit come-on-fc.com spricht René Wagner über seinen Umgang mit Kritik, schwierige Entscheidungen und seinen Führungsstil. Dabei erklärt der Coach, was ihn „brutal“ geärgert hat und wann er auch mal laut werden muss beim 1. FC Köln: René Wagner gibt im Interview emotionale Einblicke.

Die ersten Wochen im Amt als Cheftrainer des 1. FC Köln waren für René Wagner sicherlich intensiv. So muss sich der Coach Kritik stellen und einen neu zusammengestellten Kader entwickeln. Dabei gilt es sowohl unbequeme Entscheidungen zu treffen als auch die eigenen Idee des Fußballs zu implementieren. Im großen Interview mit come-on-fc.com spricht der Trainer über seinen Umgang mit dem Druck, sein Verhältnis zu den Spielern und darüber, wieviel Harmonie einer Mannschaft eigentlich guttut.

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Das Interview führten Matthias Wilhelm und Simon Bartsch für come-on-fc.com

Teil 2 des Interviews mit René Wagner erscheint am Samstagmorgen bei come-on-fc.com.

Herr Wagner, vor knapp zwei Monaten fühlte ich mich von Ihnen ziemlich ertappt. Im Trainingslager in Kitzbühel hatten Sie den Trainingsplatz gewechselt. Weil ich unbedingt Gideon Mensah aus der Nähe fotografieren wollte, bin ich hinter den Zaun geklettert und habe von dort fotografiert – also nicht aus dem offiziell vorgesehenen Bereich. Dann kamen Sie mit der Mannschaft auf den Platz und winkten ziemlich wild in meine Richtung. Wie gesagt, ich fühlte mich ertappt, bis eine Frau neben mir sagte: „Zu Hause ist er ganz anders.“ Sie haben Ihrer Mutter gewunken.

Wie wichtig ist es Ihnen gerade in diesem Beruf zu wissen, dass es Menschen gibt, die Sie unterstützen und denen es egal ist, ob Sie gewinnen oder verlieren?

René Wagner: Es wäre sehr schön, wenn es ihnen egal sein könnte. Sie fiebern bei den Spielen natürlich auch mit. Ich habe das Gefühl, dass es die Eltern oder nahe Familienangehörige teilweise noch viel härter mitnimmt, wenn man Spiele verliert. Umso schöner ist es, wenn man gewinnt. Den besten Job macht für mich tatsächlich meine Frau. Sie liest interessehalber den ein oder anderen Artikel. Sie ist aktuell der sicherste Anker, den ich habe.

Gibt es auch mal Kritik aus der eigenen Familie? Und können Sie diese dann reflektieren oder annehmen?

René Wagner: Kritik ist immer wichtig. Meine Frau würde sich aber niemals anmaßen, zu kritisieren, wie wir Fußball spielen oder wie wir arbeiten, weil sie sich mit der Materie nicht auskennt. Ich persönlich urteile deswegen auch nie über einen anderen Trainer, weil mir dazu der Kontext fehlt. Aber ich verstehe Menschen, die das tun, weil es ihr Job ist oder weil sie eine emotionale Verbindung zum Verein haben. Ich bin Trainer in der Bundesliga, dieser Job bringt Kritik mit sich. Ich kann das einordnen. Trotzdem darf ich mich davon nicht leiten lassen.

Sie standen schon in Hamburg und in Berlin unter Vertrag – Sie können die verschiedenen Standorte beurteilen. In Köln haben Sie die Stimmungen um Lukas Kwasniok oder Steffen Baumgart mitbekommen. Haben Sie das Gefühl, dass Medien und Fans in Köln mitunter besonders unfair sind?

