Die beiden El-Mala-Brüder auf dem Fußballplatz vereint? Die Geschichte der Fußball-Romantik muss noch auf sich warten lassen: Malek El Mala stand gegen Schalke erstmals im Bundesliga-Kader des 1. FC Köln, zum Einsatz kam der Angreifer allerdings nicht. Unter den Fans sorgt das für Diskussionen. Schließlich fehlen dem FC sämtliche klassischen Mittelstürmer und kreative Ideen. Doch wäre ein Einsatz des 21-Jährigen tatsächlich die richtige Entscheidung gewesen?
Es wäre die Geschichte des Spieltags gewesen. Said und Malek El Mala, die eng verbundenen Brüder, die so viele Schritte ihrer Karriere gemeinsam gemacht haben, auf dem Platz auf der Jagd nach Toren. Aus der Geschichte wurde nichts. Noch nicht. Denn Malek stand zwar gegen die Knappen erstmals im Kader, zum Bundesliga-Debüt reichte es für den älteren der beiden El Malas nicht. Und das sorgte angesichts der fehlenden Torgefahr, der Sturmflaute der Geißböcke für viel Gesprächsbedarf. Nicht wenige Fans fragten sich, warum der 21-Jährige nicht seine Chance erhielt. Zumal die Routiniers ebenfalls nicht vor Offensivdrang sprühten.

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Die Kritik an René Wagner war am Samstag im Stadion deutlich zu hören. Sie war aber auch im Nachhinein an vielen Stellen deutlich zu lesen. Ein Kritikpunkt: die Wechselstrategie des Trainers. Das Herausnehmen von Mikey Moore, auch von Said El Mala wurde kritisiert. Aber auch die Nicht-Berücksichtigung von Malek El Mala, der sich mit fünf Toren, davon drei in den vergangenen beiden Spielen, in der Regionalliga in den Fokus geschossen hat. Gleichzeitig fehlten den Profis mit Ragnar Ache, Thijs Dallinga und Imad Rondic sämtliche gelernten Mittelstürmer. Warum also nicht einfach dem Nachwuchsspieler eine Chance geben? Eine nachvollziehbare Forderung. Denn die Kölner werden schon lange für ihre gute Nachwuchsarbeit gelobt, sind auch selbst und das zu Recht stolz, wenn es um die Förderung der eigenen Talente geht.
Wie der 1. FC Köln seine Nachwuchsspieler bewertet
Und so war der Tenor der ein oder anderen Kritik eine folgerichtige Frage: Wenn der 1. FC Köln für seine Nachwuchsarbeit gelobt wird, wann sollen die Talente dann den nächsten Schritt machen, wenn nicht in einer personellen Ausnahmesituation? Die Diskussion ist alles andere als neu. Schon im Sommer wurden die Verantwortlichen auf einem Mitglieder-Stammtisch mit der Frage konfrontiert, warum der FC junge Spieler unter anderem aus England verpflichtet, während eigene Talente auf ihre Chance warten. Mit Mikey Moore und Reigan Heskey kamen bekanntlich zwei Nachwuchsspieler von der Insel, während Youssoupha Niang und Fynn Schenten verliehen wurden. Moore hat sich im Profiteam etabliert, gilt auch in England als eins der größten Talente des Landes und hat schon reichlich Erfahrung vor dem FC gesammelt, Heskey kommt bislang vor allem als Ergänzungsspieler zum Einsatz.
Thomas Kessler erklärte damals, dass der Verein grundsätzlich eigene Talente bevorzugen wolle, sofern diese die notwendigen Voraussetzungen mitbrächten. Die internationalen Neuzugänge verfügten allerdings teilweise über Fähigkeiten, die in der eigenen Akademie aktuell nicht in vergleichbarer Form vorhanden seien. „Wir haben vereinzelt Spieler in den Kader dazubekommen, die über Profile oder Qualitäten verfügen, die wir aktuell nicht in unserer Akademie abgebildet haben“, sagte der Geschäftsführer. Die Antwort auf diese Frage ist also die wahrgenommene Qualität. Die reichte bei den verliehenen Spielern noch nicht für das nationale Oberhaus, bei den jungen Engländern aber schon, so die Denke. Und die Einsätze von Moore sind in der Tat vielversprechend, wenn auch noch nicht im erhofften zählbaren Bereich.
