„Genau das brauchen wir gerade“ – Marvin Schwäbe äußert sich über den neuen Coach René Wagner
Simon Bartsch
Eine Woche ist der neue Coach René Wagner nun im Amt. Die Mannschaft steht hinter dem Ex-Co-Trainer und sieht durchaus positive Effekte durch die bisherigen gemeinsamen Erfahrungen beim 1. FC Köln: Das sagt Marvin Schwäbe zum neuen Trainer.
Sieben Spiele bleiben den Geißböcken samt neuem Trainerstab noch bis zum Saisonende. Genug Zeit, den Klassenkampf zu gewinnen – wenn denn die Ergebnisse stimmen und auch Punkt eingefahren werden. FC-Keeper Marvin Schwäbe äußerte sich im vereinseigenen Interview optimistisch.
Marvin Schwäbe vom 1. FC Köln (Foto: Lars Baron / Getty Images)
Wenn Florian Kainz im kommenden Sommer seine Karriere wie angekündigt beendet, dann ist Marvin Schwäbe gemeinsam mit Timo Hübers nach Jan Thielmann der dienstälteste Spieler der Geißböcke. Seit 2021 ist der Keeper mittlerweile beim FC und erlebt in dieser Zeit nun mit René Wagner seinen sechsten Coach und damit den fünften Trainerwechsel. Und doch ist es dieses Mal anders für den Kölner Kapitän, vor allem der Weg der Informationskette. „In der Vergangenheit hat man davon auch mal über die Medien erfahren. Ich finde, Kess hat das sehr gut geregelt. Er hat uns am Sonntag eine Nachricht geschickt, dass René als Cheftrainer übernehmen wird“, sagt Schwäbe nun im Interview bei fc.de. Nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach hatte der FC reagiert und Lukas Kwasniok frei- und René Wagner als dessen Nachfolger vorgestellt.
Volle Rückendeckung für den neuen Coach
Gerade, dass mit dem 37-Jährige der bisherige Co-Trainer befördert wurde, hatte einige Kölner Fans irritiert. Der ganz große Impuls bleibe doch so aus, so die Meinung einiger Anhänger. „René ist schon länger bei uns, er kennt uns Spieler gut. Das gestaltet den Übergang sicher einfacher. Er weiß, wie wir ticken und wo er anzupacken hat“, sagt Schwäbe. „Ich glaube aber, dass es nur positiv sein kann, dass er uns bereits gut kennt. Das wird uns helfen, gerade weil wir gut gespielt haben, aber zuletzt nicht die passenden Ergebnisse eingefahren haben. In den ersten Tagen als Cheftrainer hat René einen sehr unaufgeregten und kommunikativen Eindruck hinterlassen.“ Das werde in der aktuellen Situation helfen. Wagner war im vergangenen Sommer von Union Berlin ans Geißbockheim zurückgekehrt.
Auch, weil Thomas Kessler den gebürtigen Dresdener im Team haben wollte und ihn dem Vernehmen nach mittelfristig als Cheftrainer sah. Das ist nun schneller gegangen als zunächst angenommen. „Er bringt ein enormes Fußballverständnis mit, ansonsten wäre er nicht in dieser Position. Er ist ein unaufgeregter und positiver Charakter und weiß, dass er die volle Rückendeckung von uns hat“, sagt Schwäbe. Wagner könne sich auf die Unterstützung durch das Team verlassen. Mit dem Team wurden nun einige Dinge aufgearbeitet, Videos analysiert. Am ganz großen Rad wurde bislang noch nicht gedreht. Die Leistungen haben oft gestimmt. „Jetzt geht es darum, vor dem Tor effizienter zu sein. Im Übergangsspiel vor dem letzten Drittel hatten wir zuletzt ein paar Probleme.“ Auch auf die Grundtugenden werde es ankommen.
„Wir sind eine Einheit auf dem Platz“
Tatsächlich spricht der Torhüter auch indirekt ein Problem an, dass unter Lukas Kwasniok für Kritik sorgte: Die Rotation in der Mannschaft. Allerdings bezieht sich der Keeper auf die zahlreichen Verletzungen, die sich wie ein roter Faden durch die Saison ziehen. „Man kennt sich zwar gut, aber es ist nochmal etwas anderes, wenn man jede Woche in einer anderen Konstellation zusammenspielen muss. Ob es Abstimmungen oder verschiedene Spielsituationen sind, wird es einfacher, wenn es ein gewisses Grundkonstrukt gibt“, sagt Schwäbe. Innerhalb der Mannschaft habe es aber nie größere Unstimmigkeiten gegeben. Das Team würde nichts aufeinander kommen lassen. “ Das wird uns tragen. Wir sind eine Einheit auf dem Platz“, sagt Schwäbe. Und die soll den Klassenerhalt mit dem neuen Coach René Wagner in trockene Tücher bringen.
Form, Restprogramm und Chancen der Abstiegskandidaten: Das spricht für den FC, das dagegen
Simon Bartsch
Sieben Spieltage vor dem Saisonende hat der FC noch einmal den Trainer gewechselt, um einen positiven Impuls zu setzen. Aktuell belegt Köln Rang 15. Nach wie vor liegt also alles in den Händen des FC. Der 1. FC Köln und die Konkurrenz im großen Abstiegscheck.
Zwei Punkte trennen den FC vom Relegationsrang. Das Polster ist klein, die Ausgangslage aber noch akzeptabel. Es müssen nur Punkte her. Und die Konkurrenz muss ebenfalls Zähler einfahren. Das wird nicht unbedingt einfach.
Form: Nachdem Urs Fischer das Team übernommen hat, ist es kaum wiederzuerkennen. Sechs Zähler sammelten die Rheinhessen an den ersten 13 Spieltagen. Seit Fischer da ist, waren es 18. Mainz hat sich auf den elften Platz hoch gearbeitet. Auch, weil die Defensive besser steht. So hat der Schweizer den Gegentor-Schnitt von 1,8 auf 1,3 mit seiner Mannschaft drücken können. Von den vergangenen fünf Spielen verlor Mainz keins und holte gute neun Punkte.
Restprogramm: Das Team von Urs Fischer hat nur noch zwei Top-Teams der Liga vor der Brust. Am Wochenende steht das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim an, Ende April erwartet der FSV noch die Bayern. Es gibt aber auch noch direkte Duelle mit Gladbach, St. Pauli und Heidenheim.
Chancen: Die Ausgangslage ist für die Rheinhessen mittlerweile eine sehr gute. Mit den 30 Zählern steht Mainz mit einem Bein auch für die kommende Spielzeit in Liga eins. Zudem können die 05er Abstiegskampf – zumindest sind die Mainzer in all den Jahren nur einmal abgestiegen. Das dürfte auch in diesem Jahr so bleiben.