René Wagner: Generell habe ich persönlich ein sehr starkes Fairnessbedürfnis. Aber ich würde nach einem Spiel nie sagen, Kritik ist unfair. Alle Menschen im Stadion äußern ihre Meinung aufgrund ihrer persönlichen Wahrnehmung, Spiele sind emotional und jeder hat eine andere Informationslage. Nach dem HSV-Spiel ist jeder Spieler, jeder im Staff, jeder Trainer, jeder Fan, jeder Verantwortliche aus dem Stadion gegangen und hat gesagt: „Scheiße, hier war mehr möglich.“ Man muss sich immer bewusst machen: Im Fußball laufen manchmal Sachen gegen uns, die nicht geplant sind und manchmal Sachen für uns, die auch nicht geplant sind. Wenn Mikey Moore das Tor macht, steht es kurz nach der Halbzeit 1:1. Wenn wir uns bei der Standardsituation anders verhalten, kommt vielleicht keiner drei Meter vor dem Tor frei zum Abschluss. Unsere Bewertungsgrundlage ist trotzdem immer unser Plan: Was hatten wir vor, was ist am Ende passiert und woran lag es, dass es nicht funktioniert hat. Daraus resultiert auch Frustration, deshalb kann ich enttäuschte Fans verstehen.

“Einem Spieler mitzuteilen, dass man ihm etwas nicht zutraut, ist wahrscheinlich das Unangenehmste, was es gibt“

Sie haben beim Amtsantritt und auch danach immer wieder die Kommunikation im Team hervorgehoben, das Vertrauen, die Beziehung zu den Spielern. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt Ihrer Arbeit. Müssen Sie Ihre Spieler eigentlich persönlich mögen?

René Wagner: Wir haben 22 Feldspieler plus vier Torhüter – mit dem Staff sind wir fast 50 Leute. Es ist wie in einer Familie, ich glaube auch da ist es so, dass man zu der einen Tante vielleicht einen besseren Draht hat als zu anderen (lacht). Mir ist wichtig, dass jeder Spieler weiß, dass wir zwischenmenschlich alle gleichbehandeln. Aber ich kann natürlich nicht jedem Profi die gleiche Spielzeit geben. Da muss man auch immer den Menschen hinter dem Spieler sehen. Menschen machen Fehler – so wie in jedem anderen Job. Nur werden sie nicht jeden Tag in den sozialen Medien, im Internet, in den Zeitungen und im Fernsehen beurteilt. Ich versuche, jedem Spieler den gleichen Respekt zu geben, indem ich ehrlich, offen und klar mit ihm bin. Wenn sie nicht spielen, nenne ich ihnen die Gründe. Wenn sie spielen, sage ich ihnen aber auch: „Junge, du spielst gerade, aber wenn du so weitermachst, spielst du bald nicht mehr.“ Damit gewinnt man vielleicht nicht immer Sympathien, aber das ist der einzig mögliche Weg.

Ist es schwieriger, einem Spieler zu sagen, dass er nicht spielen wird oder dass Sie ihm gewisse Dinge nicht zutrauen?

René Wagner: Einem Spieler mitzuteilen, dass man ihm etwas nicht zutraut, ist wahrscheinlich das Unangenehmste, was es gibt. Das passiert aber auch nur in den seltensten Fällen. Einem Spieler, der aus der Jugend kommt, kann man manche Sachen vielleicht noch nicht zutrauen, weil er noch nicht so weit ist. Es ist aber auch nicht viel einfacher, einem Spieler zu sagen, dass er nicht spielen wird. Wenn die Erwartungshaltungen klar definiert sind, wird es für die Jungs zumindest nachvollziehbarer. Trotzdem gibt es aber auch Gefühlsentscheidungen, gerade wenn zwei Spieler beispielsweise nahezu gleichauf sind. Die tun am meisten weh, weil man sie nicht erklären kann. Sie sind dann für den Spieler auch nur schwer greifbar.