Malek El Mala: Der schwierige Sprung von der Regionalliga in die Bundesliga
Es ging damals um die internationalen Neuzugänge und die verliehen Youngster – nicht um Malek El Mala, dem man beim FC eine Zukunft in der Bundesliga durchaus zutraut. Aber dennoch liegt darin ein wesentlicher Punkt der aktuellen Debatte. Denn zwischen der Regionalliga und der Bundesliga bestehen dann doch noch erhebliche Unterschiede. Tempo, Intensität und individuelle Qualität der Gegenspieler sind auf einem anderen Niveau. Gute Leistungen in der vierten Liga lassen deshalb nur bedingt Rückschlüsse darauf zu, ob ein Spieler den Anforderungen der Bundesliga bereits gewachsen ist. Hinzu kommt bei Malek El Mala seine Verletzungshistorie. Der Angreifer wurde in den vergangenen Monaten mehrfach zurückgeworfen. Kessler hatte deshalb bereits im September erklärt, dass regelmäßige Einsätze über 90 Minuten in der U21 für seine Entwicklung wertvoller sein könnten als wenige Minuten bei den Profis.
Nun stand El Mala gegen Schalke allerdings erstmals im Bundesliga-Kader. Warum also nicht wenigstens für einige Minuten auf dem Platz? Wie schwierig der Sprung zwischen den Spielklassen ist, verdeutlicht eine Kicker-Auswertung aus dem Jahr 2023. Demnach schafften seit der Einführung der fünfgleisigen Regionalliga zur Saison 2012/13 lediglich sieben Spieler ohne vorherige Bundesliga-Erfahrung den direkten Wechsel aus der vierten Liga und kamen in ihrer ersten Saison auf mindestens zehn Bundesliga-Einsätze. Allerdings ging es bei der Untersuchung um Spieler, die von einem Regionalligisten zu einem Bundesligisten wechselten, nicht um Talente, die innerhalb ihres Vereins an die Profimannschaft herangeführt werden.
Einer der sieben Spieler war Denis Huseinbasic, der 2022 von Kickers Offenbach zum FC wechselte und sich unter Steffen Baumgart schnell etablierte, später sogar international spielte. Nachdem es zuletzt nicht mehr für Einsatzminuten gereicht hat, folgte im Sommer der Wechsel zu Braga. Auch Hendrik Weydandt gelang 2018 bei Hannover 96 der direkte Sprung. Der Angreifer wechselte 2018 von Germania Egestorf/Langreder zu den 96ern und erzielte in seiner ersten Bundesliga-Saison immerhin sechs Tore in 28 Begegnungen. Zuvor hatte er in zwei Regionalliga-Spielzeiten 26 Treffer erzielt. Nach dem Abstieg blieb Weydandt allerdings in der 2. Bundesliga. In vier Spielzeiten kam er dort auf 18 Tore in 110 Begegnungen. Solche Beispiele zeigen, dass der Weg möglich ist. Sie machen aber auch deutlich, wie außergewöhnlich er bleibt.
Was Malek El Malas fünf Tore über seine Bundesliga-Reife aussagen
Wie schwierig der Weg aus dem Nachwuchs in den Profifußball ist, verdeutlichen auch Zahlen des DFB. In Deutschland gibt es 58 Nachwuchsleistungszentren, 13 davon in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt werden dort rund 2400 Talente gefördert. In der vergangenen Saison schafften weniger als 30 Spieler den Sprung in die Bundesliga. Auch der Weg in die drei höchsten deutschen Spielklassen gelingt nur einem kleinen Teil der Nachwuchsspieler. Verschiedene Erhebungen beziffern die Erfolgsquote auf etwa ein bis drei Prozent. Die Zahlen beziehen sich zwar auf unterschiedliche Zeiträume und Vergleichsgruppen, verdeutlichen aber, wie schwer es für junge Spieler ist, sich im Profifußball durchzusetzen.
Die Beispiele zeigen vor allem eines: Selbst auffällige Leistungen in der Regionalliga lassen nur bedingt Rückschlüsse auf die Bundesliga zu. Ob Malek El Mala den Anforderungen bereits gewachsen ist, lässt sich von außen kaum beurteilen. Seine fünf Saisontore sind dafür ebenso wenig ein ausreichender Maßstab wie die Erfahrungen anderer Spieler beim Sprung aus der vierten Liga.
Allerdings ging es gegen Schalke auch nicht darum, dem 21-Jährigen sofort einen Stammplatz zu geben. Angesichts der fehlenden Mittelstürmer und der harmlosen Kölner Offensive war die Frage nach einem Kurzeinsatz durchaus berechtigt. Die Verantwortlichen kennen El Malas körperlichen Zustand und seine Entwicklung besser, als es von außen möglich ist. Seine erstmalige Berufung in den Bundesliga-Kader zeigt zumindest, dass er näher an die Profis herangerückt ist. Warum Wagner gegen Schalke dennoch auf einen Einsatz verzichtete, bleibt offen.
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