12. Hamburger SV 30 Punkte
Form: Nach einem kurzen Zwischensprint lief es zuletzt nicht mehr ganz so rund für die Rothosen. Aus den vergangenen sechs Spielen holte das Team von Merlin Polzin nur noch einen Sieg – den im direkten Duell gegen Wolfsburg. Mit 30 Zählern ist der HSV allerdings auch schon so gut wie durch.
Restprogramm: Obwohl die Ausgangslage eine gute ist, ist der HSV alles andere als durch. Denn das Restprogramm hat es durchaus in sich. Zum einen, weil Hamburg noch vier Mal in der Fremde ran muss. Zum anderen stehen noch Begegnungen gegen einige Topteams wie Leverkusen, Stuttgart und Hoffenheim an. Als direktes Duell gibt es noch den Leckerbissen gegen Bremen – das Nordderby.
Chancen: Zwar hat es auch der HSV locker in den eigenen Händen, allerdings könnte tatsächlich das Saisonfinale mit den Spielen gegen die Top-sechs noch zum Faktor werden. Der HSV rutscht noch einmal rein, aber die Klasse wird dennoch gehalten.
13. Borussia Mönchengladbach 29 Punkte
Form: Die Situation ist kompliziert, kann man wohl sagen. Zwar haben die Fohlen aus den vergangenen fünf Spielen ordentliche sieben Punkte geholt. Allerdings hat die Borussia von den vergangenen elf Partien auch nur zwei Spiele gewonnen. Zu allem Gladbacher Überfluss leidet Topscorer Haris Tabakovic aktuell unter Ladehemmungen. In den vergangenen fünf Spielen traf der Stürmer nicht.
Restprogramm: Das ist auch für die Borussia alles andere als einfach. Zwar hat die Mannschaft von Eugen Polanski noch vier Heimspiele vor der Brust. Und doch könnten die Partien in der Fremde das Zünglein an der Waage sein. Denn Gladbach hat von den letzten acht Auswärtsspielen nicht eins gewonnen. Zudem stehen auch noch einige schwere Spiele an. Unter anderem gegen den BVB, Heidenheim und Leipzig. Es gibt aber auch noch zwei direkte Duelle gegen die beiden Kellerkinder Heidenheim und Wolfsburg.
Chancen: Mit einem Erfolg gegen Heidenheim im Heimspiel am kommenden Wochenende könnten die Fohlen schon ziemlich viel in trockene Tücher bringen. Bei einer Niederlage würde Gladbach dann aber noch einmal ein wenig unter Druck geraten.
14. Werder Bremen 28 Punkte
Form: Nach kleineren Startschwierigkeiten hat Daniel Thioune den Zündschlüssel in Bremen gefunden. Von den vergangenen vier Spielen hat Werder drei Begegnungen gewonnen und ist damit auf Rang 14 geklettert. Mit neun Zählern aus den vergangenen fünf Spielen belegt Werder den sechsten Platz der Formtabelle. Allerdings hat sich ein Kernproblem noch nicht verändert. Bremen benötigt die meisten Versuche, um ein Tor zu erzielen.
Restprogramm: Das hat es so richtig in sich. Zwar stehen noch die direkten Duelle gegen Köln und Hamburg an, doch das Team von Daniel Thioune trifft auch noch auf vier Mannschaften aus der Top-Sechs. Zu Hause stehen noch die Spiele gegen Dortmund und Leipzig an, auswärts geht es gegen Stuttgart und Hoffenheim.
Chancen: Werder befindet sich aktuell in guter Verfassung, hat sich aus der größten Not herausgespielt. Doch auf der Zielgeraden warten noch Stuttgart, Hoffenheim und am letzten Spieltag Dortmund. Bremen sollte also alles daran setzen, den Klassenerhalt in den kommenden Wochen in trockene Tücher zu bringen. Nicht aus Sicht der Kölner Anhänger. Denn in zwei Wochen wird das Spiel gegen den FC angepfiffen.
15. 1. FC Köln 26 Punkte
Form: Die Form ist bekannt – sie ist schlecht. Kein Sieg in den vergangenen sieben Spielen, zwei Erfolge in den jüngsten 18 und in dieser Phase zwölf Punkte. Beim FC hofft man natürlich auf einen Trainereffekt durch die Beförderung von René Wagner. Allerdings zeigen Studien, dass sich jene Effekte in Grenzen halten. Immerhin: Wenn es eine Auswirkung gibt, dann meist eine kurzfristige – und genau die braucht es in Köln.
Restprogramm: Da können sich die Geißböcke eigentlich nicht beschweren. Denn im Vergleich zu einigen Konkurrenten ist das auf dem Papier nicht das Allerschwerste. Allerdings steht am letzten Spieltag noch das Auswärtsspiel gegen die Bayern an. Bis dahin sollte der FC also nach aller Möglichkeit durch sein. Zwar steht mit Leverkusen noch ein weiteres Topspiel an, doch die Geißböcke haben auch noch drei Partien gegen die direkte Konkurrenz (St. Pauli, Bremen und Heidenheim).
Chancen: Wenn René Wagner die richtigen Stellschrauben findet, kann es für den FC gut ausgehen. Immerhin stehen die Geißböcke noch über dem Strich. Allerdings sind dafür auch einige Siege unerlässlich und daran haperte es bekanntlich zuletzt. Mit drei direkten Duellen vor der Brust ist alles möglich.
16. St. Pauli 24 Punkte
Form: Nach der kleinen Hochphase mit drei Siegen in vier Spielen im Februar, unter anderem mit Stuttgart und Hoffenheim, fehlten zuletzt wieder die Siege. Im März folgte nur ein Zähler. Immerhin zeigt sich die Defensive der Kiezkicker sehr stabil. In den vergangenen fünf Spielen gab es insgesamt nur fünf Gegentore. Mit sieben Punkten aus den vergangenen fünf Partien steht Pauli aber noch immer recht ordentlich in der Formtabelle da.
Restprogramm: Das Millerntor zeigte sich in den vergangenen Wochen als wahre Festung. Von den vergangenen sieben Heimspielen ging nur das letzte verloren. Da passt es für die Kiezkicker, dass noch vier Partien vor dem eigenen Publikum ausgetragen werden. Zudem stehen mit Mainz, Heidenheim, Köln und Wolfsburg noch vier direkte Duelle an. Allerdings trifft St. Pauli noch auf die Bayern und auf Leipzig.
Chancen: Über eine lange Phase zeigte sich St. Pauli sehr stabil und auf einem guten Weg, die Abstiegsplätze zu verlassen. Zuletzt stimmten die Ergebnisse nicht mehr. Dennoch spricht das Restprogramm dafür, dass Pauli mindestens den Relegationsplatz halten kann. Am letzten Spieltag könnte es zum Endspiel mit Wolfsburg kommen.
