René Wagner vom 1. FC Köln
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82 Schüsse, aber nur sechs Großchancen: Die FC-Offensive ist nicht so stark, wie sie aussieht

Die Defensive des 1. FC Köln gilt als Baustelle, die Offensive dagegen als verlässlich. Ein Blick auf die Zahlen relativiert das: Der FC schießt oft, kommt aber nur selten in wirklich gute Lagen. Besonders der Derbysieg gegen Gladbach offenbarte dabei ein kurioses Bild. Nun wartet mit Eintracht Frankfurt ein Gegner, der defensiv noch größere Probleme hat.

Der 1. FC Köln blickt auf einen soliden Saisonstart zurück. Nach fünf Spieltagen steht die Mannschaft von René Wagner mit sieben Punkten auf dem zehnten Platz und damit im Tabellenmittelfeld. Acht erzielte Treffer und zehn Gegentore auf der Gegenseite – allerdings erzählen diese Zahlen nur einen Teil der Geschichte. Denn die Kölner haben aus ihren Möglichkeiten bislang zu wenig gemacht und auf der anderen Seite mehr Gegentreffer kassiert, als die Qualität der gegnerischen Chancen erwarten ließ. Vor dem Duell mit Eintracht Frankfurt lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf die Statistik.

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Der Fußball ist in den vergangenen Jahren immer datenbasierter geworden. Einer der bekanntesten Werte sind die Expected Goals (xG). Sie beschreiben, wie wahrscheinlich es anhand verschiedener Faktoren ist, dass ein Abschluss zu einem Treffer führt. So lässt sich die Qualität der herausgespielten Chancen besser einordnen. Beim FC zeigt sich nach fünf Spieltagen eine leichte Abweichung zwischen den erwarteten und den tatsächlich erzielten beziehungsweise kassierten Toren.

82 Torschüsse, aber der FC kreiert zu wenige Torchancen

Auf den ersten Blick wirkt die Kölner Offensive gefährlich: 82 Torschüsse in fünf Spielen, mehr als 16 pro Partie. Doch die Menge täuscht. Denn Abschluss ist nicht gleich Abschluss und Chance nicht gleich Chance. Diese als Beweis für die Stärke der Offensive aufzuführen ist zu einfach. Denn aus all jenen Abschlüssen entstanden gerade einmal sechs Großchancen, genutzt hat der FC davon zwei. Mit beiden Werten liegen die Kölner im unteren Tabellendrittel. Das Problem ist also nicht nur, dass der FC zu wenig aus seinen Chancen macht. Er erspielt sich schlicht zu selten echte.

Dass dem FC vor dem Tor oft die letzte Präzision fehlt, ist spätestens seit den Ausfällen von Ragnar Ache und Thijs Dallinga keine Neuigkeit mehr. Von den ohnehin wenigen Großchancen blieben vier ungenutzt. In den ersten fünf Spielen erspielten sich die Domstädter Chancen, aus denen statistisch gesehen insgesamt neun Tore hätten entstehen sollen, es waren acht. Beim Derbysieg gegen Borussia Mönchengladbach gelang es dem FC, aus den erwarteten 1,32 Toren insgesamt zwei zu erzielen. Hört sich gut an. Kurios ist jedoch, dass die Führung durch Isak Johannesson mit 0,04 und der Siegtreffer von Said El Mala mit 0,03 zu den Schüssen mit der geringsten Trefferaussicht des gesamten Spieltags gehörten. Die übrigen Kölner Abschlüsse kamen zusammen auf 1,25 erwartete Tore – blieben allerdings allesamt ohne Erfolg.

Die beiden sehenswerten Treffer verdeckten damit, dass die Geißböcke ihre aussichtsreicheren Möglichkeiten nicht nutzen konnten. Die beiden Traumtore passen ins Bild: Der FC trifft eher aus Lagen, aus denen kaum jemand trifft, als aus den Lagen, die ein Tor wahrscheinlich machen. Darauf lässt sich keine Offensive bauen. In der Defensive läuft es für den FC ebenfalls schlechter, als die Zahlen es hergeben. Zehn Gegentore waren es bisher, statistisch erwartbar waren allerdings nur neun. Diese Differenz ist jedoch wohl kaum auf Schlussmann Marvin Schwäbe zurückzuführen, der sein Team schon mehrfach mit sehenswerten Paraden im Spiel hielt. Stattdessen wurden einige gegnerische Torschüsse unglücklich abgefälscht oder hätten bereits in der Entstehung verhindert werden müssen.

Eintracht Frankfurt kassiert deutlich mehr Gegentore als erwartet

Beim kommenden Gegner sind die Unterschiede zwischen den erwarteten und tatsächlichen Gegentoren noch auffälliger. Eintracht Frankfurt hat nach fünf Spieltagen bereits 16 Gegentreffer kassiert. Der entsprechende xGA-Wert liegt bei rund 13. Die Hessen mussten damit drei Tore mehr hinnehmen, als aufgrund der zugelassenen Chancen statistisch zu erwarten gewesen wäre. Besonders deutlich wurden die Defensivprobleme beim jüngsten 0:6 gegen RB Leipzig. Die Eintracht offenbarte erhebliche Schwierigkeiten, gegnerische Angriffe zu verteidigen. Für die Kölner Offensive könnte das eine Gelegenheit sein, ihre bislang nur teilweise genutzten Möglichkeiten konsequenter auszuspielen.

Interessant ist dabei auch der Vergleich der Angriffsleistungen. Während der FC acht Treffer erzielte, kommt Frankfurt auf neun Tore. Auch die Expected-Goals-Werte liegen bei beiden Mannschaften ungefähr bei neun. Zumindest nach diesen Zahlen haben sich beide Teams bislang Chancen von ähnlicher Qualität erarbeitet. Allerdings brauchten die Kölner dafür 82 Torschüsse, die Eintracht nur 68. Auf jeden Kölner Abschluss kommen damit im Schnitt rund 0,11 erwartete Tore, bei der Eintracht sind es gut 0,13. Frankfurt kommt mit weniger Schüssen zu gleich guten Chancen – genau das, was der Kölner Offensive bislang fehlt. Der entscheidende Unterschied zeigt sich vor allem in der Defensive: Frankfurt kassierte sechs Gegentore mehr als Köln und ließ auch statistisch deutlich gefährlichere Möglichkeiten zu.

Warum der FC gegen Frankfurt seine Chancen nutzen muss

Für René Wagner ergibt sich daraus eine interessante Ausgangslage. Seine Mannschaft trifft auf einen Gegner, der defensiv verwundbar erscheint, offensiv aber ebenfalls gefährlich werden kann. Entscheidend dürfte deshalb sein, wie konsequent die Kölner ihre Möglichkeiten nutzen und wie gut sie gleichzeitig die eigenen defensiven Schwächen kontrollieren. Das Derby hat gezeigt, dass der FC auch aus wenig aussichtsreichen Abschlüssen Tore erzielen kann. Darauf verlassen sollte sich die Mannschaft allerdings nicht. Denn solche Treffer sind gerade deshalb bemerkenswert, weil sie statistisch nur selten gelingen.

Gegen Frankfurt bietet sich nun die Gelegenheit, genau daran zu arbeiten. Eine Abwehr, die zuletzt beim 0:6 gegen Leipzig auseinanderfiel, lässt Räume für die Großchancen, die dem FC bislang fehlen. Mehr Schüsse braucht die Mannschaft dafür nicht – bessere schon. Ob ihr das gelingt, zeigt sich heute Abend.

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