Ragnar Aches Traumtreffer ist das Tor des Monats Februar – zu Recht!
Redaktion
So wirklich überraschend ist die Nachricht wohl nicht. Denn der Treffer, den der Kölner Stürmer erzielte, gehörte einer ganz eigenen Liga an. Es war ein besonderes Tor für den 1. FC Köln: Ragnar Ache gewinnt die Wahl zum Tor des Monats Februar deutlich.
Ragnar Ache hat das Tor des Monats Februar geschossen. Gegen Hoffenheim traf der FC-Profi sehenswert und brachte die Geißböcke bereits in der 15. Minute in Führung. Nach einem weiteren Tor von Said El Mala, aber auch zwei Treffern der Sinsheimer endete die Partie 2:2.
Die Reaktionen auf den Treffer in der 15. Minute der Begegnung des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim hallten noch einige Tage nach. Denn das Tor von FC-Stürmer Ragnar Ache sorgte weit über die Domstadt hinaus für Aufsehen. Der 27-Jährige stieg vor dem gegnerischen Kasten in die Höhe und hämmerte die Kugel mit einem perfekten Fallrückzieher ins Netz. Mitspieler Cenk Özkacars Reaktion auf das Traumtor ging durch die sozialen Netzwerke. Der Türke riss die Augen auf, schlug die Hände ins Gesicht und konnte es einfach nicht fassen. Ache sicherte sich mit seinem Treffer den Eintrag in die Geschichtsbücher.
“Mein Körper hat sich gefühlt selbst bewegt“
Auch der Torschütze selbst konnte nach dem Spiel nicht ganz fassen, was er vollbracht hatte. „Mein Körper hat sich gefühlt selbst bewegt. Geht der rein, sieht es top aus. Geht er daneben, dann lacht das ganze Stadion. Das ist immer so ein 50:50-Ding. Man hat so einen Tag oder man hat so einen Tag nicht. Mein Körper hat einfach reagiert. Ich habe es auch ein, zweimal jetzt gesehen, aber ich kann es selber noch nicht so glauben, also momentan nicht“, so Ache. Die Wahl zum Sportschau Tor des Monats Februar gewann der 27-Jährige erdrutschartig. Mit 71,4 Prozent der Stimmen überholte der FC-Angreifer sogar Mario Götze und das Tor, das Deutschland 2014 zum Weltmeister machte. Ache reiht sich damit als 38. Akteur in eine lange Riege von Titelträgern des 1. FC Köln ein.
Der FC ist damit hinter den Bayern der erfolgsreichste Verein der Tor-des-Monats-Geschichte der Sportschau. Alleine sieben dieser Treffer steuerte Lukas Podolski bei, der überhaupt die meisten Auszeichnungen der Sportschau sammelte. Zuletzt hatte Timo Hübers im Mai 2023 mit seinem Hackentreffer gegen Hertha BSC ein Tor des Monats für den FC erzielt. Einen Fallrückzieher eines Kölner Profis gab es auch schon unter den besonderen Treffern. Roda Antar traf ebenfalls sehenswert im März 2008 gegen Wehen Wiesbaden. Aches Treffer dürfte auch gute Chancen für die Jahreswahl haben. Das ist erst zwei Kölnern zuvor gelungen. Pierre Littbarski erzielte 1985 gegen Werder Bremen ein Tor des Jahres, das von Marcel Risse gegen Borussia Mönchengladbach 2016 ist unvergessen.
Neuer Trainer, neue Chance beim 1. FC Köln? Wer profitiert von René Wagner?
Simon Bartsch
Der FC geht mit einem neuen Trainer in die letzten Saisonspiele. René Wagner erklärte, dass es kleinere Stellschrauben gebe, an denen nun gearbeitet werden soll beim 1. FC Köln: Gibt es eine neue Chance unter René Wagner?
Überraschend kam der Trainerwechsel am Sonntag dann nicht mehr. Nun leitet René Wagner die Geschicke bei den Geißböcken. Und sicherlich gibt es den ein oder anderen Spieler, der sich nun mehr Einsatzzeit verspricht.
Luca Waldschmidt und Florian Kainz werden eingewechselt
René Wagner unterhielt sich am Dienstagvormittag bereits mit den Medien, da war die Mannschaft noch auf dem Platz und übte sich vergnügt im Torschuss. Als Außenstehender konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass eine gewisse Last bei dem ein oder anderen abgefallen sei, sich der ein oder andere Spieler freier fühle. „Das Gefühl habe ich definitiv“, sagte Wagner. „Ich glaube, das bringt die Sache eines Trainerwechsels mit sich. Es gibt immer Jungs, die unzufrieden sind mit der aktuellen Situation.“ Das dürften in der jüngeren Vergangenheit wohl mehrere Akteure gewesen sein. Spieler, die unter Lukas Kwasniok nicht die erhoffte Spielzeit bekommen haben. Spieler, die noch in der vergangenen Saison Stammspieler der Aufstiegsmannschaft gewesen sind.
Zuletzt wenig Spielzeit
Luca Waldschmidt hatte sich im Winter beispielsweise kritisch über seine Einsatzzeit geäußert. Noch im vergangenen Frühling hatte der ehemalige Nationalspieler betont, er könne sich einen Verbleib bei den Kölnern vorstellen, wenn er denn auf die erhofften Einsatzminuten käme. Zwar stand der Siegener in 27 Ligaspielen 18 Mal auf dem Platz, aber nur sechs Mal von Beginn an. Sieben Mal saß Waldschmidt 90 Minuten auf der Bank. Auch Florian Kainz stand in dieser Saison nur noch selten auf dem Feld. Der Österreicher spielte seit Mitte Dezember ganze drei Mal – insgesamt 20 Minuten. Mittlerweile hat der 33-Jährige sein Karriere-Ende angekündigt – allerdings, so betonte er zuletzt bei Sky Austria, sei seine Situation beim FC nicht ausschlaggebend gewesen.