17. VfL Wolfsburg 21 Punkte
Form: Dass ein Trainerwechsel nicht immer die erhoffte Wirkung hat, zeigt der VfL Wolfsburg. Mit Paul Simonis und Daniel Bauer wurden bereits zwei Trainer bei den Niedersachsen entlassen. Der Erfolg ist bislang überschaubar. In der Formtabelle belegen die Wölfe mit nur einem Pünktchen den letzten Platz, in der gesamten Rückrunde gab es noch keinen Sieg, erst drei Unentschieden.
Restprogramm: In den verbleibenden sieben Spielen stehen noch fünf gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte an – unter anderem gegen Bayern, Frankfurt und Leverkusen. Die direkten Duelle gegen St. Pauli und Gladbach werden also absolute Pflichtaufgaben.
Chancen: Wolfsburg steuert dem ersten Abstieg der Vereins-Geschichte entgegen. Zumal nun erst einmal die Partien gegen Leverkusen und Frankfurt anstehen. Kein leichter Auftakt in das Saisonfinale. Sollten beide Partien verloren gehen, ist auch der Effekt des letzten Trainerwechsels zu Dieter Hecking wirkungslos verpufft. Für die Wölfe wird es also sehr eng.
18. 1. FC Heidenheim 15 Punkte
Form: Seit 14 Begegnungen wartet das Tabellenschlusslicht mittlerweile auf einen Sieg. Damit ist Heidenheim das einzige Team der Liga, das in diesem Jahr noch keinen Dreier eingefahren hat. Immerhin luchste die Mannschaft von Frank Schmitt den Schwergewichten Leverkusen und Stuttgart zuletzt jeweils einen Punkt ab.
Restprogramm: Nicht mehr viel spricht für den Klassenerhalt der Heidenheimer. Ein kleiner Vorteil liegt im Saisonfinale. Das Tabellenschlusslicht spielt nur noch gegen eine Mannschaft aus der Top-Sechs (Bayern), hat dafür aber vier Partien gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte vor der Brust.
Chancen: Und dennoch sind die Hoffnungen auf den Klassenerhalt wohl nur noch sehr geringe. Heidenheim liegt mittlerweile neun Punkte hinter dem Relegationsplatz. Für eine Mannschaft, die seit 14 Spielen auf einen Sieg wartet, fehlt die Fantasie, wie der Rückstand aufgeholt werden kann. Seit dem 2. Spieltag belegt die Mannschaft von der Ostalb durchgehend einen der letzten drei Tabellenplätze.
Die WM-Hoffnung lebt: Diese Chancen dürfen sich die FC-Profis noch ausrechnen
Simon Bartsch
Den Wunsch auf das Endturnier haben noch einige Akteure der Geißböcke, eine realistische Chance aber wohl nur wenige. Vielmehr: Nur ein Profi des 1. FC Köln darf aktuell wohl noch auf die WM hoffen.
Am Dienstag spielt Jakub Kaminski mit Polen gegen Schweden um das WM-Ticket und stände dann wohl auch im Kader beim Endturnier. Kleinere Hoffnungen haben aber noch weitere Spieler.
Jakub Kaminski spielt für die Nationalmannschaft Polens (Foto: Rafal Oleksiewicz/Getty Images)
Said El Mala: Der Youngster war im vergangenen Jahr erstmals für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert. Allerdings blieb der Kölner beim Spiel in Luxemburg ohne Einsatzminute und wurde im Anschluss zur U21 geschickt. Auch aktuell ist der Offensivspieler wieder mit dem Nachwuchs unterwegs. Und das ist durchaus als Fingerzeig zu verstehen. Zum einen sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann vor einigen Wochen, dass der aktuelle Kader viel von der Zusammenstellung der WM haben werde. Zudem wurde für Offensivspieler Jamie Leweling kein Akteur nachnominiert. El Mala kann sich noch beim FC beweisen und Bewerbungen abgeben. Theoretisch ist also noch etwas möglich, wahrscheinlich scheint das Unterfangen WM aber nicht mehr unbedingt.
Stammspieler bei Finalteilnehmer
Jakub Kaminski: Der Pole ist der Spieler im FC-Kader, der seinen Platz bei der WM sicher hätte. Kaminski gehört nicht nur beim FC zum Stammpersonal. Genau wie in Köln, gehört der 23-Jährige auch bei der polnischen Nationalmannschaft zum Kreis der Leistungsträger und begann sieben der neun WM-Qualifikationsspiele von Beginn an. Allerdings steht aktuell noch nicht fest, ob Polen überhaupt bei der WM dabei ist. Das Team von Trainer Jan Urban befindet sich noch in den Play-offs und trifft dort im Endspiel am Dienstag auf Schweden. Schafft Polen die Qualifikation, wird Kaminski sicher zum WM-Kader gehören und eine wichtige Rolle spielen.
Sebastian Sebulonsen: Der Norweger zeigte seit seiner Ankunft am Geißbockheim eine gute Entwicklung und etablierte sich sofort als fester Bestandteil der ersten Elf. Durch seine positiven Leistungen wurde der 26-Jährige im Oktober erstmals zur norwegischen Nationalmannschaft eingeladen und feierte gegen Neuseeland sogar sein Debüt. Im Spiel gegen Hoffenheim zog sich der Rechtsverteidiger eine Muskelverletzung zu und verpasste dadurch die Spiele gegen Augsburg und Dortmund. Für die aktuellen Spiele ist Sebulonsen nicht nominiert. Da die Konkurrenz bei den Skandinaviern groß ist, sind die Chancen nicht die besten.
Kristoffer Lund: Für den Linksverteidiger wäre die WM besonders interessant, da es sich für Lund um eine Heim-Weltmeisterschaft handelt. Der US-Amerikaner ist beim FC eigentlich ohne Konkurrenz und sammelt Woche für Woche seine Spielminuten. Dass Lund eine Chance auf die WM hat, ist aktuell jedoch nicht in Sicht. So kam der Linksfuß zwar bereits siebenmal für die USA zum Einsatz, darunter auch dreimal unter dem aktuellen Trainer Mauricio Pochettino, wartet jedoch seit seinem letzten Spiel im Oktober 2024 auf eine Nominierung. Allerdings sagte der Linksverteidiger erst jüngst, dass er die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe.
Gibt es noch eine Überraschung?
