Duell der Entert(r)ainer: Sandro Wagner zu Gast bei Lukas Kwasniok 

Lukas Kwasniok und Sandro Wagner - zwei der neuen Trainer in der Bundesliga
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Duell der Entert(r)ainer: Sandro Wagner zu Gast bei Lukas Kwasniok 

Wenn der 1. FC Köln am Samstag zu Hause gegen den FC Augsburg antritt, treffen zwei der derzeit wohl unterhaltsamsten Trainercharaktere der 1. Fußball-Bundesliga aufeinander. Lukas Kwasniok und Sandro Wagner: Unterhaltung an der Seitenlinie.

Es ist das Aufeinandertreffen zweier starker Trainer-Charaktere: Wilde Emotionen, klare Haltung und keine Angst, anzuecken. Lukas Kwasniok und Sandro Wagner: Unterhaltung an der Seitenlinie.

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Auf der Pressekonferenz vor der Begegnung mit Ligakonkurrent FC Augsburg sprach FC-Coach Lukas Kwasniok über seine Arbeit im Verein: “Für mich ist es einfach wichtig, dass wir auf dem Platz gut mit der Mannschaft arbeiten können. Das ist meine Aufgabe. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, auf dem Feld besser zu werden. Mein Hauptfokus liegt auf der Entwicklung der Mannschaft. 80 bis 90 Prozent meiner Arbeit fließen in die Entwicklung der Mannschaft.” Der Fokus liegt auf dem Sportlichen. Ein Credo, das Lukas Kwasniok und viele andere Bundesligatrainer so häufig runterbeten wie nur wenige andere Fußballfloskel.

Doch im Hinblick auf das Spiel gegen den FC Augsburg werden diese Gebete sicher nicht von allen erhört werden. Denn das Spiel gegen die Fuggerstädter erhält seine Brisanz auch durch das, was sich am Samstag ab 15:30 Uhr in den Coaching-Zones abspielen könnte. Dann heißt es nämlich nicht nur 1. FC Köln gegen den FC Augsburg oder Tabellenplatz sechs gegen Platz 14, sondern eben auch Lukas Kwasniok gegen Sandro Wagner, ein Duell besonders unterhaltsamer Trainertypen.

Kwasniok über Wagner: „Augsburg ist einen wichtigen Schritt gegangen“

In Köln blickt man zufrieden auf den Ligastart mit zehn Punkten aus den ersten sechs Spielen zurück. Vor dem Aufeinandertreffen mit dem FCA ist die Stimmung beim Aufsteiger durchweg positiv. Auch Wagner und seine Mannschaft konnten zuletzt gegen den VfL Wolfsburg den langersehnten Befreiungsschlag nach vier Niederlagen in Folge erzielen. Das 3:1 der Augsburger vor heimischem Publikum war ein Schlüsselsieg nach dem Negativlauf und eine beträchtliche Leistung, so Lukas Kwasniok auf der Pressekonferenz vorab: “Der FC Augsburg hat sich nach langjähriger Zugehörigkeit in der Bundesliga dazu entschlossen, einen weiteren Schritt zu gehen, indem er einen jungen, aufstrebenden Trainer verpflichtet hat. Ich finde, sie haben einen sehr guten Beginn hingelegt“, so Kwasniok, der dann aber auch die Negativspirale der letzten Wochen beschrieb. „Umso beachtlicher war die Leistung gegen Wolfsburg, denn das zeigt, dass Trainer, Mannschaft und Verein einen absoluten Zusammenhalt nach innen und außen ausstrahlen.“

Wagner über Kwasniok: „Eine Bereicherung für die Bundesliga“

Gut 500 Kilometer südlich von Köln fand Sandro Wagner gestern seinesfalls lobende Worte für Kontrahent Kwasniok: „Er ist ein herausragender Trainer und ein cooler Typ. Ich finde, er ist eine Bereicherung für die Bundesliga. Man erkennt klar, was der 1. FC Köln gegen und mit dem Ball machen will, insbesondere in den ersten Minuten im eigenen Stadion.“ Der Vollständigkeit halber Wagners Einschätzung ließe sich wie folgt ergänzen: Klarheit im Spiel, Klarheit in der Meinung. So äußerte der 44-Jährige einmal gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“: „Wenn die Gefahr bestünde, dass ich durch die Fußballwelt eines Tages aalglatt werden würde, wäre ich raus.“

Wie sich Kwasniok diesen Ruf erarbeitet hat, zeigen zwei Beispiele. Nach einer 1:2-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC in der abgelaufenen Zweitligasaison als Coach des SC Paderborn etwa prangerte er öffentlich die mangelnde Qualität seiner Mannschaft an: „Wir machen einfach zu viele Fehler, und das ist ein Qualitätsproblem“, sagte er damals der Sportschau. Eine wirksame Kritik an den Vereinsverantwortlichen, die den Kader nach diesem öffentlichen Rundumschlag unter anderem mit Marvin Mehlem und Manuel Riemann verstärkten. Im Dezember 2024 machte er kein Geheimnis aus seiner Meinung, als Paderborn einen Wechsel im Winter zum Hamburger SV verweigerte: „Man hat mir eine Lebenschance genommen. Das ist für mich extrem enttäuschend“, sagte er in diesem Zusammenhang.

Ein Faible fürs Anecken

Der Kölner Coach hatte bei seinem Amtsantritt in Köln bereits angedeutet, dass Fußball in erster Linie Unterhaltung und Spektakel sei. Ob im Trikot an der Seitenlinie oder mit breitem Grinsen bei den Pressekonferenzen – genau das lebt Kwasniok. Meinungsstarke Auftritte wie jene des Kölner Coachs sind aber auch eine Spezialität von Wagner. So fiel er jüngst beim Sieg seiner Mannschaft gegen Wolfsburg mit einer Handgeste auf, die man durchaus als Provokation in Richtung seiner Kritiker gedeutet haben könnte. Wagner selbst klärte später gegenüber der BILD auf: „Großartig Winken war es nicht. Ich habe eher mit meiner Familie gelabert, die haben mir erzählt, was in den letzten Wochen los war. Das war ein Zeichen an meine Family.“

Auch eine seiner Aussagen im Duell seiner Augsburger gegen den FC Bayern München schlug große Wellen. Nach der 3:2-Niederlage gegen den Rekordmeister äußerte der 37-Jährige gegenüber den Journalisten: „Ich sehe nicht, dass wir weniger Qualität haben als Bayern. Sehen Sie das vielleicht so? Ich sehe das jedenfalls nicht so. Ich sehe uns auf keiner Position im ganzen Verein von der Qualität her schlechter aufgestellt.“ Angesichts der erwartungsgemäß heftigen Reaktionen schob er später nach: „Ich glaube, dass ich vielleicht zwei Stunden später einen Tick anders geantwortet hätte. Aber ich habe die Frage so verstanden, dass wir auf allen Positionen qualitativ im Nachteil sind. Das konnte ich für mich nicht akzeptieren. Da tat ich mich einfach schwer und hätte wahrscheinlich auch nicht schlafen können.“

Spektakel vorprogrammiert?

Beide Trainer verbindet auch ihr Umgang mit dem Medientrubel, den sie erzeugen. Kwasnioks Credo, den Fokus aufs Sportliche zu legen, ergänzte Wagner auf der PK gestern um eine weitere Maßnahme, die angesichts der Diskussionen um ihn nur folgerichtig scheint: „Ich nehme das gar nicht wahr, weil ich seit Wochen nicht mehr viel lese, da ich mich auf meine Arbeit fokussieren will. Ich schaue immer zu den erfahrenen Personen in meinem Gewerbe auf. Es gibt viele ältere Trainer, die mir seit Jahren sagen: ‚Wenn du in der Bundesliga ankommst, darfst du nichts mehr lesen!‘ Denn wenn du Spiele gewinnst, macht das etwas mit dir, und wenn du Spiele verlierst, auch.”

Auch wenn Sandro Wagner sie nicht lesen wird: Für alle anderen bleibt abzuwarten, ob das Aufeinandertreffen der beiden Entertrainer weitere Geschichten schreiben wird (Samstag, 15:30 Uhr, abrufbar im Liveticker auf come-on-fc.com).

Nur 41 Einsatzminuten: Cenk Özkacar kommt beim 1. FC Köln noch nicht in Fahrt

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Nur 41 Einsatzminuten: Cenk Özkacar kommt beim 1. FC Köln noch nicht in Fahrt

Cenk Özkacar kam mit großen Erwartungen nach Köln, doch bislang läuft es für den Innenverteidiger wohl nicht wie geplant. Zwischen Hoffnungen, Konkurrenzdruck und der Geduld seines Trainers beim 1. FC Köln: Cenk Özkacar hat aktuell einen schweren Stand.

