Erneuter Ergebnis-Frust beim 1. FC Köln: Gegen Gladbach ist der FC wie vom Pech verfolgt

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Erneuter Ergebnis-Frust beim 1. FC Köln: Gegen Gladbach ist der FC wie vom Pech verfolgt

Trotz engagierter Leistung und einem wilden Derby gegen Gladbach bleibt der 1. FC Köln erneut unter seinen Möglichkeiten. Verletzungspech, bittere Einzelschicksale und fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen summierten sich zu einem Abend, an dem einfach alles gegen den FC und den Trainer lief. 1. FC Köln: Glücklos-Derby gegen Gladbach führt womöglich zum Trainer-Aus.

Im wilden Rheinderby zeigt der 1. FC Köln gegen Gladbach Moral und Comeback-Qualität, steht am Ende aber wieder mit zu wenig da. Verletzungen, unglückliche Aktionen und strittige Entscheidungen fügen sich zu einem Spiel, in dem dem FC schlicht alles gegen den Strich lief.

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Zaghafter Applaus hallte gestern Abend durch das sich rasch leerende RheinEnergieStadion. Die Geißböcke überzeugten zwar wieder mit ihrer Leistung in einem wilden Spiel, doch die Bilanz mit einem Punkt gegen Gladbach fällt erneut unzufriedenstellend aus. Sollte der FC St. Pauli am Sonntagnachmittag zu Hause gegen den SC Freiburg gewinnen, stünde der 1. FC Köln sieben Spieltage vor Saisonende erstmals unter dem Strich. Coach Lukas Kwasniok suchte hierfür gestern nach den richtigen Worten: „Ich weiß, dass in der Öffentlichkeit in erster Linie Ergebnisse als Argumente herangezogen werden und glaube aber, als Vereinsverantwortlicher schaut man in erster Linie darauf, wie die Jungs gemeinsam mit dem Trainer arbeiten und welche Überzeugung vorhanden ist“, äußerte der 44-Jährige gegenüber Sky. Im Duell gegen Gladbach habe man ihm Hindernisse in den Weg gelegt. „Egal ob es dann Unparteiische sind oder Verletzungen, wo wir heute einfach einen 19-Jährigen reingeworfen haben. Das ist alles Teil des Lebens, das ist alles Teil dieses Jobs hier beim 1. FC Köln.“

Cenny Neumann: Ein Startelfdebüt zum Vergessen

Und in der Tat: Ein Blick auf die 90 Minuten zeigt, wie viel an diesem Abend gegen den FC lief. Es begann mit der Hiobsbotschaft, dass der Aushilfs-Rechtsverteidiger Tom Krauß das Aufwärmen aufgrund von Knieproblemen abbrechen musste. Ersatzspieler Jan Thielmann war nach seiner Muskelverletzung noch nicht fit genug für einen Einsatz in der Startelf, schon gar nicht in einem intensiven Derby. So fiel die Wahl auf einen 19-jährigen Nachwuchsspieler, der vorwiegend in der Regionalliga West spielt und erst vor zwei Wochen gegen Borussia Dortmund seine ersten Schritte auf der ganz großen Bühne machen durfte. Für vier Minuten stand bis Cenny Neumann dahin auf dem Rasen in Müngersdorf.

Die Fohlen hatten seine Seite schnell als schwächstes Glied ausgemacht. So kam es, wie es kommen musste. Neumann war am 0:1 nach nur 28 Sekunden maßgeblich beteiligt, ließ sich obendrein vor dem 2:3 austanzen. Angesichts der enormen Erwartungshaltung und des Drucks kann man Neumann sicherlich keinen Vorwurf machen. Vielmehr ist es einmal mehr die Verletzungsproblematik, die dem FC in dieser Sache einen Strich durch die Rechnung machte.