Cenk Özkacar: Der Innenverteidiger entwickelte sich im neuen Jahr positiv und gehörte meist sogar zur Startformation der Kölner. Nachdem dem Türken in der Hinrunde ein paar kleine Fehler passiert waren, blieb der 25-Jährige seit der Winterpause makellos und strahlte darüber hinaus eine gewisse Ruhe und Stabilität aus. Genau wie seine Zukunft in Köln ist auch der Sommer von Özkacar aktuell noch offen. So könnte der neunmalige türkische Nationalspieler, der seinen letzten Einsatz für sein Heimatland im Juni 2024 gesammelt hatte, mit den Türken zur WM fahren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die Türkei gegen den Kosovo für das Turnier qualifiziert. Allerdings ist ein WM-Ticket bei Özkacar trotz Leistungssteigerung aktuell unwahrscheinlich. Denn die Konkurrenz ist auch hier groß.
Weitere Kandidaten: Keine Rolle spielte zuletzt Denis Huseinbasic in der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina. Das hat allerdings nicht nur, aber auch Leistungsgründe. Da der Mittelfeldspieler aktuell beim FC über die Rolle des Jokers nicht hinauskommt, ist es unwahrscheinlich, dass er sich zurück in die Nationalmannschaft spielt. Bosnien müsste sich im Playoff-Endspiel ohnehin gegen Italien durchsetzen. Möglicherweise liebäugelt auch Jusuf Gazibegovic noch mit der WM. Zu Beginn der Saison wäre wohl auch eine Teilnahme von Joel Schmied nicht ausgeschlossen gewesen. Der Innenverteidiger zeigte beim FC konstant gute Leistungen. Durch die immer wieder auftauchenden Verletzungen ist die Chance aber eher eine kleine geworden – eine sehr kleine.
„Sind auf einem guten Weg“: U21-Coach Sbonias betont das Positive nach Last-Minute-K.O. in Siegen
Daniel Mertens
Es war ein frustrierender Abend für die U21 des 1. FC Köln im Leimbachstadion: Die FC-Reserve hätte sich für einen fußballerisch starken Auftritt auf schwerem Geläuf mindestens mit einem Punkt belohnen müssen, kassierte am Ende aber zum dritten Mal in 2026 einen Treffer in letzter Sekunde und stand so mit leeren Händen da.
Trainer Evangelos Sbonias legte den Fokus hinterher auf die positiven Aspekte des Abends. Denn auch diese gab es gegen die Siegener.
Die U21 des 1. FC Köln kommt nach der Winterpause von den Ergebnissen her nicht richtig in Tritt. Die FC-Talente haben bereits neun Spiele absolviert – und davon gerade einmal zwei gewinnen können. Zwei weitere Spiele endeten unentschieden, gleich fünf gingen jedoch verloren. In der Rückrunden-Tabelle steht die U21 sogar nur knapp über der Abstiegszone. Trainer Evangelos Sbonias richtete den Fokus jedoch kurz nach dem Abpfiff im Leimbachstadion weg von den nackten Ergebnissen und hin zu den fußballerischen Leistungen seiner Mannschaft. Und damit hatte der Coach auf jeden Fall auch einen validen Punkt, denn seine Schützlinge zeigten auf dem schwer zu bespielenden Rasen in Siegen starke fußballerische Ansätze und hätten sich eigentlich mit dem Siegtreffer belohnen müssen.
“Vielleicht wollen die Jungs am Ende zu viel“
Stattdessen kam jedoch – wie schon in Wuppertal – der Gegner in der Nachspielzeit zum Siegtreffer. „Vielleicht wollen die Jungs am Ende zu viel, weil sie so viel investiert haben“, überlegte der Coach kurz nach dem Schlusspfiff, „dann müsste man so ein Ergebnis dann vielleicht auch einfach mitnehmen. Aber sie wollen das Spiel unbedingt ziehen. Und dann zieht es leider momentan der Gegner.“ Sbonias urteilte weiter: „Da fehlt so ein bisschen noch die Entwicklung, fehlt so ein bisschen noch der letzte Punch im letzten Drittel.“ Der Trainer betonte im gleichen Atemzug: „Man muss auch ganz ehrlich sagen, dass wir gerade auch brutal bestraft werden. Das Spielglück fehlt uns momentan auch.“
Mit Blick auf die Ergebnisse verwies der Trainer auch auf die erschwerte Kader-Situation seit der Winterpause: „Man muss sehen, dass wir jede Woche mit etwas anderem Personal spielen. Wenn man das so einordnet, dann glaube ich schon, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Da die U21 in der Tabelle seit Wochen wie zementiert auf dem achten Platz liegt ohne Perspektive nach oben und Gefahr von unten, liegt der Fokus vermehrt in der Entwicklung der eigenen Talente. Mit David Fürst, Jonathan Friemel, Fynn Schenten, Luis Stapelmann und Maik Akumu feierten zuletzt zahlreiche Spieler aus der U19 bereits ihre Debüts in der Regionalliga West. Das bedeutet aber zugleich, dass der Trainer seine erste Elf ständig neu zusammensetzen muss. In Siegen etwa änderte Sbonias sogar seine Taktik, wechselte von der Dreier- zu einer Viererkette in der Abwehr. Hinzu kommen auch immer wieder Verletzungen und Sperren.
Für die U21 geht es am Oster-Samstag mit dem Heimspiel gegen die U23 von Fortuna Düsseldorf weiter.
Diese Leihspieler muss der 1. FC Köln fest binden – wenn es die Klasse zulässt
Tim Vrastil
Sechs Leihspieler hat der FC im Laufe der Saison verpflichtet. Die meisten wussten zu überzeugen, ob sie aber beim 1. FC Köln bleiben, ist nicht klar: So steht es um die Leihspieler.
Der 1. FC Köln steht sieben Spieltage vor Saisonende auf Tabellenplatz 15 der Bundesliga und steckt mit zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt. Während nicht nur die Gegenwart sportlich Grund zur Sorge gibt, könnte ein möglicher Abstieg auch die nahe Zukunft des Kaders in großem Ausmaß beeinflussen. Gleich sechs Leihspieler haben die Geißböcke aktuell an Bord, die Zukunft nahezu aller dürfte stark vom Saisonausgang abhängen. Wer also prägt das Spiel des FC wirklich, bei wem lohnt sich eine feste Verpflichtung am meisten?
Wer wird auch in der kommenden Saison für den FC spielen?
Mit Jakub Kaminski hat der FC im Sommer einen echten Glücksgriff gelandet. Der Pole hat sich auf Anhieb in die erste Elf gespielt und überzeugt seitdem als Stammspieler und unermüdlicher Antreiber der FC-Offensive. Mit sechs Toren und drei Vorlagen ist er neben Said El Mala und Ragnar Ache einer der Topscorer des Aufsteigers und überzeugt auch bei der Arbeit gegen den Ball mit viel Einsatz und Laufbereitschaft. Nicht zuletzt durch seine starken Leistungen und vor allem der kolportierten Kaufoption von vergleichsweise günstigen 5,5 Millionen Euro ist es wohl sicher, dass die Kölner den polnischen Nationalspieler nicht fest verpflichten.