Er kam, um den Konkurrenzkampf im Kader anzuheizen und die Qualität auf der Innenverteidigerposition zu verbessern. Doch aktuell kann Cenk Özkacar wohl kaum zufrieden sein mit den wenigen Einsatzminuten, die ihm Lukas Kwasniok beim 1. FC Köln gewährt: Cenk Özkacar hat aktuell einen schweren Stand.

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Im Nachhinein betrachtet hat Lukas Kwasniok seinem Schützling Cenk Özkacar möglicherweise keinen Gefallen damit getan, ihn unmittelbar nach seiner Ankunft im Pokalkrimi gegen Regensburg von Beginn an spielen zu lassen. Die dadurch erweckte Erwartungshaltung an den Spieler bleibt nämlich bis dato unerfüllt. Özkacar war einer der letzten Neuzugänge, die am Geißbockheim eintrafen. Der FC vermeldete die Verpflichtung des 25-Jährigen erst am 9. August, gut eine Woche später folgte dann schon das erste Spiel von Anfang an im Jahnstadion. Im Anschluss an den knappen 2:1-Erfolg verwies der Neuzugang entgegen der aufkeimenden Euphorie darauf, dass man aus dem Spiel gegen Regensburg nicht ableiten könne, dass er sofort startklar sei: „Ich habe mich neben meinen Teamkollegen schon sehr wohl gefühlt. Trotzdem wird es noch etwas dauern, bis ich mich voll integriert habe und mich an das neue Spielsystem gewöhnt habe“, sagte der Türke damals.

Özkacar in vertrackter Situation

Wie bei seinen bisherigen Stationen, bei denen Cenk Özkacar als Leihspieler fungierte, kommt der 25-Jährige auch beim FC bisher nicht so richtig auf Einsatzzeit. Zwar wurde er in der ersten Runde des DFB-Pokals überraschend in der Startelf aufgestellt, in der Bundesliga kam er jedoch nur noch zu Kurzeinsätzen gegen Mainz und Hoffenheim und damit insgesamt nur auf 41 Spielminuten in der Liga.

Davon auszugehen, ist zu diesem Zeitpunkt vollkommen Fehl am Platz, aber ein Scheitern von Özkacar in Köln wäre für den Verein zwar ärgerlich, hätte aber keine schwerwiegenden Folgen, da der Spieler nur per Leihgeschäft an die Domstädter gebunden ist. Anders verhält es sich bei Neuverpflichtungen wie Rav van den Berg: Dessen sportliche Entwicklung steht aufgrund des eingegangenen finanziellen Risikos möglicherweise stärker im Fokus der sportlichen Verantwortlichen der Geißböcke. Stichwort van den Berg: Die Konkurrenz im Kader ist groß. Das Toptalent wird sich nach seiner Genesung für die Startelf aufdrängen. Zuletzt hatte Dominique Heintz gegen Hoffenheim die Nase vorn. Der Fanliebling machte seine Sache gut, verteidigte mit Biss und avancierte gleich zum besten Kölner Zweikämpfer auf dem Platz.

Heintz und Schmied als Blaupause

Der Fall Dominique Heintz zeigt jedoch auch einen Ausweg für den türkischen Nationalspieler auf. Der Routinier befand sich lange in einer ähnlichen Situation wie Özkacar. In der Planung von Kwasniok spielte er bis zum Hoffenheim-Spiel keine tragende Rolle. Daher kann er die belastende Situation seines Teamkollegen wohl gut nachvollziehen. Heintz sagt dazu: „Das gehört nun mal zum Profifußball dazu. Es kommt auch immer darauf an, welches System der Trainer bevorzugt. Ein neuer Coach muss sich erst ein Bild von der Mannschaft machen. Aber egal, in welcher Phase du bist, ob du spielst oder nicht, du musst immer dranbleiben. Du darfst einfach nichts an deiner Mentalität oder deiner Arbeitsweise ändern. Dann wirst du irgendwann wieder belohnt. Dazu versuche ich immer, die Mannschaft zu unterstützen“, sagte der 32-Jährige im Interview mit come-on-fc.com.

Zusätzlich strahlt auch Joel Schmied Zuversicht aus. Der Schweizer, der zu Beginn seiner Zeit in Köln mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte, blüht seit dieser Spielzeit auf. „Man geht immer davon aus, dass ein neuer Spieler sofort einschlägt“, erklärte er zuletzt in einem Beitrag von FC-TV. „Das ist aber nicht so leicht, wie es vielleicht auf dem Papier aussieht.“

Kwasniok: “Wenn die Zeit reif ist, werde ich ihn reinwerfen”

Sicher ist, dass Özkacar beim FC derzeit noch nicht über die Rolle des Nebendarstellers hinausgekommen ist. Abschreiben sollte man ihn deswegen allerdings noch nicht. Denn Lukas Kwasnioks Umgang mit Spielern aus der zweiten Reihe kann für ihn der Türöffner sein, um in Zukunft aus dem Schatten von Heintz, Van den Berg und Co. hervorzutreten. Kwasniok sagte über den Innenverteidiger: „Für ihn gilt es jetzt, Gas zu geben. Wenn die Zeit reif ist, werde ich ihn reinwerfen“.

Hot Take oder Cold Take beim 1. FC Köln? Der Hype um (den künftigen Nationalspieler?) Said El Mala

Said El Mala nach seinem Treffer gegen Hoffenheim
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Hot Take oder Cold Take beim 1. FC Köln? Der Hype um (den künftigen Nationalspieler?) Said El Mala

In einem neuen Format von come-on-fc.com blicken wir auf die aktuellen Gedankenspiele, Hirngespinste und Meinungen rund um den 1. FC Köln: Ist Said El Mala ein Kandidat für die DFB-Elf?

Said El Mala sorgt in Köln und darüber hinaus für Gesprächsstoff. Am Dienstagabend steht er mit der U21 gegen Nordirland auf dem Platz. Viele sehen ihn schon als Kandidaten für den Kader der A-Nationalmannschaft bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Andere wollen den Hype möglichst im Keim ersticken. Ein streitbarer Take, bei dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Ein Meinungsbild rund um den 1. FC Köln: Ist Said El Mala ein Kandidat für die DFB-Elf?

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Said El Mala ist spätestens nach seinem wuchtigen Tor gegen den SC Freiburg in der Bundesliga angekommen. Nach seinem Auftritt gegen die TSG Hoffenheim werden die ersten Stimmen, die fordern, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann den Namen des Kölner Sturmjuwels bei der Kaderplanung für die anstehende WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko auf dem Zettel haben muss, lauter. Nüchtern betrachtet: Wie viel ist dran an der Vorstellung des Supertalents in der Nationalmannschaft, ohne sich beim Blick in die Glaskugel zu verlieren? Und was könnte diesen kölschen Wunschtraum des nächsten Geißbocks mit dem Adler auf der Brust nach Jonas Hector unerfüllt lassen?

Mit kühlem Kopf durch das Rampenlicht

Vergleicht man die Kölner Medienlandschaft, die den 19-Jährigen emotionalisiert und heroisiert, mit einem Orkan, der über das Talent hinwegfegt, dann führt der Weg zur A-Nationalmannschaft für El Mala nur über ein schützendes Umfeld, das ihn sorgfältig abschirmt und eventuellen Höhenflügen vorbeugt. Lukas Kwasniok sagt dazu passend: „Wir haben so viele Talente gesehen, die schon im Alter von 17 Jahren zum Weltstar hochgeschrieben wurden, von denen hört man heute nichts mehr. Das Einzige, was hilft, ist hart zu arbeiten und demütig zu bleiben. Und dann musst du die Qualitäten, die du zweifellos hast, Woche für Woche abrufen. Darum wird’s gehen. Aber er hat das Glück, dass er viel mitbringt, und wir werden ihn auf dem Weg begleiten.“

Beim FC ist man um Ruhe um das Talent bemüht. In der Hoffnung, dass sich El Mala so eben am besten weiterentwickelt. Nur konterkariert eben jeder Entwicklungsschritt dieses Vorhaben. Und das lässt auch die Sorgenfalten auf der Stirn von El Malas Berater hinsichtlich des medialen Treibens um seinen Schützling tiefer werden. In einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte dieser: „Es gibt leider auch ein paar Sachen, die dem Jungen und dem FC schaden. Unruhe bringen zu viele mediale Spekulationen und Influencer, die um jeden Klick und jedes Like kämpfen. Und es kommen plötzlich andere Berater, die sich früher nie für den Spieler interessiert haben, aus jeder Ecke und buhlen um Said.“

“Wir müssen ihn behutsam aufbauen“

Die Aufgabe der Medien ist es nun mal, über Leistungen und Qualität zu berichten. Wenn ein 19-Jähriger in der Bundesliga die Fans verzaubert, ist es ein relevantes Thema. Dass die Medien dabei aber auch mal ein Regalfach zu hoch greifen, steht außer Frage. Auch U21-Nationalmannschaftscoach Antonio di Salvo dämpft die Euphorie: „Wir müssen ihn behutsam aufbauen, ihm aber auch die Chance geben, zu spielen. Man sollte nicht jede Aktion hochjubeln, zumal er in seinem Alter noch nicht durchgehend konstant spielt.“

