Angeschlagen, gesperrt, nicht in Form – Droht gegen Frankfurt ein Sechser-Engpass beim 1. FC Köln?
Hendrik Broschart
Sperren, Verletzungssorgen und fehlende Alternativen zwingen möglicherweise auch Trainer René Wagner zu kreativen Lösungen. Wer rückt gegen Eintracht Frankfurt ins defensive Mittelfeld? Es droht ein Mittelfeld-Problem beim 1. FC Köln.
Keine Verschnaufpause am Geißbockheim: Nach dem emotionalen Derby gegen Mönchengladbach gerät das Herzstück der Kölner Mannschaft ins Wanken. Ausfälle und Unsicherheiten könnten auch René Wagner vor eine knifflige Personalfrage stellen und lassen offen, wer im Duell mit Eintracht Frankfurt im Zentrum die Kontrolle übernehmen soll.
Das Derby gegen Borussia Mönchengladbach liegt weniger als eine Woche zurück – und dennoch hat sich die Welt am Geißbockheim in dieser kurzen Zeit auf den Kopf gestellt. Die Konsequenzen der verlorenen Punkte im Rheinderby für die Position des Cheftrainers der Kölner sind weitreichend bekannt. René Wagner befindet sich mitten in den Vorbereitungen für das Aufeinandertreffen mit Albert Riera und seinen Frankfurtern. Für diese knifflige Aufgabe muss sich der 37-Jährige insbesondere in der Zentrale möglicherweise eine Lösung überlegen. Denn diese ist aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Stammpersonal zu besetzen. Trotz der Länderspielpause wirft das Duell gegen Eintracht Frankfurt seine langen Schatten voraus und drängt die Frage auf: Wen lässt FC-Coach Wagner im Zentrum des FC starten?
Martels Gelb-Rot-Sperre kommt zur Unzeit
Es war eine der strittigsten Szenen im Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Erst wurde Martel zum Helden, als er nach einer Ecke von Florian Kainz per Kopf den 3:3-Endstand gegen die Fohlen erzielte. Nur wenige Augenblicke später kippte die Stimmung: Kurz nach der Fortsetzung der Partie sah Schiedsrichter Sören Storks ein Foul von Martel am Gladbacher Joe Scally als ahndungswürdig an und zeigte ihm die zweite Gelbe Karte des Abends. Martel konnte die harte Schiedsrichterentscheidung nicht nachvollziehen und bewertete die zweite Karte als leichtfertigen Eingriff in den Spielverlauf: „Das ist natürlich dann wieder ein Momentum, das vielleicht auf uns rübergegangen wäre. Wenn du hier kurz vor Schluss den Ausgleich schießt, hast du noch wahrscheinlich zehn Minuten zu spielen. Mit den Fans im Rücken, glaube ich, hätten wir schon gute Chancen gehabt, das Spiel noch zu drehen.“
Echte Alternativen sind rar
Martels Sperre könnte auch deshalb zu einem noch größeren Problem werden, weil ein Einsatz seines Mittelfeld-Partners Tom Krauß derzeit ungewiss ist. Dieser meldete sich beim Aufwärmen unmittelbar vor dem Derby mit Knieproblemen ab. Der 23-Jährige musste beim Trainingsauftakt unter Wagner noch pausieren, konnte bis einschließlich Freitag nicht mit der Mannschaft trainieren. Die Länderspielpause kommt dem Rekonvaleszenten demnach gerade recht. Krauß, der sich bei den jüngsten Auftritten unter Kwasniok noch als veritable Alternative auf der rechten Außenverteidigerposition empfohlen hat, wäre, wenn er fit wäre, durch die Rückkehr von Sebastian Sebulonsen Wagners erste Wahl für einen Startelfeinsatz.
Sollte Krauß gegen die Frankfurter nicht wieder fit sein, muss René Wagner gleich in seinem ersten Spiel notdürftige Lösungen auf der Sechserposition suchen. Mittlerweile wenig überraschend käme zur Not auch Jakub Kaminski infrage, der in dieser Saison nur im Spiel gegen den SC Freiburg neben Krauß den offensiven Part übernommen hat. Allerdings würde man den 23-Jährigen dann wieder um seiner Qualität in der Offensive berauben. Darüber hinaus könnte Isak Johannesson als Alternative im Mittelfeld infrage kommen. Beide Akteure haben jedoch ein offensives Profil und müssen als Notlösung betrachtet werden. Gleiches gilt für Florian Kainz und Denis Huseinbasic, deren Qualitäten nicht den Anforderungen von knallharten Aufräumern entsprechen, die gerne die sogenannte „Drecksarbeit“ verrichten. Zudem waren beide zuletzt eher zweite Wahl.
Kleine Stellschrauben, große Wirkung beim 1. FC Köln? René Wagners Plan für den Klassenerhalt
Hendrik Broschart
Nach dem Aus von Lukas Kwasniok richtet sich der Blick nun nach vorn: Kann der neue Coach dem Team rechtzeitig neues Leben einhauchen, bevor es gegen Eintracht Frankfurt ernst wird? So will René Wagner den 1. FC Köln auf Kurs bringen.
Zwischen vorsichtigen Anpassungen, psychologischem Feingefühl und der Hoffnung auf den berühmten Trainereffekt geht es für Köln um mehr als nur Punkte – es geht um Selbstvertrauen, Klarheit und den Glauben an die eigene Stärke.
Welche Stellschrauben gilt es vor dem Spiel für Interims-Coach René Wagner zu drehen? (Foto: Bucco)
Eine knappe Woche als Cheftrainer des 1. FC Köln liegt hinter René Wagner. Nach dem großen Medienrummel um die Entlassung seines ehemaligen Vorgesetzten Lukas Kwasniok kann der 37-Jährige das Wochenende dank der Länderspielpause nochmal zum Durchatmen nutzen, bevor sein erster Auftritt an der Seitenlinie gegen Eintracht Frankfurt ansteht. Mit Spannung wird erwartet, ob Wagner den Bock vielleicht sogar schon gegen die Eintracht umstoßen kann. Hat er, wie von Geschäftsführer Thomas Kessler angepriesen, die engere Verbindung zu seiner Mannschaft nutzen können? Sind alle Wogen geglättet und alle Akteure wieder in einem Boot? Für die kommenden Aufgaben des zweitjüngsten Bundesliga-Trainers stellt sich die alles übertreffende Frage: Was kann Wagner in der kurzen Zeit verändern, damit die Kölner ihren ersten Sieg seit Ende Januar einfahren können?
Kleine Änderungen mit großer Wirkung
Nicht allzu viel, wenn man den Worten Kesslers und Wagners folgt. Denn trotz der schlechten Punkteausbeute seien die Geißböcke meist in der Lage, mehr herauszuholen, als die Tabelle letztendlich hergab. „Die Mannschaft hat die Qualität, die Saisonziele zu erreichen”, ordnete Kessler am Montag ein. “Man hat Woche für Woche gesehen, dass die Mannschaft auf dem Platz alles gibt. Und manchmal fehlten eben nur Kleinigkeiten“, so der 40-Jährige. Dennoch kündigte der Sportchef Veränderungen an: „Ich glaube, es ist von Vorteil, wenn du jemanden hast, der die Mannschaft in all ihren Stärken und Schwächen kennt. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass man vielleicht die eine oder andere Stellschraube anders dreht als in den Wochen zuvor.“
Worin genau Wagners Ideen für Veränderungen liegen, dazu wollten weder er selbst noch Kessler Genaueres erzählen. Einzig in einer Angelegenheit ließ sich der Coach in die Karten gucken: „Es gibt immer Jungs, die unzufrieden mit der aktuellen Situation sind. Aber genauso gibt es Spieler, die super zufrieden mit der Situation waren. Um die muss man sich kümmern. Spielern, die in den letzten Spielen eine tragende Rolle gespielt haben, geht es vielleicht jetzt nicht so gut mit dem Trainerwechsel, weil sie nicht wissen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert und ob sie noch die gleiche Position haben wie zuvor. Deswegen gibt es nicht nur Jungs, die mit breiter Brust hier rumlaufen, sondern auch solche, die sich Gedanken machen, was mit ihnen passiert“, so Wagner in einer Medienrunde am Dienstag.
