René Wagner vom 1. FC Köln
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1. FC Köln: Wird René Wagners Suche nach Stabilität zum Problem für die Offensive?

Der 1. FC Köln hat gegen Schalke endlich wieder zu null gespielt. Doch offensiv bleiben die Probleme bestehen. Auffällig ist dabei der Umgang von René Wagner mit Mikey Moore. Sowohl gegen Frankfurt als auch gegen Schalke spielten defensive Überlegungen bei Personalentscheidungen um den Engländer eine Rolle. Dabei braucht der FC gerade Spieler, die auch mal ins Risiko gehen.

Es war eine durchaus bemerkenswerte Begründung, die René Wagner nach dem torlosen Remis gegen den FC Schalke 04 für die Auswechslung von Mikey Moore lieferte. Der junge Engländer war nach 68 Minuten vom Platz gegangen, weil der Trainer unter anderem die Gefahr von Ballverlusten und daraus resultierenden Gegenangriffen sah. Eine nachvollziehbare Überlegung, schließlich hatte der FC in den vergangenen Wochen immer wieder Gegentreffer kassiert und Moore tatsächlich einen Umschalter verursacht, der Tom Krauß in der Folge die Gelbe Karte einbrachte. Und doch wirft die Erklärung eine grundsätzliche Frage auf: Wie viel Risiko darf sich eine Mannschaft erlauben, die offensiv ohnehin nur selten für echte Gefahr sorgt?

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Dass FC-Trainer René Wagner die defensive Stabilität in den Fokus nimmt, sollte nicht überraschen. Immerhin hatten die Kölner 20 Bundesligaspiele in Folge mindestens einen Gegentreffer kassiert. Gegen Schalke endete diese Serie endlich. Ein Fortschritt, den man nicht kleinreden sollte. Allerdings sollte man ein anderes Problem auf der anderen Seite nicht kleinreden. Denn auf der anderen Seite des Spielfelds fiel bekanntlich ebenfalls kein Treffer. Und das lag nicht unbedingt daran, dass es an Versuchen mangelte. 14 Abschlüsse hatten die Geißböcke auf dem Konto, der xGoals-Wert lag bei 1,22. Bei 14 Abschlüssen nicht beeindruckend: Die wirklich zwingenden Möglichkeiten blieben ganz offensichtlich einmal mehr überschaubar. Dabei ist das Herausspielen von Möglichkeiten der Kern des Problems. Allerdings fängt das weit vor der letzten Kette an.

Mikey Moore: Zwei Spiele, zwei defensive Entscheidungen von René Wagner

Die Frage nach dem Risiko stellt sich beim FC nicht erst, wenn ein Spieler im gegnerischen Strafraum den Abschluss sucht. Sie begleitet bereits den Weg dorthin. Wie viele Spieler schieben nach? Wer besetzt die Räume hinter der gegnerischen Abwehr? Und wie viel Absicherung brauchen die Geißböcke, wenn ein Offensivspieler wie Moore ins Dribbling geht? Zentrale Fragen. Wer eine kompakte Defensive auseinanderziehen will, kann mit Tempo, Positionswechseln und überraschenden Aktionen für Unordnung sorgen. Nur braucht es dafür auch Spieler, die sich aus ihrer Position lösen, in freie Räume starten, das Eins-gegen-eins suchen oder mit einem Dribbling mehrere Gegenspieler auf sich ziehen. Das erhöht wiederum das Risiko eines Ballverlusts. Und die wollte Wagner gegen die Königsblauen in der Schlussphase eben nicht kassieren.