Stand jetzt scheint El Mala mit dem derzeitigen Medienrummel keine größeren Probleme zu haben. Das hat jüngst Teamkollege Linton Maina im Podcast mit Radio Köln bestätigt: „Said ist eigentlich relativ klar im Kopf. Ich glaube, dass wir es auch ganz gut machen, ihn jetzt nicht zu jedem Interview zu schicken. So etwas habe ich mit 19 Jahren auch selten erlebt: dass man so unaufgeregt ist, sich so schnell anpassen will und auch schon so viel lernt.“

El Mala: Ein echter Straßenkicker

Das Talent des Youngsters ist mittlerweile unumstritten. Mittlerweile, weil es in dem heutigen Ausmaß offenbar nicht erkannt worden ist. Die Ausbootung bei Borussia Mönchengladbach im Nachwuchsfußball ist kein Narrativ. Und auch bei den Fohlen werden im Talentscouting Menschen sitzen, die genau das hauptberuflich machen. Ob Versäumnis, krasser Entwicklungsschub oder einfach eine andere Einschätzung lässt sich heute nicht sagen. Fakt ist, dass El Mala viel mitbringt. Immer wieder wird dem 19-Jährigen das Prädikat Straßenfußballer ausgestellt. Jene Fußballer, die auf engstem Raum, mit hohem Tempo das Dribbling suchen, Lösungen finden und diese dann auch nutzen. Kicker, die im deutschen Fußball mittlerweile selten, aber dennoch dringend gebraucht werden.

Ex-DFB-Funktionär Oliver Bierhoff beschrieb in einem Beitrag zur U21-Europameisterschaft 2019 in Italien und San Marino die Notwendigkeit, den Straßenfußball in die Talententwicklung zurückzubringen: „Wir brauchen wieder mehr Variabilität, Spielfreude und Cleverness“, forderte Bierhoff damals. „Wir müssen eine Mentalität fördern, wie wir sie von früher auf dem Bolzplatz kannten: schnell, direkt, Individualität zulassend und Kreativität fördernd.“ Genau diese Eigenschaft zeichnet El Mala aus. Er selbst sagte über sich in einem Interview mit dem „Geißbockecho“: „Ich denke schon, dass man uns als Straßenkicker bezeichnen kann.“

Sein Bruder Malek bestätigt: „Als wir nicht mehr im NLZ gespielt haben, waren wir häufiger mit Freunden nach der Schule zusätzlich zum Vereinstraining auf dem Bolzplatz. Da konnten wir uns ausprobieren, viel dribbeln und Eins-gegen-Eins-Situationen spielen.“ Druck von außen verspüren die beiden dabei nicht. „Wir haben keinen Druck, sondern spielen einfach und wir machen uns keinen großen Kopf, sondern haben einfach Spaß am Fußball. Wir dürfen das machen, was wir lieben, und wir genießen es“, so Said El Mala weiter. Und das zeigt der Kölner Youngster eindrucksvoll in der Liga. Nicht umsonst ist der 19-Jährige aktuell der Dribbelkönig der Liga, eben vor Spielern wie Michael Olise oder Karim Adeyemi.

Linton Maina: „Dann werden noch viel mehr Leute Spaß mit ihm haben“

Aus rein sportlicher Sicht liefert der Spielertyp El Mala also ganz sicher Argumente dafür, seinen Namen irgendwann auf der erweiterten Liste für die Nationalmannschaft zu lesen. Daran zweifeln rund ums Geißbockheim immer weniger Menschen. Auch nicht Teamkollege Linton Maina: „Er hat einen kleinen “Schuss“ und das soll auch so bleiben. Ich glaube, das macht ihn auch so gut. Ich glaube, dass wir alle noch viel Spaß mit ihm haben werden und dass auch andere Leute noch viel Spaß mit ihm haben werden. Wenn er so weitermacht, wird er sicherlich auch irgendwann für die Nationalmannschaft spielen. Dann werden noch viel mehr Leute viel Spaß mit ihm haben.“

Das entscheidende Wörtchen ist dann aber womöglich das „irgendwann“. El Mala bringt viel mit, das steht außer Frage. Dem Kölner Youngster wird zudem ein großes Potenzial vorausgesagt. Fertig entwickelt ist er sicher nicht. Und da wird es dann vielleicht auch noch nicht reichen, der Dribbelkönig der Liga zu sein. Eine Nominierung für die WM 2026 ist nicht ausgeschlossen, aber ganz sicher auch nicht sehr wahrscheinlich. Der Offensivspieler hat noch einige Felder, an denen er arbeiten muss. Beispielsweise seine Schussgenauigkeit, seine Arbeit gegen den Ball. Das wurde in seinen 45 Minuten bei der 3:2-Niederlage der U21-Nationalmannschaft gegen die griechische Auswahl deutlich.

Da kam er zur Halbzeit, nachdem die DFB-Elf eine träge erste Hälfte gespielt hatte, und bestach durch Zielstrebigkeit, Überzeugung, Dynamik, Selbstverständnis und Unbekümmertheit, allerdings auch vielfach mit einfachen Ballverlusten und liegengelassenen hochkarätigen Chancen. Angesprochen auf die Energieleistung El Malas auf seiner starken linken Seite, ordnete Coach Di Salvio die Leistung des 19-Jährigen wie folgt ein: „Das haben wir auch erwartet. Aber leider war auch er in der einen oder anderen Situation noch zu unsauber und hätte noch cleverer agieren können.“ Ob der Youngster das Zeug zum Nationalspieler für die WM 2026 hat, liegt genauso in seinen eigenen Händen, wie die Größe des Hypes, die er damit auslösen würde.

Wirklich ein Zeichen mentaler Stärke? Späte Tore sind eine neue Qualität des 1. FC Köln

Jakub Kaminski nach seinem Treffer gegen den SC Freiburg
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Wirklich ein Zeichen mentaler Stärke? Späte Tore sind eine neue Qualität des 1. FC Köln

Späte Treffer mit großer Wirkung: Der Aufsteiger hat sich mithilfe von späten Toren früh in der Bundesliga etabliert. Nach sechs Spieltagen steht Köln mit zehn Punkten auf Rang sechs und hält damit Anschluss an die Spitzengruppe der Tabelle. Was steckt hinter der Last-Minute-Qualität des 1. FC Köln? 

Späte Tore, große Wirkung: Der Aufsteiger punktet dank Last-Minute-Treffern und mischt nach sechs Spieltagen mit zehn Punkten oben mit. Was steckt hinter der Last-Minute-Qualität des 1. FC Köln? 

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Späte Tore haben den Kölnern in den ersten Wochen dieser Saison schon mehrfach entscheidende Punkte beschert. Beim Heimsieg gegen Mainz war es eine scharf getretene Flanke von Waldschmidt in der 90. Minute, die Marius Bülters Haarspitzen streifte und damit unhaltbar ins Mainzer Tor segelte. In Wolfsburg sorgten Kaminski und Jóhannesson in der Nachspielzeit sogar doppelt für späte Jubelmomente. Kaminski stellte mit seinem Treffer zum 3:3 sogar einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Bislang hat niemand später getroffen als er. Gegen Stuttgart entging Köln schließlich nur knapp der möglichen Führung – der Stuttgarter Maximilian Mittelstädt klärte auf der Linie. Lukas Kwasniok ordnete nach der Heimniederlage gegen Stuttgart ein: „In der zweiten Halbzeit hatten wir mit dem Ball dann auch gute Passagen. Und genau in dem Moment, als wir das Gefühl hatten, das Stadion ist voll, das geht vielleicht in unsere Richtung, macht es Stuttgart gut. Wir standen eigentlich geordnet. Der Gegentreffer war nicht nötig.“

Der Mythos des „psychologisch wichtigen Zeitpunkts“

Im Fußball wird in diesem Zusammenhang häufig von „psychologisch wichtigen Zeitpunkten“ gesprochen, zum Beispiel, wenn ein Team kurz vor der Halbzeit oder kurz vor Spielende ein Tor erzielt. Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Handelt es sich um einen nachweisbaren Effekt oder ist es lediglich eine Floskel, die vor allem in Pressekonferenzen und Spielanalysen verwendet wird? Der Sportpsychologische Experte Thorsten Loch hat das für come-on-fc.com eingeordnet.

Die Datenlage sei differenziert, sagt Loch: “Analysen internationaler Top-Wettbewerbe zeigen, dass ein Tor unmittelbar vor der Halbzeit nicht automatisch zu einem Vorteil führt. In einigen Studien ließ sich sogar nachweisen, dass Heimteams nach einem späten Treffer vor der Pause in der zweiten Halbzeit schlechter abschnitten, als wenn sie zu einem früheren Zeitpunkt getroffen hätten.” Andere Untersuchungen wiederum berichteten keinen systematischen Effekt: “Es gibt aber auch Befunde, die unter bestimmten Umständen einen positiven Einfluss beschreiben – beispielsweise wenn die emotionale Dynamik im Stadion und auf der Bank kurzfristig verändert wird. Insgesamt gilt: Ein klarer, universeller „psychologischer Zeitpunkt“ lässt sich empirisch nicht belegen.”

