Lukas Kwasniok im Interview: „Das ist aktuell ein perfektes Match“

Lukas Kwasniok im Interview mit come-on-fc.com
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Lukas Kwasniok im Interview: „Das ist aktuell ein perfektes Match“

Seit einigen Wochen ist Lukas Kwasniok nun beim FC im Amt. Im zweiten Teil des Interviews spricht der Coach mit come-on-fc nicht nur รผber die Personalien Eric Martel und Said El Mala. Er รคuรŸert sich auch zu seiner Kaderplanung beim 1. FC Kรถln: Das sagt Lukas Kwasniok im Interview – Teil 2.

Der Coach verrรคt, wieviel Mitspracherecht er bei der Kaderplanung hat und wie er seine Kaderentscheidungen trifft beim 1. FC Kรถln: Das sagt Lukas Kwasniok im Interview – Teil 2.

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Die Hรคlfte der Vorbereitung ist vorbei. Wie weit sind Sie denn gedanklich schon mit einem Gerรผst fรผr die Startformation.

Gedanklich sind wir nach dem Trainingslager schon ein gutes Stรผck weiter. Das Gesamtkonstrukt verรคndert sich in der Saison aber immer wieder. Wir haben erste Ideen, was zu Beginn der Saison funktionieren kรถnnte. Aber es wird immer wieder Anpassungen geben. Ich habe noch nie eine Saison mit der Mannschaft beendet, mit der ich sie angefangen habe. Und das wird auch dieses Mal nicht so sein. Manchmal bekommt ein Spieler seine Chance erst nach zwรถlf Spieltagen, mal nach 24, aber dann muss er auch da sein. Je nach Leistung werde ich an den Spielern einfach nicht vorbeikommen.

Eric Martel hat vergangene Woche erklรคrt, dass er zumindest diese Saison beim FC bleiben wird. Wie wichtig ist diese Personalie?

Als ich mit Thomas Kessler รผber mein Engagement gesprochen habe, da hatte ich den Vertrag noch nicht signiert, haben wir auch darรผber gesprochen, wie wichtig Eric als Anker dieser Mannschaft ist. Nicht nur mit seinen fuรŸballerischen Qualitรคten, sondern auch mit seiner Persรถnlichkeit, weil er beispielsweise immer gewinnen will. Er reiรŸt damit andere mit. Eric weiรŸ, was er am FC hat. Wir wissen, was wir an ihm haben. Das ist aktuell ein perfektes Match. Dass sich das dann im Laufe einer Saison รคndern kann, das ist im Rahmen des Mรถglichen. Es ist aber genauso mรถglich, dass er im Winter sagt, dass er bleiben will.

„Darauf mรผssen wir reagieren“

Ist es denn eine besondere Herausforderung, einen Kader zu รผbernehmen, bei dem es so viele Fragezeichen gab und gibt oder ist es gerade besonders spannend, weil man den Kader mitformen kann?

Es liegt in der Natur der Sache, dass wenn du in der sportlichen Fรผhrung und im Trainerteam neue Persรถnlichkeiten hast, wenn die Transfersperre aufgehoben worden ist, dass es dann zu einem etwas grรถรŸeren Umbruch kommt. Das ist nicht auรŸergewรถhnlich.

Wie lรคuft eine Kaderplanung mit Ihnen und Thomas Kessler ab. Schlรคgt der Sportdirektor Namen vor oder kรถnnen Sie auch Wรผnsche รคuรŸern?

Es wรคre schlimm, wenn nicht. Wir sind tรคglich dazu im Austausch, nicht nur Thomas Kessler und ich. Manchmal mit dem gesamten Scoutingteam, aber auch mit den Trainern. Wir sind im FuรŸball, da ist viel in Bewegung, auf dem Transfermarkt, aber auch in unserer Mannschaft, darauf mรผssen wir reagieren. Das Wichtigste dabei ist, dass wir uns vertrauen kรถnnen. Deswegen bin ich guter Dinge, dass wir noch zwei, drei gute Transfers tรคtigen kรถnnen.

Welche Namen stehen denn noch auf der Wunschliste?

Ich nehme Euch Journalisten jetzt doch nicht die Arbeit ab (lacht).

Lukas Kwasniok beim Training des 1. FC Kรถln
Lukas Kwasniok beim Training des 1. FC Kรถln

Sie haben einige junge Spieler zu Hause gelassen, die sich nun erst einmal in der U21 beweisen sollen. In der jรผngeren Vergangenheit gab es oft Kritik von Seiten der Fans, im Umgang mit jungen Spielern. Aber auch Frust und Enttรคuschung bei dem ein oder anderen Youngster, der sich dann gegen den FC entschieden hat. Hat sich da ein anderes Selbstverstรคndnis bei dem Nachwuchs eingeschlichen? Ein 18- oder 19-jรคhriger Nachwuchskicker kann doch nicht davon ausgehen, dass er sofort Bundesliga spielt.

