Vor Spiel des 1. FC Köln: Diese Spieler hat René Wagner aus dem Kader gestrichen
Simon Bartsch
Gegen Bremen steht FC-Trainer René Wagner nahezu der komplette Kader zur Verfügung. Bereits im Vorfeld hatte der Coach „schwere Entscheidungen“ angekündigt und erklärt, dass es enttäuschte Gesichter geben würde. Diese sind nun getroffen beim 1. FC Köln: Diese Spieler streicht René Wagner aus dem Kader.
Am Samstagabend steht das Heimspiel gegen Bremen auf dem Plan. Den Spieltagskader musste René Wagner deutlich ausdünnen. Denn bis auf Timo Hübers stehen dem Kölner Coach alle Spieler zur Verfügung. Somit heißt es für vier Akteure, nicht berücksichtigt worden zu sein.
René Wagner hatte „schwere Entscheidungen“ und „enttäuschte Gesichter“ angekündigt. Er wird wohl in beiden Fällen recht gehabt haben. Denn gleich vier Spieler müssen das Duell der Geißböcke gegen Bremen von der Tribüne aus schauen. Unter anderem mit Luca Waldschmidt ein recht prominenter Name. Der Offensivspieler war zu Beginn der Saison verletzungsbedingt ausgefallen, hatte die ersten Pflichtspiele verpasst. Bereits vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart kehrte Waldschmidt aber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Damals hieß es noch, dass es für das Duell gegen den VfB nicht reichen würde. Nun hat der ehemalige Nationalspieler eine weitere Trainingswoche in den Beinen und darf dennoch nicht ran. Für Waldschmidt sicherlich eine große Enttäuschung, denn der Routinier gehörte in der Vorbereitung zu den absoluten Gewinnern, sammelte die meisten Tore und Scorer. Für die Liga reicht es also weiterhin nicht.
Neben Waldschmidt fehlen noch weitere Spieler. Auch Rav van den Berg schaffte es nicht in den Kader. Der Innenverteidiger hat ebenfalls in dieser Saison noch nicht gespielt. Erstaunlich, denn der Abwehrspieler ist der teuerste Innenverteidiger der Vereinsgeschichte. Auch Imad Rondic wurde nicht berücksichtigt. Das kommt aber nicht überraschend. Der Stürmer war in der vergangenen Woche wieder in den Kader berufen worden. Das allerdings aufgrund der dünnen Personaldecke und nachdem er zur Vorbereitungsbeginn ausgemustert worden war.. Nun reicht es für den Stürmer wieder nicht. Und auch Reigan Heskey bekommt nicht die Chance, weitere Einsatzminuten zu sammeln. Der Youngster, der in diesem Sommer ebenfalls neu unter Vertrag genommen wurde, steht ebenfalls nicht im Kader. Bei Heskey werden die Verantwortlichen nicht müde zu betonen, dass der junge Spieler noch Zeit brauche. Im Überangebot der Offensivschiene ist diese Nicht-Berücksichtigung auch keine große Überraschung.
Frauen des 1. FC Köln gelingt Vereinsrekord – Verletzungsschock überschattet 3:0-Erfolg
Daniel Mertens
Die Kölner Fußballerinnen legen den besten Bundesliga-Start ihrer Vereinsgeschichte hin. Die Frauen des 1. FC Köln gewinnen gegen Union Berlin 3:0. Der dritte Sieg im vierten Spiel bedeutete den neuen Vereinsrekord. Der gesamte FC-Vorstand um Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek freute sich auf der Tribüne mit dem Team. Überschattet wurde der Nachmittag von dem Schreckmoment, als Sophie Nachtigall auf einer Trage vom Platz musste.
Kölns Trainerin Britta Carlson änderte ihre Startelf im Vergleich zum deutlichen 4:0-Auswärtserfolg beim 1. FSV Mainz 05 auf zwei Positionen. Sandra Jessen stand erstmals in dieser Saison in der Anfangsformation. Zudem kehrte Pauline Bremer in die erste Elf zurück. Amelie Bohnen und Lydia Andrade rutschten dafür auf die Ersatzbank.
Beide Mannschaften tasteten sich zunächst langsam in das Duell, doch nach einer Viertelstunde zogen die Kölnerinnen das Tempo an. Laura Vogt eroberte einen Ball stark im Mittelfeld, Sophie Nachtigall legte ab auf Pauline Bremer, die aus spitzem Winkel aber am langen Eck vorbeischoss (18.). Wenige Augenblicke später köpfte Taylor Ziemer eine Flanke von der rechten Seite von 29 am zweiten Pfosten im Fünfer freistehend knapp am Tor vorbei (19.). Den anschließenden Abstoß führte Unions Torfrau Nadine Böhi genau in den Fuß einer Kölnerin am Sechzehner aus. Pauline Bremer legte schließlich im Strafraum quer und Taylor Ziemer schoss, traf jedoch Böhi, von welcher der Ball zum Jubel der Kölnerinnen ins Tor trudelte (19.).
