René Wagner beim Spiel der Geißböcke gegen Union Berlin
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Kommentar zum 1. FC Köln: Das 5:0 liefert René Wagner gute Argumente – nimmt ihm aber gleichzeitig Ausreden

Fünf Tore, attraktiver Offensivfußball und Euphorie im Stadion. Der FC hat die passende Antwort auf die trostlose Nullnummer gegen Schalke geliefert. Zudem hat das Spiel gleich mehrere Kritikpunkte an René Wagner widerlegt. Doch der Kantersieg verändert auch die Erwartungen an den Trainer. Denn der FC hat nun bewiesen, dass deutlich mehr als „alles reingeworfen“ möglich ist.

Am Samstag noch „Wagner raus“, am Dienstag schon wieder „FC international“: Beim 1. FC Köln hat sich die Stimmung innerhalb weniger Tage gedreht. René Wagner hat mit dem Duell gegen die Eisernen Argumente für sich und seine Arbeit gesammelt. Doch eine Trendwende ist es nicht. Und die Mannschaft hat dem Coach auch die Möglichkeit potenzieller Ausreden genommen.

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Das Wetter hatte am Dienstagabend wohl eher zum Auftritt von Samstag gepasst. Dauerregen in Köln. Die Stimmung im Stadion des 1. FC Köln war anders. Denn dort lief beim Kantersieg über den 1. FC Union Berlin wieder viel Richtung heikel Sonnenschein. Als dann die Fans vom europäischen Geschäft sangen, freute sich der TV-Kommentator, dass „man in Köln“ wieder jedes Klischee bediente. Tatsächlich ist die Stimmungsschwankung beim FC aktuell eine erstaunliche. Am Samstag zu Tode betrübt, am Dienstag himmelhochjauchzend – um in dem „typisch kölschen“ Bild zu bleiben. Oder anders: Am Samstag „Wagner raus“-Rufe, am Dienstag dann doch lieber „FC international“. Der Auftritt gegen den 1. FC Union Berlin hat nun mal wirklich für viel entschädigt. Das 5:0 war endlich mal wieder ein Fußballfest im Kölner Stadion – und der Moment des Genießens darf auch noch ein wenig andauern.

René Wagner und der 1. FC Köln: Das 5:0 liefert Antworten auf die Kritik

Denn die Geißböcke haben nicht nur die richtige Antwort auf die trostlose Nullnummer gegen den FC Schalke 04 aufs Kölner Parkett gelegt, der FC hat gleich an vielen Stellen die Meinung einiger kritischen Stimmen widerlegt. Köln entwickelt keine Torgefahr? Der xGoals-Wert von 3,1 deutet auf das Gegenteil. Der Kölner Offensive fällt nichts ein? Ein 5:0 spricht eine andere Sprache. Die Defensive ist nicht sattelfest? Zum zweiten Mal in Folge kein Gegentor. Der FC ist bei Standards anfällig? Der letzte Gegentreffer nach einem ruhenden Ball datiert vom 19. September. Wagners Wechsel haben keinen Einfluss auf das Spiel? Gegen Union brachten es die eingewechselten Spieler auf zwei Tore und eine Vorlage. Tatsächlich hat der Coach sogar taktisch einige Dinge verändert, um das Spiel seiner Mannschaft zu optimieren – offenbar erfolgreich.



Karneval in Kölle! Oder? Nein! Ein Pokalspiel ist noch keine Trendwende. Die fehlende Konstanz, die Schwierigkeiten im Angriff, die trostlosen Begegnungen gegen Gegner auf Augenhöhe und die bisherigen Ligaergebnisse bleiben auch nach dem Kantersieg Teil der Bilanz. Wer nach dem 5:0 sämtliche Kritik für überholt hält, die Leistungen und Probleme ad acta legt, der macht es sich genauso einfach, wie derjenige, der zuvor nur in René Wagner den Grund allen Übels gesucht hat. Denn auch nach dem 5:0 gab es einen anderen Teil der Wahrheit – wie auch Joel Schmied zu recht bemerkte. Unnötige Ballverluste (wie von Jahmai Simpson-Pusey), gravierende Stellungsfehler (wie beim Kopfball von van den Bosch), fahrlässig vergebene Chancen (wie bei Linton Mainas Pfostenschuss) – das ist keine Schwarzmalerei, das ist ebenfalls ein Teil der Geschichte, die man laut Schmied mit einem „zugedrückten Auge“ nach einem Sieg gerne so hinnimmt.

1. FC Köln: Warum der Pokalsieg die Erwartungen an René Wagner erhöht

Nochmal: Das 5:0 braucht man nicht klein reden, nur sollte man es auch nicht größer machen als es ist. Der Begriff Befreiungsschlag etwa passt vielleicht auf das befreiende Gefühl nach trostlosen Wochen, in der Liga hat sich bekanntlich aber nichts an der mageren Ausbeute von acht Punkten in sieben Spielen verändert. Oder anders gefragt: Wie ist die Stimmung rund ums Geißbockheim, wenn die Kölner am Sonntag eben keine Punkte aus Köpenick mit nach Hause nehmen? Dann hätte der FC nach Hamburg, Bremen, Schalke und vielleicht auch Frankfurt gegen einen fünften direkten Konkurrenten im Kellerkampf nicht dreifach gepunktet. Aus jenen vier Begegnungen holten die Kölner ganze zwei Zähler. Immerhin gab es im Derby den erhofften Dreier, der in der ganzen Statistik gegen direkte Konkurrenten natürlich nicht fehlen darf.

Der Erfolg über Union hat ganz nebenbei einen Effekt auf ein Thema, das René Wagner selbst aufgemacht hat. Das der Erwartungshaltung. Die sei in Köln riesig, hatte der Coach nach dem Schalke-Spiel moniert und so die kritischen Stimmen gegen ihn und die Mannschaft erklärt. Nun, glaubt man den Klischees über die Domstadt, ist das 5:0 nicht weniger als ein Brandbeschleuniger. Natürlich erwartet der Großteil der Kölner Fans am Sonntag kein ähnliches Feuerwerk, keinen weiteren Kantersieg, die FC-Anhänger wissen, dass es ein anderes Spiel, unter anderen Voraussetzungen ist. Und dennoch: Bislang ließ sich manches mit Verletzungen, Umstellungen und fehlender Eingespieltheit erklären. Jetzt hat die Mannschaft aber selbst einen Maßstab gesetzt. Sie hat gezeigt, dass sie auch unter schwierigen Voraussetzungen überzeugend auftreten kann.

Der Pokalerfolg gegen die Eisernen hat René Wagner gute Argumente geliefert. Er hat ihm aber auch mögliche Ausreden genommen: Zum Beispiel, dass mit dieser Mannschaft derzeit kaum mehr möglich sei, als einfach nur alles reinzuwerfen.

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