Thomas Kessler gab unlängst zu, dass ein Angebot für seinen Shootingstar vorläge, bei dem er gesprächsbereit sei. Der Abgang von Said El Mala wird damit wahrscheinlicher. Doch es droht noch ein weiterer Abschied beim 1. FC Köln: Thomas Kessler und das Dilemma mit Jakub Kaminski.
Der Abgang von Said El Mala ist wahrscheinlich, der von Jakub Kaminski wird wahrscheinlicher. Die Spekulationen über den Kölner Scorer deuten jedenfalls an, dass die Offensive zum großen Problem werden kann. In dieser Spielzeit gehörte diese zu den besseren der Liga.

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Jakub Kaminski weilt gerade bei der polnischen Nationalmannschaft und bereitet sich auf die Freundschaftsspiele gegen die Ukraine am Abend und Nigeria am kommenden Mittwoch vor. Der Wert der Begegnungen ist für die polnische Nationalmannschaft natürlich ein überschaubarer. Denn das Team um den Kölner Offensivspieler und Superstar Robert Lewandowski hat die Weltmeisterschaft bekanntlich verpasst, verlor das entscheidende Playoff-Spiel gegen Schweden. Da aber auch Nigeria und die Ukraine das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada verpassen, handelt es sich tatsächlich um reine Freundschaftsspiele.
Für Kaminski ist jedoch auch noch einmal eine Chance, sich ins Schaufenster zu stellen – wenn der 23-Jährige das überhaupt noch nötig hat. Denn der Pole hat eine überragende Saison abgerissen, war gefühlt auf jeder Position zu Hause, erzielte sieben Tore, bereitete fünf vor und hatte damit großen Anteil am Klassenerhalt der Geißböcke.
Zukunft in der Premier League?
Nicht umsonst wurde der Marktwert vom Online-Portal transfermarkt.de zuletzt auf 17 Millionen Euro geschätzt. Eine stolze Summe für einen Spieler, den die Kölner für rund fünf Millionen Euro unter Vertrag nehmen werden. Die Kaufoption wird sicher gezogen, das hat Thomas Kessler bereits mehrfach erklärt, alle Parteien sind informiert. Wenn die Unterschrift noch nicht erfolgt ist, ist sie nur Formsache. Und das ist durchaus als großer Transfercoup zu betrachten.
Allerdings einer mit einem kleinen Makel. Denn der Vertrag ist wie berichtet mit einer Ausstiegsklausel versehen. Ist ein Club bereit, die kolportierte Ablöse von 20 Millionen Euro zu bezahlen, haben die Kölner keine Handhabe – gar keine. Und so dürften die Meldungen, die am Samstag vor allem in Polen die Runde gemacht haben, vielleicht dann doch für ein wenig Nervosität bei Thomas Kessler verursacht haben. Denn wie vermeldet, berichtete Journalist Mateusz Borek von einem konkreten Angebot aus England, das Kaminski vorläge.
Nach Informationen von come-on-fc.com ist der FC über diese Offerte noch nicht unterrichtet worden, muss er aber auch nicht zwingend. Das Vorgehen ist in diesem Fall in der Regel, das zunächst Interessent und Spielerseite sprechen. Bei einer Einigung würde dann das Gespräch mit den Kölnern gesucht werden. Tatsächlich kann es nun schneller gehen, als es dem ein oder anderen FC-Fan lieb ist. Kaminski hat bereits mehrfach angedeutet, dass er seine Zukunft in der Premier League sieht. Die Clubs aus jener sind wiederum eher bereit, die Ablösesumme dann auch zu überweisen. Und tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit nach der vergangenen Spielzeit recht groß, dass genau das passieren wird. Kessler sind in dem Fall dann die Hände gebunden und die 20 Millionen Euro Ablöse aus rein sportlicher Sicht ein schwacher Trost. Denn den Geißböcken droht ein massives Offensivproblem.
Schmerzhafter Aderlass
Wenn auch ein lukratives. Neben Kaminski mit zwölf Scorerpunkten steht schließlich mit Said El Mala der Topscorer und potenzielle Kölner Rekord-Transfer ganz oben auf der Liste der möglichen Abgänge. 50 Millionen Euro will Kessler für den Shootingstar haben und wird diese wohl annähernd bekommen. Zwar hat der FC die Hand auf einem möglichen Deal, da der 19-Jährige eben keine Ausstiegsklausel im Vertrag stehen hat, doch das macht eine weitere Saison mit dem Geißbock auf der Brust nicht wahrscheinlicher. El Mala wird sich einen Wechsel nach England vorstellen können, es winken ein hohes Gehalt sowie Spielzeit in der wohl besten Liga der Welt. Und da sich die Geißböcke personell noch einmal verstärken wollen, ein Großteil des vorhandenen Budgets aber in die Optionen der Leihspieler fließen soll, wird frisches Geld benötigt.
Man „müsste die Torquote verbindlich einkaufen“
Alleine der Verkauf der beiden Akteure würde dem FC also rund 70 Millionen Euro einbringen, von denen ein Großteil wieder in die neue Mannschaft fließen würde. Dass eine finale Entscheidung noch nicht gefallen ist, erklärte Vizepräsident Ulf Sobek am Donnerstagabend und lieferte direkt eine Erklärung mit, warum auch der Verbleib des Offensivspielers eine denkbare Option sein könnte. „Wenn man einen Transfer realisiert, hätte man mehr Geld zur Verfügung, müsste aber die Torquote verbindlich einkaufen“, sagte der 54-Jährige. Und genau da liegt ein großes Problem der Kölner. Denn eine Garantie für Scorerpunkte bringt kein Transfer mit sich. Und die Vergangenheit zeigt, dass der FC gerade in der Offensive gerne mal daneben gelegen hat.
Und selbst wenn nicht: Dass Kessler und Tim Steidten in diesem Sommer noch einmal solche Glücksgriffe landen, wie mit dem formerstarkten Kaminski und dem Ausnahme-Talent El Mala, ist mindestens sehr unwahrscheinlich. Eins-zu-Eins-Ersatze wird und kann es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht geben. So bleibt unterm Strich die Erkenntnis, dass sich der FC durch den Verkauf der zwei Offensivkräfte finanziell besser aufstellt, mehr Luft bei möglichen Transfers hat, sportlich wird der Aderlass aber immens und kaum auffangbar sein.