Ex-Kölner Castrop wie entfesselt

Gegen seinen Ausbildungsverein wirkte Neumanns Gegenspieler Castrop wie entfesselt. Der Außenbahnspieler brach gegen den FC seinen Torbann, traf erstmals seit dem fünften Spieltag wieder und erzielte zudem zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Karriere zwei Tore in einer Partie. Die beiden Treffer schmecken ihm umso süßer, da er keine guten Erinnerungen an seine Zeit im Geißbock-Trikot hat. Denn bei den Profis bekam das Kölner Eigengewächs damals nicht die erhoffte Chance. „Ich war ein sehr ehrgeiziger junger Spieler und wollte so schnell wie möglich mein Debüt geben. Dann habe ich alle Spieler in meinem Jahrgang um mich herum gesehen. Ich habe gesehen, wie die ganzen Talente in ihren Mannschaften zu ihren ersten Spielen kamen. Und ich stand irgendwie auf der Stelle, kam nicht weiter. Das ist kein Vorwurf an Köln, es gibt kein böses Blut, aber natürlich war es enttäuschend für mich. Deshalb habe ich mir einen anderen Weg gesucht“, so der Gladbacher gegenüber Sky.

Sein Weg führte ihn im Januar 2022 nach Nürnberg und im letzten Winter schließlich an den Niederrhein zu Borussia Mönchengladbach. Für ihn schloss sich gestern mit dem Beinschuss an Schwäbe aus gut 13 Metern und dem Traumtor in den rechten Winkel der Kreis.

Schiedsrichterentscheidungen, die Fragen aufwerfen

Als ob das nicht schon genug wäre, verschaffte der Unparteiische Sören Storks den Geißböcken dann auch noch einen gravierenden Nachteil. Eric Martel holte sich in zwei nahezu identischen Aktionen die Gelb-Rote Karte ab. Zunächst traf der Ellbogen des Mittelfeldspielers Haris Tabakovic (73.), dann Joe Scally (86.) nach dessen Kopfballtreffer zum 3:3. Schiedsrichter Storks und seine Assistenten vergaben die zweite Karte damit in einer entscheidenden Phase der Partie. Thomas Kessler bewertete dies im Anschluss mit großer Enttäuschung. „Ich fand, dass wir heute viele Situationen hatten, bei denen ich mich wirklich gewundert habe, warum er so entschieden hat. […] Weil am Ende, in der Phase, in der du das 3:3 machst, winkt er Abseits und gibt dann noch eine Gelb-Rote Karte. Im Laufe des Spiels gab es viele gelbe Karten, bei denen ich mir wirklich Fragezeichen gesetzt habe.” Irritierend war sicherlich auch der Fakt, dass Storks und sein Team einen Ellbogencheck von Gladbachs Joey Scally gegen Martel, durch den der 23-Jährige Mitte der ersten Hälfte zu Boden ging, nicht ahndeten.

Stehen die Zeichen auf Abschied?

Alles in allem standen die Sterne über Müngersdorf für Lukas Kwasniok und seine Mannschaft maximal ungünstig. Die Verletzung von Krauß, Castrops Remontada und die fragwürdigen Entscheidungen von Sören Storks haben womöglich das Aus von Kwasniok in Köln besiegelt. In seinem womöglich letzten Interview nach einem Spiel ließ er es sich allerdings nicht nehmen, noch einmal eine Kampfansage loszuwerden.: „Das ist alles Teil des Lebens, das ist alles Teil dieses Jobs hier beim 1. FC Köln, und ich glaube, eins spürt man sehr wohl: Ich mache das mit Hingabe, mit Liebe für den Verein, für die Mannschaft, und das werde ich bis zum Schluss tun.“ Nun liegt es bei Geschäftsführer Kessler zu entscheiden, ob Kwasniok bereits vor der Länderspielpause seine Sachen packen muss. Darüber wird just in diesem Moment diskutiert. Kwasniok war schon am Geißbockheim, brach aber kurz danach wieder auf.


War es das für Lukas Kwasniok? Thomas Kessler vermeidet Treuebekenntnis: „Wir werden uns jetzt Gedanken machen“

Thomas Kessler beim Derby der Geißböcke gegen Gladbach
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War es das für Lukas Kwasniok? Thomas Kessler vermeidet Treuebekenntnis: „Wir werden uns jetzt Gedanken machen“

Reicht der Punkt im Derby oder muss Lukas Kwasniok den FC nun verlassen? Nach dem spannenden Derby äußerte sich der Geschäftsführer des 1. FC Köln: Thomas Kessler vermeidet das Treuebekenntnis aus.