Hier spielen laut Loch mehrere Faktoren ineinander: „Zum einen nimmt gegen Spielende die körperliche Leistungsfähigkeit ab: Lauf- und Sprintleistungen sinken, die Fehleranfälligkeit steigt. Zum anderen passen Teams ihr Verhalten je nach Spielstand an. Wer zurückliegt, geht mehr Risiko ein, rückt höher auf und erzwingt Standardsituationen. Wer führt, wird häufig passiver – ein Muster, das als ‚Score-Effect‘ beschrieben wird.“ Hinzu kommt die allgemeine Dynamik des Spiels: „Statistisch gesehen häufen sich Tore gegen Ende, ganz unabhängig von psychologischen Zuschreibungen. Psychologische Faktoren, wie ein kurzfristiger Motivationsschub durch einen Ausgleichstreffer in letzter Minute, können diesen Effekt verstärken, sind aber nicht die alleinige Ursache.“

Mentale Stärke oder clever gewechselt?

Gibt es also einen „besten Zeitpunkt“ für ein Tor? Aus psychologischer Sicht nicht, ist sich Loch sicher. Entscheidend sei vielmehr, dass Phasenübergänge im Spiel – etwa direkt nach Wiederanpfiff oder nach Wechseln – anfällig für Konzentrationsfehler sind: “Wer in diesen Momenten klare Routinen und abgestimmte Abläufe parat hat, kann diese Verwundbarkeit des Gegners nutzen. Hier geht es weniger um Magie, sondern um gute Vorbereitung.”

Das kann Ausdruck von Fitness, taktischer Ausrichtung oder auch mentaler Stabilität sein, beispielsweise in Form der Fähigkeit, trotz Rückschlägen am Ball zu bleiben und konstruktiv mit Fehlern umzugehen. Gleichzeitig sollte man vorsichtig sein: „Wiederholte späte Treffer sind kein reiner Beleg für mentale Stärke, sondern meist das Resultat eines Zusammenspiels aus Kondition, Spielidee und psychologischer Widerstandsfähigkeit“, präzisiert Loch.

Ein Beispiel dafür ist die Handhabung Kwasnioks von Saïd El Mala gegen Wolfsburg. Der Offensivspieler kam erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit in die Partie, um mit frischen Beinen eine ermüdete gegnerische Wolfsburger Abwehr zu stressen – ein Plan, der aufging. El Mala leitete mit seiner Vorarbeit zum 2:2-Ausgleich in der 91. Minute die wilde Schlussphase ein. „Said ist definitiv eine Waffe“, lobte Trainer Kwasniok anschließend. „Aber eine Waffe von Beginn an zu sein, ist nochmal etwas anderes. Er verändert ein Spiel, genau wie ein Ragnar auf seine Art und Weise und ein Kainzi auf seine Art und Weise.“

Kein Alleinstellungsmerkmal

Der „psychologisch wichtige Zeitpunkt“ ist kein Naturgesetz, sondern ein Narrativ, das nur in bestimmten Kontexten trägt: „Wer Fußball wissenschaftlich betrachtet, erkennt: Späte Tore entstehen vor allem aus taktischen und physiologischen Gründen – psychologische Effekte können sie verstärken, erklären sie aber nicht allein“, schließt Loch.

Nach dem freien Bundesliga-Wochenende können die Geißböcke dann gegen Sandro Wagners Augsburg das Narrativ weiterschreiben. Augsburg hat ihrerseits eine bemerkenswerte Bilanz vorzuweisen: Vier ihrer elf Tore fielen in der Schlussphase der ersten oder zweiten Halbzeit.

Scharfe Töne, Entlastung und Wahlen: So verlief die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln

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Scharfe Töne, Entlastung und Wahlen: So verlief die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln

Rund 6000 stimmberechtigte Mitglieder kamen am Samstag zur 77. Vollversammlung des 1. FC Köln zusammen und befassten sich in einer turbulenten Veranstaltung mit zukunftsweisenden Themen des Vereins. Vorstands-Neuwahl, Entlastungen und scharfe Attacken: So lief die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln. 

Mehr als acht Stunden dauerte die Veranstaltung, doch wirklich langweilig wurde es nicht. Vorstands-Neuwahl, Entlastungen und scharfe Attacken: So lief die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln.

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Kaum hatte man auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln das neue Präsidium aus Jörn Stobbe, Ulf Sobek und Jörg Alvermann verkündet, da stand auch schon Björn Häuser durch die RheinEnergie Arena: „So simmer all hierhin gekomme, spreche mer hück all die selbe Sproch“. Versöhnliche Stimmung kam auf, die nicht immer mit der Veranstaltung im Einklang stand, die sich am Samstag über bewegte acht Stunden hingezogen hat.

Scharfe Töne prägten die Mitgliederversammlung

Denn dort waren zwischenzeitlich alles andere als harmonische Klänge zu vernehmen. In einer Ansprache wurden die bestehenden Risse zwischen dem Mitgliederrat und dem abgelösten Vorstand noch einmal besonders deutlich. Fabian Schwab, der für das Kontrollgremium des Vereins sprach, teilte mit: „Der Vorstand hat uns den Jahresbericht nicht vorgelegt. Daher können wir keine Stellungnahme dazu abgeben.“ Der Vorsitzende des Mitgliederrates fügte hinzu: „Damit können wir nicht unserer satzungsgemäßen Aufgabe nachkommen. Ich muss sagen, dass es damit nur bedingt ein Jahres- und Rechenschaftsbericht war.“ Schwab fasste die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Gremium als „schwierig, schleppend und wenig konstruktiv“ zusammen.

Die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln geriet einmal mehr zum hitzig diskutierten Forum. Angriffe in Wortbeiträgen durch Mitglieder richteten sich gegen den scheidenden Vorstand und wiederholt auch gegen Carsten Wettich. Mehrere Redner rechneten mit der bisherigen Führung ab, andere schlugen sich offen auf die Seite einzelner Wahlkampfteams. So schallte es Während eines Beitrags in Richtung des Vorstands: „Sie können sich Ihre Internationalisierungsstrategie in den Hintern stecken.“ Auch an anderer Stelle fielen drastische Worte. Ein Redner erklärte: „Herr Ganaus hat mehr für den FC gemacht als Sie, Herr Vorstand”, und erinnerte damit an den Regensburger Torschützen, dessen entscheidendes Tor anschließend zur Trennung von Trainer Gerhard Struber und Geschäftsführer Sport Christian Keller führte. Die Reden spiegelten den Zwiespalt des Abends wider: Einerseits gab es emotionale Loyalitätsbekundungen für die Kandidaten, andererseits einen harten Abgesang auf die abtretende Vereinsführung.

Ende gut, alles gut: Erfolgreiche Entlastung des Scheidenden Vorstandes

Für den scheidenden Vorstand des 1. FC Köln hatte die diesjährige Mitgliederversammlung einen anderen Ausgang als noch im Vorjahr. Während die verweigerte Entlastung damals hohe Wellen schlug, stimmten die Mitglieder diesmal geschlossen für einen versöhnlichen Abschluss von Werner Wolf und Eckhard Sauren. Bei der Abstimmung wurde Präsident Wolf mit 77 Prozent entlastet, Vizepräsident Sauren erhielt sogar 79,4 Prozent. Anders stellte sich die Lage für Carsten Wettich dar. Er kam lediglich auf 60,86 Prozent Zustimmung. Dieses Ergebnis wirkte wie ein Fingerzeig. Denn gerade im Fall Wettich deutete die knappe Entlastung bereits auf das hin, was viele Mitglieder als Höhepunkt des Abends erwarteten. Die Abstimmung trug somit Züge einer Vorahnung, bevor über die zukünftige Ausrichtung des Vereins entschieden wurde.

Drama um zahlreiche Wortmeldungen

Kurz vor der Abstimmung über das neue Präsidium stand die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln kurz vor der Entgleisung. Noch einmal meldeten sich rund 50 Mitglieder zu Wort. Es herrschte also ein großes Mitteilungsbedürfnis unter den Anwesenden. Entsprechend empört reagierten einige, als sie ihr Rederecht eingeschränkt sahen, die Redezeit kurzerhand verkürzt wurde. Ein Mitglied brachte seinen Protest deutlich zum Ausdruck: „Wir müssen berücksichtigen, dass Demokratie Zeit braucht. Ich möchte darum bitten, dass alle Rednerinnen und Redner die Chance bekommen, sich zu äußern.“

Die Unruhe im Stadion erreichte wohl ihren Höhepunkt, als der ehemalige FC-Trainer Roland Koch in einem Pladoyer für das Team Adenauer die Redezeit überzog und nur nach mehrfacher eindringlicher Aufforderungen die Bühne verließ. So machte Michael Vesper gegenüber Koch deutlich: “Also bitte Roland Koch! das geht nach hinten los wenn man sich so verhält” und Werner Wolf ergänzte: “Wir haben Angst, dass uns die Veranstaltung entgleitet. Wenn wir das Recht, sich zu äußern, entziehen, dann ist das Ergebnis anfechtbar. Deswegen bitte ich um Disziplin.”