Funkel: „Du musst ihnen Vertrauen aussprechen“
Wie so ein Feintuning aussehen kann, beschreibt einer, der diese Rolle in Köln bereits mehrfach eingenommen hat. Im Sportschau-Interview betonte Feuerwehrmann Friedhelm Funkel, was in seinen Augen der Erfolgsweg für Interimstrainer sei. Von entscheidender Bedeutung sei es, „eine Mannschaft zu überzeugen, ohne sie mit Informationen zu überfrachten“, so Funkel. Zu viele Vorgaben und Details lähmen laut Funkel die Kreativität sowie das situative Denken und Handeln auf dem Platz. Taktische Vorgaben seien zwar wichtig, aber nur in einem Maß, das den Spielern noch eigene Entscheidungen und Vertrauen lässt. Auch der Blick in die Zahlen stützt die These, dass Köln kein klassischer Abstiegsfall einer überforderten Mannschaft ist, sondern eher ein Team, das unter Wert punktet.
So zeichnen aktuelle Daten ein Bild, in dem Köln zwar einen leicht negativen xG-Saldo aufweist (1,43 xG for gegenüber 1,54 xG against pro Spiel), die tatsächlichen Gegentore mit 1,74 pro Partie aber deutlich höher liegen. Dies legt nahe, dass die Ergebnisse schlechter aussehen als die zugrunde liegende Leistung.
Durchschnaufen vor wegweisenden Wochen
Klarheit, eine gemeinsame Vision und die Überzeugung, Spiele gewinnen zu können. Darum wird es dem neuen Kölner Coach in den verbleibenden Tagen bis zu seiner Premiere als Cheftrainer auch gehen. In seinen Augen hat er noch ein Ass im Ärmel: „Ich glaube, dass mir meine Erfahrung beim 1. FC Köln jetzt beim zweiten Mal zugutekommt. Ich kenne die Leute und auch ein bisschen ihre Macken. Ich versuche vor allem im Staff, so zu kommunizieren, dass alle das Gefühl haben, gemeinsam etwas erreichen zu können.“ Es bleibt abzuwarten, ob Wagners Maßnahmen bereits im Spiel gegen Frankfurt fruchten können. Zunächst gilt es jedoch, die Länderspielpause zu nutzen, um für das Saisonfinale noch einmal alle Kräfte zu bündeln – und natürlich den Nationalspielern die Daumen zu drücken.
Interimscoach mit Innenblick: Kann René Wagner die Balance wiederfinden?
Hendrik Broschart
Ein neuer Impuls mit bekanntem Gesicht: Kann Co-Trainer René Wagner den 1. FC Köln im Abstiegskampf wachrütteln? Hat Geschäftsführer Thomas Kessler mit seiner Entscheidung das richtige Gespür bewiesen – oder pokert er zu hoch beim 1. FC Köln: Kann René Wagner Chefcoach?
Nach Lukas Kwasnioks Entlassung übernimmt Co-Trainer René Wagner beim 1. FC Köln. Thomas Kessler setzt auf dessen Nähe zur Mannschaft und hofft auf frische Energie im Kampf um den Klassenerhalt. Ob Wagner die Wende schafft, wird man sehen müssen.
Soll mit frischem Impuls die Wende einleiten: Interims-Trainer René Wagner. (Foto: Herbert Bucco)
Geschäftsführer Thomas Kessler kann die Länderspielpause gut gebrauchen. Hinter dem 40-Jährigen liegt ein Wochenende voller belastender Entscheidungen. So musste er sich nicht nur dazu durchringen, seinen Cheftrainer vor die Tür zu setzen und damit auch eine erste persönliche Niederlage in seiner strategischen Funktion einzugestehen. Zudem musste er schnell einen Nachfolger finden, der den Club aus dem Abwärtsstrudel der letzten Wochen wieder auf Kurs Klassenerhalt führen kann. Seine Wahl fiel auf den bisherigen Co-Trainer Kwasnioks, René Wagner. Eine Entscheidung, die nicht allzu naheliegend war. Kessler begründete die Entlassung Kwasnioks mit dem Bedürfnis nach einem frischen Impuls für das Saisonfinale. Doch ist der ehemalige Co-Trainer, der noch nie eine Partie als Cheftrainer auf Bundesliganiveau an der Seitenlinie stand, wirklich die richtige Wahl?
Neuer Impuls durch gleiches Personal?
Diese Entscheidung lässt sich nachvollziehen, wenn man den Begriff „Impuls“ genauer betrachtet. Die Geißböcke spielten unter Kwasniok keinen schlechten Fußball. Die ausbleibenden Erfolge sind vielmehr eine Folge unglücklicher Verkettungen von Umständen, auf die der geschasste Coach wenig Einfluss hatte. Verletzungen und individuelle Fehler haben den Kölnern wohl mehr Punkte gekostet als fragwürdige Trainerentscheidungen. Der gewünschte Impuls bezieht sich daher weniger auf das Sportliche.
Kessler setzt auf Wagner, weil dieser innerhalb der Mannschaft und des Vereins ein hohes Ansehen genießt. „Ich nehme die Jungs auch so wahr, dass sie es sehr wohlwollend empfunden haben, in den letzten Monaten mit René zusammenzuarbeiten. Daher hoffe ich natürlich auch, dass der ein oder andere Spieler einen engeren Zugang zu den Jungs hat.“ Der Haussegen am Geißbockheim hing unter Vorgänger Kwasniok zuletzt schief. Vielleicht traf der 44-Jährige ein oder zwei unpopuläre Entscheidungen zu viel und unterschätzte den Effekt der Ausbootung langjähriger FC-Profis wie Luca Waldschmidt oder Florian Kainz.
Wagenburgmentalität adé
Auf einer Medienrunde am Dienstagmittag erklärte Wagner, er wolle ein offenes Ohr für Sorgen und Zweifel seiner Spieler haben: „Es gibt immer Spieler, die mit der aktuellen Situation unzufrieden sind“, so der 37-Jährige. Missverständnisse will Wagner nicht nur bei Spielern aus der zweiten oder dritten Reihe ausräumen. Er wolle für alle da sein, machte der Interimscoach deutlich: „Aber genauso gibt es Spieler, die mit der Situation super zufrieden waren. Die gilt es aufzufangen. Die Spieler, die in den letzten Spielen eine tragende Rolle gespielt haben, denen geht es vielleicht jetzt nicht so gut mit dem Trainerwechsel, weil sie nicht wissen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert, ob sie noch die gleiche Position haben wie zuvor.“
Gelingt es Wagner, den Störfaktor Unzufriedenheit bis zum Spiel gegen Frankfurt auszumerzen, hätte er eine große Baustelle geschlossen. Denn Unzufriedenheit und Grüppchenbildung haben nachweislich gravierende Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft. Solche Spannungen hemmen insbesondere in entscheidenden Zweikämpfen die letzte Überzeugung. Eine neue Gesprächskultur, wie Wagner sie pflegt, kann diesen negativen Emotionen entgegenwirken. Offenheit, Vertrauen und weniger Stress in Trainings- und Spielsituationen fördern Motivation und Zusammenhalt – die Grundlagen für sportlichen Erfolg.
Kann Wagner Chefcoach?
Ob Kessler mit Wagner als Interimscoach zu viel riskiert, lässt sich womöglich mit einem Blick nach Wales beantworten. Forscher der Universität Cardiff haben in einer groß angelegten Studie untersucht, wie sich ein Trainerwechsel auf die Leistung einer Mannschaft auswirkt. Das Ergebnis: Der Erfolg nach einem Wechsel hängt nicht von der bisherigen Trainererfahrung ab. Weder fehlende Erfahrung noch der Status als ehemaliger Spitzenspieler schmälern laut den Forschern die Wirkung eines Trainerwechsels. Entscheidend scheint vor allem der Effekt der Veränderung selbst, nicht die Eigenschaften des neuen Trainers.