Denis Huseinbasic spielte seit dem 2:2 gegen Heidenheim Mitte Januar nur noch einmal und das fünf Minuten. Und auch Said El Mala soll dem Vernehmen nach mit seiner Spielzeit bei Lukas Kwasniok nicht zufrieden gewesen sein. Zumal es für das Talent auch um die WM-Teilnahme ging und wohl auch noch geht. Es wird also sicherlich einige Profis geben, die sich unter Wagner nun mehr Spielzeit erhoffen, die auf eine neue Chance zählen.
Doch Wagner will eben nicht nur auf jene Akteure schauen. „Es gibt auch die Spieler, die super zufrieden waren mit der Situation“, sagte der neue Coach. „Die Spieler, die einfach auch eine tragende Rolle die letzten Spiele gespielt haben, denen geht’s vielleicht jetzt nicht so gut mit dem Trainerwechsel, weil die wissen nicht, was passiert die nächsten Tage, die nächsten Wochen, habe ich noch die gleiche Position, die ich davor hatte und deswegen gibt es ja nicht immer nur Jungs, die mit der breiten Brust hier rumlaufen, sondern ganz im Gegenteil, auch die, die sich vielleicht Gedanken machen, was passiert mit mir.“
Eine neue Chance erhoffen sich dann aber die Spieler, die diese immer seltener erhielten. Denn Tatsache ist auch, dass Kwasniok in den vergangenen Wochen weniger rotierte, einer Stammachse vertraute. Und laut Wagner haben die Kölner in der jüngeren Vergangenheit auch nicht so sonderlich viel falsch gemacht. Eben bis auf die Ergebnisse.
Interimscoach mit Innenblick: Kann René Wagner die Balance wiederfinden?
Hendrik Broschart
Ein neuer Impuls mit bekanntem Gesicht: Kann Co-Trainer René Wagner den 1. FC Köln im Abstiegskampf wachrütteln? Hat Geschäftsführer Thomas Kessler mit seiner Entscheidung das richtige Gespür bewiesen – oder pokert er zu hoch beim 1. FC Köln: Kann René Wagner Chefcoach?
Nach Lukas Kwasnioks Entlassung übernimmt Co-Trainer René Wagner beim 1. FC Köln. Thomas Kessler setzt auf dessen Nähe zur Mannschaft und hofft auf frische Energie im Kampf um den Klassenerhalt. Ob Wagner die Wende schafft, wird man sehen müssen.
Soll mit frischem Impuls die Wende einleiten: Interims-Trainer René Wagner. (Foto: Herbert Bucco)
Geschäftsführer Thomas Kessler kann die Länderspielpause gut gebrauchen. Hinter dem 40-Jährigen liegt ein Wochenende voller belastender Entscheidungen. So musste er sich nicht nur dazu durchringen, seinen Cheftrainer vor die Tür zu setzen und damit auch eine erste persönliche Niederlage in seiner strategischen Funktion einzugestehen. Zudem musste er schnell einen Nachfolger finden, der den Club aus dem Abwärtsstrudel der letzten Wochen wieder auf Kurs Klassenerhalt führen kann. Seine Wahl fiel auf den bisherigen Co-Trainer Kwasnioks, René Wagner. Eine Entscheidung, die nicht allzu naheliegend war. Kessler begründete die Entlassung Kwasnioks mit dem Bedürfnis nach einem frischen Impuls für das Saisonfinale. Doch ist der ehemalige Co-Trainer, der noch nie eine Partie als Cheftrainer auf Bundesliganiveau an der Seitenlinie stand, wirklich die richtige Wahl?
Neuer Impuls durch gleiches Personal?
Diese Entscheidung lässt sich nachvollziehen, wenn man den Begriff „Impuls“ genauer betrachtet. Die Geißböcke spielten unter Kwasniok keinen schlechten Fußball. Die ausbleibenden Erfolge sind vielmehr eine Folge unglücklicher Verkettungen von Umständen, auf die der geschasste Coach wenig Einfluss hatte. Verletzungen und individuelle Fehler haben den Kölnern wohl mehr Punkte gekostet als fragwürdige Trainerentscheidungen. Der gewünschte Impuls bezieht sich daher weniger auf das Sportliche.
Kessler setzt auf Wagner, weil dieser innerhalb der Mannschaft und des Vereins ein hohes Ansehen genießt. „Ich nehme die Jungs auch so wahr, dass sie es sehr wohlwollend empfunden haben, in den letzten Monaten mit René zusammenzuarbeiten. Daher hoffe ich natürlich auch, dass der ein oder andere Spieler einen engeren Zugang zu den Jungs hat.“ Der Haussegen am Geißbockheim hing unter Vorgänger Kwasniok zuletzt schief. Vielleicht traf der 44-Jährige ein oder zwei unpopuläre Entscheidungen zu viel und unterschätzte den Effekt der Ausbootung langjähriger FC-Profis wie Luca Waldschmidt oder Florian Kainz.
Wagenburgmentalität adé
Auf einer Medienrunde am Dienstagmittag erklärte Wagner, er wolle ein offenes Ohr für Sorgen und Zweifel seiner Spieler haben: „Es gibt immer Spieler, die mit der aktuellen Situation unzufrieden sind“, so der 37-Jährige. Missverständnisse will Wagner nicht nur bei Spielern aus der zweiten oder dritten Reihe ausräumen. Er wolle für alle da sein, machte der Interimscoach deutlich: „Aber genauso gibt es Spieler, die mit der Situation super zufrieden waren. Die gilt es aufzufangen. Die Spieler, die in den letzten Spielen eine tragende Rolle gespielt haben, denen geht es vielleicht jetzt nicht so gut mit dem Trainerwechsel, weil sie nicht wissen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert, ob sie noch die gleiche Position haben wie zuvor.“
Gelingt es Wagner, den Störfaktor Unzufriedenheit bis zum Spiel gegen Frankfurt auszumerzen, hätte er eine große Baustelle geschlossen. Denn Unzufriedenheit und Grüppchenbildung haben nachweislich gravierende Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft. Solche Spannungen hemmen insbesondere in entscheidenden Zweikämpfen die letzte Überzeugung. Eine neue Gesprächskultur, wie Wagner sie pflegt, kann diesen negativen Emotionen entgegenwirken. Offenheit, Vertrauen und weniger Stress in Trainings- und Spielsituationen fördern Motivation und Zusammenhalt – die Grundlagen für sportlichen Erfolg.