Vorentscheidung fällt kurz nach dem Wechsel
Die Gastgeberinnen blieben nun auf dem Gaspedal. Sandra Jessen besaß die beste Chance zum zweiten Tor, ihr platzierter Schuss wurde jedoch von einer Berlinerin noch entscheidend zur Ecke abgewehrt (33.). Nach diesem eigenen ruhenden Ball wurden die Kölnerinnen jedoch plötzlich ausgekontert. Sophie Nachtigall verlor das Laufduell gegen Berlins Jill Janssens, deren Schuss die FC-Torfrau Lisa Schmitz mit den Fingerspitzen zur Ecke abwehren konnte (34.). Ein Ausgleich wäre zu diesem Zeitpunkt auch äußerst schmeichelhaft gewesen. Die FC-Frauen sorgten kurz nach dem Seitenwechsel für die Vorentscheidung. Laura Feiersinger flankte vom Flügel vor das Tor, wo Böhi letztlich den Ball aus der Gefahrenzone fausten wollte, allerdings genau zu Pauline Bremer abwehrte, die zum 2:0 einköpfte (50.).
Einen Schreckmoment gab es jedoch kurz danach: Sophie Nachtigall musste von Sanitätern auf einer Trage aus dem Franz-Kremer-Stadion gebracht werden. Die Offensivspielerin war zuvor bei einem Kopfballversuch im Sechzehner unglücklich mit ihrem Kopf gegen eine Gegenspielerin geprallt. Die Kölnerinnen hatten einmal Glück, dass Nele Bauereisen einen leichtfertigen Ballverlust von Laura Vogt im eigenen Sechzehner nicht nutzen konnte und freistehend über das Tor schoss (72.). Auf der Gegenseite bediente die eingewechselte Lydia Andrade Taylor Ziemer, doch die Stürmerin traf nur das Außennetz (73.). Andrade machte schließlich nach einem hohen Ball von Jessen in die Spitze alles klar. Die Stürmerin reagierte gedankenschneller als die Berliner Abwehr, lief allein auf das Tor zu und vollendete zum 3:0 (83.).
Als nächstes gegen Bayern München
Unterm Strich stand ein auch in der Höhe verdienter Sieg, schon der dritte in Serie. Der FC kletterte damit – zumindest bis Sonntag – auf den dritten Platz, der am Saisonende den Sprung in die Champions-League-Qualifikation bedeuten würde. Basis des aktuellen Erfolgs ist die stabile Defensivleistung, die Kölnerinnen sind seit mittlerweile 315 Minuten ohne Gegentor. Am kommenden Samstag (14 Uhr) mit dem Auswärtsspiel beim amtierenden Double-Sieger Bayern München weiter.
Zwei Rückkehrer, schmerzhafte Abgänge, aber viel Laufstärke: Das erwartet den 1. FC Köln gegen Werder Bremen
Luca Kaiser
Acht Tage nach der deutlichen 1:4-Niederlage beim VfB Stuttgart wartet auf den 1. FC Köln bereits die nächste schwere Aufgabe. Am Samstagabend empfängt das Team von Trainer René Wagner im Topspiel Werder Bremen. Die Norddeutschen wollen nach dem erfolgreichen vergangenen Wochenende ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Darauf muss sich der 1. FC Köln gegen Werder Bremen einstellen.
Bei Werder Bremen war die Stimmung zu Saisonbeginn nicht wirklich positiv. Viele Anhänger, aber auch Experten sahen die Werderaner als klaren Abstiegskandidaten. Diese Gedanken wurden nach dem ersten Bundesligaspiel in Freiburg noch größer. Am zweiten Spieltag zeigte die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune jedoch, was in ihr steckt. Dadurch dürften die Gäste mit neuem Selbstvertrauen nach Köln reisen.
Sebastian Sebulonsen im Zweikampf im Duell gegen Bremen (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images))
Form: In der ersten Runde des DFB-Pokals waren die Bremer beim Oberligisten Lüneburger SK Hansa gefordert. Am Millerntor zeigte Werder von Beginn an eine konzentrierte, jedoch glanzlose Leistung und zog am Ende mit 3:0 in die nächste Runde ein. Zum Bundesliga-Auftakt folgte eine Woche später allerdings ein deutlicher Dämpfer. Beim SC Freiburg kam Bremen mit 1:4 unter die Räder und hatte Glück, dass das Ergebnis nicht noch deutlicher ausfiel. Am vergangenen Spieltag zeigten die Grün-Weißen dann vor heimischem Publikum gegen RB Leipzig wieder ein anderes Gesicht. Gegen die Roten Bullen wirkte Werder wie ausgewechselt und lag zwischenzeitlich mit 3:0 vorne. Trotz des Ehrentreffers von RB gewann Bremen am Ende völlig verdient und holte damit den ersten Dreier der Saison.