In einem emotionalen Spiel gab es wieder kein Sieg für die Geißböcke. Zum siebten Mal in Folge verpasste der FC damit einen Dreier. Nach dem Spiel äußerte sich auch der Geschäftsführer der Kölner. Aber ein Treuebekenntnis vermied Thomas Kessler.

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Ein Ultimatum soll Thomas Kessler dem Trainer nicht gestellt haben. Zumindest hatte Lukas Kwasniok das in der vergangenen Woche erneut verneint. Ein Gespräch diesbezüglich habe es nicht gegeben. Dennoch holten die Kölner erneut keinen Sieg. Im Derby reichte es am Ende „nur“ zu einem 3:3-Unentschieden. „Kurz nach dem Spiel muss muss ich sagen, der Punkt ist zu wenig. „Ich glaube, wir hatten heute die Chance, drei Punkte zu holen. Wir hätten die Chance gehabt, den Rivalen zu schlagen und am Ende den sogar in der Tabelle zu überholen“, sagte der Geschäftsführer Sport der Geißböcke. „Das ist jetzt nicht geglückt. Und ja, deswegen ist unterm Strich der Punkt für mich jetzt zu wenig.“ Der FC war gegen Gladbach bereits früh in Rückstand geraten, drehte den Spielzeit zwischenzeitlich, um dann wieder die Fohlen in Führung gehen zu lassen. Kurz vor Spielende erzielte Eric Martel den 3:3-Endstand.

Kessler will „Dinge analysieren“

Kessler habe schon in den vergangenen Tagen „gesagt, dass wir Dinge analysieren und das werden wir jetzt auch nach diesem Spieltag machen. Wir können natürlich die Tabelle lesen, so wie ich es gerade gesagt habe. Am Ende wissen wir auch, wie schwierig die Aufgaben auch in den kommenden Wochen werden. Klar ist, dass du irgendwelche Stellschrauben drehen musst, damit du auch wieder in der Lage bist, mal wieder ein Fußballspiel zu gewinnen“, sagte Kessler. „Wir haben heute wieder ein Spiel erlebt, wo es auf Messers Schneide war, wo es auf beide Seiten hätte kippen können und am Ende springt jetzt ein Punkt dabei raus, aber tabellarisch muss man schon sagen, dass wir zwingend mal wieder darauf angewiesen sind, auch drei Punkte zu holen.“

Fakt ist, dass der FC aus den jüngsten 18 Spielen nur zwei Siege und elf Punkte geholt hat. Zuletzt hatten die Kölner Spieler immer wieder gesagt, dass nun die Spiele kommen, die man gewinnen müsse. Weder gegen den HSV noch gegen Gladbach ist das gelungen. Nun steht erst einmal die Länderspielpause an. Nun soll erst einmal analysiert werden. „Das Ergebnis ist offen. Wenn du jetzt zum wiederholten Male das Spiel nicht gewinnst und die Tabellensituation natürlich irgendwie Woche für Woche prekärer ist, steht eins über allem und das was über allem steht, dann dass der 1. FC Köln in der Bundesliga bleibt.“

Auch Lukas Kwasniok äußerte sich zu seiner Situation: „Ich glaube, als Vereinsverantwortlicher schaut man in allererster Linie darauf, wie arbeiten die Jungs gemeinsam mit dem Trainer, was für eine Überzeugung ist vorhanden und sie können mir noch so viele Hindernisse in den Weg legen, egal ob es dann Unparteiische sind oder Verletzungen, wo wir heute einfach einen 19-Jährigen reingeworfen haben“, so der Trainer. „Das ist alles Teil des Lebens, das ist alles Teil dieses Jobs hier beim 1. FC Köln und ich glaube eins spürt man sehr wohl, ich mache das mit Hingabe, mit Liebe für den Verein, für die Mannschaft und das werde ich bis zum Schluss tun. Und ich gehe davon aus, dass Mitte, Ende Mai Schluss sein wird. Für diese Saison.“


Die Wende nach der Wende? Im Schicksals-Derby könnte sich für den 1. FC Köln ein Kreis schließen

Lukas Kwasniok im Spiel des 1. FC Köln bei Borussia Mönchengladbach
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Die Wende nach der Wende? Im Schicksals-Derby könnte sich für den 1. FC Köln ein Kreis schließen

Der 1. FC Köln hat beim 1:1 gegen den Hamburger SV zwar eine solide Leistung gezeigt, ein Befreiungsschlag im Abstiegskampf blieb aber aus. Während FC-Trainer Lukas Kwasniok derzeit weiterhin die Rückendeckung vom Kölner Sportchef Thomas Kessler genießt, könnte nun ausgerechnet das 100. Bundesliga-Derby gegen Borussia Mönchengladbach zum Schicksalsspiel werden. Gelingt dem 1. FC Köln im Derby der Turnaround?

