René Wagner sendet wichtige Zeichen an seine Mannschaft
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Schlägt Fleiß Status? René Wagners klare Ansage an die Mannschaft – und warum sie nicht für jeden gilt

Borna Sosa und Isak Johannesson standen im Derby überraschend in der Startelf, Imad Rondic kehrte nach seiner Ausbootung in den Kader zurück. Unterschiedliche Personalentscheidungen von René Wagner, die dennoch eine Gemeinsamkeit haben: Der Trainer des 1. FC Köln belohnt Einsatzbereitschaft. Dahinter steckt offenbar ein bewusstes Führungsprinzip. Das hatte Wagner bereits im großen Interview mit come-on-fc.com erklärt.

Nach den Ausfällen von Thijs Dallinga und Ragnar Ache war rund ums Geißbockheim eine ganze Woche über die Alternativen im Sturm diskutiert und spekuliert worden, die personellen Überraschungen fielen im Derby allerdings an anderer Stelle. Denn FC-Coach René Wagner stellte seine Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach auf zwei Positionen um, die eigentlich fest vergeben schienen. Tom Krauß und Gideon Mensah machten Platz für Isak Johannesson und Borna Sosa. René Wagner lieferte im Anschluss an die Begegnung die Erklärung, die aber vor allem ein Zeichen an sein Team war.

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René Wagner ist in der Regel kein Trainer der großen Gesten und lauten Worte. Der Coach kann schon an der Seitenlinie stampfen, auf und ab marschieren. Doch die ganz großen Szenen will er seinen Spielern überlassen. Manchmal braucht es aber auch keine großen Worte, um wichtige Botschaften zu vermitteln. So wie am vergangenen Sonntag, als Borna Sosa und Isak Johannesson im Derby gegen Borussia Mönchengladbach überraschend in der Startelf standen. Auch die erneute Kader-Rückkehr von Imad Rondic nach seiner zwischenzeitlichen Ausbootung ist so ein Zeichen. Drei Personalien, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben und doch viel darüber verraten, wie Wagner seine Mannschaft führt.

René Wagner: „Trainingsleistungen muss man auch belohnen“

Denn die Einstellung der Spieler wird bei den Entscheidungen eine wichtige Rolle gespielt haben. Sosa hatte sich während der Länderspielpause im Training empfohlen. Rondic hatte trotz seiner schwierigen sportlichen Situation nicht nachgelassen. Wagner honorierte den Einsatz seiner Spieler und auch Johannesson, den der Coach nach eigener Aussage auch aus taktischen Gründen Tom Krauß vorzog, hatte sich zuletzt im Training stark gezeigt. Wagner sendete damit ein Signal an all jene, die aktuell nicht zur ersten Wahl gehören: Wer sich reinhängt, kann seine Situation verändern. So deutete nicht wirklich viel darauf hin, dass Sosa schnell eine Chance erhalten würde. Der Kroate war kurz vor Transferschluss verpflichtet worden, als Backup für Gideon Mensah, allerdings schon mit der Ambition in das direkte Duell zu treten. Mensah hatte die Nase vorne.

Und der Ghanaer war bis dato eigentlich auch die Konstante in der Kölner Hintermannschaft. „Borna hat jetzt super drei Wochen gehabt, hier in der Länderspielpause. Er hat es sich verdient zu starten. Ich glaube, Trainingsleistungen muss man auch belohnen“, erklärte Wagner nach dem 2:1-Erfolg gegen Gladbach. Natürlich hatte die Entscheidung auch sportliche Gründe. Wagner wollte gegen die Borussia offensiver auftreten und versprach sich von Sosa zusätzliche Möglichkeiten im Spiel mit dem Ball. Doch bemerkenswert war, wie ausdrücklich der Coach die Leistungen im Training hervorhob. Erstaunlich auch: Mensah erwischte zwar auf seiner Länderspielreise einen rabenschwarzen Tag, als er bei der 2:4-Niederlage gegen Gambia an drei Gegentreffern mindestens beteiligt war, doch der Linksverteidiger kehrte früh zurück und hatte ebenfalls viel Zeit, sich im Training zu zeigen.

Eine ähnliche Botschaft wie bei Sosa hatte Wagner bereits bei Rondic vermittelt. Der Angreifer schien beim FC sportlich abgeschrieben, arbeitete aber trotz seiner schwierigen Situation weiter intensiv an sich. Wagner würdigte dessen Einsatzbereitschaft und holte den Stürmer zurück in den Kreis der Mannschaft. Im Derby erhielt Rondic schließlich sogar einige Einsatzminuten. Wagners unmissverständliche Botschaft: Einsatzwille und Trainingsleistung öffnen Türen, die so verschlossen schienen.

