Thijs Dallinga wird dem FC wohl Monate fehlen, Ragnar Ache wahrscheinlich Wochen. Der 1. FC Kรถln hat beim Testspiel gegen Viktoria Kรถln einen hohen Preis bezahlen mรผssen. Der Nutzen der Begegnung ist auf der anderen Seite mehr als รผberschaubar. Das ist nicht alleine Schuld des Clubs, nur รคndert das nichts an der Kosten/Nutzen-Abwรคgung. Dieser Preis ist viel zu hoch fรผr den 1. FC Kรถln: Ein Kommentar zum Testspiel gegen Viktoria Kรถln.
Das Testspiel gegen Viktoria Kรถln war lange geplant, kam nicht รผberraschend. Die Freundschaftsbegegnungen stehen auf jedem Kalender der Bundesligisten, sie gehรถren zu den Lรคnderspielpausen dazu, sind auch sinnvoll und daher auch keine Grundlage einer grundsรคtzlichen Diskussion. Wenn aber der Zweck verfehlt wird, fรคllt die Wahrnehmung anders aus – erst recht, wenn es zu einer schweren Verletzung mit langer Ausfallzeit kommt.

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Ein ganz wichtiger Aspekt vorweg: Eine schwere Kreuzbandverletzung ist in erster Linie bitteres Pech, das kann der Autor aus eigener und mehrfacher Erfahrung sagen. Es hat – wenn auch unverschuldet – selten etwas mit falscher Belastungssteuerung zu tun, schon mal gar nichts mit einem Testspiel. Ein Spieler wie Thijs Dallinga kann sich beim Training genauso gut verletzen wie beim Kicken mit den eigenen Kindern. Doch der FC muss gerade einen besonders hohen Preis bezahlen. Und die Frage ist wofรผr. Testspiele gehรถren zum Alltag eines Bundesligisten dazu – seit jeher. รber den Sinn gibt es eigentlich auch keine grรถรeren Diskussionen. Warum auch? Die Argumente pro Begegnungs-Probelauf liegen auf der Hand und sind absolut logisch und verstรคndlich. Die Verletzungen von Thijs Dallinga und Ragnar Ache machen aus dem Test bei der Viktoria also nicht grundsรคtzlich einen รผberflรผssigen.
Viele Zwecke, wenige erfรผllt
In der Sportwissenschaft gibt es zahlreiche Zwecke, die ein Testspiel erfรผllen soll. Fรผr den Trainer geht es zum Beispiel darum, an den taktischen Systemen zu arbeiten, Fehler zu erkennen und Schwรคchen abzustellen, Spieler aus der zweiten Garde oder dem Nachwuchs zu sichten, ihnen eine Chance zu geben. Die Spieler wiederum kรถnnen sich fรผr mehr bewerben, Wettkampfminuten sammeln und im Spielrhythmus bleiben. Nach dem Duell gegen die Viktoria am Samstagnachmittag stellt sich aber durchaus die Frage, welche dieser Zwecke denn auch erfรผllt wurden. Bekanntlich befinden sich gleich neun FC-Profis auf Reisen mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften, darunter mindestens fรผnf Stammspieler. Bemerkenswert: Durch die zusรคtzliche Verletzung von Alessio Castro-Montes fehlt den Kรถlnern die komplette aktuelle Stamm-Hintermannschaft. Gerade die Defensive offenbarte aber zuletzt erstaunlich viele Wackler. Das Team konnte sich also nicht weiter einspielen, an bekannten Schwรคchen arbeiten.
Zwar merkte Renรฉ Wagner nach dem Spiel zu recht an, dass der FC endlich mal wieder nach einem Standard getroffen und kein Gegentor nach eben jenem bekommen habe, die Wahrheit ist aber auch, dass Marius Bรผlter diese Ecke verwertete. Ein Spieler, der zur zweiten Garde gehรถrte. Von dieser wiederum konnte sich kein Profi nachhaltig aufdrรคngen. Der FC wirkte in Teilen uninspiriert, manche Spieler trรคge, es fehlte die Intensitรคt, vielleicht auch ein wenig Mentalitรคt. Aufgedrรคngt hat sich keiner. Ganz sicher nicht so, dass es – abgesehen von den Stรผrmer-Verletzungen – grundsรคtzlich Wechsel fรผr die Begegnung gegen Gladbach hรคtte geben mรผssen. Wagner setzte viele U21-Spieler ein, lieร sie vorspielen, nur gehรถrt zur Wahrheit auch, dass die meisten der Akteure in den Kader gerutscht sind, weil eben ein groรer Teil der Mannschaft unterwegs ist. Die Sommervorbereitung hat zudem gezeigt, dass es die talentierten U21-Spieler trotz guter Leistungen schwer haben, einen Platz bei den Profis zu ergattern.
Wenig Ertrag, aber hohe Kosten
Bleiben noch die Spieler, die sich auf den Lรคnderspielreisen Selbstvertrauen holen kรถnnen oder sollen. Die gibt es mit Mikey Moore und Said El Mala, die beide mit Erfolgserlebnissen heimkehren. Zwei Spieler, die aktuell ohnehin einen groรen Hype erfahren und um ihre Plรคtze nicht fรผrchten mรผssen. Gideon Mensah kommt aus einem Chaos von angeblich fehlenden Prรคmien, einer Trainer-Entlassung und einem abgesagten Spiel heim, Luka Lochoshvili mit einem Zรคhler aus drei Spielen, Rav van den Berg und Jahmai Simpson-Pusey mit zwei Spielen ร 90 Minuten auf der Bank – so wirklich glรผcklich lief die Lรคnderspielpause fรผr diese Kรถlner Profis also auch nicht. Natรผrlich ist auch die Erkenntnis eine Erkenntnis, dass sich aus der zweiten Reihe niemand nachhaltig aufdrรคngen konnte. Reservisten sammelten Spielpraxis, Nachwuchsspieler durften sich zeigen und Wagner bekam Eindrรผcke, die ihm im Trainingsalltag mรถglicherweise verborgen geblieben wรคren.
Nur fรคllt dieser Ertrag angesichts der Voraussetzungen รผberschaubar aus. Und genau deshalb wirkt die Bilanz dieses Samstagnachmittags so bitter. Fรผr manche der nicht erfรผllten Zwecke, wie die Leistung am Samstagnachmittag gegen einen Drittligisten, ist der FC selbst verantwortlich, fรผr die meisten kann der Club rein gar nichts. Und doch zeigt das einfache Abwรคgen zwischen Kosten und Nutzen dieses Testspiels, ein unfassbares Unverhรคltnis.
Thijs Dallinga wird dem FC lange fehlen, Ragnar Ache vermutlich fรผr einige Wochen. Diese Lรผcken aufzufรผllen wird fรผr die kommenden Wochen schwer genug. Die Vorbereitung auf das fรผr ihn so wichtige Derby ist fรผr Renรฉ Wagner schon alles andere als optimal verlaufen, nun muss sich der Coach neue Ideen aus dem รrmel zaubern, wie er das System auf eins ohne klassischen Zielstรผrmer umstellen kann. So bleibt bei eben der Rechnung Kosten und Nutzen nur ein einziges Ergebnis: Unter diesen Voraussetzungen und mit dieser Leistung hat der Test seinen eigentlichen Zweck fรผr den FC weitgehend verfehlt. Der Preis, den die Kรถlner dafรผr nun bezahlen, steht dazu in einem geradezu absurden Verhรคltnis.
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