Im Fokus: Mit Niclas Füllkrug und Eren Dinkçi sind zwei alte Bekannte per Leihe zu Werder Bremen zurückgekehrt. Füllkrug wechselte bereits 2006 in die Bremer Jugend, schaffte den Sprung zu den Profis und kehrte 2019 nach seiner Zeit bei Hannover 96 zurück. Bis 2023 entwickelte er sich zum Leistungsträger und erzielte in 127 Pflichtspielen 51 Tore. Dinkçi kam 2019 in die U19 und schaffte Anfang 2021 den Sprung zu den Profis. 2023 ging er auf Leihbasis nach Heidenheim, ehe 2024 der endgültige Wechsel zum SC Freiburg folgte. Nun ist der 24-Jährige zurück und soll auf der rechten Seite für Tempo sorgen. Gegen RB Leipzig zeigten beide bereits, was sie Werder geben können: Füllkrug und Dinkçi trafen jeweils und überzeugten auch darüber hinaus mit starken Leistungen. Die Fans hoffen nun, dass beide daran anknüpfen und ihren Teil zum Klassenerhalt beitragen. Ein Problem bleibt jedoch: Werder besitzt für keinen der beiden eine Kaufoption. Überzeugen die Rückkehrer nachhaltig, könnte ihre Zukunft in Bremen im kommenden Sommer erneut zum Thema werden.
FC-Umfrage
Wer gewinnt?
Eintracht Frankfurt vs.
1. FC Köln
Frankfurt
0 %
X
Remis
0 %
Köln
0 %
0 Stimmen
Schmerzhafte Abgänge: Werder musste im Sommer einige schmerzhafte Abgänge verkraften. Romano Schmid, Mio Backhaus und Karim Coulibaly stehen nicht mehr im Bremer Kader und hinterlassen jeweils ihre eigene Lücke. Besonders der Abgang von Schmid wiegt dabei schwer, da der Österreicher mit seiner Kreativität und spielerischen Qualität eine wichtige Rolle bei Werder einnahm. Auch Torhüter Mio Backhaus und Karim Coulibaly gehören zu den Spielern, deren Abgänge Bremen kompensieren muss. Hinzu kommt, dass sich mit Jens Stage und Justin Njinmah bereits zu Saisonbeginn zwei wichtige Spieler verletzt haben und Werder damit einige Zeit fehlen werden. Trotz der Rückkehrer muss Bremen damit aktuell einige personelle Rückschläge verkraften.
Laufstärke: Werder ist aktuell die drittlaufstärkste Mannschaft der Bundesliga. Nur Eintracht Frankfurt mit 247,2 Kilometern und der FC Bayern München mit 243,5 Kilometern kommen in den ersten beiden Ligaspielen auf eine noch höhere Laufleistung.
Harte Spielweise: Neben der Laufbereitschaft zeichnet Bremen auch eine körperlich intensive Spielweise aus. Mit bislang 27 Fouls am Gegner liegt Werder in dieser Statistik auf Platz drei. Nur der Hamburger SV mit 32 und Borussia Mönchengladbach mit 29 haben bislang häufiger Fouls am Gegner begangen.
Bremen meist im 4-3-3-System
Formation: Daniel Thioune setzte in den ersten beiden Bundesliga-Spielen jeweils auf ein 4-3-System. Im Tor ist Karl Hein die klare Nummer eins, in der Viererkette sind Amos Pieper und Marco Friedl gesetzt. Rechts dürfte Neuzugang Arthur nach seinem ordentlichen Auftritt gegen RB Leipzig zunächst den Vorzug erhalten, links hat Olivier Deman aktuell die Nase vorn. Mit Moussa Ndiaye, der am Deadline Day nach Bremen wechselte, bekommt er jedoch neue Konkurrenz. Auf der Sechs kämpfen Senne Lynen und Neuzugang Youri Reeger um den Platz. Nach einem schwachen Auftakt von Lynen überzeugte Reeger gegen Leipzig, weshalb der Neuzugang derzeit die besseren Karten hat. Auf den Achterpositionen sind Chuki und Ludovit Reis gesetzt. Offensiv bilden Marco Grüll links, Niclas Füllkrug im Zentrum und Eren Dinkçi rechts aktuell die erste Wahl.
Ausfälle VfB: Werder muss beim Spiel in Köln auf Keke Topp (Kreuzbandriss), Jens Stage (Sehnenriss) und Justin Njinmah (Oberschenkelverletzung) verzichten. Zudem sind Mitchell Weiser (Trainingsrückstand), Felix Agu (muskuläre Probleme) und Senne Lynen (Magenprobleme) fraglich.
Die Frauen des 1. FC Köln peilen gegen Union Berlin den dritten Sieg in Folge an: „Haben Selbstbewusstsein getankt“
Daniel Mertens
Die FC-Frauen haben die große Chance, sich mit dem dritten Sieg in Folge im oberen Drittel der Bundesliga festzusetzen. Die Favoritenrolle liegt vor dem Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen Union Berlin auch klar auf der Kölner Seite. Die Frauen des 1. FC Köln empfangen den 1. FC Union Berlin.
FC-Trainerin Britta Carlson warnte vor dem kommenden Gegner. Und das, obwohl die Rollen – geht man rein nach der aktuellen Tabelle – klar verteilt sind.
Sechs Punkte aus den ersten drei Spielen, zuletzt zwei Siege in Folge. Die Frauen des 1. FC Köln stehen derzeit um sechs Punkte besser da als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs, das sich damals noch zur Rekord-Saison für den FC entwickeln sollte. Folgerichtig unterstrich auch die routinierte Torfrau Lisa Schmitz: „Wir haben im Laufe der Vorbereitung und auch im Vergleich zum vergangenen Jahr nochmal eine große Entwicklung genommen.“ Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin scheinen die Rollen klar verteilt zu sein. Während die Kölnerinnen als Fünfter gut aus den Startblöcken gekommen sind und zuletzt zweimal in Folge gewannen, hängt Berlin als Vorletzter im Tabellenkeller. Die Berlinerinnen verloren alle drei Spiele. Allerdings waren mit Frankfurt und München auch zwei Schwergewichte unter den Gegnern.