Was René Wagner bereits im Interview mit come-on-fc.com erklärte

Dass hinter diesen Entscheidungen mehr stecken könnte als die Bewertung einzelner Trainingseinheiten, hatte Wagner bereits Anfang Oktober im großen Interview mit come-on-fc.com durchblicken lassen. „Jeder Spieler, der gerade nicht zu der Startelf gehört, muss das Gefühl haben, dass er in die Anfangsformation reinbrechen kann“, erklärte der FC-Trainer damals. Ein Satz, den man inhaltlich wohl schon von einigen Trainern gehört hat. Wagner verleiht diesen Worten aber Nachdruck. Die Spieler auf der Bank sollen nicht den Eindruck gewinnen, dass ihre Rolle unabhängig von ihren Leistungen bereits feststeht. Sie sollen eine Perspektive erkennen können. Und zwar nicht nur in Gesprächen mit dem Trainer, sondern auch durch dessen Entscheidungen. Gerade Spieler, die über Wochen kaum zum Einsatz kommen, brauchen die Überzeugung, dass sich ihre Arbeit lohnt.

Wagner hatte im Interview zudem erklärt, dass er seinen Spielern mit Offenheit und Klarheit begegnen wolle. „Ich versuche, jedem Spieler den gleichen Respekt zu geben, indem ich ehrlich, offen und klar mit ihm bin“, sagte der Trainer. Dazu gehört offenbar auch, dass sich die sportliche Hierarchie innerhalb einer Mannschaft verändern kann. Allerdings wirft dieses Vorgehen eine grundsätzliche Frage auf. Wie stark darf die Trainingsleistung darüber entscheiden, wer am Wochenende auf dem Platz steht? Schließlich geht es für einen Bundesligatrainer nicht darum, besonders engagierte Spieler zu belohnen, sondern die Mannschaft aufzustellen, die die größten Erfolgsaussichten verspricht.


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Gerade der Fall Sosa zeigt dieses Spannungsfeld. Mensah hatte sich in den ersten Saisonspielen einen Stammplatz erarbeitet. Während der Länderspielpause war der Ghanaer allerdings mit seiner Nationalmannschaft unterwegs, Sosa konnte dagegen beim FC trainieren und sich empfehlen. „Wir stellen an jedem Spieltag die Mannschaft aufs Feld, von der wir glauben, dass es die besten elf Spieler sind, die wir in dem Moment zur Verfügung haben“, sagte Wagner im Interview. Damit müssen sich Trainingsfleiß und sportliche Qualität keineswegs widersprechen. Wer unter der Woche überzeugt, kann auch für das nächste Spiel die bessere Option sein. Zudem unterscheiden sich die Anforderungen je nach Gegner und taktischer Ausrichtung. Sosas offensive Qualitäten könnten in bestimmten Begegnungen gefragt sein, während Mensah mit seinen defensiven Stärken in anderen Spielen Vorteile bietet.

Wagners Zeichen hat aber auch seine Grenzen

Dass es nicht nur nach Trainingsleistung geht, dürften andere Beispiele wie von Jan Thielmann oder Luca Waldschmidt zeigen. Gerade das Kölner Eigengewächs ist für sein Engagement in den Einheiten bekannt, ist immer ein Spieler, der voran geht, Einsatz zeigt. Doch der 24-Jährige spielt bislang im System Wagner eine kleinere Rolle. Das kann sich vielleicht auch wieder ändern, doch aktuell gibt es Spieler, die es einfach schwer haben. Nur hatte man das vor der Saison einem Imad Rondic eben auch nachgesagt. Der Trainer betont die Bedeutung des Zusammenhalts, spricht von einem guten Miteinander und davon, möglichst alle Spieler mitzunehmen. Sein viel zitierter „sozialer Leim“ soll die Mannschaft zusammenhalten. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Spieler gleichermaßen zufrieden sein kann oder dass Konkurrenzkampf vermieden werden soll.

Wagner hat gezeigt, dass Einsatz gesehen wird. Ob daraus ein Prinzip wird oder ein Derby-Moment bleibt, entscheidet sich an Spielern wie Thielmann und Waldschmidt. Solange ihr Fleiß folgenlos bleibt, ist Wagners Botschaft nur halb gesendet.

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