Kann Wagner Chefcoach?
Ob Kessler mit Wagner als Interimscoach zu viel riskiert, lässt sich womöglich mit einem Blick nach Wales beantworten. Forscher der Universität Cardiff haben in einer groß angelegten Studie untersucht, wie sich ein Trainerwechsel auf die Leistung einer Mannschaft auswirkt. Das Ergebnis: Der Erfolg nach einem Wechsel hängt nicht von der bisherigen Trainererfahrung ab. Weder fehlende Erfahrung noch der Status als ehemaliger Spitzenspieler schmälern laut den Forschern die Wirkung eines Trainerwechsels. Entscheidend scheint vor allem der Effekt der Veränderung selbst, nicht die Eigenschaften des neuen Trainers.
Die Länderspielpause verschafft den Geißböcken nun etwas Zeit für die fußballerische Feinjustierung. Dabei komme es vor allem darauf an, trotz der Tabellensituation einen kühlen Kopf zu bewahren, so Wagner: „Ich glaube, dass wir jetzt einfach fokussiert und ein bisschen locker bleiben wollen. Durch meine Erfahrung beim 1. FC Köln kenne ich die Leute und ihre Macken. Ich versuche vor allem im Staff, so zu kommunizieren, dass alle das Gefühl haben, dass wir es gemeinsam schaffen können.“
Wichtige Stellschraube: Die Rückkehr von Sebastian Sebulonsen erspart René Wagner eine schwierige Entscheidung
Simon Hense
In den vergangenen Wochen musste der FC immer wieder rechts hinten experimentieren. Jetzt steht mit Sebastian Sebulonsen aber der Stammspieler für die Position wieder zur Verfügung – zum Glück für den neuen Trainer René Wagner: Sebulonsen Rückkehr ist für den 1. FC Köln extrem wichtig.
Durch die Ausfälle von Sebastian Sebulonsen und Alessio Castro-Montes musste Lukas Kwasniok zuletzt immer wieder auf der Rechtsverteidiger-Position umstellen. So kam Cenny Neumann gegen Mönchengladbach zu seinem Startelfdebüt – und war da an allen Gegentreffern beteiligt. Umso wichtiger ist es für Kwasniok-Nachfolger René Wagner, dass er erstmal nicht experimentieren muss – dank der sehr wichtigen Rückkehr von Sebulonsen.
Sebastian Sebulonsen steht dem 1. FC Köln wieder zur Verfügung
Eine Gemeinsamkeit hat der neue FC-Trainer René Wagner schonmal mit Sebastian Sebulonsen: Der Coach spielte früher selber wie der Norweger heute Rechtsverteidiger. Wenn auch auf einem deutlich niedrigerem Niveau in der Regional- und Oberliga. Aber nicht nur, weil beide die gleiche Position inne haben beziehungsweise hatten, dürfte der Blick des Trainers besonders auf Sebulonsen gerichtet sein. Denn dadurch, dass der Norweger gegen Eintracht Frankfurt nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung steht, bleibt Wagner wohl eine unangenehme und schwierige Entscheidung erspart.
Experimente durch Sebulonsen-Ausfall
Denn gerade in den vergangenen Wochen, als der Norweger erst wegen einer Muskelverletzung gegen Augsburg und Dortmund ausfiel und sich dann nach seiner Einwechslung gegen den HSV die fünfte Gelbe Karte abholte, war der FC immer wieder zum Experimentieren gezwungen. So setzte Lukas Kwasniok meistens rechts hinten auf Tom Krauß. Der machte seine Sache zwar sehr ordentlich, fehlte aber gleichzeitig dadurch im zentralen Mittelfeld. Dort hatte sich der 24-Jährige zuvor mit starken Leistungen festgespielt. Durch das Aushelfen als Rechtsverteidiger fiel er im Zentrum jedoch als Stabilisator weg. Außerdem zeigte Krauß nicht den gleichen Offensivdrang wie Sebulonsen oder auch Alessio Castro-Montes.
Im Derby, als Sebulonsen seine Gelbsperre absaß, fiel der eigentliche Sechser dann kurzfristig nach dem Aufwärmen aus. Notgedrungen stellte Kwasniok daher Nachwuchsspieler Cenny Neumann als Rechtsverteidiger auf – das Startelfdebüt für den Youngster. Leider war es jedoch kein sonderlich erfolgreiches. Schon nach 30 Sekunden musste der 19-Jährige beim 0:1 durch Jens Castrop das erste Mal Lehrgeld zahlen. Nach einem schönen Pass von Franck Honorat verlor Neumann das Duell und musste Castrop ziehen lassen. Bei den anderen beiden Gegentoren gab der Startelfdebütant ebenfalls zumindest keine gute Figur ab. Wie sich daran zeigt, stellt Neumann also (noch) keine ausreichende Alternative dar.
Sebulonsen-Rückkehr eine Stellschraube?
Umso wichtiger ist es für Wagner jetzt, dass Sebulonsen wieder spielberechtigt und fit ist. So dürfte der Norweger dem FC defensiv wieder mehr Stabilität verleihen. Gleichzeitig unterstützt der 26-Jährige die Offensive mehr, als es etwa Krauß getan hatte. Außerdem kann Letzterer so wieder auf seiner Idealposition im Zentrum eingeplant werden, wenn Wagner weiter auf ihn setzt. So bleiben dem neuen Coach Experimente erspart. Die Rückkehr Sebulonsens ist damit wohl eine der einfachsten „Stellschrauben“, an denen der Trainer nun für das kommende Spiel gegen die Eintracht drehen kann.