„Die müssen richtig Gas geben“
„Union hat sich ja selbst hohe Ziele gesteckt, sie hatten allerdings bisher einen schwierigen Start in die Saison. Ich bin mir aber sicher, dass sie auf jeden Fall noch kommen und weiter oben angreifen werden“, urteilte Kölns Trainerin Britta Carlson und betonte: „Sie haben sich vor Transferschluss noch einmal mit Qualität verstärkt. Da sieht man ganz klar die Ambitionen. Das wird für uns auf jeden Fall ein schweres Spiel am Samstag. Wir freuen uns auf ein tolles Heimspiel und auf einen Gegner, der uns wieder alles abverlangen wird. Wir haben durch unsere bisherigen Spiele auch Selbstbewusstsein getankt.“
Der Star beim kommenden Kölner Gegner sitzt zweifelsohne auf der Trainerbank: Marie-Louise Eta übernahm das Frauen-Team im Sommer und war zuvor zwei Monate Interimscoach des Herren-Teams der Berliner. Damit war die 35-Jährige die erste Frau auf dem Trainer-Stuhl in der Geschichte der Herren-Bundesliga. Kölns Keeperin Lisa Schmitz erwartet am Samstag einen kämpferischen Gegner im Franz-Kremer-Stadion: „Ich vermute mal, dass Union mit Vollgas hier ankommen wird. Die sind nicht so gut in die Saison gestartet und die müssen richtig Gas geben, um einiges wieder gutzumachen. Das kann uns aber auch entgegenkommen, sodass wir relativ frei aufspielen können. Wir haben ein Heimspiel, sind zu Hause in unserem Stadion vor unseren Fans und können so weiterspielen, wie wir das bisher gemacht haben. Die Mannschaft ist bereit für Samstag gegen Union.“
Mit einem weiteren Dreier und dann neun Zählern auf der Habenseite wären die Kölnerinnen vorerst sicher im oberen Drittel der Tabelle – was insgeheim das Saisonziel des FC sein dürfte. Zudem hätte das Team dafür auch ein kleines Punktepolster mit Blick auf das darauffolgende schwere Auswärtsspiel in München.
Nach den Neuverpflichtungen: Wurde Jakub Kaminski beim 1. FC Köln adäquat ersetzt?
Simon Bartsch
Müsste man den Kreis der Erfolgsgaranten der vergangenen Saison beim FC auf zwei Personen eingrenzen, so wäre neben Said El Mala sicherlich Jakub Kaminski zu nennen. Der Pole war wohl die große Überraschung der vergangenen Spielzeit, sein Abschied schmerzhaft, aber folgerichtig für den 1. FC Köln: Wurde Jakub Kaminski überhaupt adäquat ersetzt?
Anthony Modeste, Jonas Hector, ja sogar Ellyes Skhiri – in der jüngeren Vergangenheit kämpften die Kölner immer wieder damit, das abgewanderte Leistungsträger nicht adäquat ersetzt wurden. In der vergangenen Spielzeit überzeugte vor allem Jakub Kaminski. Sein Weggang war verständlich, deswegen aber nicht weniger schmerzhaft. Nun stellt sich durchaus die Frage, ob es einen Ersatz für den Polen gibt.
Wer wird Nachfolger von Jakub Kaminski beim 1. FC Köln?
Wie schon eine Fußballfloskel sagt: „Verliebe dich nie in einen Leihspieler“. Wobei es bei Jakub Kamiński korrekterweise ja heißen muss: „Verliebe dich nie in einen Leihspieler, für den du zwar eine Kaufoption besitzt, die allerdings eine Ausstiegsklausel beinhaltet.“ Es war der Deal der Saison. Nur 5,5 Millionen Euro Ablöse für einen der besten Kicker der jüngeren FC-Vergangenheit. Die guten Leistungen blieben allerdings nicht unentdeckt. Benfica Lissabon machte Kaminski diese Transferperiode mit einer Ablöse von 17 Millionen Euro zum zweitteuersten Abgang der Vereinsgeschichte. Klar, ein Transferplus von 11,5 Millionen Euro ist ein absoluter Segen, nur stellt sich nach einem 63 Tage offenen Transfermarkt, der zehn neue FC-Spieler hervorgebracht hat, die Frage: Konnte man den Dauerbrenner der vergangenen Saison adäquat ersetzen?
Wie ersetzt man einen Allrounder?
Als Erstes ist natürlich zu klären, auf welcher Position man Kaminski überhaupt ersetzen musste. Ein Spieler, für den die Bezeichnung „Allrounder“ einst erfunden wurde. Egal ob auf den offensiven Außenbahnen, auf der 10, auf der 6 oder als Rechtsverteidiger, Kaminski kam in der vergangenen Saison auf fast jeder Position zum Einsatz. Am Ende hätte es überspitzt gesagt wohl auch keinen mehr überrascht, wenn er selbst Marvin Schwäbe im Tor ersetzt hätte. Dazu stand der laut Ex-Trainer Lukas Kwasniok beste Spieler des Kaders in jedem Pflichtspiel in der Startelf. 7 Tore und 5 Vorlagen konnte er dabei verbuchen. Einzig Saïd El Mala kam auf noch mehr Scorerpunkte. Problem nur, El Mala braucht man schon als El Mala. Er scheidet als Kaminski-Ersatz somit aus.