Nach dem Remis gegen den HSV in der Vorwoche brauchen die Geißböcke unbedingt Punkte. Am liebsten schon am Wochenende im Derby. Ausgerechnet das leitete eigentlich die Wende in der Hinrunde ein – mindestens emotional.

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Gladbachs Trainer Eugen Polanski rührte mit seiner Mannschaft erstmal Beton an und überließ dem FC weitestgehend das Feld. Vermutlich ein wenig aus Respekt vor dem starken Saisonstart des kölschen Kontrahenten. Eventuell aber auch, weil der VfL-Übungsleiter zuvor beim Gegner bereits ein Problem ausgemacht hatte, das sich wie ein roter Faden durch den weiteren Verlauf der Saison zieht. Den Geißböcken fehlt es gegen defensiv agierende Teams meist an spielerischer Kreativität und Durchschlagskraft. Und so kam die 1:3-Derby-Niederlage nach einer der schwächsten Saisonleistungen des 1. FC Köln auch nicht völlig überraschend, hatte aber weitreichende Folgen.

Denn während Gladbach mit dem Erfolg einen wichtigen Schritt in Richtung Tabellenmittelfeld machte, wendete sich das Blatt mit diesem Spiel aus FC-Sicht zum Negativen. In den folgenden 16 Partien holte die Truppe von Köln-Coach Kwasniok nämlich gerade einmal elf Punkte. Berechnet man das Derby in der Hinrunde mit ein, sind es also elf Zähler in quasi einer Halbserie. Und damit eine zweifellos abstiegsreife Bilanz.

Kwasniok zwischen soliden Leistungen und fehlenden Punkten

Zum Rückrunden-Derby schließt sich nun gewissermaßen der Kreis, wenn auch unter veränderten Vorzeichen. Die Borussia aus Mönchengladbach holte nach dem Hinrundenspiel gegen die Kölner noch 19 weitere Zähler und hat sich aktuell immerhin vier Punkte Vorsprung auf Platz 16 erspielt. Unterdessen ist die Distanz des FC zum Relegationsrang auf ein mageres Pünktchen geschmolzen. Und so abgedroschen der Begriff des „Schicksalsspiels“ auch klingen mag: Genau zu diesem könnte das anstehende rheinische Duell (Samstag, 15:30 Uhr, Liveticker bei come-on-fc.com) nun werden.

In erster Linie für Lukas Kwasniok. Dem Kölner Cheftrainer kann man auf der einen Seite zugutehalten, dass seine Mannschaft sich nach wie vor ordentlich präsentiert und bislang in keinem Spiel auseinanderfiel. So kann der FC auch weiterhin das beste Torverhältnis der Tabellenkeller-Teams vorweisen. Zudem haben die Kölner noch einige Gegner auf Augenhöhe vor der Brust (Come on FC berichtete). Und es damit selbst im Fuß, den drohenden Abstieg in diesen ‚Sechs-Punkte-Spielen‘ zu verhindern.

Auf der anderen Seite spricht die Punkteausbeute der letzten Wochen aber gegen Kwasniok. Zwar ist dessen Verhältnis zu Kölns Sportboss Thomas Kessler offenbar weiterhin intakt – und es gibt zudem zumindest kein öffentlich verkündetes Ultimatum für den Chefcoach. Es gilt allerdings als wahrscheinlich, dass das Schicksal Kwasnioks als FC-Trainer eng an den Ausgang der Partie gegen Mönchengladbach geknüpft ist. Sollten die Geißböcke das Derby nicht gewinnen, wäre Kwasniok vermutlich nur noch schwer zu halten.