Dabei wird er wahrscheinlich hoffen, dass Sebulonsen wie vor seiner Verletzung erneut zum Dauerbrenner bei den Geißböcken wird. Denn bis zum Augsburg-Spiel hatte der Rechtsverteidiger immer zur Verfügung gestanden und war eine der Konstanten in der Kölner Mannschaft. Da mit Castro-Montes die etatmäßige Alternative weiter ausfällt, ist es noch wichtiger für den neuen Trainer und die Mannschaft, dass der 26-Jährige wieder genau diese verlässliche Stütze wird.
René Wagner über seinen Vorgänger Lukas Kwasniok: „Ich habe unheimlich viel von Lukas mitgenommen“
Redaktion
Acht Monate arbeitete René Wagner an der Seite von Lukas Kwasniok. Nun hat der ehemalige Co-Trainer den 44-Jährigen beerbt. Am Dienstag äußerte sich der neue Cheftrainer des 1. FC Köln: René Wagner lobt die Arbeit mit Lukas Kwasniok.
Zum ersten Mal arbeitet Rene Wagner nun als Cheftrainer eines Bundesligisten. Am Dienstag äußerte sich der 37-Jährige vor den Medien und sprach auch über seinen Vorgänger.
Am Dienstagvormittag wurde es zuweilen auch mal etwas lauter auf dem Gelände am Geißbockheim. „Das ist nicht der Fehler von Marvin, ihr müsst dann auch mal mit zurück arbeiten“, hallte es bei der zweiten Trainingseinheit der Geißböcke unter Interimscoach René Wagner über den Platz, nachdem der Keeper einen Treffer in die obere Ecke seines Kastens kassiert hatte. Die Ansagen des neuen FC-Coaches waren deutlich, laut und bestimmt. Und sie standen damit im klaren Kontrast zum gestrigen ersten Training, als der 37-Jährige seinen Assistenten Armin Reutershahn die Einheiten weitestgehend überließ. Und irgendwie ein Kontrast zu seiner Zeit als Co-Trainer unter Lukas Kwasniok. Beim 44-Jährigen stand Wagner als Co zwangsläufig in der zweiten Reihe. Nun muss der 37-Jährige die Verantwortung für das Ziel des Klassenerhalts übernehmen.
Noch kein Kontakt zu Kwasniok
Für den noch jungen Coach eine große Aufgabe – und das in seinem ersten Job als Trainer einer Bundesligamannschaft. Unter Kwasniok arbeitete Wagner seit vergangenen Sommer und konnte sich das ein oder andere abschauen. „Ich habe unheimlich viel von Lukas mitgenommen. Lukas ist ein Trainer, der unfassbar inhaltlich arbeitet. Er lebt den Fußball jeden Tag, jede Sekunde, jede Millisekunde im Leben.“ Tatsächlich wird der 44-Jährige von verschiedenen Seiten als akribischer Arbeiter beschrieben. Kwasniok war auch beim FC bemüht, auf jeden Gegner den richtigen Schlüssel zu finden. Vor allem aber die aufopferungsvolle Arbeit hat offenbar Eindruck hinterlassen. „Das war was, was ich definitiv mitnehmen werde und auch mitnehmen muss, weil es mir einfach noch mal eine andere Perspektive gegeben hat“, so Wagner.
Für seinen Ex-Cheftrainer findet der Interimscoach lobende Worte. „Ich glaube, es hat mich am Ende als Trainer auch noch mal viel besser gemacht und das war auch das Ziel im Sommer nach Köln zu kommen. Ich wollte eine neue Perspektive, einen neuen Chef sehen, ich wollte was anderes sehen und das war mir besonders wichtig und das habe ich auch bekommen“, so Wagner über seine Zusammenarbeit mit Kwasniok. Dennoch muss der 37-Jährige nun seinen eigenen Weg finden, die Stellschrauben drehen, an denen es unter dem 44-Jährigen noch gehapert hat. Zusammen mit dem neuen Co-Trainer Armin Reutershahn soll dies nun gelingen. Einen Kontakt zu Kwasniok hat es noch nicht gegeben. „Den werde ich jetzt aber suchen“, sagte Wagner. Dafür hat sich Steffen Baumgart bei dem neuen FC-Coach gemeldet. „Steffen hat mir gesagt, dass ich bei mir bleiben soll. Er kennt mich jetzt lange genug“, sagte Wagner. „Er sagte auch, dass meine neue Rolle ein paar andere Themengebiete aufmachen wird. Es gibt das eine oder andere Thema, das ich schon bearbeiten musste, worüber ich mich früher nicht kümmern brauchte.“
Neuer FC-Trainer René Wagner: „Es ist eine Chance und gleichzeitig aber auch eine hohe Erwartung“
Simon Hense
Nach der Entlassung von Lukas Kwasniok ist René Wagner in der Trainer-Hierarchie gestiegen. Am Dienstagvormittag leitete der 37-Jährige seine zweite Einheit als Cheftrainer der Geißböcke. Das sagt René Wagner zu seiner Aufgabe beim 1. FC Köln.
Um 11 Uhr bat der 37-Jährige die Mannschaft zu seiner zweiten Einheit als Cheftrainer am Geißbockheim. Über seine neue Rolle äußerte sich der bisherige Co-Trainer im Anschluss an das Training.
Die Entlassung von Lukas Kwasniok am Sonntag kam wohl nicht mehr so richtig überraschend. Nach dem 3:3-Unentschieden hatte Geschäftsführer Thomas Kessler ein Treuebekenntnis vermieden und als der nun Ex-Trainer das Geißbockheim am Sonntagvormittag verließ, mit dem Wissen, dass es noch eine Gremiumssitzung geben solle, war wohl auch dem 44-Jährigen klar, dass es eng werden würde. Für René Wagner ergibt sich aus der Entlassung nun eine Chance. „Ich kenne die Stadt und von daher macht es mich auch ein bisschen stolz, aber darum geht es ja gar nicht, sondern am Ende geht es darum eine Aufgabe zu erfüllen“, sagte Wagner am Rande der Einheit am Dienstag.