Wenn ein Spieler aus meiner Sicht gut genug ist, dann spielt er auch. Und wenn er nicht gut genug ist, dann muss er eben weiterarbeiten โ€“ entweder in der U19 oder in der U21. Julian Pauli war in der vergangenen Saison die groรŸe รœberraschung und da gab es auch keinen Trainer, der gesagt hรคtte, er sei zu jung. Wir wehren uns nicht gegen junge Spieler, die spielen. Und trotzdem wird es dann zum Thema, wenn sie erstmal keine Einsรคtze bekommen. Das heiรŸt aber nicht, dass sie nicht ausreichend gefรถrdert werden, nein, die Spieler sind in dem Moment dann noch nicht so weit. Die allermeisten Spieler, die aus den U-Mannschaften rauskommen, brauchen zwei, drei Jahre in einer รœbergangsphase in den Seniorenbereich.

„Wenn du das nicht kannst, musst du dir einen anderen Job suchen“

Einer der jungen Spieler, die aktuell im Fokus spielen, ist Said El Mala. Wie schรคtzen Sie den Youngster ein?

Er ist ein sehr guter Spieler. Er hat die Gabe, mit seinen Aktionen Spiele entscheiden zu kรถnnen. Thierry Henry hat mal gesagt, dass er im ersten Spiel seiner Laufbahn verstanden hat, wie man sich verhalten muss, um als Team den grรถรŸten Erfolg zu feiern und nicht nur um selbst zu glรคnzen. Das ist der entscheidende Prozess, um aus einem guten Spieler einen herausragenden Akteur fรผr die Mannschaft zu machen. Und bei diesem Prozess werden wir ihn begleiten. Dazu gehรถren nicht nur Highlight-Momente, sondern auch FleiรŸ, Defensiv-Arbeit und Verbindung im Spiel mit dem Ball.

In der jรผngeren Vergangenheit haben Sie gesagt, dass FuรŸball in erster Linie Entertainment ist. Ist da eine gewisse Diskrepanz zwischen Ergebnissport und Unterhaltung? Oder wie viel Unterhaltung kann der FuรŸball gebrauchen?

Ich glaube, das Entscheidende ist, sich vom Ergebnis ein wenig lรถsen zu kรถnnen. Als Trainer ist es relativ einfach, wenn wir Spiele gewinnen, ist alles toll. Wenn wir Spiele verlieren, werden wir Trainer kritisiert. Wenn du das nicht kannst, musst du dir einen anderen Job suchen. Ich persรถnlich unterhalte lieber, in dem Glauben, dass man so auch positive Ergebnisse erzielen kann. Es gibt keine Garantie, dass du erfolgreich bist. Dann habe ich lieber unterhaltsamen FuรŸball gespielt โ€“ und einen guten Umgang mit der Mannschaft und mit den Fans. Es macht dann einfach mehr SpaรŸ. Das Ergebnis kann ich als Trainer nur zu 50 und 60 Prozent beeinflussen.

Wรผrden Sie sich dementsprechend als Entertainer beschreiben?

Ich glaube, dass man eine Mischung aus beidem sein muss. Auf dem Platz konsequent und anspruchsvoll, aber wenn es darum geht, den Jungs Dinge zu vermitteln, musst Du Dir immer wieder etwas einfallen lassen. Dazu gehรถrt dann auch mal, dass ein Trainer wie im Trainingslager vom Zehn-Meter-Turm springen muss. Das war auch mein erster Sprung. Als ich da oben stand, dachte ich auch nicht, dass ich das mit links mache. Dann gilt es aber auch, die Jungs ein wenig zu animieren. Meine Haltungsnote war eher Kartoffelsack. Aber man muss auch mal รผber sich selbst lachen und sich selbst nicht zu wichtig nehmen kรถnnen.

Kommen wir zurรผck zur Stadt Kรถln. Haben Sie mittlerweile eine Wohnung gefunden? Kann Kรถln beruhigt sein?

Ja, das Umzugsunternehmen ist mittlerweile bestellt.   

Wie empfinden Sie die Kรถlner Fans, gerade die, die mit nach Bad Waltersdorf gereist sind?