Die Länderspielpause verschafft den Geißböcken nun etwas Zeit für die fußballerische Feinjustierung. Dabei komme es vor allem darauf an, trotz der Tabellensituation einen kühlen Kopf zu bewahren, so Wagner: „Ich glaube, dass wir jetzt einfach fokussiert und ein bisschen locker bleiben wollen. Durch meine Erfahrung beim 1. FC Köln kenne ich die Leute und ihre Macken. Ich versuche vor allem im Staff, so zu kommunizieren, dass alle das Gefühl haben, dass wir es gemeinsam schaffen können.“
Vom Co- zum Cheftrainer – und das über Umwege: René Wagner übernimmt beim 1. FC Köln
Hendrik Broschart
René Wagners ungewöhnlicher Weg führte ihn vom College-Fußball in den USA über Stationen im Nachwuchsbereich und als Analyst auf die Trainerbank des 1. FC Köln. Nun befindet sich der 35-Jährige mitten im Abstiegskampf und nimmt seine bislang größte Herausforderung als Interimstrainer an. 1. FC Köln: Das Wagnis René Wagner beginnt.
Montagnachmittag war es soweit: Interimscoach René Wagner betrat zum ersten Mal in seiner Rolle als Cheftrainer das Trainingsgelände am Geißbockheim. Geschäftsführer Sport Thomas Kessler setzt große Stücke auf das Trainertalent, dass gegen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen die Wende einläuten soll.
Absolvierte am Montag die erste Einheit als Interimstrainer des 1. FC Köln (Photo by Maja Hitij/Getty Images)
Bei bestem Frühlingswetter betrat der Interimstrainer zum ersten Mal in seiner neuen Funktion das Grün am Geißbockheim. Weniger als zwei Wochen bleiben ihm, um seine Mannschaft auf das Duell gegen Eintracht Frankfurt vorzubereiten. Thomas Kessler äußerte, er habe vollstes Vertrauen in Wagner. „Wir waren sehr froh, dass wir ihn im Sommer davon überzeugen konnten, dann wieder zum ersten Mal zu Köln zu kommen.“ Kessler begründete die Entscheidung für Wagner mit dessen persönlicher Bindung zu ihm und seiner Überzeugung, dass dieser auch fachlich der Aufgabe gewachsen sei: „Ich kenne ihn schon lange und begleite ihn schon eine Weile. Ich bin von seiner fachlichen Expertise maximal überzeugt. René ist ein sehr smarter Mensch, der einen guten Umgang mit dem Staff und der Mannschaft hat. Und ich traue ihm absolut zu, jetzt diese Rolle einzunehmen.“
Spannender Werdegang
Doch wer ist dieser Mann, dem Kessler die Wende im Abstiegskampf zutraut? Wagners Weg auf den Chefsessel am Geißböcke (Wenn auch zunächst nur Interimsweise) kann man als atypisch beschreiben. Der gebürtige Dresdener feierte den Höhepunkt seiner aktiven Karriere in der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden und beim VfL Oldenburg, bekam als Akteur auf dem Platz allerdings nie so richtig einen Fuß in die Tür, wie er in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärte. “In meiner Zeit als Spieler habe ich in der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden gespielt und auch immer mal wieder mit den Profis mittrainiert. Aber mir wurde relativ schnell klar, dass das nichts wird mit der Profikarriere. Dann sprach mich eine Agentur an, die junge Sportler an Colleges in die USA vermittelt. Ich hatte die Möglichkeit, dort mit einem Stipendium zu spielen. Das fand ich spannend.”
So zog es ihn im Jahr 2013 nach Hawaii. Bald schon machte er in Übersee seine ersten Schritte an der Seitenlinie – zunächst als Nebenjob neben dem Studium, später dann als Jugendtrainer in einer Akademie in Florida. Von dort aus ging es weiter zu Inter Miami, wo er die U17 und U19 des damals neu gegründeten Vereins von England-Legende David Beckham trainierte. Über einen Kontakt gelangte er aus dem Sunshine State nach Ostwestfalen, wo er unter Steffen Baumgart als Analyst und im Scouting Fuß fasste. Baumgart folgte er nach Köln und weiter in den Norden zu den Vereinen HSV und Union Berlin. Zu Beginn der laufenden Spielzeit sorgte er nach fünf Jahren für einen Tapetenwechsel: Er und seine Frau zogen zurück in die Domstadt. Dort wurde er nach Vermittlung durch Thomas Kessler Teil des Teams von Lukas Kwasniok.
Neue Impulse durch engere Bindung zur Mannschaft
Nun trägt Trainertalent Wagner die Hauptverantwortung in der Domstadt. Am Montag erklärte Kessler, warum dies aus seiner Sicht der richtige Weg sei, worin Wagners große Stärke liege und was ihn von seinem ehemaligen Chef Lukas Kwasniok unterscheide. „Er ist ein sehr kommunikativer Mensch, hat auch eine Art, Leute mitzunehmen. René hat natürlich auch den großen Vorteil, dass er in unserer internationalen Mannschaft quasi sein eigener Simultandolmetscher sein kann. Ich habe selbst jemanden erlebt, der in Ansprachen zur Mannschaft auf Deutsch und Englisch sehr natürlich mit der Mannschaft sprechen kann, sodass auch die Emotionen übertragen werden“, schlussfolgerte der Geschäftsführer. Einer der Gründe für die Trainerentlassung sieben Spieltage vor Saisonende war, dass man sich für das Saisonfinale frische Impulse wünschte.
Wie diese Entscheidung für die interne Lösung Pro-Wagner damit zusammenpasse, erläuterte Kessler wie folgt: „Es hat eben nicht so viel gefehlt. Die Mannschaft hat die Qualität, die Saisonziele zu erreichen. Man hat Woche für Woche gesehen, dass die Mannschaft auf dem Platz alles dafür gibt. Manchmal fehlten eben nur Kleinigkeiten. Ich glaube, dann ist es von Vorteil, wenn du jemanden hast, der die Mannschaft mit all ihren Stärken und Schwächen kennt. Es liegt in der Natur der Sache, dass man vielleicht die eine oder andere Stellschraube anders dreht als in den Wochen zuvor“. Ausschlaggebend war auch die enge Beziehung zwischen Wagner und den Spielern. In diesem Aspekt geriet Ex-Coach Kwasniok bekanntlich mehrfach in die Kritik. „Ich nehme die Jungs so wahr, dass sie es sehr wohlwollend empfunden haben, in den letzten Monaten mit René zusammenzuarbeiten. Daher hoffe ich natürlich auch, dass der eine oder andere Spieler einen engeren Zugang zu den Jungs hat“, sagte Kessler.
Ist Kesslers Lösung zu gewagt?
Es bleibt abzuwarten, ob Wagner, für den es die erste Cheftrainerposition im Profifußball ist, die Geißböcke aus der Krise führen kann – zunächst gegen Frankfurt und dann gegen Bremen. Dabei schwebt über dem Wagner-Experiment insbesondere die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, auf einen unerfahrenen Coach zu setzen? Ja, meint Kessler. Mit der Unterstützung des jüngst verpflichteten Co-Trainers Armin Reutershahn gebe man Wagner geballte Bundesliga-Erfahrung mit auf den Weg. „Was man natürlich nicht wegdiskutieren kann, ist, dass er in der Bundesliga noch nie eine Mannschaft als Cheftrainer geleitet hat. Und da war für uns klar, dass wir ihm jemanden zur Seite stellen wollen, der sowohl charakterlich als auch fachlich zu ihm passt und eben auch die Erfahrung hat.“
Kommentar: Zwischen Leidenschaft und Kontrollverlust
Hendrik Broschart
Kommentar: Der 1. FC Köln zieht die Reißleine und trennt sich von Lukas Kwasniok. Doch hinter der Entlassung steckt mehr als nur eine schwache Punkteausbeute. Warum ein Trainer mit klarer Idee, aber fehlender Balance am Ende an sich selbst und seinem Umfeld scheiterte beim 1. FC Köln: Zwischen Leidenschaft und Kontrollverlust
Seit Sonntagabend ist das Aus von FC-Trainer Lukas Kwasniok offiziell. Die Gremien, die über die Entscheidung diskutierten, tagten lange, bis ein Ergebnis feststand.