Werner Wolf überreicht das Zepter an Jörn Stobbe

Bei den Vorstandswahlen des 1. FC Köln setzte sich das Team Stobbe am Ende klar durch. Der Vertrauensentzug der Mitglieder blieb aus und fügte sich dem emotionsgeladenen Abschied von Werner Wolf an. Zum Abschluss seiner Rede fand Wolf bewegende Worte: „Die vergangenen sechs Jahre waren die intensivsten und prägendsten Zeiten meines Lebens. Ich wollte dem Verein etwas zurückgeben. Heute gebe ich mein Amt demütig und dankbar zurück.“ Unter lang anhaltendem Applaus verabschiedete er sich schließlich mit den Worten: „Ab jetzt bin ich einfach nur noch Fan. Vielen Dank für unvergessliche sechs Jahre.“

Seinen Platz an der Spitze des Vereins übernahm am gestrigen Abend das Team um Jörn Stobbe, das sich mit einem deutlichen Wahlergebnis durchsetzen konnte. Direkt nach dem Votum betonte das neue Präsidiumsmitglied: „Wir schauen morgen erst einmal auf die Mitglieder, auf die ganzen Unterstützer. Wir wollen auch die überzeugen, die uns nicht gewählt haben. Ich glaube schon, dass die Grenzen da ein bisschen vermischt sind. Wir haben eine riesige Chance, mit ihnen richtig etwas zu rocken“, sagte dieser im Anschluss.

Nach hitzigen Debatten, persönlichen Angriffen und zahlreichen emotionalen Wortmeldungen gelang es schließlich doch, den Vorstandswahlen ein versöhnliches Ende zu setzen. Die turbulente Versammlung mündete somit in einen Neuanfang, den viele Mitglieder als überfällige Chance begreifen.



Neues Präsidium des 1. FC Köln gewählt: Team Stobbe setzt sich durch

Das neue Vorstandsteam des 1. FC Köln: Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek
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Neues Präsidium des 1. FC Köln gewählt: Team Stobbe setzt sich durch

Nach Wochen des Wahlkampfs, am Tag vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, gibt es ein neues Präsidium beim 1. FC Köln: Das Team Stobbe gewinnt die Vorstands-Wahl.

Die Entscheidung ist gefallen, es gibt einen neuen Präsidenten beim 1. FC Köln: Das Team Stobbe gewinnt die Vorstands-Wahl bei den Geißböcken.

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Noch nie zuvor in der langen Geschichte des Vereins traten drei Teams als Kandidaten für die Posten im Präsidium an. Dieser historische Anlass motivierte rund 6.000 Stimmberechtigte, sich heute in Köln-Müngersdorf zusammenzufinden – erwartet wurden 8.000. Vom Mitgliederrat wurden der Immobilienunternehmer Jörn Stobbe, der Rechtsanwalt Jörg Alvermann und der Sportwissenschaftler Ulf Sobek vorgeschlagen. Auch die Teams um den Unternehmer Wilke Stroman mit der ehemaligen FC-Spielerin Tugba Tekkal und den bis dato amtierenden Vizepräsidenten Carsten Wettich sowie um den Kommunalpolitiker Sven-Georg Adenauer mit Metzgermeister Martin Hollweck und Unternehmensberater Thorsten Kiesewetter hatten die notwendigen Unterschriften von Mitgliedern gesammelt, um zur Wahl zugelassen zu werden. Am Wahlabend dann fiel die Entscheidung schließlich zugunsten der Kandidaten Stobbe, Alvermann und Sobek aus.

Showdown im Wahlkampf um die Vorstandsposten

Alle Teams bekamen Vorab Gelegenheit, sich vor der Abstimmung final an die anwesenden Mitglieder zu wenden und mit einer letzten Präsentation auf Stimmenfang zu gehen. Sven-Georg Adenauer, gesäumt von Thorsten Kiesewetter und Martin Hollweck, machte den Anfang: “Diesem Verein gehört unser Herz und unser Gefühl”. Der 65-Jährige betonte dabei immer wieder auch seinen Großvater, Konrad Adenauer:„Ich heiße Adenauer. Dieser Name ist wie kein anderer mit der Geschichte unserer Stadt und unseres Landes verbunden. Ich trete aber nicht an, weil ich diesen Namen trage. Ich trete an, um Verantwortung zu übernehmen. Der FC braucht kein Weiter so, sondern Treue und Verlässlichkeit!“, und schloss mit einer Spitze gegen seine Kontrahenten: “Wir holen unser Mandat nicht aus Hinterzimmern, sondern von Euch!”.

Stehende Ovationen nach Auftritt von Stobbe, Alvermann und Sobek

Dann betraten Jörn Stobbe, Ulf Sobek und Jörg Alvermann die Bühne: „Mit eurer Stimme stellt ihr die Weichen für unsere Zukunft. Für uns gibt es ein klares Ja zu einem Mitglieder-geführten Verein und ein klares Nein zu Investoren”, eröffnete Spitzenkandidat Stobbe. Das ehemalige FC-Aufsichtsratsmitglied fügte hinzu: “Ich will mit meinem Wissen und Netzwerk Immobilienprojekte anpacken. Das Geißbockheim und das Stadion sind harte Nüsse, die sind nicht leicht zu knacken. Und ich mache seit 30 Jahren nichts anderes. Der FC braucht mein Wissen!”. Im Anschluss feuerte Jörg Alvermann gegen die in den vergangenen Wochen geäußerten Vorwürfe: Auf die Stimmen, das Team Stobbe sei investoren- bzw. kurvennah, antwortete er etwa: „Wer aus einer bloßen Wahlempfehlung ableitet, wir seien kurvennah, der hat gar nichts, aber auch wirklich rein gar nichts von der aktiven Fanszene verstanden.“

Tekkal: “Ich kandidiere, weil ich eine Frau bin, die für diesen Job qualifiziert ist”

Zuletzt traten Wilke Stroman, Tugba Tekkal und Carsten Wettich vor die Tribüne und sagten: „Nach 77 Jahren gehört endlich eine Frau in den Vorstand des FC. Wir sind ein Team von Mitgliedern für Mitglieder. Wir haben bereits 6.000 neue Mitglieder gewinnen können und möchten nun auch euer Vertrauen gewinnen.“ Tugba Tekkal ergänzte: „Ich kandidiere nicht, weil ich eine Frau bin. Ich kandidiere, weil ich eine Frau bin, die für diesen Job qualifiziert ist. Ich wäre stolz, wenn auch auf Vorstandsebene sichtbar wäre, was auf Vereinsebene bereits Realität ist.“ Stroman schloss den Beitrag des letzten Teams mit den Worten ab: „Wir stehen hier oben, weil ich weiß: Wir sind das richtige Vorstandsteam für den 1. FC Köln.“

Werner Wolf: “Haben Angst, dass uns die Veranstaltung entgleist”

50 Wortmeldungen der anwesenden Mitglieder sorgten unmittelbar vor der Wahl zum Teil für Unruhen unter den Anwesenden. Auf den Vorschlag der Sitzungsleitung hin, die Liste der Wortmeldungen beziehungsweise die Redezeit der Redenden zu kürzen, entgegnete eine Rednerin: “Ich möchte darum bitten, dass alle Rednerinnen und Redner die Chance bekommen, sich zu äußern. Demokratie ist nicht immer bequem, eine Mitgliederversammlung ist nicht immer bequem”, äußerte sie. Ein überlanger Beitrag von Roland Koch, Berater des Team Adenauer, veranlasste schließlich das Eingreifen von Werner Wolf: “Wir haben Angst, dass uns die Veranstaltung entgleitet. Wenn wir das Recht, sich zu äußern, entziehen, dann ist das Ergebnis anfechtbar. Deswegen bitte ich um Disziplin.” Der Vorsitzende des Mitgliedsrates, Fabian Schwab, ergänzte: “Ich möchte auch darum bitten, auf eine angemessene Wortwahl zu achten”. Nach den zum Teil scharfen Beiträgen hatten die Teams noch einmal die Chance, sich zu äußern.

So haben die FC-Mitglieder gewählt

Am Ende der Mitgliederversammlung stellten sich die Ergebnisse folgendermaßen dar: Gut 5700 Mitglieder haben ihre Stimme abgegeben Team Adenauer holte 9,86 Prozent der Stimmen, das Team um Wilke Stroman kam auf 25,18 Prozent und das neue Präsidentschafts-Team um Stobbe holte 64,97 Prozent und damit die benötigte absolute Mehrheit. „Ich danke euch für das Vertrauen für das Team FC“, sagte Stobbe im Anschluss.