René Wagner hat zunächst viel rotiert - doch eigentlich hat er eine Stammelf
Im Trainingslager haben Sie vom „sozialen Leim“ innerhalb der Mannschaft gesprochen. Sie stellen das „Wir-Gefühl” in den Vordergrund. Gleichzeitig bedeutet Profifußball aber immer auch Konkurrenz, Egoismus, Enttäuschung. Wie viel Streit kann eine Mannschaft aushalten? Oder andersherum: Ist zu viel Harmonie irgendwann auch gefährlich?

René Wagner: Gesunde, konstruktive Kritik ist wichtig für eine Gruppe. Wir haben am Anfang über viele Themen gesprochen, die uns als Gemeinschaft wichtig sind, und wie wir miteinander umgehen müssen, um erfolgreich zu sein. Dazu gehört immer, dass man sich gegenseitig die Meinung sagen muss und sagen darf, weil wir sonst nicht weiterkommen. Das muss natürlich auf einer konstruktiven Ebene stattfinden. Im Fußball ist das oft allerdings gar nicht möglich: Auf dem Trainingsplatz darf auch mal ein „unkonstruktives“ Wort fallen.

„Wenn keiner dem anderen mehr die Wahrheit sagen kann, bringt es einen nicht voran“

In Kitzbühel hat Ihre Mutter in die Runde damals gefragt, ob das da ihr René sei, der da so schreit. Muss ein Trainer also auch mal laut werden?

René Wagner: Das gehört einfach dazu. Danach muss man aber auch wieder gut miteinander sein. Wenn man sich nur in den Arm nimmt und versucht, sich gegenseitig nicht wehzutun, ist das auf jeden Fall schädlich. Wenn keiner dem anderen mehr die Wahrheit sagen kann, bringt es einen nicht voran. Wenn es aber dahin geht, dass wir uns nur noch kritisieren und haltlose Kritik üben, ist das auch falsch. Es braucht eine konstruktive Balance. Laut kann man meiner Meinung nach werden, wenn es um etwas geht, das nicht verhandelbar ist.

Welcher Spieler hat Sie zuletzt so richtig auf die Palme gebracht und warum?

René Wagner: Gute Frage. Wenn mich einer auf die Palme bringen wollte, müsste er aktiv und mit Absicht etwas falsch machen. Das passiert nicht. Brutal geärgert habe ich mich zuletzt über die Riesenchance von Mikey Moore in Hamburg. Ich wusste, wenn wir aus der Halbzeit kommen und schnell das 1:1 machen, gewinnen wir das Spiel. Ich will einfach daran glauben, dass bei ihm neun von zehn solcher Chancen drin sind. Und wenn es dann die eine von zehn ist, die nicht reingeht, ärgert mich das brutal. Genau diese Momente können ein Spiel entscheiden – wie auch der Kopfball von Thijs Dallinga. Und sie sind so wichtig für die Entwicklung der Mannschaft. Eine Entwicklung verstärkt sich vor allem, wenn man gemeinsam Erfolgserlebnisse sammelt.

Mikey Moore hat sein Trefferglück ja jetzt wiedergefunden und bei der U20 von England zwei Mal getroffen.

René Wagner: Ich hoffe, dass es kein Glück war. Dann müsste ich davon ausgehen, dass er nicht neun von zehn macht, dann wäre es ein 50:50-Ding. Aber im Ernst: Der Junge ist gut, er ist top.

„Wenn im Fußball bei allen alles funktionieren würde, wäre es der langweiligste Sport aller Zeiten“

Sie haben eben schon angesprochen, dass es Entscheidungen gibt, bei denen Sie sich selbst nicht ganz sicher sind und am Ende das Bauchgefühl entscheidet. Trotzdem müssen Sie diese vor der Mannschaft und vor der Öffentlichkeit vertreten. Gab es Entscheidungen, an denen Sie selbst gezweifelt haben, bei denen Sie aber nach außen stark auftreten mussten?