Nach 27 Spielen an der Seitenlinie ist Schluss für Lukas Kwasniok.
Am Sonntagabend machte der Verein das Unausweichliche offiziell: Der 1. FC Köln und Lukas Kwasniok gehen noch vor der Länderspielpause getrennte Wege. Trainer-Talent Robert Wagner, im Sommer als Co-Trainer von Union Berlin ans Geißbockheim gekommen, übernimmt die Mannschaft vorerst. Die Entlassung nach dem Derby ist die logische Folge der desaströsen Kölner Durststrecke. Der letzte Sieg liegt mehr als fünf Wochen zurück. Sportdirektor Thomas Kessler äußerte sich folgendermaßen: „Lukas’ Fußballwissen und seine fachliche Expertise sind unbestritten. Er hat unsere Mannschaft mit großer Sorgfalt und hohem Engagement vorbereitet. Trotz leidenschaftlicher Auftritte war zuletzt ein klarer Abwärtstrend erkennbar. Wir haben zu wenige Punkte geholt – das ist die Realität“.
Zwei Siege in fünf Monaten sowie drei Punkte aus den Duellen gegen Hoffenheim, Hamburg und Gladbach waren am Ende zu wenig. Mit 0,96 Punkten pro Spiel weist Kwasniok eine Bilanz auf, die historisch schwach ist für einen Trainer mit vergleichbarer Amtszeit beim FC. Und doch dürfte die Entscheidung den Verantwortlichen alles andere als leicht gefallen sein.
Der Trainerposten beim FC wird einmal mehr zum heißen Stuhl
Denn zur Wahrheit gehört, dass Kwasniok genau für das verpflichtet wurde, was ihm nun möglicherweise zum Verhängnis wurde. Seine Emotionalität, seine Energie und seine klare fußballerische Idee passten perfekt zur Aufbruchstimmung nach dem Aufstieg. Er sollte Euphorie entfachen, dem Spiel eine Handschrift verpassen, welche den neuen Ansprüchen der Domstädter gerecht wird. Das gelang ihm in der Anfangsphase eindrucksvoll. Doch spätestens im Winter geriet dieses Konstrukt aus der Balance. Kwasniok verlor zunehmend das richtige Maß zwischen dem Anspruch, Dinge zu verändern sowie das Maximum aus der Mannschaft herauszuholen, und dem Gespür dafür, wann er Spieler und Umfeld überfordert. Seine Intensität wurde offenbar vom Erfolgsfaktor zum Risiko.
In dieser Entwicklung trägt auch die sportliche Leitung Verantwortung. Es wäre die Aufgabe von Thomas Kessler gewesen, moderierend einzugreifen, den Trainer einzufangen und in kritischen Phasen zur Mäßigung zu mahnen. Dass dies offenbar nicht gut genug gelungen ist, hinterlässt die erste sichtbare Delle in seiner Amtszeit als Sportdirektor. Denn am grundsätzlichen Profil Kwasnioks lässt sich wenig kritisieren. Es fehlte weder an Leidenschaft noch an Überzeugung oder Qualität, um mit Köln die Klasse zu halten. Auch das Verletzungspech spielte eine Rolle, etwa vor dem Derby mit dem Ausfall von Tom Krauß. Entscheidend war jedoch die Gemengelage aus Aufstiegseuphorie, vielversprechenden Transfers, starkem Saisonstart und wachsendem Erwartungsdruck.
Hinzu kamen personelle Entscheidungen, deren Tragweite Kwasniok womöglich unterschätzt hat. Die Degradierung etablierter Führungsspieler mit großem Einfluss auf die Kabine blieb nicht folgenlos. Spätestens seit dem „Kwasni Yok“-Protest aus der aktiven Fanszene war erkennbar, dass auch intern etwas mächtig ins Wanken geraten sein musste. So stellt sich die Frage, ob Kwasniok am Ende weniger an den sportlichen Herausforderungen scheiterte als an fehlender Feinfühligkeit im Umgang mit Mannschaft und Öffentlichkeit.
Nicht allein ein Trainerproblem
Am Ende bleibt ein ambivalentes Bild: ein Trainer, der das Spiel des FC belebt hat, dessen Intensität aber auch das Binnenklima überforderte. Kwasniok wollte vielleicht zu viel, zu schnell und verlor dabei das Gespür für den richtigen Ton in einer Stadt, die Emotionalität schätzt, aber ebenso Klarheit verlangt. Für den 1. FC Köln beginnt damit einmal mehr die Suche nach Stabilität – sportlich, strategisch und auf der Trainerbank. Und vielleicht sogar die Erkenntnis, dass dieses Kapitel mehr ist als nur das Scheitern eines Trainers.
Erneuter Ergebnis-Frust beim 1. FC Köln: Gegen Gladbach ist der FC wie vom Pech verfolgt
Hendrik Broschart
Trotz engagierter Leistung und einem wilden Derby gegen Gladbach bleibt der 1. FC Köln erneut unter seinen Möglichkeiten. Verletzungspech, bittere Einzelschicksale und fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen summierten sich zu einem Abend, an dem einfach alles gegen den FC und den Trainer lief. 1. FC Köln: Glücklos-Derby gegen Gladbach führt womöglich zum Trainer-Aus.
Im wilden Rheinderby zeigt der 1. FC Köln gegen Gladbach Moral und Comeback-Qualität, steht am Ende aber wieder mit zu wenig da. Verletzungen, unglückliche Aktionen und strittige Entscheidungen fügen sich zu einem Spiel, in dem dem FC schlicht alles gegen den Strich lief.
Auch gegen Borussia Mönchengladbach konnte die Sieglosserie nicht gebrochen werden beim 1. FC Köln (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)
Zaghafter Applaus hallte gestern Abend durch das sich rasch leerende RheinEnergieStadion. Die Geißböcke überzeugten zwar wieder mit ihrer Leistung in einem wilden Spiel, doch die Bilanz mit einem Punkt gegen Gladbach fällt erneut unzufriedenstellend aus. Sollte der FC St. Pauli am Sonntagnachmittag zu Hause gegen den SC Freiburg gewinnen, stünde der 1. FC Köln sieben Spieltage vor Saisonende erstmals unter dem Strich. Coach Lukas Kwasniok suchte hierfür gestern nach den richtigen Worten: „Ich weiß, dass in der Öffentlichkeit in erster Linie Ergebnisse als Argumente herangezogen werden und glaube aber, als Vereinsverantwortlicher schaut man in erster Linie darauf, wie die Jungs gemeinsam mit dem Trainer arbeiten und welche Überzeugung vorhanden ist“, äußerte der 44-Jährige gegenüber Sky. Im Duell gegen Gladbach habe man ihm Hindernisse in den Weg gelegt. „Egal ob es dann Unparteiische sind oder Verletzungen, wo wir heute einfach einen 19-Jährigen reingeworfen haben. Das ist alles Teil des Lebens, das ist alles Teil dieses Jobs hier beim 1. FC Köln.“
Cenny Neumann: Ein Startelfdebüt zum Vergessen
Und in der Tat: Ein Blick auf die 90 Minuten zeigt, wie viel an diesem Abend gegen den FC lief. Es begann mit der Hiobsbotschaft, dass der Aushilfs-Rechtsverteidiger Tom Krauß das Aufwärmen aufgrund von Knieproblemen abbrechen musste. Ersatzspieler Jan Thielmann war nach seiner Muskelverletzung noch nicht fit genug für einen Einsatz in der Startelf, schon gar nicht in einem intensiven Derby. So fiel die Wahl auf einen 19-jährigen Nachwuchsspieler, der vorwiegend in der Regionalliga West spielt und erst vor zwei Wochen gegen Borussia Dortmund seine ersten Schritte auf der ganz großen Bühne machen durfte. Für vier Minuten stand bis Cenny Neumann dahin auf dem Rasen in Müngersdorf.