Selbst bei einem Abstieg wäre eine Verpflichtung des erst 23-Jährigen gut investiertes Geld, denn Kaminskis Marktwert wird laut transfermarkt.de aktuell auf zwölf Millionen Euro taxiert. Allerdings ist nicht vorstellbar, dass der 23-Jährige bei seinem Leistungsstand mit in die 2. Bundesliga geht.
Überraschende Stammspieler?
Auf der linken Defensivseite hat sich der 1. FC Köln im vergangenen Sommer ebenfalls leihweise verstärkt. Mit Kristoffer Lund kam vom FC Palermo aus Italiens zweiter Liga ein weiterer junger Spieler, der mit 23 Jahren noch viel Entwicklungspotenzial besitzt, sich aber wie Kaminski als Stammspieler etabliert hat – sicher auch, weil es kaum Alternativen gibt. Lund hat als linker Schienenspieler nach wettbewerbsübergreifend 27 Einsätzen mit nur einer Torvorlage noch Luft nach oben auf dem Weg nach vorne. Dennoch dürfte man bei einer Kaufoption von kolportierten 2,5 Millionen Euro nicht viel falsch machen. Der Marktwert des gebürtigen Dänen liegt laut transfermarkt.de bei vier Millionen Euro.
In der Innenverteidigung hat der 1. FC Köln in der laufenden Saison bereits einige Rückschläge hinnehmen müssen. Nach der schweren Verletzung von Abwehrchef Timo Hübers neigt sich wohl auch die Zeit des dauerverletzten Luca Kilian in Köln im Sommer dem Ende zu. Der Vertrag wird wohl nicht verlängert. Auf dem aufsteigenden Ast befindet sich immerhin der ausgeliehene Cenk Özkacar. Hatte der Türke zu Saisonbeginn noch mit Anpassungsproblemen zu kämpfen, so spielte er sich in den vergangenen Partien mehr und mehr in die Mannschaft und stand in den vergangenen acht Partien sieben Mal in der Startelf. Der 25-Jährige konnte zuletzt an der Seite von Rav van den Berg in Hamburg durchaus überzeugen und ist mit seinen 25 Jahren wie so viele Kölner noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen.
Die Kaufoption für den fünffachen Nationalspieler soll entsprechend seinem aktuellen Marktwert bei rund zwei Millionen Euro liegen. Ob die Kölner diese ziehen sollten, werden wohl seine Leistungen bis zum Saisonende und die Ligazugehörigkeit nach dem Sommer zeigen.
Komplizierte Vertragssituation
Jahmai Simpson-Pusey fehlte zuletzt aufgrund einer Rotsperre. Dennoch hat der erst 20-jährige Engländer, der von Premier-League-Topclub Manchester City nach Köln kam, bereits nach wenigen Partien sein großes Potenzial angedeutet, das man in Köln sicher gerne weiter fördern würde. Aufgrund einer zwischenzeitlichen Muskelverletzung und eben jener Sperre steht der gebürtige Huddersfielder bislang „nur“ bei acht Pflichtspielen im FC-Dress. Fakt ist, dass man mit ihm ein großes Abwehrtalent in seinen Reihen hat, das man unabhängig von der Ligazugehörigkeit wohl nur ungern ziehen lassen würde. Ob Manchester City einen Spieler wie ihn allerdings in der 2. Bundesliga „parken“ möchte, erscheint unwahrscheinlich, zumal er sicher woanders auf höherem Niveau Spielzeit sammeln könnte.
Ein wenig unter dem Radar fliegt der jüngst von Rekordmeister FC Bayern München ausgeliehene Felipe Chavez. Der erst 18-Jährige ist bereits A-Nationalspieler seines Landes Peru und gilt als großes Versprechen für die Zukunft. Dennoch wartet er bei seinem Leihclub in Köln noch auf seine erste richtige Chance. Ex-Coach Kwasniok ließ den zentralen Mittelfeldspieler noch nicht von der Leine, brachte ihn für insgesamt 19 Spielminuten. Ob er beim Saisonendspurt und im Kampf um den Klassenerhalt deutlich mehr Spielzeit bekommt, erscheint fraglich. Immerhin: Die Kölner haben sich eine Kaufoption gesichert und sollen gewillt sein, diese auch im Sommer zu ziehen. Möglicherweise kann man sich mit Chavez so ein vielversprechendes Talent für die Zukunft sichern, dass vor allem bei einem Abstieg mit deutlich mehr Spielzeit rechnen kann. Nicht von ungefähr kommt es wohl, dass sein Noch-Stammclub aus München sich eine doppelte Rückkaufoption für die Jahre 2027 und 2028 gesichert hat.
Bei Klassenerhalt sicherer Kauf
Als echte Allzweckwaffe im Kölner Team hat sich Tom Krauß nach seiner Ankunft aus Mainz herausgestellt. Der eigentlich gelernte defensive Mittelfeldspieler agierte unter Ex-Coach Lukas Kwasniok bereits als Linksverteidiger, Innenverteidiger und zuletzt zwei Mal in Folge als Rechtsverteidiger und leistete sich dabei zumindest keine groben Fehler. Die Zukunft des 24-Jährigen wird in Köln liegen – sofern der Klassenerhalt gelingt. Die benötigten Einsätze für eine feste Verpflichtung (15 Pflichtspiele) hat er bereits absolviert, beim Ligaverbleib wird er neben der Leihgebühr für 3,5 Millionen an den Effzeh gebunden. Vor allem bei einem Abgang von Eric Martel dürfte der gebürtige Leipziger im Mittelfeld ein wichtiges Puzzleteil sein, um auch in der neuen Saison konkurrenzfähig zu sein.
Der 1. FC Köln im Krisenmodus aufgrund von Verletzungen? Die Zahlen sprechen eine andere Sprache
Simon Bartsch
Wie ein roter Faden ziehen sich die Verletzungen bei den Geißböcken durch die Spielzeit. Doch die Kölner sind quantitativ im Vergleich zur Konkurrenz gar nicht so gebeutelt wie man annehmen könnte: Wie groß ist das Verletzungspech beim 1. FC Köln?
Nach wie vor fallen beim FC einige Spieler aus. Auch René Wagner wird bei seiner Teamzusammenstellung wohl improvisieren müssen. Das Verletzungspech setzt den Geißböcken zu, doch im quantitativen Vergleich gibt es Teams, die noch mehr gebeutelt sind.
