Auch wenn René Wagner schon mal laut werden kann, sind es eher leise Töne, die auf dem Trainingsgelände Einzug erhalten haben. Der Cheftrainer setzt viel auf soziale Kompetenz und Gemeinschaft. Auch deswegen wurde er verpflichtet beim 1. FC Köln: René Wagner und die Kraft des Wirs.
Erst im Trainingslager in Kitzbühel sprach René Wagner vom „Sozialen Leim“, den es dieser Tage in Köln anzurühren gilt. Tatsächlich geht der Coach mit dieser Maxime voran. Das soll sich auch auf den sportlichen Erfolg auswirken.

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Es war eines der dominierenden Themen des Frühsommers: Wer würde die feste Nachfolge von Lukas Kwasniok antreten? Und welche Eigenschaften muss derjenige mitbringen, um dem Anforderungsprofil dieses Jobs gerecht zu werden? Am Geißbockheim setzen die Verantwortlichen auf René Wagner, der als Interimscoach die Geißböcke zum Klassenerhalt geführt hatte. Ein Argument, das pro Wagner unmittelbar nach seiner Übernahme und zuletzt wieder in der Saisonvorbereitung immer wieder angeführt wurde, ist sein überdurchschnittlich gutes Verhältnis zu seiner Mannschaft. Dieses Narrativ hält der Verein auch in der neuen Saison aufrecht.
Im Podcast „Thekenphilosophen“ blickte Vizepräsident Ulf Sobek auf den Prozess um die wohl wichtigste Personalentscheidung des Sommers zurück. „Am Ende des Prozesses sind wir dann bei René Wagner rausgekommen, weil er Köln auch als Standort kennt, was man auch nicht letztendlich unterschätzen kann, er uns einen klaren Weg aufgezeigt hat. Und das war dann nachher die Entscheidung, warum wir uns dann mit voller Überzeugung für René Wagner entschieden haben“, erklärte Sobek. Man merke inzwischen deutlich, wie die Leute sähen, wie auf der Arbeit gearbeitet werde und wie die Kommunikation ablaufe, so der Vizepräsident weiter.
Bewusste Entscheidung für René Wagners Stil
Sobek machte zudem deutlich, dass der Wechsel auf dem Trainerposten auch eine bewusste Entscheidung für mehr Ruhe gewesen sei. „Wir wollten damals ganz bewusst einfach auch einen Wechsel haben, weil wir hatten ja vorher einen Trainer, der, ich nenne es mal positiv, sehr engagiert war. Und wir wollten, dass wir uns wieder stärker auf das Thema Fußball konzentrieren, außerhalb dieser ganzen Nebenthemen“, sagte er. Die klare Maßgabe an Wagner lautet: „Arbeite ruhig und strukturiert, sei streng genommen eher langweilig und was auch immer, aber sieh zu, dass der Fokus wieder auf dem Fußball liegt.“ Auffallend ist, dass Wagner die Kommunikation mit seinen Spielern sucht und sie immer wieder anspricht. Wie aus dem Kreis der Akteure zu vernehmen ist, kommt genau das an. Die Spieler sind von der offenen Art des Trainerteams überzeugt und wissen offenbar genau, woran sie sind.
Wagner stärkt auf beeindruckende Weise das „Wir“ und will eine Mannschaft auf und neben dem Platz. Eine Mannschaft, die als Team funktioniert, was man von Vereinsseite aus auch nicht müde wird, zu betonen. Dass dieser Kommunikationsstil durchaus ein Erfolgsfaktor sein kann, legen auch sportwissenschaftliche Untersuchungen nahe. Studien zur emotionalen Intelligenz von Trainern zeigen einen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit, eigene Emotionen zu regulieren und auf die Bedürfnisse der Spieler einzugehen, und dem Zusammenhalt sowie der Motivation innerhalb einer Mannschaft. Ein ruhiger, strukturierter Umgang – wie ihn Sobek von Wagner explizit einfordert – gilt dabei als Baustein, der Vertrauen und Selbstwirksamkeit im Team stärken kann.
Soziale Kompetenz als Baustein
Ob sich ein guter Draht zwischen Trainer und Mannschaft tatsächlich in Punkten und Tabellenplätzen niederschlägt, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Analysen, die den Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und sportlicher Leistung in verschiedenen Sportarten untersucht haben, kommen zu dem Ergebnis, dass es einen positiven, wenn auch kleinen bis moderaten Effekt gibt. Für Trainer im Speziellen zeigen Studien vor allem indirekte Wirkungen. Eine gut ausgeprägte emotionale Intelligenz hängt mit stärkerem Zusammenhalt im Team, höherer Zufriedenheit der Spieler und positiverem Verhalten in Drucksituationen zusammen. Ein direkter, ursächlicher Beweis dafür, dass dies auch zu mehr sportlichem Erfolg führt, steht jedoch aus. Wagners kommunikativer Ansatz mag also ein Baustein sein, der das Umfeld beim FC stabilisiert, als alleinige Erklärung für den erhofften sportlichen Aufschwung taugt er jedoch nicht.
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