Die Fohlen hatten seine Seite schnell als schwächstes Glied ausgemacht. So kam es, wie es kommen musste. Neumann war am 0:1 nach nur 28 Sekunden maßgeblich beteiligt, ließ sich obendrein vor dem 2:3 austanzen. Angesichts der enormen Erwartungshaltung und des Drucks kann man Neumann sicherlich keinen Vorwurf machen. Vielmehr ist es einmal mehr die Verletzungsproblematik, die dem FC in dieser Sache einen Strich durch die Rechnung machte.
Ex-Kölner Castrop wie entfesselt
Gegen seinen Ausbildungsverein wirkte Neumanns Gegenspieler Castrop wie entfesselt. Der Außenbahnspieler brach gegen den FC seinen Torbann, traf erstmals seit dem fünften Spieltag wieder und erzielte zudem zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Karriere zwei Tore in einer Partie. Die beiden Treffer schmecken ihm umso süßer, da er keine guten Erinnerungen an seine Zeit im Geißbock-Trikot hat. Denn bei den Profis bekam das Kölner Eigengewächs damals nicht die erhoffte Chance. „Ich war ein sehr ehrgeiziger junger Spieler und wollte so schnell wie möglich mein Debüt geben. Dann habe ich alle Spieler in meinem Jahrgang um mich herum gesehen. Ich habe gesehen, wie die ganzen Talente in ihren Mannschaften zu ihren ersten Spielen kamen. Und ich stand irgendwie auf der Stelle, kam nicht weiter. Das ist kein Vorwurf an Köln, es gibt kein böses Blut, aber natürlich war es enttäuschend für mich. Deshalb habe ich mir einen anderen Weg gesucht“, so der Gladbacher gegenüber Sky.
Sein Weg führte ihn im Januar 2022 nach Nürnberg und im letzten Winter schließlich an den Niederrhein zu Borussia Mönchengladbach. Für ihn schloss sich gestern mit dem Beinschuss an Schwäbe aus gut 13 Metern und dem Traumtor in den rechten Winkel der Kreis.
Schiedsrichterentscheidungen, die Fragen aufwerfen
Als ob das nicht schon genug wäre, verschaffte der Unparteiische Sören Storks den Geißböcken dann auch noch einen gravierenden Nachteil. Eric Martel holte sich in zwei nahezu identischen Aktionen die Gelb-Rote Karte ab. Zunächst traf der Ellbogen des Mittelfeldspielers Haris Tabakovic (73.), dann Joe Scally (86.) nach dessen Kopfballtreffer zum 3:3. Schiedsrichter Storks und seine Assistenten vergaben die zweite Karte damit in einer entscheidenden Phase der Partie. Thomas Kessler bewertete dies im Anschluss mit großer Enttäuschung. „Ich fand, dass wir heute viele Situationen hatten, bei denen ich mich wirklich gewundert habe, warum er so entschieden hat. […] Weil am Ende, in der Phase, in der du das 3:3 machst, winkt er Abseits und gibt dann noch eine Gelb-Rote Karte. Im Laufe des Spiels gab es viele gelbe Karten, bei denen ich mir wirklich Fragezeichen gesetzt habe.” Irritierend war sicherlich auch der Fakt, dass Storks und sein Team einen Ellbogencheck von Gladbachs Joey Scally gegen Martel, durch den der 23-Jährige Mitte der ersten Hälfte zu Boden ging, nicht ahndeten.
Stehen die Zeichen auf Abschied?
Alles in allem standen die Sterne über Müngersdorf für Lukas Kwasniok und seine Mannschaft maximal ungünstig. Die Verletzung von Krauß, Castrops Remontada und die fragwürdigen Entscheidungen von Sören Storks haben womöglich das Aus von Kwasniok in Köln besiegelt. In seinem womöglich letzten Interview nach einem Spiel ließ er es sich allerdings nicht nehmen, noch einmal eine Kampfansage loszuwerden.: „Das ist alles Teil des Lebens, das ist alles Teil dieses Jobs hier beim 1. FC Köln, und ich glaube, eins spürt man sehr wohl: Ich mache das mit Hingabe, mit Liebe für den Verein, für die Mannschaft, und das werde ich bis zum Schluss tun.“ Nun liegt es bei Geschäftsführer Kessler zu entscheiden, ob Kwasniok bereits vor der Länderspielpause seine Sachen packen muss. Darüber wird just in diesem Moment diskutiert. Kwasniok war schon am Geißbockheim, brach aber kurz danach wieder auf.
„Ein Moment kann alles verändern“: Das ist die größte FC-Baustelle für das Rheinderby
Hendrik Broschart
Die Standardschwäche ist endlich abgelegt, doch vor dem Derby verweist FC-Trainer Lukas Kwasniok auf die nächste Baustelle: Fehlende Härte in den Duellen. Warum das Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach zur echten Härteprobe werden wird für den 1. FC Köln: „Bin total transparent“- Hier sieht Kwasniok eine große Schwäche seiner Mannschaft
Die Standardschwäche scheint überwunden, doch vor dem Derby rückt die nächste Problemzone in den Fokus. Warum das Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach zur echten Härteprobe für den 1. FC Köln wird und wo Kwasniok die größte Schwäche seiner Mannschaft ausmacht.
Viel wurde in den vergangenen Wochen darüber diskutiert, worin ein Ausweg heraus aus der Ergebniskrise führen könnte. Thema war immer wieder die Standardschwäche der Geißböcke, hinter das Coach Lukas Kwasniok spätestens nach dem vergangenen Spieltag gegen den HSV ein Häkchen setzten kann – zumindest vorerst. Vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach wies Kölns Trainer nun eigenhändig auf eine andere Schwäche im Spiel der Geißböcke hin: “Wenn wir in einer Sache zulegen können, dann ist es meiner Meinung nach in der Zweikampfführung, in Duellen.“ Er arbeite daran, seine Mannschaft auf ein zweikampfbetontes Spiel einzustellen: “Die Probleme bei den Standards haben wir egalisiert. Wir haben viele Abschlüsse. Aber, das habe ich den Jungs auch schon heute gesagt, in einem Derby wird es eben darauf ankommen, Duelle zu gewinnen”, und schob kryptisch hinterher: “Wenn ich sie nicht gewinnen kann, dann verliere ich sie zumindest nicht.”
Gladbach dominiert die Lüfte, Ragnar Ache aber auch
Und tatsächlich trifft der FC im Duell gegen Gladbach auf eine überdurchschnittlich zweikampfstarke Mannschaft. Die Elf von Eugen Polanski dominiert zusammen mit dem VfB Stuttgart den Luftraum: 54,4 Prozent der Zweikämpfe in der Luft gehen auf das Konto der Gladbacher, während der FC hier nur auf 51,7 Prozent kommt. Dennoch gehören die Domstädter in dieser Kategorie zu den sieben besten Mannschaften der Beletage. Maßgeblichen Anteil daran hat Kopfballmonster Ragnar Ache. Der Mittelstürmer befindet sich nach 26 Spieltagen unter den drei Bundesliga-Spielern mit den meisten gewonnenen Kopfballduellen. Mit 125 erfassten Duellen liegt er knapp hinter Luka Vuskovic vom HSV (128) und Willi Orban von RB Leipzig (132).
Neben Ache spielt im Duell Mano a Mano Eric Martel eine Schlüsselrolle. Der defensive Mittelfeldspieler ist der beste Zweikämpfer auf dem Platz. Im ligaweiten Vergleich schafft er es unter die Top 20 der Duellanten. Martel langt dabei gerne auch kräftig zu: Der 23-Jährige hat in der laufenden Spielzeit bereits 34 Fouls am Gegner begangen und belegt damit den sechsten Platz in dieser Kategorie. Und Martels Robustheit und harte Gangart ist es, die sein Coach für das Derby einfordert.