Jammern wollte Lukas Kwasniok wahrlich nicht. Der Trainer kämpfte bis zuletzt um seinen Job, hielt in den letzten Tagen beim FC eine Brandrede nach der nächsten. Das anhaltende Kölner Verletzungspech machte der 44-Jährige in seiner Amtszeit bei den Geißböcken so gut wie nie zum Thema. Dabei zog es sich von Beginn an wie ein roter Faden durch die Spielzeit. Ab dem vierten Spieltag war neben dem Dauerverletzten Luca Kilian, der sich im Sommer zum dritten Mal das Kreuzband gerissen hatte, immer mindestens ein weiterer Innenverteidiger verletzt. Ab dem zwölften Spieltag waren es bis zum 23. Spieltag immer drei (!), sonst zwei. Kwasniok war alleine aufgrund der Verletzungen zu zahlreichen Rotationen gezwungen, musste oft, vielleicht zu oft, improvisieren.
Bremen und Wolfsburg am meisten gebeutelt
Von Außen wurde das Verletzungspech als einer der externen Faktoren wahrgenommen, die den FC in die Krise manövriert haben. Kein Wunder, die Kölner verloren in der Hinrunde unter anderem ihren Abwehrchef Timo Hübers, der in dieser Spielzeit auch nicht mehr zum Einsatz kommen wird. Daneben wurden auch die 50:50-Entscheidungen gegen die Kölner als Grund ausgemacht. Tatsächlich hat der FC allerdings bei weitem nicht das größte Verletzungspech in dieser Spielzeit. Die Geißböcke haben durch ihre Blessuren insgesamt 109 Spiele verpasst. Damit liegen die Kölner sogar drei Spiele unter dem Schnitt. Allerdings ist immer die Frage, welche Spieler in die Statistik mit einfließen. Malek El Mala wird zwar im Kader der Profis geführt, ist aber Teil der U21 und daher in den 109 Spielen nicht mitgezählt. Genauso sind natürlich Qualität und Rolle der ausfallenden Spieler ein entscheidender Faktor.
Dennoch: Selbst in der Abwehr ist der FC nicht Spitzenreiter. Die Bremer Hintermannschaft verpasste 109 Spiele, die des VfL Wolfsburg 95 und die Kölner 82. Überhaupt sind die beiden Kellerkinder am ärgsten gebeutelt. Wolfsburgs Spieler verpassten fast 200 Pflichtspiele verletzungsbedingt, Bremen mehr als 180. Dagegen ist der FC Augsburg diesbezüglich recht gut durch die Saison gekommen. Verletzte Fuggerstädter verpassten 60 Spiele, die vom BVB 80. Und auch bei den Langzeitverletzten liegen die Kölner im Mittelfeld. Bei den Spielern, die zehn oder mehr Begegnungen verpasst haben, kommen die Geißböcke auf vier, Bremen und Wolfsburg auf acht. Dass die Kölner gerade in der Hintermannschaft schwer gebeutelt sind, steht außer Frage. Allerdings ist das ein Schicksal, das eben nicht nur den FC ereilt hat.
Thomas Kessler und das Wagnis Wagner – Der Geschäftsführer Sport geht ins Risiko
Simon Bartsch
Am vergangenen Sonntag hat sich der FC von Lukas Kwasniok als Cheftrainer getrennt und den bisherigen Co-Trainer René Wagner befördert. Ob die Entscheidung am Ende die richtige war wird sich zeigen beim 1. FC Köln: Thomas Kessler steht vor spannenden Wochen der Entscheidung.
Nach dem Aus von Lukas Kwasniok gab sich Thomas Kessler zuletzt selbstkritisch. Der Geschäftsführer hatte sich im Sommer für eine Verpflichtung des Trainers stark gemacht. Nun gestand er sich ein, dass der Plan nicht aufgegangen sei. Mit René Wagner setzt der 40-Jährige auf einen Cheftrainer-Neuling ein und geht damit ins Risiko.
Thomas Kessler wirkte durchaus aufgeräumt, als der ehemalige Keeper der Geißböcke gewohnt sachlich am vergangenen Montag vor die Presse trat. Der Geschäftsführer erklärte noch einmal, warum er Lukas Kwasniok am Sonntagabend freigestellt hatte und wieso man glaubt, dass René Wagner der richtige Mann sei. Kessler war allerdings auch selbstkritisch. „Wir würden lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich zufrieden damit bin, dass wir uns jetzt von einem Trainer trennen mussten“, erklärte der 40-Jährige. „Natürlich werde ich mir in der Rückbetrachtung Gedanken machen, was man hätte anders machen können, damit es nicht zu diesem Punkt kommt.“ Kessler hatte sich im Sommer für eine Verpflichtung von Lukas Kwasniok stark gemacht, der 44-Jährige war die Wunschlösung. Der gemeinsame Weg ist nicht aufgegangen. „Das ist mir in dem Fall nicht geglückt.“
Erste kleine Niederlage
Man könnte also durchaus in die Trainerentlassung eine erste kleine Niederlage für Kessler interpretieren. Der Geschäftsführer hatte viel investiert, um dem Trainer eine starke Truppe auf den Rasen zu stellen. Mal abgesehen von den externen Umständen wie Verletzungen und Schiedsrichter-Entscheidungen ist das Scheitern des Coachs auch ein Stückweit in der Verantwortung der FC-Bosse. Und das, nachdem Kessler im Sommer noch als Chefkoch von den Fans gefeiert wurde. Dass der Kader der Kölner aber die Qualität zum Klassenerhalt und vielleicht sogar noch ein wenig mehr hat, sehen Vereinsverantwortliche, Fans und Experten ähnlich. Die meisten Verpflichtungen sind eingeschlagen, in der Gänze ergeben sie Sinn und gerade die jungen Spieler lassen auf eine sportliche, vor allem aber wirtschaftliche Entwicklung hoffen.
Und die Leihkonstrukte bieten zudem die Chance, jene Entwicklung der Spieler abwartend zu beobachten. Die Vertragsverlängerung von Said El Mala ist wohl der größte Transfercoup, der dem FC möglicherweise schon im kommenden Sommer eine hübsche Summe einspielen kann. Und doch steht auch Kessler nach der Trainer-Entlassung ein wenig unter Druck. Und mit der Nachbesetzung durch den Bundesliga-Cheftrainer-Novizen René Wagner gehen die Geißböcke auch ein gewisses Risiko ein. Die Kritik wächst in den Sozialen Medien. Viele, aber nicht jeder Kölner Anhänger sieht in Wagner eine Chance. Die Kommentare sind durchaus kritisch, skeptisch. Der 37-Jährige hat in der Tat sein Können noch nicht beweisen können. Und der Abstiegskampf ist da gefühlt schon ein Kopfsprung ins kalte Wasser.
Wie viele Spiele bekommt René Wagner?