Ersatz aus den eigenen Reihen?
Könnte stattdessen ein anderer Spieler der Ersatz sein, der bereits in der vergangenen Saison das FC-Trikot getragen hat? Luca Waldschmidt – mit neun Scorern war er quantitativ nicht viel weniger erfolgreich als Kaminski und hat dafür auch noch zehn Spiele weniger gebraucht. Auch in der Vorbereitung hat sich abgezeichnet, dass Waldschmidt die offensive Mittelfeldrolle im 4-2-3-1 System übernehmen kann, bevor auch ihn muskuläre Probleme zunächst wieder zurückgeworfen haben. Bei Waldschmidt kommt einem aber auch ein Wort recht schnell in den Sinn: Inkonstanz. Über die fußballerischen Fähigkeiten des ehemaligen Nationalspielers sind sich wahrscheinlich alle einig. Zu selten konnte er diese aber über einen längeren Zeitraum auf den Platz bringen. Dazu kommt, dass Waldschmidt in seine bereits vierte Saison beim FC geht. Und jede Spielzeit aufs Neue schwingt die Hoffnung mit „Diesmal platzt der Knoten“.
Das Problem ist, der Knoten ist bisher noch nicht geplatzt. Und: Kaminski verfügte über eine beeindruckende Intensität. Die meisten Sprints beim FC, die meisten intensiven Läufe, viele Kilometer in den Beinen. Zwar kommt der Siegener nicht an das läuferische Volumen des Polen, aber auch Waldschmidt spult erstaunlich viele Kilometer ab. Ein Waldschmidt auf dem Niveau des Vorjahres-Kaminskis wäre ein Traumszenario. Alles nur darauf zu setzen wäre aber fahrlässig.
Ein Neuzugang als großes Versprechen
Linton Maina, Jan Thielmann – es gibt noch weitere Spieler, die offensiv Akzente setzen können – es in der jüngeren Vergangenheit zu selten und wenn, dann ohne Konstanz taten. Daher richtet sich der Blick eher auf die Neuzugänge. Alle Positionen, auf denen Kaminski zum Einsatz kam, wurden nachbesetzt. Als echter Ersatz ist am naheliegendsten aber natürlich der spät dazugestoßene Mikey Moore. Auch er gilt als Allrounder, kann offensiv alle Positionen besetzen. Und das Beste: Durch gleich zwei neue Außenverteidiger ist auch nicht davon auszugehen, dass Moore hinten aushelfen muss. In der vergangenen Saison ist Moore auf ähnliche Zahlen gekommen wie Kaminski. Doch es gibt auch hier ein aber: Man darf nicht vergessen, dass Moore erst 19 Jahre alt ist. Als Kaminski im vergangenen Sommer zum FC gestoßen ist, war dieser bereits ein gestandener Bundesligaprofi und Nationalspieler.
Und dennoch: Tottenham-Coach Roberto de Zerbi hat in den englischen Youngster in den bisherigen Pflichtspielen nicht ohne Grund immer eingesetzt. Wenn Moore also halten sollte, was sich alle versprechen, könnte der Name Kaminski bald vergessen sein. Nur ist Moore eben auch ein Leihspieler, sogar einer ohne Kaufoption. Und so stehen die Chancen nicht schlecht, dass man sich in genau einem Jahr wieder eine Frage stellen muss: Konnte man den Dauerbrenner der vergangenen Saison adäquat ersetzen?
Neuzugang Mikey Moore läuft für den FC mit der 47 auf. Said El Mala wechselte seine Rückennummer im Sommer von der 13 auf die Zehn.
Von wo wurde Moore verpflichtet?
Der FC hat Moore aktuell aus England von den Tottenham Hotspur ausgeliehen. In der Vorsaison spielte er auf Leihbasis in Schottland bei den Glasgow Rangers.
Von wo wurde El Mala verpflichtet?
Said El Mala wechselte im Sommer 2025 gemeinsam mit seinem Bruder Malek von Viktoria Köln zum FC.
DFL terminiert die weiteren Spiele: Für den 1. FC Köln wird der Derbytag ein Sonntag
Simon Bartsch
Der Rahmenkalender der Geißböcke nimmt weitere Konturen an. Nur wenige Minuten nachdem der DFB die Pokalrunde genau terminiert hat, zog die DFL nach. Es gibt eine Reihe Sonntagsspiele für den 1. FC Köln: DFL terminiert Spieltage 5 bis 11 der Saison 2026/27. So muss der FC ran.
Der Spielplan der Bundesliga-Saison 2026/27 bekommt die nächsten genauen Spielzeiten, die weiteren sieben Spieltage sind genau terminiert. Und für den FC gibt es gleich mehrere Sonntagsspiele.