So geht ein beispielslose Vorstandswahl zu Ende. Der neue Präsident der Geißböcke hört auf den Namen Jörn Stobbe und bildet zusammen mit Jörg Alvermann und Ulf Sobek für die kommenden drei Jahre das Präsidium.



Stuttgart als Fingerzeig: Wo ordnet sich der 1. FC Köln ein?

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Stuttgart als Fingerzeig: Wo ordnet sich der 1. FC Köln ein?

Am vergangenen Spieltag kassierten die Geißböcke gegen Leipzig ihre erste Saisonniederlage. Dennoch kann man der anstehenden Begegnung gegen die Schwaben mit Zuversicht entgegenblicken beim 1. FC Köln: Zeigt sich ein erster Trend der Saison?

Nach der 1:3-Niederlage in Sachsen müssen die Domstädter nun erneut gegen einen starken Gegner antreten. Am Sonntag treffen die Kölner auf den VfB Stuttgart, der dank des 2:0-Erfolgs eine frühe Krise vorerst abwenden konnte. Dennoch gibt es Hoffnung beim 1. FC Köln: Zeigt sich ein erster Trend der Saison?

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„Wir sind Underdog und in dieser Rolle fühlen wir uns wohl“, sagte FC-Coach Kwasniok auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen Leipzig in der vergangenen Woche. Zuvor waren die Geißböcke bereits gegen die Europapokal-Teilnehmer Mainz und Freiburg sowie gegen Wolfsburg nicht als Favoriten ins Spiel gegangen und hatten sieben Punkte geholt. Die Kölner sorgten damit im Vorfeld der RB-Partie aber auch für den Gedankengang, dass die Rolle des Underdogs aber auch in Sachsen eine erfolgreiche werden könne. Gegen Leipzig kassierten sie allerdings am vergangenen Spieltag die erste Saisonniederlage. Die Roten Bullen von Trainer Ole Werner agierten zu schnell, zu technisch versiert und in vielen Phasen zu dominant für die Kwasniok-Elf und siegten am Ende verdient mit 3:1, auch wenn der FC ordentlich mitspielte. Doch der Favorit setzte sich dann doch erwartungsgemäß durch.

Stuttgart mit Startschwierigkeiten

Am Sonntag hat Köln nun aber die Chance, mit einem Erfolg im eigenen Stadion die Pleite abzuschütteln. Die Geißböcke gehen dabei wie auch schon am abgelaufenen Spieltag als Außenseiter ins kommende Heimspiel – doch diesmal sind die Vorzeichen weniger eindeutig. Der VfB Stuttgart hat mit bislang fünf Treffern die geringste Anzahl aller Teams der oberen Tabellenhälfte erzielt. An Offensivaktionen mangelt es den Schwaben dabei keineswegs, denn mit 62 Torschüssen stellen sie den zweithöchsten Wert der Bundesliga auf. Das eigentliche Problem liegt aus Sicht des VfB also weniger in der Anzahl der Chancen als vielmehr in ihrer Verwertung dieser. Auch auswärts läuft es noch nicht rund: Beide bisherigen Auswärtsspiele gingen verloren.

Beim jüngsten Erfolg der Schwaben über St. Pauli sendeten die Europapokal-Teilnehmer dann ein klares Signal. Eine Niederlage gegen die Hamburger hätte den ohnehin schwierigen Saisonstart noch verschärft. Die Lücke zwischen Anspruch und Realität beim VfB Stuttgart klafft seit dem letzten Spieltag wieder weit weniger auseinander. Sportdirektor Fabian Wohlgemuth sagte dazu: „Nach 14 Jahren Abwesenheit waren wir in der vergangenen Saison zum ersten Mal wieder in der Champions League dabei. Dort konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln. Wertvoll auch deshalb, weil wir den Großteil der Mannschaft und ihre Struktur zusammenhalten konnten. Wir haben ein junges, sehr erfolgsorientiertes Team und die Ambition, in der Europa League mehr zu sein als nur dabei.“

Kwasniok: „Nicht in Ordnung, wenn wir uns etwas in die Tasche lügen“

Gegen den FC St. Pauli wirkte der VfB wie entfesselt. Die Offensive zeigte sich treffsicher, während die Defensive mit Jeff Chabot, dem Nachwuchstalent Finn Jeltsch und Torhüter Alexander Nübel die Angriffe der Hanseaten erfolgreich abwehrte. Trainer Sebastian Hoeneß setzt dabei konsequent auf Kontrolle. Seine Mannschaft weist aktuell den höchsten Ballbesitzanteil der Bundesliga auf, der mit den Werten von Bayern München und Borussia Dortmund vergleichbar ist. Dennoch gilt aus Kölner Sicht wohl festzuhalten: Im Unterschied zur klaren Konstellation beim Duell mit Leipzig wirkt die Ausgangslage gegen Stuttgart offener. Schließlich hatten es die Geißböcke in dieser Saison schon in den Duellen gegen Mainz und Freiburg mit zwei Gegnern zu tun, die europäisch spielen – zumindest das Team aus dem Breisgau ist qualitativ ähnlich einzuschätzen wie der VfB.

Das Spiel könnte also auch als eine Art Fingerzeig empfunden werden, ob der FC in dieser Spielzeit tatsächlich die Qualität mitbringt, auch Gegner eben aus jener Kategorie ärgern zu können. Nach den Eindrücken aus dem bisherigen Saisonverlauf liegt ein Heimerfolg durchaus im Bereich des Möglichen. Insbesondere dann, wenn es den Kölnern gelingt, ihre Stärken auf den Platz zu bringen: „Wir sind gut und erfolgreich gestartet, aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn wir uns etwas in die Tasche lügen. Wir haben eine gute Energie, einen unfassbar guten Geist, ein tolles Herz, eine Aufopferungsbereitschaft – aber im Spiel mit dem Ball ist schon noch Luft nach oben“, erklärte Kwasniok schon im Vorfeld der Partie gegen Leipzig.

Ein Fingerzeig?

Für die Geißböcke bedeutet das Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr, abrufbar im Liveticker über come-on-fc.com) eine weitere Möglichkeit, mit genau diesen Tugenden zu überzeugen und gegen einen Gegner, der auf dem Papier überlegen scheint, erneut für eine Überraschung zu sorgen. Möglicherweise ein Fingerzeig, ob der FC in dieser Saison tatsächlich Richtung Überraschungsteam oder dann doch mittelfristig Richtung Abstiegskampf tendiert. Dass sie das Potenzial dafür besitzen, haben die Kölner in dieser Saison bereits mehrmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


Warum Eric Martel beim 1. FC Köln wieder Mr. Unverzichtbar ist

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Warum Eric Martel beim 1. FC Köln wieder Mr. Unverzichtbar ist

Ausgerechnet gegen seinen Ex-Club musste Eric Martel das erste Mal frühzeitig vom Platz. Dem Mittelfeldspieler drohte der Platzverweis. Einen adäquaten Ersatz gab es auf der Sechs für Martel ad hoc nicht beim 1. FC Köln: Eric Martel wird wieder Mr. Unverzichtbar.

Eric Martel stand am vergangenen Wochenende unmittelbar vor dem Platzverweis und wurde ausgewechselt. Nach dem Ausfall von Rav van den Berg setzte Lukas Kwasniok Tom Krauß als Linksverteidiger ein. Dieser Plan ging auf, führt eventuell jedoch zu neuen Problemen im Mittelfeld des 1. FC Köln: Eric Martel wird wieder Mr. Unverzichtbar.

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Viel hätte wohl nicht mehr gefehlt und das Spiel wäre mit einer Roten Karte zu Ende gegangen. Vielleicht hatte Eric Martel auch eine gehörige Portion Glück. Denn der Mittelfeldspieler hatte die Gelbe Karte schon lange gesehen, als er gleich zwei Mal im Mittelfeld gegen Leipziger Spieler foulte. Die Forderung von David Raum, nun auch die Ampelkarte zu zeigen, war Fehl am Platz, aber durchaus verständlich. Martel sah zwar nicht die dritte Gelb-Rote Karte seiner Karriere, das Spiel war aber dennoch frühzeitig für den 23-Jährigen beendet. Ausgerechnet im Spiel gegen seinen Ex-Club in Leipzig musste der Straubinger zum ersten Mal in dieser Spielzeit frühzeitig vom Platz. Lukas Kwasniok wollte natürlich keine Unterzahl riskieren, aber sicher auch keine Sperre seines Dauerläufers.