„Chance“ und „hohe Erwartung“
Für den gebürtigen Dresdener ist es nun die erste Station als Cheftrainer. „Es ist eine Chance und gleichzeitig aber auch wahrscheinlich eine hohe Erwartung“, so Wagner. „Ich versuche das ein bisschen auszublenden, weil ich weiß, ich kann besser arbeiten, wenn ich organisiert bin und mir nicht so viel Gedanken mache über das, was vielleicht da draußen passiert.“ In Fachkreisen gilt Wagner als akribischer Arbeiter und Taktikfuchs. Auch Thomas Kessler hält große Stücke auf den Coach. Nicht umsonst hat er ihn zum Interims-Trainer gemacht. „Ich begleite ihn jetzt schon ein bisschen länger und kenne ihn auch schon ein bisschen länger. Und bin von seiner fachlichen Expertise maximal überzeugt. René ist ein sehr smarter Mensch, der einen guten Umgang auch mit dem Staff hat, einen guten Umgang auch mit der Mannschaft hat. Und dem ich absolut zutraue, jetzt diese Rolle einzunehmen“, meinte der Geschäftsführer am Montag über den Cheftrainer-Neuling.
Dabei hat Wagner auch in den vorherigen Wochen bereits einige gute Aspekte gesehen. So suche er mit Blick auf die anstehenden Aufgaben vor allem nach kleinen Dingen, die es zu verändern gilt, um wieder zu Erfolgen zu kommen. „Ich glaube, wichtig ist es jetzt, Ruhe zu bewahren. Weil logischerweise jetzt von außen viel auf uns einprasseln wird und ein Trainerwechsel normalerweise nie was Gutes ist. Von daher ist es wichtig für uns, uns jetzt auf das zu fokussieren, was wir glauben, was uns gegen Frankfurt helfen kann, ohne jetzt den Druck des Spieltags am Wochenende zu haben. Das heißt, beruhigt zu analysieren, wo die vielleicht kleinen Stellschrauben sind, über die auch der Thomas gestern schon gesprochen hat. Die wollen wir in aller Ruhe angehen. Und dann können wir immer noch Richtung Frankfurt ein bisschen emotionaler werden“, so der 37-Jährige. So soll dem 1. FC Köln unter ihm endlich die Trendwende nach zuletzt sieben sieglosen Spielen gelingen.
Neuer Co-Trainer für Wagner
Dabei erkennt Wagner auch, dass es durch den Trainerwechsel natürlich einige Spieler gibt, die sich Gedanken machen. Zum einen Profis, die zuletzt viel gespielt haben, „weil die wissen nicht, was passiert die nächsten Tage, die nächsten Wochen, habe ich noch die gleiche Position, die ich davor hatte.“ Aber zum anderen gebe es auch Spieler, die zuletzt seltener auf dem Platz standen und nun vielleicht durch den Trainerwechsel befreiter auftreten können. Die verschiedenen Erwartungen der jeweiligen Profis muss der 37-Jährige nun passend moderieren.
Hilfe bekommt der Cheftrainer dabei von einem neuen Co-Trainer. So stellte der FC am Montag Armin Reutershahn als Assistenten für Wagner vor. Der 66-Jährige soll dem Trainerneuling mit seiner Erfahrung aus seinen Stationen als Co-Trainer bei unter anderem dem Hamburger SV, bei Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Nürnberg, dem VfB Stuttgart, der TSG Hoffenheim, bei Borussia Mönchengladbach, bei Borussia Dortmund sowie bei Hertha BSC Berlin. „Ich war selber in der Bundesliga jetzt viele Jahre, aber der Armin war noch mal einige Jahre mehr als ich und von daher brauchte ich jemand an meiner Seite, der mich dann vor allen Dingen auch mal zurückholt, wenn ich vielleicht zu stark auf dem Gas stehe, weil da stehe ich oftmals zu oft und ich glaube, der Armin hat jetzt einfach die Bremse in der Hand“, so Wagner über die Rolle seines neuen Assistenten.
Wieder ein unterschiedliches Maß? Einmal mehr Schiri-Frust beim 1. FC Köln
Simon Bartsch
Nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach ist die Diskussion um den Trainer beim FC beendet. Lukas Kwasniok steht nicht länger an der Seitenlinie der Geißböcke. Im Spiel sorgte aber ein anderer Protagonist für viel Unmut im Umfeld des 1. FC Köln: Schiri-Frust im Rheinderby.
Keinen Sieger gab es im Rheinderby – und damit das Aus von Lukas Kwasniok, der mit dem FC zum siebten Mal in Serie ohne Sieg blieb. Doch es gab noch weiteren Frust.
Eigentlich hatte er das Zeug zum nächsten Derbyhelden zu werden. Leidenschaftlich schmiss sich Eric Martel in gefühlt jeden Zweikampf – und das sogar im vordersten Drittel. Kein Kölner Spieler bestritt mehr Zweikämpfe als der FC-Sechser, Martel gewann mehr als 60 Prozent der Duelle, spulte zudem neben Jakub Kaminski die meisten Kilometer ab. Immer wieder peitschte der 23-Jährige Fans und Mitspieler an. Und mit seinem zweiten Saisontor nährte Martel nur wenige Minuten vor Schluss die Hoffnung der Fans, das Derby sogar noch komplett zu drehen. „Das ist natürlich dann wieder ein Momentum, das vielleicht auf uns rübergegangen wäre“, sagte der Torschütze des 3:3. „Wenn du hier kurz vor Schluss den Ausgleich schießt, hast vielleicht noch zehn Minuten zu spielen – mit den Fans im Rücken, glaube ich, hätten wir schon gute Chancen gehabt, das Spiel noch komplett zu drehen.“
„Finde das ein bisschen hart“
Doch dann traf der Mittelfeldspieler in einem Luftduell seinen Gegenspieler Joe Scally mit dem Arm am Kopf. Schiedsrichter Sören Storks zögerte einen Moment und zeigte Martel dann die Gelb-Rote Karte. „Der Schiedsrichter kommt zu mir und sagt, das ist eine Abseitssituation und dann kann er für mich nicht das Foul danach bewerten. Wenn es eine Abseitssituation ist, dann darf er mir danach nicht Gelb-Rot geben. Ich finde das ein bisschen hart, muss ich sagen“, erklärte Martel. „Hart“ aus noch einem ganz anderen Grund. Denn bereits zuvor gab es exakt die gleiche Aktion. Nur, dass dort der Kölner Spieler mit dem Ellbogen niedergestreckt wurde. Nur ließ Storks in dem Moment die Gelbe Karte stecken. Erstaunlich, denn diese saß an dem Tag eigentlich ziemlich locker.