Einstimmen auf eine raue Begegnung
Im Hinspiel habe man spielerische Lösungen gegen die Elf vom Niederrhein herangezogen. Beim Rückspiel am Samstag werde nun ein anderer Wind wehen, meinte Kwasniok: “Wir haben im Hinspiel versucht, mit Huseinbasic, Johannesson und Kainz im Zentrum mit drei guten Fußballern zu agieren. Das geht zu Lasten der Konterabsicherung, weil die Spieler natürlich auch irgendwann den Ball verlieren”. Winterneuzugang Felipe Chávez muss sich demnach weiter für einen ersten Startelfeinsatz gedulden. Der talentierte Peruaner kam auch gegen die passiven Hamburger nur auf einen Kurzeinsatz. Das wird sich am nächsten Spieltag nicht ändern, schlussfolgerte Kwasniok: „Deshalb bringt man gute Fußballer oftmals erst hinten raus, wenn man ein Spiel nicht komplett dominieren kann, und arbeitet mit einer gewissen Physis, mit Körperlichkeit, mit Geschwindigkeit und Robustheit ein Spiel ab.“
Kwasniok: „Im Fußball kann ein Moment alles verändern“
Wer auch immer das Privileg haben wird, im 100. Rheinderby (Anpfiff 15.30 Uhr, Abrufbar im Liveticker auf come-on-fc.com) von Beginn an mit dem Geißbock auf der Brust auf dem Rasen zu stehen, der hat insbesondere eine Aufgabe zu erfüllen: “Es gilt einfach, dass die guten Fußballer, wie Felipe, Luca, Isak, Kuba und Said, auch in der Defensive voll dagegenhalten können. Und zwar immer.” Am vergangenen Spieltag gegen den HSV wäre dies den Kölnern um ein Haar um die Ohren geflogen: “Wenn man sich anschaut, wie der Eckball in Hamburg entstanden ist – der einzige Eckball von ihnen in der 94. Minute – dann verlieren wir auf unserer linken Seite ein Duell. Wir sind dann in der Mitte einen Tick zu spät und verlieren im Fünfer fast ein Duell. Daraus resultiert der einzige Eckball. Wir waren in den meisten Momenten voll da, aber im Fußball kann ein Moment alles verändern.”
„Ohne Gejammer“ zum Klassenerhalt – Kwasniok kann auf Unterstützung von der Bank vertrauen
Hendrik Broschart
Vor dem Rheinderby setzt Trainer Lukas Kwasniok auch auf den Rückhalt von der Ersatzbank. Der FC-Coach schwärmte am Donnerstag von Geschlossenheit und Professionalität, sprach von “besonderen Momenten”. Dabei war das nicht immer so beim 1. FC Köln: Bankdrücker-Lob von Lukas Kwasniok.
Vor dem Rheinderby richtet Lukas Kwasniok den Blick bewusst auf die zweite Reihe. Was vor wenigen Wochen noch für Diskussionen sorgte, hat sich beim 1. FC Köln gewandelt. Die Ersatzspieler stellen sich in den Dienst der Mannschaft und werden vom Trainer nun als wichtiger Rückhalt im Abstiegskampf hervorgehoben.
Die Ersatzbank des 1. FC Köln gegen RB Leipzig (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)
Bevor die Geißböcke am Samstag im Rheinderby das nächste Schicksalsspiel antreten, arbeitet Trainer Lukas Kwasniok kräftig daran, nach außen Harmonie auszustrahlen. Hierfür lenkte er die Aufmerksamkeit vorab auch auf jene Spieler, die unter seiner Feder in letzter Zeit oder sogar bereits seit Saisonbeginn kürzer treten müssen: “Die Jungs waren sich auch der Situation vom ersten Spiel dran bewusst, dass es hier darum geht, den Klassenerhalt zu meistern. Und sie haben sich diesem Ziel von Beginn an untergeordnet”, führte der 44-Jährige aus. Das sei auch ein großes Lob an viele Spieler, die in der Vergangenheit in Köln durchaus etwas geleistet hätten und die auch viel Spielzeit hatten. “Die Situation hat sich dann für sie persönlich verändert. Oder auch Spieler, die zu Beginn der Saison gespielt haben bei mir und im Verlaufe der Saison vielleicht weniger agieren dürften”, so Kwasniok weiter.
Kwasniok: “Das Spiel ist das Tüpfelchen auf dem i”
Dass der Trainer die vermeintliche Ruhe auf der Ersatzbank so sehr zu schätzen weiß, hat Gründe. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, da rumorte es gewaltig am Geißbockheim. Mittelstürmer Luca Waldschmidt hatte zum Jahreswechsel offen über seine Probleme mit der geringen Einsatzzeit unter Kwasniok gesprochen. Die Ausbootung aus dem Kader für das wichtige Spiel gegen Heidenheim und die damit verbundene vorzeitige Abreise des Stürmers aus dem Wintertrainingslager in Spanien wurden damals als geeignete Maßnahmen angesehen, um Waldschmidt für die gestiftete Unruhe einen Denkzettel zu verpassen – so die externe Wahrnehmung. Mittlerweile ist Ruhe um den 29-Jährigen eingekehrt, obwohl sich die Lage im Vergleich zum Jahresbeginn nicht verbessert hat. Zuletzt saß er sogar gegen Dortmund und Hamburg über 90 Minuten auf der Bank. Diskussionen über Spieler, die wenige Einsatzminuten sammeln, seien nach Ansicht Kwasnioks indes allgemein irreführend.
“Du unterschreibst einen Vertrag und da steht drin, dass du ordentlich bezahlt wirst für Training, für Spiel. Und für mich ist immer dieses Spiel, das Tüpfelchen auf dem i, aber die Trainingseinheiten, dafür wirst du bezahlt. Dafür wirst du bezahlt, dass du jeden Tag Vollgas gibst. Und das haben die Jungs verinnerlicht, vom ersten Tag an.” Nach den Verstimmungen sei das Rollenselbstverständnis geklärt, der Trainer könne sich auf die Unterstützung aus der zweiten Reihe verlassen: “Es war eher zu Beginn der Saison so, dass ich auf diese Dinge hinweisen musste und das jetzt eher laufen lassen kann, weil ich sehr wohl spüre, wie ein Ron-Robert Zieler, von Bülti über Luca, Kainzi und Heinzi wissen, wir wollen den Verein in dieser Liga halten, auch wenn ich gerade jetzt wenig spiele. Das ist denen sehr wohl bewusst”.
„Ohne Gejammer“ zum Klassenerhalt
Ebenso klar ist, dass Florian Kainz nach Ende dieser Spielzeit seine Fußballschuhe an den Nagel hängen wird. Der Österreicher kam im ersten Saisondrittel noch als Ergänzungsspieler in der zweiten Hälfte zum Einsatz. In der zweiten Saisonhälfte saß er, wenn er überhaupt im Kader war, nur auf der Bank. Somit kommt Kainz in der Rückrunde bisher nur auf zwei Einsatzminuten. Das schmälert jedoch nicht im Geringsten seinen Beitrag im Kampf gegen den Abstieg. Seine abgebrühte und seelenruhige Art, die er mit seiner Erfahrung als dienstältester Geißbock in die Kabine einbringt, ist eine wichtige Stütze für seinen Cheftrainer.