Bevor der FC am Samstagabend das erste Topspiel der neuen Saison bestreitet, hat die DFL die weiteren Termine für die Bundesliga bekannt gegeben. Die Spiele 5 bis 11 wurden genau terminiert. Und für die Geißböcke entwickelt sich der Derbytag zu einem Sonntag. Denn nach der Länderspielpause steht das erste Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach an und das am Sonntagnachmittag. Auch gegen die Werkself aus Leverkusen geht es am Sonntag – allerdings erst im November. Bei beiden handelt es sich erst einmal um Heimspiele. Ebenfalls an einem Sonntag findet die Begegnung gegen Union Berlin statt, fünf Tage nach dem Pokalfight – ebenfalls gegen die Eisernen. Zwei Partien werden am Samstagnachmittag ausgetragen, die Heimspiele gegen den FC Schalke 04 und gegen die SV Elversberg. Die beiden Auswärtsspiele gegen die Bayern und Frankfurt werden freitags ausgetragen.
Karnevalsspiel in Bremen
Das Karnevalsspiel wird erwartungsgemäß auswärts stattfinden. Die Kölner sind Anfang Februar zu Gast in Bremen. Am letzten Spieltag empfangen die Geißböcke den SC Paderborn. Dann sollte das Thema Klassenerhalt in trockenen Tüchern sein.
Trotz Ausfall in Stuttgart: Hat sich in 17 Minuten die Stürmerhierarchie beim 1. FC Köln verändert?
Matthias Wilhelm
Ragnar Ache galt beim 1. FC Köln über den ganzen Sommer hinweg als unangefochtene Nummer eins im Sturmzentrum. Dieser Status könnte nach dem Bundesligaauftakt allerdings infrage stehen. Neuzugang Thijs Dallinga überzeugte bei seinem Debüt sofort und sicherte dem FC nach seiner Einwechslung mit zwei Toren den Sieg gegen Hoffenheim. Im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart fehlte der Niederländer krank, überzeugen konnte Ache in seiner Abwesenheit aber auch nicht.
Noch nie ist es einem Spieler des 1. FC Köln gelungen, in seinem ersten Bundesligaspiel doppelt zu treffen. Das galt jedenfalls bis zum ersten Spieltag. Nach 65 Minuten verließ Ragnar Ache gegen die TSG Hoffenheim den Platz und wurde von Thijs Dallinga ersetzt. Der Niederländer brauchte lediglich sieben Minuten, um in der Bundesliga anzukommen und sein erstes Tor zu erzielen. Zehn Minuten später folgte auch schon sein zweiter Streich, dieses Mal zum 3:2-Siegtreffer. Der perfekte Einstand. Aber auch gut genug, um Ache aus der Startelf zu verdrängen?
Thijs Dallinga jubelt nach seinem Tor für den 1. FC Köln
Besser kann ein Stürmer wohl nicht starten. Thijs Dallinga hat gegen Hoffenheim seine Qualitäten sofort unter Beweis gestellt. Beim ersten Tor verschaffte sich der Stürmer durch einen cleveren Lauf Raum für den Abschluss, beim zweiten zögerte er nicht lange und knallte den Ball ins Netz. Fähigkeiten, die dem 1. FC Köln sehr gut zu Gesicht stehen. Ob er diese in Zukunft von Beginn an zeigen darf, ist noch unklar. Sturmkollege Ragnar Ache stand in den ersten beiden Spielen in der Startelf, konnte allerdings nicht überzeugen. Gegen Bremen ist Dallinga nun wieder eine Option.
Bei der Frage nach Ache oder Dallinga spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Die beiden Mittelstürmer unterscheiden sich in diversen Bereichen und bringen jeweils ein ganz eigenes Profil mit. Ache ist ein Stürmer, der sehr stark mit dem Rücken zum Tor ist. Die Nummer Neun ist zudem gut in der Luft und beschäftigt seine Gegenspieler viel, wodurch Räume für die Teamkollegen aufgehen. Mit seiner Physis ist er gegen fast jeden Gegner in der Lage, sich durchzusetzen und den Ball festzumachen, während die Mitspieler nachrücken. Auch bei Offensivstandards geht von dem 28-Jährigen stets Gefahr aus.
Dallinga ist ein anderer Spielertyp. Der Niederländer ist zwar 1,90 Meter groß, dennoch wesentlich weniger körperlich in seinem Spiel. Stattdessen glänzt er durch einen eiskalten Abschluss und ein gutes Gespür im Strafraum, was er gegen Hoffenheim bereits eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit der Rückennummer 27 tritt er beim FC in die Fußstapfen von Stürmern wie Anthony Modeste und Davie Selke. Womöglich kann er dem Kölner Publikum mit seinen Toren in Zukunft ähnlich viel Freude bereiten.
Die Option Doppelspitze
Bei der Verpflichtung von Dallinga wurde betont, dass er nicht nur als Ersatz von Ache, sondern auch neben ihm auflaufen könnte. Ex-Trainer Steffen Baumgart hat bereits gezeigt, dass ein solches System am Rhein funktionieren kann. Damals waren es die beiden Stürmer Modeste und Sebastian Andersson, die zeitweise nebeneinander aufliefen. Die Idee dahinter scheint klar: Eine starke Präsenz im gegnerischen Strafraum und die Möglichkeit, die beiden Zielspieler mit Flanken zu finden. So ein Modell wäre auch mit Dallinga und Ache denkbar. Mit Spielern wie Said El Mala, Mikey Moore und dem Deadline-Day-Zugang Borna Sosa stehen zudem verschiedene Profis im Kader, die in der Lage sind, eine solche Doppelspitze in Szene zu setzen und mit Flanken zu bedienen.