Inklusive des Platzverweises sprach der Schiedsrichter neun Verwarnungen aus. Für Thomas Kessler „viele Gelbe Karten auch im Laufe des Spiels, bei denen ich wirklich Fragezeichen hatte“. So zum Beispiel auch bei Marvin Schwäbe, der als Kapitän bekanntlich durchaus das Gespräch mit dem Schiedsrichter suchen darf und nicht gerade zu verbalen Entgleisungen neigt. Dennoch sah der Keeper wegen Meckerns Gelb. Und das, nachdem ein Gladbacher den Konter über Jakub Kaminski unterband. Ein taktisches Foul für das Jan Thielmann kurz zuvor den Karton gesehen hatte, der Gladbacher kam ohne den gelben Karton aus. Sieben Mal zeigte Storks den FC-Profis Karten. „Ich fand, dass wir heute viele Situationen hatten, wo ich mich wirklich gewundert habe, warum er entschieden hat, wie er entschieden hat“, sagte Kessler.
„Ich suche nie nach Ausreden“
Das fand offenbar auch Ex-Trainer Lukas Kwasniok, der nach der Begegnung ein besonders emotionales Gespräch mit dem Schiedsrichter suchte. „Ich suche nie nach Ausreden und jammere nicht. Und trotzdem ist uns das Glück auch nicht hold“, sagte der 44-Jährige. „Wenn du als Trainer eine gute Perfomance hast, die du als Trainer beeinflussen kannst, dann brauchst du die Momente, die auf deiner Seite sind und ich weiß nicht, wie oft wir diese Situationen auf unserer Seite in Bezug auf Gelb-Rote Karten oder Elfmeter hatten.“ Auch daher habe man zu wenig Punkte eingefahren so der Tenor. „Klar, Erik erwischt den Gegner leider mit dem Ellbogen und die Situation ist mit Gelb-Rot zu bewerten. Aber wenn eine Sekunde früher gepfiffen wird, dann gehen weder Eric noch der Gegner zum Kopfball“, sagte Kwasniok.
Der ehemalige Trainer habe sich darüber echauffiert, weil „diese Dinge in Summe nicht auf unserer Seite sind“. Schon in den vergangenen Wochen hatte Kwasniok immer wieder über ein unterschiedliches Maß an Entscheidungen gesprochen.
Vom Co- zum Cheftrainer – und das über Umwege: René Wagner übernimmt beim 1. FC Köln
Hendrik Broschart
René Wagners ungewöhnlicher Weg führte ihn vom College-Fußball in den USA über Stationen im Nachwuchsbereich und als Analyst auf die Trainerbank des 1. FC Köln. Nun befindet sich der 35-Jährige mitten im Abstiegskampf und nimmt seine bislang größte Herausforderung als Interimstrainer an. 1. FC Köln: Das Wagnis René Wagner beginnt.
Montagnachmittag war es soweit: Interimscoach René Wagner betrat zum ersten Mal in seiner Rolle als Cheftrainer das Trainingsgelände am Geißbockheim. Geschäftsführer Sport Thomas Kessler setzt große Stücke auf das Trainertalent, dass gegen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen die Wende einläuten soll.
Absolvierte am Montag die erste Einheit als Interimstrainer des 1. FC Köln (Photo by Maja Hitij/Getty Images)
Bei bestem Frühlingswetter betrat der Interimstrainer zum ersten Mal in seiner neuen Funktion das Grün am Geißbockheim. Weniger als zwei Wochen bleiben ihm, um seine Mannschaft auf das Duell gegen Eintracht Frankfurt vorzubereiten. Thomas Kessler äußerte, er habe vollstes Vertrauen in Wagner. „Wir waren sehr froh, dass wir ihn im Sommer davon überzeugen konnten, dann wieder zum ersten Mal zu Köln zu kommen.“ Kessler begründete die Entscheidung für Wagner mit dessen persönlicher Bindung zu ihm und seiner Überzeugung, dass dieser auch fachlich der Aufgabe gewachsen sei: „Ich kenne ihn schon lange und begleite ihn schon eine Weile. Ich bin von seiner fachlichen Expertise maximal überzeugt. René ist ein sehr smarter Mensch, der einen guten Umgang mit dem Staff und der Mannschaft hat. Und ich traue ihm absolut zu, jetzt diese Rolle einzunehmen.“
Spannender Werdegang
Doch wer ist dieser Mann, dem Kessler die Wende im Abstiegskampf zutraut? Wagners Weg auf den Chefsessel am Geißböcke (Wenn auch zunächst nur Interimsweise) kann man als atypisch beschreiben. Der gebürtige Dresdener feierte den Höhepunkt seiner aktiven Karriere in der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden und beim VfL Oldenburg, bekam als Akteur auf dem Platz allerdings nie so richtig einen Fuß in die Tür, wie er in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärte. “In meiner Zeit als Spieler habe ich in der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden gespielt und auch immer mal wieder mit den Profis mittrainiert. Aber mir wurde relativ schnell klar, dass das nichts wird mit der Profikarriere. Dann sprach mich eine Agentur an, die junge Sportler an Colleges in die USA vermittelt. Ich hatte die Möglichkeit, dort mit einem Stipendium zu spielen. Das fand ich spannend.”