René Wagner: Die gibt es immer. Wie gesagt, die härtesten Entscheidungen sind die, bei denen die Informationslage einfach keine Entscheidung hergibt. Entweder, weil beide Spieler etwas anderes mitbringen, beide aber passen würden oder, weil beide trainieren, beide performen, beide spielen könnten und beide der Mannschaft das Gleiche geben. Entscheidungen wie bei einer Auswechslung trifft man in dem Moment mit Überzeugung. Und muss im Nachhinein auch mal damit leben, dass es vielleicht nicht perfekt war. Wirklich weh tut es, wenn etwas spielentscheidend war. Das ist uns zum Glück noch nicht passiert. Wenn im Fußball bei allen alles funktionieren würde, wäre es der langweiligste Sport aller Zeiten.

Wann haben Sie zuletzt nach einem Spiel gedacht, da habe ich einen Fehler gemacht?

René Wagner: Nach jedem Spiel setze ich mich hin und analysiere, was passiert ist. Wir wollen ein Spiel so souverän wie möglich in unsere Richtung lenken, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, es zu gewinnen. Aber auch wenn wir alles dafür tun, alles richtig machen, können wir trotzdem verlieren. Denn auf der anderen Seite steht ein Gegner, der das Gleiche vorhat oder individuell vielleicht sogar besser besetzt ist. Nach dem Spiel gegen Union Berlin haben wir uns natürlich gefragt, ob die drei Wechsel sinnvoll waren. (Der FC führte im Mai 2:0 und kassierte nach drei Wechseln in der Schlussphase noch zwei Gegentore; Anm. d. Red.)

Zu Beginn der Woche kamen etwas merkwürdige Trainergerüchte auf, eine mögliche Nachfolge von Horst Steffen, der ein Spiel der U21 gesehen hat, hat sich aber als falsch herausgestellt. Was machen solche Meldungen mit Ihnen, vor allem wenn Sie wissen, wie viel – oder in dem Fall eher wie wenig – tatsächlich dran ist?

René Wagner: Meine Frau hat es mir abends gezeigt. Mittlerweile fragt sie mich dann, ob da etwas dran ist. Ich hatte in keiner Weise das Gefühl, dass das stimmen könnte. Dafür entwickelt man ja auch mit der Zeit ein Bauchgefühl. Die Kommunikation innerhalb des Vereins ist ganz klar. Außerdem habe ich auch ein paar Gehirnzellen im Kopf, um das richtig einzuordnen (lacht). Mir tut es dann eher leid, wenn meine Frau zwei Stunden auf der Couch sitzt und sich fragt, was da los ist.

Zum Abschluss gehe ich noch einmal zurück nach Kitzbühel ins Trainingslager. Wenn wir in zehn Jahren im Trainingslager mit dem FC sind, Sie sind noch da und Ihre Eltern stehen neben mir. Was würden Sie sich wünschen, was sie dieses Mal zu mir oder in die Runde sagen?

René Wagner: Wenn ich in zehn Jahren hier noch Cheftrainer bin, dann muss viel Geiles passiert sein. Dann müssen wir wahrscheinlich darüber sprechen, dass wir in der Europa League ein bisschen weitergekommen sind. Oder sie erzählt, wie cool es im Berliner Olympiastadion war. Es müssen auf jeden Fall besondere Sachen sein, um bei einem Verein wie dem 1. FC Köln zehn Jahre im Amt zu sein.

Das zweiten Teil des Interviews mit René Wagner lest ihr am Samstagmorgen bei come-on-fc.com.


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René Wagner spricht exklusiv über wilde Gerüchte, Linton Mainas Aussage und Rav van den Bergs Zukunft

René Wagner auf der PK vor dem Spiel gegen Union Berlin
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René Wagner spricht exklusiv über wilde Gerüchte, Linton Mainas Aussage und Rav van den Bergs Zukunft

Mit come-on-fc.com spricht der Kölner Coach im Interview exklusiv über die jüngsten Trainergerüchte, äußert sich zu Linton Mainas Aussage und zu Rav van den Bergs Zukunft. Vor der Veröffentlichung des großen Interviews am Freitagmorgen gibt es vorab schon einige beeindruckende Einblicke des Cheftrainers des 1. FC Köln: René Wagner spricht über Gerüchte, Maina und van den Berg.