Kesslers Einsatz ist hoch. Sollten die Kölner am Ende der Spielzeit absteigen, würde der Druck auf den Geschäftsführer dann doch immens steigen. Rund 25 Millionen Euro hat der Sportchef im Sommer investiert. Wie der Kader im Falle des Abstiegs aussehen würde, ist schwer zu sagen. Nur ist es kaum vorstellbar, dass Spieler wie Rav van den Berg und Said El Mala trotz Vertrag mit in die 2. Bundesliga gehen – selbst ohne Ausstiegsklausel. Das dürfte auch für den ein oder anderen Leihkandidaten gelten. Zwar könnte der FC die Kaufoption von beispielsweise Jakub Kaminski ziehen, nur soll der Vertrag dem Vernehmen nach dann über eine Ausstiegsklausel verfügen. Und Kaminski würde man keinen Gefallen damit tun, eine Liga tiefer zu spielen.
Der FC würde also ganz sicher einen weiteren dann doch größeren Umbruch angehen und vermutlich auch wieder Geld in die Hand nehmen müssen. Wie viel dafür dann reinkommt, ist ebenfalls offen. Nur dürften die Ablösen beim Absteiger dann deutlich niedriger ausfallen. Um dieses Szenario zu verhindern, ist nun der Trainer gewechselt worden. Ob René Wagner den FC in Spur bringen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Sollte das nicht der Fall sein, wäre auch ein weiterer Wechsel noch vor dem Saison-Aus ein mögliches Szenario. Nur wäre das dann auch keine Klassenerhalt-Garantie und ein weiterer Fehlgriff von Kessler.
Abwehr-Blackout nach Hegering-Blitzstart: FC-Frauen unterliegen Frankfurt knapp
Daniel Mertens
Die FC-Frauen konnten den Coup aus dem Hinspiel (1:1) gegen Eintracht Frankfurt nicht wiederholen. Das Rückspiel im Franz-Kremer-Stadion endete mit einer Niederlage. Die Frauen des 1. FC Köln unterliegen Frankfurt 1:2. Dabei hatte Marina Hegering den FC nach 75 Sekunden in Führung geköpft. Ein individueller Fehler kostete am Ende den abermals möglichen Punktgewinn.
Kölns Trainerin Britta Carlson änderte ihre Startaufstellung im Vergleich zum 2:1-Sieg in Nürnberg eine Woche zuvor auf zwei Positionen: Sara Agrez und Anna-Lena Stolze ersetzten Adriana Achcinska und Anna Gerhardt.
Celina Degen und Anna-Lena Stolze vom 1. FC Köln (Archivbild: Christof Koepsel/GettyImages)
Der Anpfiff war im Grüngürtel kaum verklungen, da ertönte auch schon das Trömmelche im Franz-Kremer-Stadion: Laura Vogt servierte eine Ecke von der linken Angriffsseite in den Sechzehner und Marina Hegering köpfte den Ball im Fünfer am ersten Pfosten ins lange Eck zum 1:0 nach 75 Sekunden (2.).
Chiba nutzt das Geschenk
Die frühe Führung spielte dem FC in die Karten und vergrößerte das Selbstbewusstsein sichtlich. Den Frankfurterinnen fehlten die Ideen, um einmal gefährlich in die Nähe des Kölner Strafraums zu kommen. Stattdessen suchten die Gastgeberinnen weiter den Weg nach vorne. Bei Pauline Bremers Flachschuss musste sich die Eintracht-Keeperin Lina Altenburg mächtig strecken, um den Ball am Pfosten vorbei zu lenken (23.).
Ansonsten bekamen die Fans im Stadion und auch die mutmaßlichen Millionen Zuschauer vor den Fernsehern der Nation – die Partie wurde auch live von der ARD-Sportschau übertragen – wenig Highlights geboten. Daran änderte sich auch nach dem Seitenwechsel zunächst nichts, sodass der Frankfurter Ausgleich aus heiterem Himmel fiel. Etonam Anyomi legte den Ball im Sechzehner zentral fast vom Elfmeterpunkt zurück zu Laura Freigang, die von der Strafraumgrenze per Schlenzer in den Winkel zum 1:1 traf (58.).
Die Kölnerinnen brachten sich danach durch einen individuellen Aussetzer selbst in Rückstand: Amelie Bohnen trat bei einer eigentlich ungefährlichen hohen Hereingabe aus dem Mittelfeld in den Sechzehner über den Ball, Remina Chiba nutzte das Geschenk und vollstreckte vom Fünfer freistehend zum 1:2 (63.). Wenig später lenkte Irina Fuchs einen vermutlich als Flanke gedachten Ball von Nadine Riesen mit den Fingerspitzen über die Latte (69.). Die Gastgeberinnen gaben in der Schlussphase zwar nicht auf und versuchten auf den Ausgleich zu spielen, fanden jedoch keine Mittel, um die Eintracht-Abwehr unter Druck zu setzen. Stattdessen liefen die Kölnerinnen in einen Konter, doch Fuchs lenkte den strammen Schuss von Rebecka Blomqvist um den Pfosten (83.).
Erst Länderspielpause, dann Hoffenheim
Für die FC-Frauen geht es erst nach der Länderspielpause am letzten April-Wochenende mit einem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim weiter. An welchem Tag genau, hat der DFB bislang noch nicht offiziell verraten.
Schon wieder ein Tor des Jahres? Ex-Eigengewächs macht Ragnar Ache harte Konkurrenz
Simon Bartsch
Der Fallrückzieher gegen Hoffenheim wurde zum Tor des Monats gewählt. Die Chancen auf die Wahl zum Jahrestreffer sind bei Ragnar Ache ganz sicher gegeben. Doch es gibt starke Konkurrenz für den Stürmer des 1. FC Köln: Ex-FC-Profi macht Ache Jahressieg streitig.
Er hat es wieder getan. Marcel Hartel hat ein Traumtor geschossen – und das für St. Louis City. Und mit dem Treffer aus 34 Metern könnte er Ragnar Ache Konkurrenz bei der Wahl zum Tor des Jahres machen.
Marcel Hartel spielt mittlerweile bei St. Louis (Foto: Dilip Vishwanat/Getty Images)
Acht Mal lief er für die Profis der Geißböcke auf, spielte allerdings seit seinem achten Lebensjahr für den FC. Nun könnte Marcel Hartel ausgerechnet einem aktuellen Kölner Spieler das Tor des Jahres streitig machen. Das hat Ragnar Ache natürlich noch nicht in der Tasche. Doch das Traumtor gegen die TSG Hoffenheim hat ganz sicher das Zeug dazu. Im Spiel gegen die Sinsheimer hatte der Kölner Stürmer eine butterweiche Flanke von Said El Mala mit einem perfekten Fallrückzieher vollendet. Nicht nur Ache war über seine eigene Aktion verwundert. Unvergessen ist die Reaktion von Cenk Özkacar, der die Hände ungläubig über dem Kopf zusammenschlug. Auch Joel Schmied sagte damals mit einem breiten Grinsen, dass Ache sich gerade so über den Platz schleppe und dann so ein Tor auspacke. Und Ex-Trainer Lukas Kwasniok machte damals den Treffer eben schon zum Tor des Jahres.