So zog es ihn im Jahr 2013 nach Hawaii. Bald schon machte er in Übersee seine ersten Schritte an der Seitenlinie – zunächst als Nebenjob neben dem Studium, später dann als Jugendtrainer in einer Akademie in Florida. Von dort aus ging es weiter zu Inter Miami, wo er die U17 und U19 des damals neu gegründeten Vereins von England-Legende David Beckham trainierte. Über einen Kontakt gelangte er aus dem Sunshine State nach Ostwestfalen, wo er unter Steffen Baumgart als Analyst und im Scouting Fuß fasste. Baumgart folgte er nach Köln und weiter in den Norden zu den Vereinen HSV und Union Berlin. Zu Beginn der laufenden Spielzeit sorgte er nach fünf Jahren für einen Tapetenwechsel: Er und seine Frau zogen zurück in die Domstadt. Dort wurde er nach Vermittlung durch Thomas Kessler Teil des Teams von Lukas Kwasniok.
Neue Impulse durch engere Bindung zur Mannschaft
Nun trägt Trainertalent Wagner die Hauptverantwortung in der Domstadt. Am Montag erklärte Kessler, warum dies aus seiner Sicht der richtige Weg sei, worin Wagners große Stärke liege und was ihn von seinem ehemaligen Chef Lukas Kwasniok unterscheide. „Er ist ein sehr kommunikativer Mensch, hat auch eine Art, Leute mitzunehmen. René hat natürlich auch den großen Vorteil, dass er in unserer internationalen Mannschaft quasi sein eigener Simultandolmetscher sein kann. Ich habe selbst jemanden erlebt, der in Ansprachen zur Mannschaft auf Deutsch und Englisch sehr natürlich mit der Mannschaft sprechen kann, sodass auch die Emotionen übertragen werden“, schlussfolgerte der Geschäftsführer. Einer der Gründe für die Trainerentlassung sieben Spieltage vor Saisonende war, dass man sich für das Saisonfinale frische Impulse wünschte.
Wie diese Entscheidung für die interne Lösung Pro-Wagner damit zusammenpasse, erläuterte Kessler wie folgt: „Es hat eben nicht so viel gefehlt. Die Mannschaft hat die Qualität, die Saisonziele zu erreichen. Man hat Woche für Woche gesehen, dass die Mannschaft auf dem Platz alles dafür gibt. Manchmal fehlten eben nur Kleinigkeiten. Ich glaube, dann ist es von Vorteil, wenn du jemanden hast, der die Mannschaft mit all ihren Stärken und Schwächen kennt. Es liegt in der Natur der Sache, dass man vielleicht die eine oder andere Stellschraube anders dreht als in den Wochen zuvor“. Ausschlaggebend war auch die enge Beziehung zwischen Wagner und den Spielern. In diesem Aspekt geriet Ex-Coach Kwasniok bekanntlich mehrfach in die Kritik. „Ich nehme die Jungs so wahr, dass sie es sehr wohlwollend empfunden haben, in den letzten Monaten mit René zusammenzuarbeiten. Daher hoffe ich natürlich auch, dass der eine oder andere Spieler einen engeren Zugang zu den Jungs hat“, sagte Kessler.
Ist Kesslers Lösung zu gewagt?
Es bleibt abzuwarten, ob Wagner, für den es die erste Cheftrainerposition im Profifußball ist, die Geißböcke aus der Krise führen kann – zunächst gegen Frankfurt und dann gegen Bremen. Dabei schwebt über dem Wagner-Experiment insbesondere die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, auf einen unerfahrenen Coach zu setzen? Ja, meint Kessler. Mit der Unterstützung des jüngst verpflichteten Co-Trainers Armin Reutershahn gebe man Wagner geballte Bundesliga-Erfahrung mit auf den Weg. „Was man natürlich nicht wegdiskutieren kann, ist, dass er in der Bundesliga noch nie eine Mannschaft als Cheftrainer geleitet hat. Und da war für uns klar, dass wir ihm jemanden zur Seite stellen wollen, der sowohl charakterlich als auch fachlich zu ihm passt und eben auch die Erfahrung hat.“
„Haben uns gut darauf eingestellt“: Frauen-Trainerin Carlson verteilt Lob nach Sieg in Nürnberg
Daniel Mertens
Die Fußballerinnen des 1. FC Köln sind in Nürnberg in die Erfolgsspur zurückgekehrt und gewannen nach fünf sieglosen Spielen endlich wieder in der Bundesliga. Von Trainerin Britta Carlson gab es Anerkennung für die Leistungen.
Trainerin Britta Carlson lobte ihre Mannschaft für die Anpassung an einen oftmals destruktiven Gegner – und freute sich für die beiden Kölner Torschützinnen.
Das Duell im Max-Morlock-Stadion war kein fußballerischer Leckerbissen für die rund 1000 Zuschauer sowie die Fans vor den TV-Bildschirmen. Die Partie war zerfahren und von vielen Unterbrechungen geprägt. „Das Spiel ist genauso gekommen, wie wir es erwartet haben, dass du gegen einen sehr destruktiven Gegner spielst, der immer wieder gefährlich ist durch seine schnellen Offensivkräfte. Wir wussten, dass es schwer wird, hier Fußball zu spielen. Wir haben uns darauf vorbereitet und gut darauf eingestellt“, analysierte Kölns Trainerin Britta Carlson.