Schicksalsspiel als große Chance im Abstiegskampf

Die Begegnung mit dem alten Rivalen kann man aber durchaus auch als Schicksalsspiel für den FC selbst sehen. Denn trotz eines Kaders, der grundsätzlich das Zeug für einen gesicherten Mittelfeld-Tabellenplatz haben sollte, sowie stets ansprechenden Leistungen gegen die Top-Mannschaften der Liga, ist die Lage prekär. Das Kölner ‚Projekt Bundesliga‘ läuft nach nur einer Saison Gefahr, schon wieder beendet zu werden.

Ein Derby-Sieg könnte also dazu beitragen, genau dieses Szenario vorerst abzuwehren. Ähnlich wie für Borussia Mönchengladbach in der Hinrunde könnte die Partie nun in der Rückrunde auch für den 1. FC Köln zum Wendepunkt werden. Ein Wendepunkt, durch den die Geißböcke den Negativ-Trend stoppen, sich eine solide Ausgangsposition für die restlichen Spiele im Abstiegskampf verschaffen. Und womöglich auch einen in solchen Situationen branchenüblichen Trainerwechsel verhindern können.


Zu wenig Punkte, zu wenig Siege, eine verständliche Trainerdiskussion – Es gibt aber auch Argumente für Lukas Kwasniok

Wie geht es weiter mit Lukas Kwasniok beim 1. FC Köln?
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Zu wenig Punkte, zu wenig Siege, eine verständliche Trainerdiskussion – Es gibt aber auch Argumente für Lukas Kwasniok

Der Punkt in Hamburg verschafft dem 1. FC Köln nur kurz und ein wenig Luft. Vor dem Derby gegen Gladbach steht Lukas Kwasniok weiter unter Druck. Bei vielen Fans ist das Urteil über die Zukunft des Coachs bereits gefällt. Dabei gibt es auch Argumente, warum ein Trainerwechsel beim FC jetzt der falsche Schritt sein könnte beim 1. FC Köln: Drei Gründe gegen einen Trainerwechsel.

Der Punkt in Hamburg hilft dem 1. FC Köln nur kurzfristig. Vor dem Derby gegen Gladbach wird der Druck auf Lukas Kwasniok größer und die Trainerdebatte lauter. Doch es gibt auch Argumente, dass ein Wechsel auf der Bank derzeit der falsche Weg wäre.

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Die Geißböcke nahmen einen Punkt aus dem Spiel in Hamburg mit zurück ans Geißbockheim, der sich aufgrund der Leistung auf dem Platz eher wie eine Verlust anfühlte als ein Fortschritt. Rein rechnerisch treten sie damit im Tabellenkeller auf der Stelle: Aufgrund der Schützenhilfe des kommenden Gegners Borussia Mönchengladbach reichte das Unentschieden, um vorübergehend den Relegationsplatz auf Distanz zu halten. Die Elf von Eugen Polanski hatte am Freitag St. Pauli mit 2:0 geschlagen. Dennoch ist der Tenor in der Domstadt eindeutig: Nur ein Sieg hätte den Druck auf Trainer Lukas Kwasniok mindern können. So spitzt sich die Lage vor dem Derby gegen Gladbach am kommenden Samstag zu.

In regelmäßigen Abständen tauchen schon jetzt Gerüchte über mögliche Nachfolger auf der Trainerposition auf. Im Falle einer Niederlage gegen die Fohlen ist man sich vielerorts sicher: Die Zusammenarbeit mit Kwasniok würde damit ein Ende finden. Dabei sprechen gleich mehrere Gründe dafür, warum das keine gute Idee wäre.

Grund eins: Anpassungen tragen Früchte

Kurz vor Anpfiff kam dem Stadionsprecher des HSV, Christian Stübinger, eine Idee, wie er die Stimmung im Volksparkstadion zum Anpfiff hin noch weiter anheizen könnte. Er schnappte sich das Mikrofon und schoss gegen den FC, indem er auf die Schwäche der Geißböcke bei ruhenden Bällen hinwies. Bekanntlich flog ihm das in der 45. Minute um die Ohren, als Rav van den Berg eine Ecke per Kopf verlängerte und Said El Mala den Ball aus kurzer Distanz im Hamburger Tor versenkte. Die Gefahr nach ruhenden Bällen ist kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat der Umstrukturierung der Verantwortlichkeiten im Trainerteam für das Coaching bei Standards. Mitte Februar hatte man sich dazu entschieden, Hannes Dold von seinen Aufgaben zu entbinden und diese intern aufzufangen.