Jetzt steht aber schon fest: Egal, ob Dallinga, Ache oder eine Doppelspitze aus den beiden auf dem Platz steht, der FC und René Wagner haben zwei spannende Spieler für die Stürmerposition in den eigenen Reihen. Welche Option zunächst für den dritten Spieltag gewählt wird, wird sich am Samstagabend um 17:30 zeigen, wenn die Aufstellung für die Partie gegen Werder Bremen veröffentlicht wird.
Welche drei Spieler haben zuletzt die Rückennummer 27 beim FC getragen?
Die letzten drei Spieler mit der 27 auf dem Rücken war alle Stürmer. Zuletzt lief Imad Rondic mit der Nummer auf, davor waren es Davie Selke und Anthony Modeste.
Von welchem Verein wurde Thijs Dallinga verpflichtet?
Der FC hat Dallinga vom italienischen Erstligisten FC Bologna ausgeliehen. Die Geißböcke verfügen allerdings über eine Kaufoption für den Stürmer im nächsten Sommer. Diese soll bei rund elf Millionen Euro liegen.
Sind Dallinga und Ache Nationalspieler?
Nein. Thijs Dallinga hat vor einigen Jahren ein Spiel für Oranje absolviert, wurde seitdem aber nicht mehr nominiert. Ache ist noch ohne Länderspiel und wäre sowohl für Deutschland, als auch für Ghana spielberechtigt.
Flügelzange des 1. FC Köln: So können Said El Mala und Mikey Moore für jeden Gegner zur Waffe werden
Erik Stalleicken
Es sind die Unterschiede, die das Duo für die Geißböcke so interessant und für die Gegner so gefährlich machen. Mit den individuellen Qualitäten auf den beiden Außenpositionen müssen sich die Kölner in der Liga sicherlich nicht verstecken – eine Chance für den 1. FC Köln: Said El Mala und Mikey Moore können zur Waffe werden.
So verschieden die beiden Akteure auch sein mögen, so gut könnten sie gemeinsam für den FC funktionieren. Laufen Said El Mala und Mikey Moore zusammen auf, stehen die Gegner definitiv vor einer Herausforderung.
Wie die Flügelzange des 1. FC Köln zur Waffe werden kann
Das 1:4 beim VfB Stuttgart war aus Sicht des 1. FC Köln ein Abend zum Vergessen. Über weite Strecken fand der FC offensiv kaum Lösungen, kam nur selten gefährlich vor das Stuttgarter Tor und musste sich am Ende deutlich geschlagen geben. Besonders in der ersten Halbzeit fehlte es dabei auch an individueller Qualität zur Chancenkreation durch Einzelaktionen. Said El Mala, der in den vergangenen Monaten immer wieder für genau solche Momente gesorgt hatte, fehlte krankheitsbedingt. Mit der Einwechslung von Mikey Moore zum Seitenwechsel, stand plötzlich ein Kölner auf dem Platz, der sofort für deutlich mehr Bewegung im Offensivspiel sorgte. Der Engländer suchte das Eins-gegen-Eins, setzte sich mehrfach durch. Nachdem er seine eigenen Torchancen noch vergeben hatte, bereitete er das zwischenzeitliche 1:3 vor. Am Ausgang der Partie änderte das zwar nichts mehr, unterstrich aber Moores Qualitäten im letzten Drittel. So kann das Duo aus Said El Mala und Mikey Moore Spiele zugunsten des 1. FC Köln entscheiden.
Hat der FC seinen nächsten Unterschiedsspieler gefunden?
Moore besitzt eine Qualität, die für den 1. FC Köln im letzten Drittel besonders wertvoll sein kann. Der 19-Jährige ist nicht darauf angewiesen, auf einer festen Position zu bleiben, sondern sucht sich seine Räume selbst. Gegen den VfB war er fast überall auf dem Feld zu finden. Offensiv kann Moore nahezu jede Position bekleiden. Besonders gefährlich wird er, wenn er zwischen den Linien auftaucht. Dort kann er sich auf engem Raum mit seinem Dribbling aus Situationen lösen, Gegenspieler binden und entweder mit einem kreativen Pass die nächste Aktion einleiten oder selbst zum Abschluss kommen. Beides sind Muster, die bereits bei seinem Debüt zur Geltung kamen. Genau diese Mischung macht die Leihgabe für René Wagner so interessant. Der Cheftrainer bezeichnete seinen Neuzugang als einen Spieler, „der für uns den Unterschied machen kann“. Ein weiterer Spieler von diesem Format ist Said El Mala. Sobald dieser wieder fit ist und auf seine Stammposition, den linken Flügel, zurückkehrt, dürfte Moore häufiger auf der rechten Seite zum Einsatz kommen. Seine positionslose Spielweise könnte dabei ein großer Vorteil sein.