„Das ist ähnlich wie Ronaldo damals“
Als erwarteter Gewinner des Tor des Monats Februar bei der ARD-Sportschau hat sich der 25-Jährige natürlich auch für die Wahl zum Jahrestreffer qualifiziert. „Das ist ähnlich wie Ronaldo damals – wie er da in der Luft steht. Das Beste, was ich gesehen habe. Ich glaube nicht, dass da dieses Jahr noch viel Besseres kommt“, sagte Linton Maina später. Doch zumindest bekommt der Angreifer eben von Marcel Hartel ernstzunehmende Konkurrenz. Der gebürtige Kölner spielt seit dem Sommer 2024 bei St. Louis City. Und gegen New England erzielte der 30-Jährige am vergangenen Wochenende ein absolutes Traumtor. Hartel fing einen Pass wenige Meter hinter der Mittellinie ab, nahm den Ball einmal hoch und zimmerte ihn aus mehr als 35 Metern über den Torwart hinweg ins Netz.
Natürlich muss Hartel erst einmal von der Sportschau-Redaktion nominiert und dann auch noch zum Monatssieger März gewählt werden. Und die Konkurrenz ist keine geringe und durch den starken Treffer von Florian Wirtz in der Nationalmannschaft nicht kleiner geworden. Doch Hartel hat schon Erfahrung mit dem Tor des Jahres. Im Januar 2019 erzielte der Mittelfeldspieler das Tor des Monats Januar und gleichzeitig den Treffer des Jahres. Hartel traf damals für Union Berlin mit einem beeindruckenden Fallrückzieher. Und die Kölner Fans werden sich vermutlich noch erinnern können. Denn Gegner war damals nun mal der FC. Der heute 30-Jährige nahm den Ball damals mit der Brust an und verwertete akrobatisch – jubeln wollte der Ex-Kölner nicht.
Angeschlagen, gesperrt, nicht in Form – Droht gegen Frankfurt ein Sechser-Engpass beim 1. FC Köln?
Hendrik Broschart
Sperren, Verletzungssorgen und fehlende Alternativen zwingen möglicherweise auch Trainer René Wagner zu kreativen Lösungen. Wer rückt gegen Eintracht Frankfurt ins defensive Mittelfeld? Es droht ein Mittelfeld-Problem beim 1. FC Köln.
Keine Verschnaufpause am Geißbockheim: Nach dem emotionalen Derby gegen Mönchengladbach gerät das Herzstück der Kölner Mannschaft ins Wanken. Ausfälle und Unsicherheiten könnten auch René Wagner vor eine knifflige Personalfrage stellen und lassen offen, wer im Duell mit Eintracht Frankfurt im Zentrum die Kontrolle übernehmen soll.
Das Derby gegen Borussia Mönchengladbach liegt weniger als eine Woche zurück – und dennoch hat sich die Welt am Geißbockheim in dieser kurzen Zeit auf den Kopf gestellt. Die Konsequenzen der verlorenen Punkte im Rheinderby für die Position des Cheftrainers der Kölner sind weitreichend bekannt. René Wagner befindet sich mitten in den Vorbereitungen für das Aufeinandertreffen mit Albert Riera und seinen Frankfurtern. Für diese knifflige Aufgabe muss sich der 37-Jährige insbesondere in der Zentrale möglicherweise eine Lösung überlegen. Denn diese ist aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Stammpersonal zu besetzen. Trotz der Länderspielpause wirft das Duell gegen Eintracht Frankfurt seine langen Schatten voraus und drängt die Frage auf: Wen lässt FC-Coach Wagner im Zentrum des FC starten?
Martels Gelb-Rot-Sperre kommt zur Unzeit
Es war eine der strittigsten Szenen im Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Erst wurde Martel zum Helden, als er nach einer Ecke von Florian Kainz per Kopf den 3:3-Endstand gegen die Fohlen erzielte. Nur wenige Augenblicke später kippte die Stimmung: Kurz nach der Fortsetzung der Partie sah Schiedsrichter Sören Storks ein Foul von Martel am Gladbacher Joe Scally als ahndungswürdig an und zeigte ihm die zweite Gelbe Karte des Abends. Martel konnte die harte Schiedsrichterentscheidung nicht nachvollziehen und bewertete die zweite Karte als leichtfertigen Eingriff in den Spielverlauf: „Das ist natürlich dann wieder ein Momentum, das vielleicht auf uns rübergegangen wäre. Wenn du hier kurz vor Schluss den Ausgleich schießt, hast du noch wahrscheinlich zehn Minuten zu spielen. Mit den Fans im Rücken, glaube ich, hätten wir schon gute Chancen gehabt, das Spiel noch zu drehen.“
Echte Alternativen sind rar
Martels Sperre könnte auch deshalb zu einem noch größeren Problem werden, weil ein Einsatz seines Mittelfeld-Partners Tom Krauß derzeit ungewiss ist. Dieser meldete sich beim Aufwärmen unmittelbar vor dem Derby mit Knieproblemen ab. Der 23-Jährige musste beim Trainingsauftakt unter Wagner noch pausieren, konnte bis einschließlich Freitag nicht mit der Mannschaft trainieren. Die Länderspielpause kommt dem Rekonvaleszenten demnach gerade recht. Krauß, der sich bei den jüngsten Auftritten unter Kwasniok noch als veritable Alternative auf der rechten Außenverteidigerposition empfohlen hat, wäre, wenn er fit wäre, durch die Rückkehr von Sebastian Sebulonsen Wagners erste Wahl für einen Startelfeinsatz.
Sollte Krauß gegen die Frankfurter nicht wieder fit sein, muss René Wagner gleich in seinem ersten Spiel notdürftige Lösungen auf der Sechserposition suchen. Mittlerweile wenig überraschend käme zur Not auch Jakub Kaminski infrage, der in dieser Saison nur im Spiel gegen den SC Freiburg neben Krauß den offensiven Part übernommen hat. Allerdings würde man den 23-Jährigen dann wieder um seiner Qualität in der Offensive berauben. Darüber hinaus könnte Isak Johannesson als Alternative im Mittelfeld infrage kommen. Beide Akteure haben jedoch ein offensives Profil und müssen als Notlösung betrachtet werden. Gleiches gilt für Florian Kainz und Denis Huseinbasic, deren Qualitäten nicht den Anforderungen von knallharten Aufräumern entsprechen, die gerne die sogenannte „Drecksarbeit“ verrichten. Zudem waren beide zuletzt eher zweite Wahl.