Das hier zu erleben, war nochmal eine andere Stufe โ€“ und das im positiven Sinne. Das gibt einem Trainer Energie. Man steht eben nicht jeden Morgen auf und ist voller Tatendrang. Aber wenn man zum Training fรคhrt und sieht die Menschen und was sie fรผr uns alles auf sich nehmen, das ist schon sehr speziell und gibt dir einfach Power.

Das Gesprรคch fรผhrte Simon Bartsch

In Teil 1 des Interviews spricht der Trainer รผber die Fannรคhe des Vereins, die Besonderheiten des 1. FC Kรถln und seine Zeit bisher. Hier geht es zu Teil 1.

Lukas Kwasniok im Interview: „Es geht nicht darum, als sozialer, guter Mensch dazustehen, wir sind im Leistungssport“

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Lukas Kwasniok im Interview: „Es geht nicht darum, als sozialer, guter Mensch dazustehen, wir sind im Leistungssport“

Seit einigen Wochen ist der Trainer nun im Amt. Im Trainingslager sprach der Coach mit come-on-fc nicht nur รผber die Fannรคhe des Vereins, die dann doch รผberraschende Realitรคt beim FC und den Weg zum Ziel des 1. FC Kรถln: Das sagt Lukas Kwasniok im Interview.

Nach ein paar Wochen als Cheftrainer des 1. FC Kรถln hat Lukas Kwasniok seine ersten Erfahrungen mit dem Verein und der Mannschaft gesammelt. Der Coach รคuรŸert sich zu einer Zeit beim 1. FC Kรถln: Das sagt Lukas Kwasniok im Interview.

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Herr Kwasniok, vor einigen Tagen beim Fan-Fest in Bad Waltersdorf haben wir Sie beim Zapfen, aber auch beim Bierverkauf beobachten dรผrfen. Haben Sie eine neue Berufung gefunden?

Lukas Kwasniok: Nein, auch wenn ich das nicht zum ersten Mal gemacht habe โ€“ im FC-Dress natรผrlich schon. Wenn du im AmateurfuรŸball groรŸ wirst, dann wirst du bei den Sportfesten auch fรผr den Bierwagen eingeteilt. Insofern bin ich eigentlich geรผbt, aber der Zapfhahn lief nicht so gut. Es war schon sehr schaumig. Aber im Ernst: Wir wollen nahbar bleiben, deshalb habe ich das gerne gemacht. Ich glaube, in Kรถln ist es ganz wichtig, den Menschen das Gefรผhl zu geben, dass du Teil dieses Clubs bist. Wahrscheinlich ist diese Verbundenheit bei keinem anderen Verein in Deutschland so sehr ineinander verwurzelt wie hier. Die Menschen in Kรถln geben einem das Gefรผhl, der FC gehรถrt zu der Stadt und die Stadt zum FC. Das ist schon sehr, sehr speziell.

Haben Sie das bei Ihrem Amtsantritt so erwartet?

Natรผrlich wurde mir erzรคhlt, wie es in Kรถln so ist. Es ist ein bisschen so, wie wenn dir erzรคhlt wird, dass sich mit einem Kind das Leben verรคndert, dann denkst du auch: ,Ja, ja – Danke fรผr den Hinweisโ€˜. Und wenn es dann soweit ist, merkst du, dass sich tatsรคchlich alles verรคndert hat. So รคhnlich war das jetzt beim FC. Du versuchst dich darauf einzustellen und wenn es dann soweit ist, ist es doch nochmal etwas anderes.

Wie wichtig ist es, als Trainer Inhalte, Ideen oder eben Spielweisen dem Team โ€œgut verkaufenโ€œ zu kรถnnen?

Verkaufen ist fรผr mich der falsche Begriff. Du musst die Jungs davon รผberzeugen, dass das, was du machst, ein erfolgreicher Weg sein kann. Insofern wรผrde ich aus โ€žVerkaufenโ€œ โ€žรœberzeugenโ€œ machen. Du musst sie von deiner Idee begeistern kรถnnen. Und ihnen zeigen, dass dieser Weg uns ans Ziel fรผhren kann. Jeder Spieler hat schon verschiedenste Trainer gehabt und mit der Erfahrung fรผhlen sie sehr schnell, ob der Trainer wackelt, in dem, was er tut oder ob er von seinem Weg absolut รผberzeugt ist.

Sie sind ein sehr kommunikativer Trainer, suchen das Gesprรคch mit den Spielern, scheinen bereits ein Vertrauen aufzubauen. Wie wichtig ist fรผr Sie ein enges Vertrauensverhรคltnis?