Eric Martel ist für den Trainer unverzichtbar

Schon vor der Saison hat der Trainer erklärt, dass Martel für ihn absolut gesetzt sei. Bis zum Leipzig-Spiel war der Sechser der einzige Feldspieler neben Jakub Kaminski, der immer auf dem Platz stand. Martel ist ein absoluter Leader in der Mannschaft, Vorbild in Sachen Wille, Kampfgeist und Leidenschaft. Martel geht dahin, wo es wehtut, scheut keinen Zweikampf. Und vielleicht tut sich daher auch genau an dieser Stelle so etwas wie eine kleine Sollbruchstelle in dem breiten Kader der Geißböcke auf. Denn zum 23-Jährigen fehlt im Grunde die Alternative. Am Samstag kam Denis Huseinbasic für den Mittelfeldspieler. Eine Rolle, die der Bosnier spielen kann. Doch der nominelle Ersatz kommt an die defensiven Qualitäten von Martel nicht heran. Der Bosnier scheint womöglich weniger geschaffen für intensive Zweikämpfe und die körperbetonten Duelle im Zentrum. Stattdessen bringt er seine Stärken im Spiel nach vorne ein, ist technisch versiert und mit einem feinen Fuß ausgestattet, aber die Rolle des Sechsers interpretiert er anders als Martel.

Mit Tom Krauß haben die Kölner im Sommer einen Backup verpflichtet. Dass der 24-Jährige die Position bekleiden kann, hat er in der vergangenen Saison beim VfL Bochum bewiesen. Doch ob Kwasniok seinen „Defensiv-Allrounder“ auf der Sechs sieht, ist eine andere Frage. Denn beim FC spielte der gebürtige Leipziger die Position noch nicht. Zudem muss der FC in den kommenden Wochen und Monaten auf zwei Defensivakteure verzichten. Während der dritte Kreuzbandriss binnen 18 Monaten für Luca Kilian einen herben langfristigen Rückschlag bedeutete, fiel auch Neuzugang Rav van den Berg nach dem Wolfsburgs-Spiel mittelfristig aus. Unter anderem diese Tatsache führte am vergangenen Wochenende zu einem durchaus überraschenden Personal-Experiment von Kwasniok. Beim Bundesligaspiel gegen RB Leipzig entschied dieser sich gegen eine positionsgetreue Kompensation von Van den Bergs Ausfall und verlegte stattdessen den gelernten Sechser Tom Krauss auf die linke Abwehrseite.

Ein gelungenes Experiment

Der Defensiv-Allrounder startete somit an der Seite von Timo Hübers in der Viererkette. Krauß war von dieser für ihn gänzlich neuen Position nicht überrumpelt: „Ich bin da sehr variabel, diese Position hatte ich auch noch nie gespielt. Ich bin froh, dass der Trainer mich aufstellt, und ich versuche, mein Bestes zu geben. Aber am Ende ist es nicht immer einfach, gegen Bakayoko zu verteidigen“, zeigte sich Krauß nach dem Spiel ehrlich. Gegen den pfeilschnellen Leipziger Flügelspieler Johan Bakayoko hatte der 24-Jährige alle Hände voll zu tun und machte seine Sache dennoch beachtlich. Auch Kwasniok zeigte mit dem Auftritt seines Schützlings zufrieden: „Tom hat es gegen Bakayoko herausragend gemacht, ihn wie erhofft auf seinen linken Fuß gelenkt mit seinem rechten. Aber dann macht Bakayoko Übersteiger und in der Box war es nicht einfach zu verteidigen.“ Unterm Strich ein gelungenes Experiment: „Ich war mit seiner Leistung echt absolut einverstanden.“

Auch, wenn der Trainer mit der Leistung einverstanden war, war die Defensive im Gesamtverbund nicht immer sattelfest. Gerade bei Standards hatten die Kölner in der Hintermannschaft einiges zu tun. In der vergangenen Saison gelang es dem 1. FC Köln, die damals wackelige und oft löchrige Defensive durch das Zurückziehen von Eric Martel in die Innenverteidigung deutlich zu stabilisieren. Diese Maßnahme erwies sich als effektiv, um auch gegen individuell stärkere und spielerisch überlegene Gegner standzuhalten. Solche Überlegungen könnten nun auch in die systemischen Gedankenspiele von Kwasniok einfließen. Der FC-Coach betont immer wieder, dass er keine feste Startelf hat, sondern seine Aufstellung an Spiel und Gegner anpasst. Es ist also gut möglich, dass er im kommenden Duell mit dem VfB Stuttgart die nächste Überraschung bereithält – idealerweise eine, die dabei hilft, die zweite Saisonniederlage zu verhindern.


Überzeugender Saisonstart: Darum wird Jan Thielmann immer wichtiger für den 1. FC Köln

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Überzeugender Saisonstart: Darum wird Jan Thielmann immer wichtiger für den 1. FC Köln

Vier Spieltage nach Saisonstart läuft bei den Geißbocken vieles richtig. Eine zentrale Rolle spielt dabei Jan Thielmann. Das Eigengewächs hat den besten Saisonstart seiner Karriere hingelegt. Und das nicht ohne Grund: Darum ist Jan Thielmann inzwischen unersetzbar beim 1. FC Köln.

Trotz der Niederlage gegen RB Leipzig am vergangenen Samstag grüßen die Kölner von Rang vier der Bundesliga Tabelle. Und ein Eigengewächs hat da seinen Anteil dran. Darum ist Jan Thielmann inzwischen unersetzbar beim 1. FC Köln.

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Jan Thielmann scheint in diesem Herbst auf dem besten Weg zu sein, die vor Saisonstart an in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen: „Wir wünschen uns, dass er mit seinem Charakter und seiner Mentalität in den kommenden Jahren mehr und mehr Verantwortung übernimmt und eine Führungsrolle in unserer Mannschaft einnimmt. Wir freuen uns sehr, dass Jan diesen Weg mit uns gehen möchte und aktiv dazu beitragen will, den FC in der Bundesliga zu stabilisieren“, hatte Kölns Sportdirektor Thomas Kessler Anfang August erklärt anlässlich der Vertragsverlängerung des FC-Eigengewächses bis 2028. Die Entwicklungen seitdem erwecken den Eindruck, dass der Spieler die für ihn vorgesehene Rolle ausfüllen kann.

Thielmann setzt erneut Ausrufezeichen

Denn die jüngsten sportlichen Entwicklungen bestätigen Kesslers Plan mit dem Eigengewächs. Mit drei Scorerpunkten nach vier Spieltagen zählt Thielmann aktuell zu den gefährlichsten Offensivspielern im Team, direkt hinter Neuzugang Marius Bülter, der bereits vier Torbeteiligungen auf dem Konto verbucht hat. Auch die jüngste Niederlage gegen Champions-League-Anwärter RB Leipzig änderte daran nichts. Für die Geißböcke war die Partie zwar eine bittere, zugleich lehrreiche Erfahrung. Thielmann setzte dennoch erneut ein starkes Ausrufezeichen. Nachdem er beim 4:1-Spektakel gegen den SC Freiburg mit Tor und Vorlage glänzte, traf er nun auch in Leipzig.

Ein mustergültig eingeleiteter Angriff über Johannesson und Martel landete beim sprintenden Thielmann, der mit seinem schwächeren linken Fuß wuchtig an RB-Keeper Peter Gulacsi vorbei ins Netz traf. „Ich weiß nur, dass ich ihn gut mit links getroffen habe. Im Endeffekt bringt mir das aber nichts, wenn wir heute null Punkte mitnehmen. Erstaunlicherweise treffe ich den Ball trotzdem mit links. Ich habe offenbar zwei Füße, der andere kann auch ein bisschen was“, kommentierte der Torschütze mit einem Schmunzeln.

Vertrauen zahlt sich aus

Sein Standing innerhalb der Mannschaft zeigt sich aber nicht allein in sportlichen Zahlen. Ein wichtiger Beleg für seine wachsende Rolle ist auch die Wahl in den Mannschaftsrat. Neben Kapitän Marvin Schwäbe und Vizekapitän Ron-Robert Zieler gehören mit Marius Bülter und Jan Thielmann zwei Offensivspieler dem Gremium an. Für den 23-Jährigen ist das ein klares Signal des Vertrauens. Dieses Vertrauen wird ihm nicht nur von Sportchef Kessler und Trainer Lukas Kwasniok ausgesprochen, sondern offensichtlich auch vonseiten der Kabine. Thielmann wird damit längst nicht mehr ausschließlich als talentierter Flügelspieler wahrgenommen, sondern zunehmend auch als Stimme und Vertreter innerhalb des Teams. Und das Vertrauen zahlt er nun mit den besten Leistungen zurück, die er je zu einem so frühen Zeitpunkt im FC Trikot auf den Platz bringen konnte.

Hinzu kommt ein wachsendes Selbstvertrauen, das in Verbindung mit spürbarer Selbstwirksamkeit gerade in der Underdog-Rolle des FC zu einem entscheidenden Mittel werden kann.