Mit Erfolg, wie die folgenden Wochen defensiver Stabilität nach Standards gegen den FC zeigten – und nun auch ganz offensichtlich in der Offensive beim Spiel in Hamburg. „Das Tor heute war ein Co-Trainer-Tor. Said war die ausübende Gewalt, indem er auf dem zweiten Pfosten durchgelaufen ist. Hinten am zweiten Pfosten wird das Geld verdient, vor allem bei Ecken. Das sind einfache Tore. Said hat das zu 100 Prozent umgesetzt. Und das ist ein Entwicklungsschritt, sich nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf einen Co-Trainer zu verlassen, der sagt: ‚Lauf durch!‘“, so Kwasniok. Fest steht, dass es den Verantwortlichen des 1. FC Köln durch eine ihnen sicherlich nicht leichtgefallene Personalentscheidung gelungen ist, eine der größten Problemherde erfolgreich anzugehen. Mit starren Strukturen und geringer Bereitschaft zur Selbstreflexion wäre dies nicht möglich gewesen.

Grund zwei: Das FC-Torverhältnis spricht Bände

Es ist fast schon zur Tradition geworden, dass, wenn beim 1. FC Köln der Haussegen schief hängt, Friedhelm Funkel als möglicher Interimstrainer gehandelt wird. Der 72-Jährige stärkte Kwasniok am Sonntag in der Sky-Sendung „Sky 90” den Rücken und führte ein überzeugendes Argument ins Feld: „Die Art und Weise, wie sie bisher gespielt haben, war in Ordnung! Man darf nicht vergessen, dass sie in dieser Saison noch keine einzige hohe Niederlage hinnehmen mussten. Sie haben von den Mannschaften, die um den Klassenerhalt kämpfen, mit Abstand das beste Torverhältnis. Das ist sehr wichtig. Das kann den entscheidenden Punkt bringen.“ Allein das Torverhältnis bewahrte Köln nach der Niederlage gegen den BVB vor dem Relegationsplatz. Kwasniok selbst hatte schon vor geraumer Zeit betont, dass er plane, für den Klassenerhalt über die volle Distanz gehen zu müssen. Dass es für die Geißböcke knapp werden würde, sollte deshalb nicht weiter überraschen. Und weil es so knapp ist, muss das vergleichsweise gute Torverhältnis im Tabellenkeller als Trumpf durchgehen.

Grund drei: Gegner von Kölner Kragenweite – diesmal aber richtig

Ein Blick auf die vergangenen Wochen zeigt, dass der Spielplan dem FC einiges abverlangt hat. Seit Beginn der Rückrunde traf Köln auf neun Gegner, sechs davon stehen aktuell in der oberen Tabellenhälfte. Vier dieser Teams gehören sogar zu den Top fünf. Gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte gab es bislang nur drei Spiele. Zwei davon gewann der FC gegen Mainz und Wolfsburg. Nun folgen Gegner, die eher von der Kragenweite der Kölner sind. Nach dem Derby gegen Mönchengladbach auf Rang zwölf warten Werder Bremen auf Rang fünfzehn und St. Pauli auf Rang sechzehn. Der HSV lässt sich gepflegt aus dieser Rechnung herausnehmen. Die Mannschaft von Merlin Polzin hat sich zuletzt deutlich von der Abstiegszone entfernt. Die letzte Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten im Tabellenkeller liegt für Hamburg mit dem 4:1 in Köln im November bereits einige Zeit zurück. Mit Heidenheim steht auch noch die Partie gegen das Schlusslicht an.

Zwischen Derby-Emotionen und Krisen-Management

Mit dem Heimspiel gegen Mönchengladbach bekommt Lukas Kwasniok vor der Länderspielpause die attraktive Chance, Ruhe in die Trainerdiskussionen in der Domstadt einkehren zu lassen. Er kann sich dabei auf die Unterstützung von Geschäftsführer Thomas Kessler verlassen. Noch vor dem Spiel gegen den HSV machte Kwasniok deutlich, wie sehr er Kesslers rationale Art, mit der aufgeheizten Stimmung in Köln umzugehen, schätzt. Ein unaufgeregtes Krisenmanagement kann Kwasniok am Standort Köln angesichts der Wucht der unzufriedenen und laut polternden Fanszene und Medien mehr gebrauchen denn je.