Wenn nicht sogar die wichtigste, wie dieser am Donnerstag verlauten ließ: „Der Fußball gibt dir neben Siegen auch ganz viele tolle Momente. Und so einen tollen Moment sehe ich am 33. Spieltag vor Augen. Dafür musst du bereit sein, ein halbes Jahr, ein Jahr, ein Dreivierteljahr auch mal kürzer zu treten, ohne dass der Trainer dreimal die Woche mit dir spricht. Das sind ja Profis durch und durch, und ich muss sagen, das gibt mir extrem viel Kraft, vorneweg zu marschieren, weil ich hier kein Gejammer höre. Das ist der Geist, der uns zum Klassenerhalt tragen wird.“
Einerseits, andererseits: Soll Said El Mala den 1. FC Köln im Sommer verlassen? Gründe dafür und dagegen
Hendrik Broschart
Wie ein roter Faden ziehen sich die Transfergerüchte um Said El Mala durch die Saison. Nun soll der Kölner Youngster Brighton die Zusage gegeben haben. Die Entscheidung über den Abschied liegt aktuell einzig beim 1. FC Köln: Ein Pro und Contra zu einem möglichen Transfer von Said El Mala.
Es ist kaum vorstellbar, dass Said El Mala mit dem FC in die 2. Bundesliga geht. Aktuell sieht es so aus, als würde der Youngster die Geißböcke so oder so im kommenden Sommer verlassen. Tatsächlich gibt es dafür gute Gründe. Allerdings auch gute, die für einen Verbleib sprechen. Die COFC-Reporter Hendrik Broschart und Simon Bartsch haben die Argumente gesammelt.
Said El Mala jubelt nach dem Ausgleich gegen den FC Augsburg
Als Christian Keller im Sommer der Transfersperre nach und nach junge Talente unter Vertrag nahm und direkt wieder verlieh, da mag der ein oder andere Fan einen gewissen blinden Aktionismus beim damaligen Sportchef ausgemacht haben. Der Tenor „Hauptsache etwas machen“ hätte zwar nicht so wirklich zu dem Analysten Keller gepasst, eine etwaige Motivation wäre angesichts der trostlosen Transferzeit aber durchaus verständlich, wenn auch nicht zwingend logisch gewesen. Dass sich unter den verpflichteten Spielern ein absoluter Rohdiamant befinden würde, war nicht abzusehen, ist aber genauso eingetreten. Nicht nur das: Der kometenhafte Aufstieg von Said El Mala ist beeindruckend. Newcomer der 3. Liga, Bundesliga-Debüt, Topscorer der Geißböcke und Fast-Nationalspieler.
Erinnerungen an Lukas Podolski
Es ist nur folgerichtig, dass die Kölner Fans dem Shootingstar zu Füßen liegen und genauso folgerichtig ist der Vergleich zu Lukas Podolski. Am Geißbockheim gibt es zum ersten Mal seit dem Weltmeister von 2014 ein Eigengewächs, dass schon in seiner Premieren-Saison das Zeug zur Kölner Identifikationsfigur hat. Schon jetzt flitzen die El-Mala-Trikots in sämtlichen Größen über die Sportplätze des Rheinlands. Mit seinen 19 Jahren ist der gebürtige Krefelder der absolute Star der Mannschaft. Der Hype, dessen Ursprung den Medien nachgesagt wird, der aber zum Großteil der erstaunlichen Leistung des Offensivspielers geschuldet ist, ist die logische Konsequenz der unermesslichen Sehnsucht nach einem neuen Prinzen. Der Youngster ist Balsam auf der zuletzt doch arg geschundenen und strapazierten Geißbock-Seele.
In einer idealen rot-weißen Welt würde diese Liaison von gestillter Sehnsucht eines Kölner Stars und sportlicher Leistung niemals enden dürfen. Die Fußball-Welt ist weder rot-weiß noch ideal, dennoch lief auch ein Lukas Podolski drei Jahre für die Profis des FC auf, bevor es die spätere Legende in die weite Welt zog. Warum sollte El Mala nicht den gleichen Weg gehen? Dass der 19-Jährige kein fertiger Spieler ist, seine Baustellen hat, steht außer Frage. Der Youngster fühlt sich in Köln wohl, kennt das Umfeld, hätte einen Verein, bei dem er viel Spielzeit sammeln würde und sich so weiterentwickeln könnte. Es ist alles andere als gesagt, dass El Mala in England oder bei den Top-Teams Europas seine Einsatzzeit bekommen würde.
Was ist finanziell möglich?
Die verehrenden Kölner Fans würden dem Youngster sicherlich den ein oder anderen sportlichen Fehltritt verzeihen, wie sie es einst auch bei Prinz Poldi gemacht haben. Zweifelsfrei sind die kolportierten Millionen von 35 bis 45 Millionen Euro reizvoll, immerhin gibt es im Sommer einige Ablösen zu zahlen, die die Leihkonstrukte mit sich bringen, aber ist bei El Mala nicht noch mehr möglich? Mal angenommen, der 19-Jährige fährt doch mit zur WM und spielt ein starkes, ein erfolgreiches Turnier – bei der nächsten Einschätzung des Online-Portals transfermarkt.de würde die Ablöse sehr schnell die 50, vielleicht die 60-Millionen Euro-Marke knacken. Und dann würden andere englische Clubs andere Summen auf den Tisch schmeißen.
Auch mit einem weiteren erfolgreichen Jahr in der Bundesliga würde der Marktwert wohl noch einmal steigen. Der Vertrag läuft bekanntlich noch bis 2030, es gibt keine Ablöse. Der FC kann also locker eine weitere Saison die Entwicklung des Spielers abwarten und dann statt einer Hand beide Hände aufhalten. Vor allem aber zeigt die aktuelle Saison die sportliche Bedeutung des Youngster. Said El Mala hat neun Treffer erzielt, vier weitere vorbereitet. El Mala ist damit nicht nur an nahezu jedem dritten Treffer der Geißböcke direkt beteiligt, der Offensivspieler hat den Kölnern durch seine Tore viele Punkte beschert. Punkte, ohne die die Situation im Abstiegskampf nahezu aussichtslos wäre. Es wird schwer einen adäquaten Ersatz zu finden. Und in der jüngeren Vergangenheit haben die über Jahre hinweg nicht ersetzten Leistungsträger zu massiven Problemen geführt.
Andererseits…
Ein möglicher Wechsel von Said El Mala zu Brighton & Hove Albion hätte das Potenzial, zum Musterbeispiel für die strategische Neuausrichtung im erzielen hoher Transfererlöse durch die Ausbildung vielversprechender Talente zu werden. Aus Vereinssicht ist die Argumentation nahezu zwingend. Eine Ablösesumme von rund 35 Millionen Euro plus Boni, wie die „BILD“ zuletzt hat verlauten lassen, würde El Mala nicht nur zum teuersten Abgang der Vereinsgeschichte machen und den bisherigen Rekord von Anthony Modeste (Der Franzose ging damals für 29 Millionen nach China zu TJ Tianhai) klar übertreffen. Das wäre kein bloßer Transfererfolg, sondern ein Statement. Köln würde eindrucksvoll demonstrieren, dass der eingeschlagene Weg trägt. Junge Spieler verpflichten, entwickeln und gewinnbringend verkaufen. Ein Deal dieser Größenordnung wäre die Bestätigung dieses Modells in Reinform.
Endlich Ruhe im El Mala-Hype
Auch mit Blick auf das stets rumorende Innenleben des Klubs spricht vieles für einen Schnitt. Die Beziehung zwischen El Mala und Trainer Lukas Kwasniok entwickelte sich in dieser Saison zum wiederkehrenden Diskussionsthema. Jede Entscheidung rund um den Offensivspieler wurde seziert, jede Personalie aufgeblasen. Zwischenzeitlich entstand der Eindruck eines abgekühlten Verhältnisses. Ein Wechsel würde diese Dauerdebatte abrupt beenden und dem Umfeld des 1. FC Köln die dringend benötigte Ruhe verschaffen. Der Fokus könnte wieder konsequent auf dem Sportlichen liegen, statt auf Nebenschauplätzen. Es würden wieder Pressekonferenzen vergehen, an denen Kwasniok keine Frage zu El Mala beantworten müsste, was der FC-Coach sicherlich begrüßt.