Thielmann: „Müssen realistisch bleiben“

Ergebnisse wie das aus Leipzig, das bei anderen Teamkonstellationen möglicherweise lähmend wirken würde, lassen sich gut wegstecken, davon ist Thielmann überzeugt: „Wir ziehen trotzdem positive Schlüsse. Wir haben meiner Meinung nach ein ordentliches Spiel gemacht hier in Leipzig. Jetzt schauen wir, dass wir in den nächsten Wochen die positiven Dinge mitnehmen und wieder in den Punktekorridor kommen.“ Der Reality-Check durch die Roten Bullen habe dem FC auch gutgetan, um den ersten unrealistischen, wenngleich in der Regel auch scherzhaft gemeinten Hirngespinsten vom europäischen Geschäft frühzeitig etwas Vernunft einzuhauchen. „Wir haben ja nicht gegen niemanden gespielt, sondern gegen Leipzig, die normalerweise Champions-League-Anwärter sind. Deswegen müssen wir realistisch bleiben.”


1:3 in Leipzig: Der 1. FC Köln kassiert seine erste Saison-Niederlage

Der FC verkaufte sich teuer RB Leipzig, konnte die Niederlage aber nicht verhindern. Foto: Maja Hitij/Getty Images
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1:3 in Leipzig: Der 1. FC Köln kassiert seine erste Saison-Niederlage

Am 4. Spieltag der Bundesliga kassiert der FC seine erste Saison-Niederlage. Der 1. FC Köln verliert in Leipzig 1:3. Phasenweise wehrten sich die Kölner gegen quirlige Sachsen stark, das reichte am Ende aber nicht.


Lukas Kwasniok hat mit den Geißböcken die erste Niederlage einstecken müssen. Der 1. FC Köln verliert in Leipzig verdient mit 1:3. Die frühe Führung der Gastgeber durch Assan Ouédraogo glich Jan Thielmann noch aus. Doch noch vor dem Wechsel trafen Romulo und David Raum.

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Im Vergleich zum packenden 3:3 gegen Wolfsburg stellte FC-Trainer Lukas Kwasniok seine Mannschaft auf zwei Positionen um. Rav van den Berg fällt mit einer Schulterverletzung wochenlang aus. Zudem entschied sich Kwasniok überraschenderweise dazu, den Neuzugang Alessio Castro-Montes für das Spiel gegen die Sachsen nicht zu berücksichtigen. Dafür rückte Linton Maina wieder in den Kader und nahm zunächst auf der Bank Platz. Der Ex-Leipziger Tom Krauss begann für Kristoffer Lund. Isak Johannesson rotierte in die Startformation und spielte an der Seite von Eric Martel vor der Kölner Dreier- bzw. Viererkette.

Im Vorfeld des Spiels mahnte Kwasniok: „Unsere Aufgabe wird es sein, diese hohe Intensität mitzugehen. Sonst haben wir keine Chance. Wir laufen zwar viel, aber jetzt müssen wir noch einen Zahn zulegen.“ Seine Analyse sollte sich als richtig herausstellen. Die Hausherren setzten die Geißböcke früh unter Druck, doch ihre Angriffsversuche blieben zunächst ohne Folgen. In der 9. Minute marschierte der Leipziger Assan Ouedraogo nach vorne, legte den Ball allerdings quer, anstatt selbst den Abschluss zu suchen. Leipzig dominierte weite Teile des Spiels, war in der Anfangsphase aber nur nach Eckbällen wirklich gefährlich. David Raum schlug eine Ecke von links in den Rückraum, wo der RB-Stürmer Romulo stand. Dessen Abschluss konnte Marvin Schwäbe noch anspruchsvoll parieren, doch Ouedraogo bekam den Ball und musste nur noch zum 1:0 abstauben (13.). 

Leipzig mit dem Doppelschlag zum kritischen Zeitpunkt

Nach dem frühen Rückstand steckte Kwasnioks Elf allerdings nicht auf und suchte fleißig nach Antworten. Gegen die kompakte Abwehr von RB Leipzig dauerte es bis zur 20. Spielminute, ehe die Geißböcke ernsthafte Gefahr ausstrahlten. Luca Waldschmidt zwang Gulacsi im Tor von RB Leipzig mit einem flachen Distanzschuss aus 20 Metern zur Parade. Gleich im Anschluss zappelte der Ball dann doch im Netz der Leipziger. Erik Martel steckte auf Jan Thielmann durch, der den Leipzigern Baku und Lukeba entwischte und den Ball ins lange Eck schob (23.).

Unbeirrt vom Ausgleich gaben die Hausherren weiter Gas. Marvin Schwäbe sorgte in der 26. Minute für Spannung, als er aus dem Tor kam und am Ball vorbeirutschte. Die Hausherren konnten Schwäbes Ausflug aber nicht ausnutzen. Insgesamt bot sich zu diesem Zeitpunkt ein sehr ausgeglichenes Spiel in der RB-Arena. So wirbelte Sebastian Sebulonsen häufig über die rechte Außenbahn und überzeugte mit gefährlichen Hereingaben in den Leipziger Strafraum. In der 37. Minute hatten die Hausherren alle Mühe, seine Flanke zu klären – es blieb aber beim 1:1.

In der Schlussphase der ersten Hälfte dann hatte Leipzig wieder den Hut auf. Johan Bakayoko fand über rechts den einlaufenden Baumgartner, der per Hacke abschloss. Schwäbe konnte wie schon beim 1:0 zunächst parieren, gegen Romulos Abstauber war der Kölner Schlussmann jedoch machtlos (44.). In der Nachspielzeit legte dann Erik Martel den Leipziger Bakayoko gut 20 Meter vor dem Tor der Geißböcke. Nationalspieler David Raum trat zum Freistoß an und verwandelte ihn ins obere rechte Eck zum zwischenzeitlichen 3:1 (45.). Raums Treffer beendete gleichzeitig auch die Ereignisreiche erste Hälfte. 

Wackere Kölner stemmen sich gegen furiosen RB-Fußball

Bereits zur Halbzeit brachte Kwasniok den FC-Youngster Said El Mala für Marius Bülter ins Spiel. Die zweite Halbzeit begann, wo die erste endete. Ein Freistoß von Raum fand RB-Stürmer Rómulo, doch Marvin Schwäbe konnte den Kopfball des Brasilianers im Nachfassen parieren. Die Roten Bullen bescherten der FC-Abwehr und Marvin Schwäbe einen geschäftigen Arbeitstag. David Raum spielte dabei eine entscheidende Rolle. Seinen Abschluss in der 54. Minute von halb links konnte Schwäbe nur nach vorne klatschen lassen, doch der Ball wurde in höchster Not geklärt. Allgemein wirkte der Kölner Schlussmann hin und wieder wackelig. In der 60. Minute zeichnete sich der Kölner Schlussmann jedoch aus, als er den Abschluss von Leipzigs Diomande mit einem blitzschnellen Reflex hielt und den FC so vor der frühen Vorentscheidung bewahrte.

In der 60. Minute zeichnete sich der Kölner Schlussmann jedoch aus, als er den Abschluss von Leipzigs Diomande mit einem blitzschnellen Reflex hielt und den FC so vor der frühen Vorentscheidung bewahrte. Unmittelbar danach konnte der eingewechselte Ragnar Ache eine 100-prozentige Chance zum Anschlusstreffer nicht nutzen. Der Stürmer konnte eine scharfe, flache Hereingabe von Sebulonsen aus nächster Nähe nicht verwerten. Die Einwechslungen von Ache und Maina machten sich bezahlt, denn der FC war wieder besser in der Partie. Chancen von El Mala (67.) und Sebulonsen (69.) zeugten vom unbedingten Willen der Geißböcke, noch etwas aus Leipzig mitzunehmen. Durch die verstärkten offensiven Bemühungen der Kölner taten sich Räume für die Hausherren auf, die sich im Eiltempo durch die Kölner Ketten kombinierten.

Nach Kontern über die Außen konnten aber weder Bakayoko (74.) noch Baku (79.) den Ball im Tor der Kölner unterbringen. In der Schlussphase lief beim FC viel über Linton Maina und den quirligen El Mala, doch ihre Bemühungen prallten meist an der gut sortierten Leipziger Defensive ab. Der Offensivabteilung des FC fehlten die Ideen. Leipzig verlegte sich in den letzten Minuten der Partie aufs Kontern. Romulo hatte per Hacke noch die Chance, das Ergebnis auf 4:1 zu stellen, scheiterte aber an Schwäbe (90.). Am Ende stand die eindeutige, aber unterm Strich wohl auch verdiente erste Saisonniederlage der Geißböcke gegen RB Leipzig.

1. FC Köln: Schwäbe – Schmied, Hübers – Sebulonsen (Kainz 72.), Martel (Huseinbasic 59.), Krauss – Thielmann (Maina 59.), Kaminski, Johannesson – Waldschmidt (Ache 59.), Bülter (El Mala 46.); Tore: Ouedraogo (13.); Thielmann (23.); Romulo (44.); Raum (45.)