Duell der Entert(r)ainer: Sandro Wagner zu Gast bei Lukas Kwasniok 

Lukas Kwasniok und Sandro Wagner - zwei der neuen Trainer in der Bundesliga
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Duell der Entert(r)ainer: Sandro Wagner zu Gast bei Lukas Kwasniok 

Wenn der 1. FC Köln am Samstag zu Hause gegen den FC Augsburg antritt, treffen zwei der derzeit wohl unterhaltsamsten Trainercharaktere der 1. Fußball-Bundesliga aufeinander. Lukas Kwasniok und Sandro Wagner: Unterhaltung an der Seitenlinie.

Es ist das Aufeinandertreffen zweier starker Trainer-Charaktere: Wilde Emotionen, klare Haltung und keine Angst, anzuecken. Lukas Kwasniok und Sandro Wagner: Unterhaltung an der Seitenlinie.

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Auf der Pressekonferenz vor der Begegnung mit Ligakonkurrent FC Augsburg sprach FC-Coach Lukas Kwasniok über seine Arbeit im Verein: “Für mich ist es einfach wichtig, dass wir auf dem Platz gut mit der Mannschaft arbeiten können. Das ist meine Aufgabe. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, auf dem Feld besser zu werden. Mein Hauptfokus liegt auf der Entwicklung der Mannschaft. 80 bis 90 Prozent meiner Arbeit fließen in die Entwicklung der Mannschaft.” Der Fokus liegt auf dem Sportlichen. Ein Credo, das Lukas Kwasniok und viele andere Bundesligatrainer so häufig runterbeten wie nur wenige andere Fußballfloskel.

Doch im Hinblick auf das Spiel gegen den FC Augsburg werden diese Gebete sicher nicht von allen erhört werden. Denn das Spiel gegen die Fuggerstädter erhält seine Brisanz auch durch das, was sich am Samstag ab 15:30 Uhr in den Coaching-Zones abspielen könnte. Dann heißt es nämlich nicht nur 1. FC Köln gegen den FC Augsburg oder Tabellenplatz sechs gegen Platz 14, sondern eben auch Lukas Kwasniok gegen Sandro Wagner, ein Duell besonders unterhaltsamer Trainertypen.

Kwasniok über Wagner: „Augsburg ist einen wichtigen Schritt gegangen“

In Köln blickt man zufrieden auf den Ligastart mit zehn Punkten aus den ersten sechs Spielen zurück. Vor dem Aufeinandertreffen mit dem FCA ist die Stimmung beim Aufsteiger durchweg positiv. Auch Wagner und seine Mannschaft konnten zuletzt gegen den VfL Wolfsburg den langersehnten Befreiungsschlag nach vier Niederlagen in Folge erzielen. Das 3:1 der Augsburger vor heimischem Publikum war ein Schlüsselsieg nach dem Negativlauf und eine beträchtliche Leistung, so Lukas Kwasniok auf der Pressekonferenz vorab: “Der FC Augsburg hat sich nach langjähriger Zugehörigkeit in der Bundesliga dazu entschlossen, einen weiteren Schritt zu gehen, indem er einen jungen, aufstrebenden Trainer verpflichtet hat. Ich finde, sie haben einen sehr guten Beginn hingelegt“, so Kwasniok, der dann aber auch die Negativspirale der letzten Wochen beschrieb. „Umso beachtlicher war die Leistung gegen Wolfsburg, denn das zeigt, dass Trainer, Mannschaft und Verein einen absoluten Zusammenhalt nach innen und außen ausstrahlen.“

Wagner über Kwasniok: „Eine Bereicherung für die Bundesliga“

Gut 500 Kilometer südlich von Köln fand Sandro Wagner gestern seinesfalls lobende Worte für Kontrahent Kwasniok: „Er ist ein herausragender Trainer und ein cooler Typ. Ich finde, er ist eine Bereicherung für die Bundesliga. Man erkennt klar, was der 1. FC Köln gegen und mit dem Ball machen will, insbesondere in den ersten Minuten im eigenen Stadion.“ Der Vollständigkeit halber Wagners Einschätzung ließe sich wie folgt ergänzen: Klarheit im Spiel, Klarheit in der Meinung. So äußerte der 44-Jährige einmal gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“: „Wenn die Gefahr bestünde, dass ich durch die Fußballwelt eines Tages aalglatt werden würde, wäre ich raus.“