Es waren bereits bewegende Wochen für René Wagner beim 1. FC Köln. Nach einem durchwachsenen Start in die Saison wird bereits über die sportliche Entwicklung, einzelne Personalentscheidungen sowie angebliche Alternativen auf der Trainerposition diskutiert. Mit come-on-fc.com sprach der Coach über die aktuellen Themen und nahm Stellung – zum Teil fand er dabei bemerkenswert deutliche Worte.

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Das Interview führten Matthias Wilhelm Simon Bartsch für come-on-fc.com

Das vollständige Interview mit René Wagner erscheint am Freitagmorgen bei come-on-fc.com. Drei Aussagen gibt es jetzt schon vorab.

Zu Beginn der Woche kamen etwas merkwürdige Trainergerüchte auf, eine mögliche Nachfolge von Horst Steffen, der ein Spiel der U21 gesehen hat, hat sich aber als falsch herausgestellt. Was machen solche Meldungen mit Ihnen, vor allem wenn Sie wissen, wie viel – oder in dem Fall eher wie wenig – tatsächlich dran ist?

René Wagner: Meine Frau hat es mir abends gezeigt. Mittlerweile fragt sie mich dann, ob da etwas dran ist. Ich hatte in keiner Weise das Gefühl, dass das stimmen könnte. Dafür entwickelt man ja auch mit der Zeit ein Bauchgefühl. Die Kommunikation innerhalb des Vereins ist ganz klar. Außerdem habe ich auch ein paar Gehirnzellen im Kopf, um das richtig einzuordnen (lacht). Mir tut es dann eher leid, wenn meine Frau zwei Stunden auf der Couch sitzt und sich fragt, was da los ist.

„Dann hätte ich ihn am nächsten Tag wahrscheinlich an die Wand genagelt“

Zwei Dinge, auf die Sie sehr viel Wert legen, sind Kommunikation und klare Abläufe. Trotzdem hat Linton Maina nach dem Spiel gegen Werder gesagt, dass es Phasen gab, da wusste keiner so richtig, was er jetzt gerade eigentlich machen soll.

René Wagner: Wenn ich den Spieler nicht kennen würde und nicht wissen würde, was er in dem Moment gemeint hat, dann hätte ich ihn am nächsten Tag wahrscheinlich an die Wand genagelt (lacht). Das musste ich zum Glück nicht. Linton wollte damit ausdrücken, dass die Mannschaft es in diesen Phasen nicht geschafft hat, sich selbst wieder zusammenzurotten und zum Plan zurückzufinden. Es gibt solche Phasen in jedem Spiel und Fußball ist leider nicht Schach. Wenn eine neu formierte Mannschaft gemeinsam auf dem Platz steht, ist das normal. Meine Aufgabe ist es dann, den Jungs zu helfen. Es ist aber nicht so einfach, in unserem geilen Stadion einen Spieler an der gegenüberliegenden Seitenlinie zu erreichen und mit irgendwelchen Handbewegungen Anweisungen zu geben.

Ein anderer Spieler ist Rav van den Berg. Wie weit ist er vom Kader aktuell entfernt?

René Wagner: Wir haben aktuell vier Innenverteidiger – davon spielen zwei. Joel war zuletzt derjenige, der die Position auf der Bank bekommen hat. Jetzt liegt es an Rav selbst: Er kennt die Gründe, warum er im Moment nicht zum Zug kommt, genauso kennt er aber auch die Mittel und Wege, wie er zurück in die Mannschaft finden kann.

Das ausführliche Interview mit René Wagner lest ihr am Freitagmorgen bei come-on-fc.com.


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