Sportlich wirkt der Schritt ebenso folgerichtig. El Mala hat in der Bundesliga nachdrücklich bewiesen, wie schnell er sich an ein höheres Niveau anpassen kann. Der Sprung aus der dritten Liga galt einst als Wagnis, entpuppte sich jedoch als Erfolgsgeschichte. Heute steht ein Spieler, der nicht nur mithält, sondern Spiele prägt. Vor diesem Hintergrund verliert die Frage nach der vermeintlich zu großen Premier League an Gewicht. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
El Mala ist bereit für den nächsten Schritt
Brighton bietet dafür nahezu ideale Bedingungen. Der Klub steht wie kaum ein anderer für nachhaltige Spielerentwicklung auf höchstem Niveau. Junge Talente erhalten Vertrauen, Verantwortung und eine klare sportliche Perspektive. Gleichzeitig fungiert der Verein als Sprungbrett in die europäische Spitze. Für El Mala könnte der Wechsel an die Südküste Englands genau der entscheidende Zwischenschritt sein, um sich dauerhaft auf Topniveau zu etablieren. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist zudem das familiäre Umfeld. Berichten zufolge wäre auch ein Wechsel von Malek El Mala Teil des Gesamtpakets. Für Said El Mala wäre das ein entscheidender Stabilitätsanker.
Sein Bruder spielt eine zentrale Rolle in seiner Entwicklung. Dass ein früherer Wechsel zu Borussia Dortmund unter anderem an diesem Punkt scheiterte, unterstreicht die Bedeutung dieses Aspekts. In Brighton könnte er sportlichen Fortschritt und persönliches Gleichgewicht miteinander verbinden. Hinzu kommt die Arbeit unter Fabian Hürzeler. Der Trainer gilt als eines der spannendsten Profile im europäischen Fußball. Seine intensive, fordernde Spielweise verlangt den Spielern körperlich und mental alles ab. Genau darin liegt für El Mala eine große Chance. Bereits unter Kwasniok wurde deutlich, wie sehr ihn ein solches System fordert. In der Premier League wird diese Intensität zum Dauerzustand. Für einen Spieler mit seinem Potenzial gibt es kaum ein besseres Umfeld, um den nächsten Entwicklungsschritt zu erzwingen und sein Maximum abzurufen.
Fehler, Frust, Verwandlung: Ragnar Aches Wendepunkt beim 1. FC Köln
Hendrik Broschart
Vom Tiefpunkt zurück zur Topform: Ragnar Ache spricht über Selbstzweifel, Fehler und seinen Wendepunkt bei den Geißböcken. Eine ungewöhnliche Typveränderung brachte ihn zurück in die Spur und für den Klassenerhalt steht bereits die nächste bereit beim 1. FC Köln: Ragnar Aches besondere Wette für den Klassenerhalt.
Fehler entscheiden Spiele und prägen Karrieren. Ragnar Ache spricht offen über Druck, Kritik und seinen mentalen Tiefpunkt beim 1. FC Köln und darüber, wie ein ungewöhnlicher Neuanfang ihn zurück in die Spur brachte.
Seit er blond trägt, läuft es für Ragnar Ache. (Foto: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
“Fußball ist ein Fehlersport” so die Floskel, die einen festen Platz im Repertoire der Coaches hat, um nach 90 Minuten das Geschehene irgendwie in Worte zu fassen. In einem Podcast des 1. FC Köln haben sich daran nun Ragnar Ache und Denis Huseinbašić versucht.“ Fehler machen ist menschlich”, argumentierte Ache und zog Vergleiche mit den ganz großen seiner Zunft heran: “Ronaldo macht Fehler, Messi macht Fehler, Mbappé macht Fehler, Kvaratskhelia macht Fehler, Dembélé macht Fehler und der hat den Ballon d’Or gewonnen. Ich würde sagen, die besten Leute machen Fehler, ob es jetzt im Alltag ist oder auf dem Fußballplatz oder wo dann auch”.
Ache: „Da war ich kurz durch mit meinem Kopf“
Dass Fehler als professioneller Fußballer auf einem Rasen vor 50.000 Zuschauern eine andere Qualität haben als etwa beim Verwechseln von Salz- und Zuckerstreuer beim Frühstück, nehme er zwar wahr, gleichzeitig habe er hat aber einen gesunden Umgang damit entwickelt. “Von den ganzen Leuten drumherum, die kennen dich, aber die kennen dich gar nicht. Die wissen nicht, wie hart du daran arbeitest jeden Tag, die wissen nicht, was du zu Hause machst. Und die Leute haben dann meistens das meiste zu sagen über deine Fehler”. Priorität habe seiner Ansicht nach die Meinung seines direkten Umfeldes im Verein: “Am Ende des Tages musst du auf die Leute achten, die nah bei dir dran sind. Und wenn die sagen, okay, das ist ein Fehler und du kannst besser das und das machen, dann höre ich da eher drauf, als wenn jemand, der auf der Tribüne sitzt und noch nie in seinem Leben Fußball gespielt hat oder sowas.”
Ache, der in der zweiten Saisonhälfte in der Sturmspitze unangefochtene erste Wahl von Trainer Lukas Kwasniok ist, musste sich in der Hinrunde noch mit Startschwierigkeiten herumschlagen. Verletzungsprobleme bremsten ihn zunächst aus und er benötigte etwas Zeit, um sich in der Domstadt einzugewöhnen. So musste der Mittelstürmer bis zum neunten Spieltag warten, um sein erstes Tor im Trikot des FC zu erzielen. Doch auch der Treffer im Hinspiel gegen den Hamburger SV brachte nicht die Wende. Im Gegenteil, danach ereignete sich der Tiefpunkt seiner Zeit beim 1. FC Köln, ließ er verlauten: “Das lief ja gar nicht im Winter, oder kurz vor dem Winter. Da hat der Trainer mich ausgewechselt gegen Union. Da war ich kurz durch mit meinem Kopf.”
Kwasniok stand seinem Schützling stets zur Seite und betonte immer wieder, wie wertvoll Aches Fähigkeiten in der Luft und im Eins-gegen-Eins für die Domstädter sind. Dennoch zog er gegen die Köpenicker die Reißleine und nahm Ache nach nur 60 Minuten vom Feld. Auch in der folgenden Winterpause setzte sich dieser Trend fort, so Ache. “Im Trainingslager, genau das Gleiche. Da lief gar nichts. ich glaube, ich habe immer noch das von dem Union-Spiel einfach mitgenommen. Das saß die ganze Zeit in meinem Kopf. Ich war auch nicht ansprechbar, fast die ersten zwei Tage.“
Farbenfrohe Wette auf den Klassenerhalt
Nach der Winterpause ging es für die Kölner nach Heidenheim. Auch auf der Ostalb fehlte Ache die nötige Kaltschnäuzigkeit. Gleich zweimal bot sich ihm die Chance, seine Mannschaft in Führung zu bringen. Doch erst scheiterte der Mittelstürmer mit einem unplatzierten Volleyversuch aus sieben Metern an Heidenheims Schlussmann Diant Ramaj. In der ersten Minute der Nachspielzeit schoss er diesen erneut an, als er im Fünfmeterraum grätschend ungedeckt zum Abschluss kam. “Dann dachte ich nach dem Heidenheim-Spiel, ich muss irgendwas ändern. Und dann dachte ich, okay, neuer Start. Ich färbe meine Haare. Habe ich gemacht. Bis jetzt hat es geklappt.” Und wie: seitdem er die blondierten Haare trägt, war der 27-Jährige vier Mal erfolgreich vor dem gegnerischen Tor, netzte Doppelt gegen Mainz, traf auch in Stuttgart, dazu das Fallrückzieher-Tor gegen die TSG Hoffenheim.
Der Leistungsschub nach der Veränderung scheint demnach nicht an den Haaren herbeigezogen. Für die derzeit kriselnden Kölner hat sich der Stürmer deswegen den nächsten Coup zurechtgelegt. Sollte der FC den Klassenerhalt schaffen, will er sich die Haare rot färben.