Wie sich Kwasniok diesen Ruf erarbeitet hat, zeigen zwei Beispiele. Nach einer 1:2-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC in der abgelaufenen Zweitligasaison als Coach des SC Paderborn etwa prangerte er öffentlich die mangelnde Qualität seiner Mannschaft an: „Wir machen einfach zu viele Fehler, und das ist ein Qualitätsproblem“, sagte er damals der Sportschau. Eine wirksame Kritik an den Vereinsverantwortlichen, die den Kader nach diesem öffentlichen Rundumschlag unter anderem mit Marvin Mehlem und Manuel Riemann verstärkten. Im Dezember 2024 machte er kein Geheimnis aus seiner Meinung, als Paderborn einen Wechsel im Winter zum Hamburger SV verweigerte: „Man hat mir eine Lebenschance genommen. Das ist für mich extrem enttäuschend“, sagte er in diesem Zusammenhang.

Ein Faible fürs Anecken

Der Kölner Coach hatte bei seinem Amtsantritt in Köln bereits angedeutet, dass Fußball in erster Linie Unterhaltung und Spektakel sei. Ob im Trikot an der Seitenlinie oder mit breitem Grinsen bei den Pressekonferenzen – genau das lebt Kwasniok. Meinungsstarke Auftritte wie jene des Kölner Coachs sind aber auch eine Spezialität von Wagner. So fiel er jüngst beim Sieg seiner Mannschaft gegen Wolfsburg mit einer Handgeste auf, die man durchaus als Provokation in Richtung seiner Kritiker gedeutet haben könnte. Wagner selbst klärte später gegenüber der BILD auf: „Großartig Winken war es nicht. Ich habe eher mit meiner Familie gelabert, die haben mir erzählt, was in den letzten Wochen los war. Das war ein Zeichen an meine Family.“

Auch eine seiner Aussagen im Duell seiner Augsburger gegen den FC Bayern München schlug große Wellen. Nach der 3:2-Niederlage gegen den Rekordmeister äußerte der 37-Jährige gegenüber den Journalisten: „Ich sehe nicht, dass wir weniger Qualität haben als Bayern. Sehen Sie das vielleicht so? Ich sehe das jedenfalls nicht so. Ich sehe uns auf keiner Position im ganzen Verein von der Qualität her schlechter aufgestellt.“ Angesichts der erwartungsgemäß heftigen Reaktionen schob er später nach: „Ich glaube, dass ich vielleicht zwei Stunden später einen Tick anders geantwortet hätte. Aber ich habe die Frage so verstanden, dass wir auf allen Positionen qualitativ im Nachteil sind. Das konnte ich für mich nicht akzeptieren. Da tat ich mich einfach schwer und hätte wahrscheinlich auch nicht schlafen können.“

Spektakel vorprogrammiert?

Beide Trainer verbindet auch ihr Umgang mit dem Medientrubel, den sie erzeugen. Kwasnioks Credo, den Fokus aufs Sportliche zu legen, ergänzte Wagner auf der PK gestern um eine weitere Maßnahme, die angesichts der Diskussionen um ihn nur folgerichtig scheint: „Ich nehme das gar nicht wahr, weil ich seit Wochen nicht mehr viel lese, da ich mich auf meine Arbeit fokussieren will. Ich schaue immer zu den erfahrenen Personen in meinem Gewerbe auf. Es gibt viele ältere Trainer, die mir seit Jahren sagen: ‚Wenn du in der Bundesliga ankommst, darfst du nichts mehr lesen!‘ Denn wenn du Spiele gewinnst, macht das etwas mit dir, und wenn du Spiele verlierst, auch.”

Auch wenn Sandro Wagner sie nicht lesen wird: Für alle anderen bleibt abzuwarten, ob das Aufeinandertreffen der beiden Entertrainer weitere Geschichten schreiben wird (Samstag, 15:30 Uhr, abrufbar im Liveticker auf come-on-fc.com).