Gegen Schalke fehlte es den Kölnern über weite Strecken genau an dieser Dynamik. Marius Bülter sprach anschließend von einem zu langsamen Spiel, Borna Sosa bemängelte dagegen die fehlende Ruhe im letzten Drittel. Beide Aspekte müssen sich nicht widersprechen, können aber sehr wohl zu unnötigen Ballverlusten führen. Dass Wagner bei seinen Entscheidungen zuletzt auf eher eine kompaktere Defensive setzte, zeigte sich bereits eine Woche zuvor. Beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Frankfurt überraschte der Trainer mit einer taktischen Umstellung. Statt der gewohnten Viererkette setzte Wagner auf eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette. Für den zusätzlichen Innenverteidiger Joel Schmied musste mit Moore ausgerechnet einer der spielstärksten Offensivakteure und bisherigen Stammspieler auf die Bank. Der FC sollte laut Wagner kompakter stehen, das eigene Tor besser verteidigen und nach Ballgewinnen über die schnellen Said El Mala und Linton Maina umschalten.

Das Offensivproblem des 1. FC Köln geht über fehlende Torchancen hinaus

Ein Plan, der zumindest in der ersten Halbzeit durchaus Ansätze zeigte. Nach dem Seitenwechsel gerieten die Kölner allerdings zunehmend unter Druck. Die Entlastung fehlte, der FC wurde tief in die eigene Hälfte gedrängt. Am Ende stand eine 0:1-Niederlage, obwohl Wagner mit der zusätzlichen Absicherung gerade die Gegentorserie hatte beenden wollen. Gegen Schalke folgte nun eine andere taktische Herangehensweise, die Überlegung hinter einer Personalentscheidung war jedoch ähnlich. Wieder traf es Moore, wieder spielte das Risiko möglicher Ballverluste eine Rolle. In Frankfurt musste der Engländer zunächst draußen bleiben, gegen Schalke wurde er vorzeitig ausgewechselt. Wagner verzichtete zeitweise auf die Kreativität eines Unterschiedsspielers, um andere Anforderungen an seine Mannschaft stärker zu gewichten.

Daraus lässt sich noch keine grundsätzliche Abkehr vom offensiven Fußball ableiten. Die Fünferkette war schließlich auch eine Anpassung an den Gegner, und gegen Schalke begann Moore wieder von Anfang an. Dennoch fällt auf, dass der Trainer bei der Suche nach mehr Stabilität wiederholt bereit war, offensive Qualität zu opfern. Die entscheidende Frage ist, ob sich der FC diesen Verzicht angesichts seiner Schwierigkeiten im Angriff überhaupt leisten kann. Ausgerechnet Mikey Moore und Said El Mala stehen sinnbildlich für dieses Spannungsfeld. Beide verfügen über die Fähigkeit, mit einer Einzelaktion für Gefahr zu sorgen. Beide suchen das Dribbling, beide nehmen dafür auch Ballverluste in Kauf. Und beide mussten gegen Schalke vorzeitig vom Platz. Gerade Moore hatte dazu auch nicht seinen besten Tag erwischt. Dennoch gehört er zu den wenigen Spielern im Kader, die mit einer unerwarteten Aktion eine kompakte Defensive aufbrechen können.

Am Dienstag erwartet den 1. FC Köln ein ähnliches Spiel

Wagner wollte einen möglichen gegnerischen Konter verhindern, indem er einen Spieler vom Feld nahm, der mit seinen Aktionen selbst für Unordnung sorgen kann. Natürlich ist es Aufgabe eines Trainers, solche Risiken abzuwägen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Mannschaft nicht andere Lösungen finden muss, um ihre kreativen Spieler abzusichern, statt deren Risikobereitschaft zu begrenzen. Wagner steht damit vor einer schwierigen Aufgabe. Einerseits hat der Trainer zuletzt viel Wert auf defensive Stabilität gelegt und gegen Schalke zumindest einen Teilerfolg erzielt. Andererseits benötigt seine Mannschaft mehr Offensivaktionen, die über einzelne Abschlüsse aus ungünstigen Positionen hinausgehen.

Schon am Dienstag gegen Union Berlin dürfte der FC erneut vor der Aufgabe stehen, gegen einen kompakten Gegner selbst Lösungen finden zu müssen. Die defensive Absicherung allein wird dafür kaum reichen. Entscheidend wird sein, wie viel Freiheit Wagner seinen Offensivspielern zugesteht.

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