Das Vertrauensverhรคltnis baut sich erst mit der Zeit auf. Es wรคre fatal, wenn die Jungs mir jetzt schon komplett blind vertrauen wรผrden. So schnell geht das nicht. Das ist ein Prozess, aber es ist natรผrlich das Ziel. Die Jungs sollen auf das Feld gehen und erkennen, dass sie einen Wettbewerbsvorteil haben, weil sie Dinge machen oder eben nicht machen. Das mรผssen sie aber erst einmal spรผren und fรผhlen. Deswegen habe ich aktuell noch nicht diese Erwartungshaltung. Wir haben schon ein gutes Verhรคltnis. Erstmal beobachte ich die Dinge lange, ohne sie zu bewerten.

Lukas Kwasniok im Trainingslager in Bad Waltersdorf

„Das wird immer ein Teil von mir sein“

Eine Bewertung haben Sie nach dem Spiel gegen Fortuna Kรถln getroffen, einige Spieler scharf kritisiert. Hรคtten Sie gedacht, mit der Mannschaft schon weiter zu sein oder haben Sie einige der Jungs anders eingeschรคtzt?

Ich habe das nicht als schlimme Aussage empfunden. Nach so einem Spiel, bei dem wir teilweise nicht auf Augenhรถhe mit einem Regionalisten waren, muss ich nicht um den heiรŸen Brei rum reden und so tun, als ob es reichen wรผrde. Bei allen Jungs, mit denen wir hier im Trainingslager arbeiten, habe ich das Gefรผhl, dass alle das Potenzial haben, am ersten Spieltag in der Startelf zu stehen. Zum Trainingslager sind vier Jungs dazu gekommen mit Eric, Jan, Said und Seb. Also mussten wir Entscheidungen treffen, weil ich kein Freund von einem Trainingslager mit 33 Spielern bin. Es geht nicht darum, als sozialer, guter Mensch dazustehen, wir sind im Leistungssport.

Ihre Aussagen wurden von vielen Fans als erfrischend ehrlich und authentisch wahrgenommen. Gibt es denn auch Momente, in denen Sie sich im Nachhinein besser gebremst hรคtten?

Im FC-Dress ist mir das noch nicht passiert. Es wird immer ein Teil von mir sein, dass ich โ€“ fรผr andere ungewohnt, fรผr mich normal โ€“ Dinge klar anspreche.

Eins Ihrer Mottos ist โ€žWork hard, be smartโ€œ. โ€žWork hardโ€œ haben wir nun einige Wochen hautnah miterlebt, wie sieht โ€žbe smartโ€œ aus?  

โ€žBe smartโ€œ bedeutet dann auch mal einen Trainingstag freizugeben. Wir arbeiten drei, vier Tage sehr hart und machen dann einen Tag frei. Ich mag es einfach nicht, nur zu trainieren, um Beobachtern das Gefรผhl zu geben, hier wird richtig durchgezogen. Das ist fรผr mich Zeitvergeudung โ€“ viel wichtiger ist es, dass auch der Kopf zwischendurch regenerieren kann.

„Dann macht auf einmal alles Sinn“

Wie weit sehen Sie den Kader nach der Hรคlfte der Vorbereitung?

Ich bin zufrieden. Auch mit dem Trainingslager. Wir sind deutlich weiter als nach den ersten beiden Wochen. Es ist schon eine exponentielle Kurve zu erkennen. Das war das klare Ziel unseres Trainingslagers. In letzten Einheiten war eine ganz andere Haltung und Herangehensweise zu erkennen. Die Jungs haben meine Ideen so langsam verinnerlicht und wir sind auf einem guten Weg. Es gibt aber noch viele Themen, die wir noch gar nicht angegangen sind, wie zum Beispiel die Arbeit gegen den Ball.

Ihre Spieler sprachen zum einen davon, dass das Training aktuell sehr intensiv ist, sie erklรคrten aber auch, dass es gar nicht so einfach sei, die Spielidee zu adaptieren. Ist die so komplex?

Die Jungs sind aus der Vergangenheit einen anderen Ansatz gewohnt, und zwar im kรถrperlichen Bereich als auch im gedanklichen. Es ist nicht komplex, es ist anders โ€“ ein anderer Spielstil, andere Spiel- und Belastungsformen. Die einzelnen Elemente passen immer besser, und Du merkst: die Zahnrรคder greifen ineinander und dann macht auf einmal alles Sinn. Dass es in den ersten Wochen hakt, ist ganz normal.

Das Gesprรคch fรผhrte Simon Bartsch

In Teil 2 des Interviews spricht der Trainer รผber Eric Martel und Said El Mala, die Kaderplanung mit Thomas Kessler und die Hintergrรผnde seiner Kaderentscheidungen. Der zweite Teil erscheint Montagmorgen.