Lob von Carlson
Die Fußball-Lehrerin ärgerte sich, dass ihre Mannschaft nach der 2:0-Führung nicht nachlegte und so früh für klare Verhältnisse gesorgt hat: „Wir müssen eigentlich das 3:0 machen, vielleicht auch das 4:0 und kriegen durch eine Unachtsamkeit bei einem schnell ausgeführten Freistoß, bei dem wir nicht präsent sind oder nicht alle den Ball anschauen, ein unnötiges Gegentor.“ Die Trainerin freute sich insbesondere für die beiden Kölner Torschützinnen Laura Donhauser und Sandra Jessen: „Laura ist eine Spielerin, die sich immer komplett fürs Team einsetzt, immer Gas gibt. Sie hatte sich schon sehr viele Möglichkeiten in dieser Saison erarbeitet, aber nicht genutzt.“
Sandra Jessen beendete ihre Torflaute in Nürnberg nach 520 Minuten. „Ich glaube, das hat sie schon belastet, dass sie so lange nicht getroffen hat, weil sie immer wieder fleißig ist“, konstatierte Carlson, „heute hat sie auch ganz viele Wege vorne mit Pauline Bremer gemacht und sich das Tor hart erarbeitet.“ Jessen ist mit nunmehr zehn Saisontreffern immer noch in den Top Ten der Torjägerliste der Bundesliga.
Frauen jetzt mit 28 Punkten
Die FC-Frauen verbesserten ihr Punktekonto mit dem Sieg am Dutzendteich auf 28 Zähler auf, sind auf dem achten Platz allerdings auch wie festzementiert. Das wiederum wird am Geißbockheim jedoch niemanden stören, denn im vergangenen Sommer hätte man diese Zwischenbilanz fünf Spieltage vor dem Saisonende sofort unterschrieben. Am Wochenende winkt den FC-Frauen die ganz große TV-Bühne: Das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt wird aufgrund der Länderspielpause der Herren-Bundesliga live in der ARD übertragen. Die Partie beginnt mit Blick auf die 20-Uhr-Tagesschau deswegen zur ungewöhnlichen Anstoßzeit um 17:55 Uhr. Dieser Rahmen dürfte zweifellos für eine Extra-Motivation bei der Mannschaft sorgen.
Abschied vom Team des 1. FC Köln – So erfuhr Lukas Kwasniok von seinem Aus
Simon Bartsch
Nach acht Monaten ist die Zeit für den 44-Jährigen bei den Geißböcken abgelaufen. Die Chance, um seinen Job zu kämpfen, bekam der nun Ex-Trainer nicht mehr. So erfuhr Lukas Kwasniok vom Aus beim 1. FC Köln.
Der Abschied von Gerhard Struber und Christian Keller verlief im Mai mit vielen Nebengeräuschen, das Aus von Lukas Kwasniok deutlich stiller. Thomas Kessler erklärte am Montag, wie der Sonntag abgelaufen ist.
Lukas Kwasniok ist nicht mehr Trainer des 1. FC Köln (Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)
Keine halbe Stunde dauerte der letzte Auftritt am Geißbockheim als Trainer des 1. FC Köln für Lukas Kwasniok. Der 44-Jährige tauchte am Sonntagvormittag gut gelaunt auf und eben kurz darauf dann schon wieder genauso gut gelaunt wieder ab. Kwasniok wird sicherlich geahnt haben, dass sich seine Zeit beim FC dem Ende zuneigte. Ein Gespräch mit der Geschäftsführung um Thomas Kessler gab es jedenfalls zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Wir haben mit dem Trainer gestern nicht besprochen, sondern wir haben uns im Kreis der sportlichen Führung ausgetauscht und sind dann zu dem Entschluss gekommen“, sagte Thomas Kessler. Der Entschluss bedeutete das Aus des Trainers. Mit René Wagner ist bereits der Nachfolger gefunden und in den bisherigen Co-Trainer haben die FC-Bosse „vollstes Vertrauen“.
„Wir haben uns dann vernünftig ausgetauscht“
Das hatte bei Kwasniok abgenommen. So sehr, dass es eben nicht mehr ausreichte. Nach zwei Siegen in 18 Spielen und nur drei Punkten aus den vergangenen sieben Begegnungen wohl aus rein statistischer Sicht alles andere als überraschend. Dass der Trainer nicht mehr zu Wort kam, bedeutet auch, dass der Kampfgeist, den Kwasniok noch auf der Pressekonferenz nach dem 3:3 gegen Mönchengladbach zur Schau stellte, im Keim erstickt wurde. Der 44-Jährige bekam nicht mehr die Chance, einen Weg aufzuzeigen, wie er die Wende mit der Mannschaft schaffen will. Nachdem die Gremien das Trainer-Aus bestätigt hatten, suchte Kessler dann das persönliche Gespräch mit Kwasniok. „Wir haben uns dann aber noch vernünftig ausgetauscht. Wir haben da schon noch eine Zeit lang zusammengesessen und haben uns über Punkte ausgetauscht, aber da gab es jetzt keine Diskussionen“, so der Geschäftsführer weiter.
Die Entscheidung war zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon getroffen. „Natürlich war Lukas enttäuscht. Er hat sich sehr akribisch mit der Situation auseinandergesetzt und bis zum letzten Moment alles dafür getan, die Saisonziele zu erreichen. Dann ist eine Enttäuschung völlig normal“, sagte Kessler. Noch am Samstag hatte der 44-Jährige vehement für sich gekämpft, Werbung gemacht und möglicherweise die Entscheidungsträger damit auch ein wenig unter Druck gesetzt, zu handeln. Er spüre zu 100 Prozent Rückendeckung, so der Ex-Trainer. Für einen kleinen Beigeschmack sorgten unterdessen die Reaktionen einiger FC-Spieler. Die verliehenen Imad Rondic und Jusuf Gazibegovic ließen einen Like bei Instagram auf die Freistellungs-Meldung des FC da. Die beiden Spieler waren von dem 44-Jährigen ausgemustert worden.
Am Montagabend bekam Lukas Kwasniok die Chance, sich noch von der Mannschaft zu verabschieden. Wie die „Bild“ berichtet, sollen dazu die Spieler ins Stadion gekommen sein.