Denn mit El Mala auf der Gegenseite verfügt der FC über einen Spieler, der anders gefährlich wird. Während Moore seine Stärken auch in tödlichen Zuspielen auf seine Mitspieler hat, lebt El Mala stärker von seiner Dynamik, seinem Tempo und dem Zug zum Tor. Der 20-Jährige kann mit explosiven Läufen die Tiefe attackieren, Gegenspieler im Eins-gegen-Eins stehen lassen und anschließend selbst den Abschluss suchen. In der vergangenen Saison hat er bereits eindrucksvoll bewiesen, wie gefährlich er in der Bundesliga werden kann. Damit bringt auch El Mala genau jene individuelle Qualität mit, die dem FC gegen kompakte Gegner helfen kann – allerdings auf einem anderen Weg als Moore.
Genau diese Unterschiede machen dieses Duo so interessant. Anders als noch in der Vorsaison muss der Gegner sich so auf mehr als nur die linke Seite konzentrieren. Taucht Moore zwischen den Linien auf, muss die Defensive entscheiden, ob sie einen Mittelfeldspieler oder sogar einen Innenverteidiger aus seiner Position zieht. Gleichzeitig kann El Mala auf der anderen Seite die Tiefe attackieren. Wird wiederum die linke Seite stärker zugestellt, bekommt Moore auf der Gegenseite Räume. Diese Wechselwirkungen machen die FC-Offensive schwerer auszurechnen. Dass die Kölner dabei auf außergewöhnliches Potenzial zurückgreifen können, zeigt auch der Blick auf die Marktwerte. Während El Malas Marktwert auf rund 45 Millionen Euro taxiert wird, liegt Moore bei noch 18 Millionen Euro. Damit verfügt man über eine Flügelzange, die sich abseits der Bayern vor keiner anderen der Liga verstecken muss. Für einen Klub wie den 1. FC Köln ist eine solche Ansammlung an individueller Qualität auf den Außenpositionen alles andere als selbstverständlich.
Aus zwei Unterschiedsspielern entsteht allerdings noch nicht automatisch eine funktionierende Offensive. Genau hierin liegt die Aufgabe von René Wagner. Der Trainer muss eine Struktur finden, in der Moore seine Freiheit zwischen den Linien nutzen kann und El Mala gleichzeitig seine Dynamik ausspielen darf. Dazu benötigt es auch eine ausreichende Absicherung der Hintermannschaft. Gelingt dieser Spagat, könnte diese Offensive einige Spiele zugunsten der Domstädter entscheiden. Moore kann mit seinen kreativen Aktionen eine Defensive auseinanderziehen, El Mala mit Dynamik, Tiefgang und Torgefahr zuschlagen. Der Ausfall von El Mala in Stuttgart hat bereits eindrucksvoll bewiesen, wie sehr dem FC eine solche individuelle Qualität fehlen kann.
Neuzugang Mikey Moore läuft für den FC mit der 47 auf. Said El Mala wechselte seine Rückennummer im Sommer von der 13 auf die Zehn.
Von wo wurde Moore verpflichtet?
Der FC hat Moore aktuell aus England von den Tottenham Hotspur ausgeliehen. In der Vorsaison spielte er auf Leihbasis in Schottland bei den Glasgow Rangers.
Von wo wurde El Mala verpflichtet?
Said El Mala wechselte im Sommer 2025 gemeinsam mit seinem Bruder Malek von Viktoria Köln zum FC.
Der Club der 100 Spiele wird dünner: Wer sind die neuen Identifikationsfiguren?
Tim Schmermbeck
Der sportliche Verlust von Florian Kainz, Dominique Heintz, Eric Martel und Denis Huseinbasic lässt sich, auch in Anbetracht der Neuzugänge, sicherlich verkraften. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass der FC mit diesen Abgängen nicht nur reichlich an Erfahrung verliert, sondern auch Spieler, die tragende Säulen für den Verein waren. Wer wird die neue Identifikationsfigur beim 1. FC Köln?
Mit weit über 100 Pflichtspielen für den FC hat unter anderem Eric Martel die Kölner diesem Sommer verlassen. Auch weitere Lücken wurden gerissen. Doch wer füllt diese und wird zur neuen Identifikationsfigur der Geißböcke?
Nach dem Abgang von unter anderem Eric Martel sucht der FC eine neue Identifikationsfigur
Im aktuellen Kader befinden sich nur sechs Spieler, die seit mehr als drei Saisons ununterbrochen beim 1. FC Köln spielen. Das sind Jan Thielmann, Marvin Schwäbe, Timo Hübers, Linton Maina, Luca Waldschmidt und Matthias Köbbing. Letztgenannter ist zwar bei Mitspielern und Fans gleichermaßen beliebt und stellt sich wie kaum ein anderer jedes Jahr aufs Neue in den Dienst der Mannschaft, hat allerdings auch noch kein Pflichtspiel für den FC absolviert. Als richtige Identifikationsfigur scheidet er somit aus. Torwartkollege Marvin Schwäbe ist hingegen der Inbegriff von Identifikationsfigur und das nicht nur aufgrund seines Kapitänsamts.
Als Herausforderer von Urgestein Timo Horn hat er sich den Platz im Tor mit Leistung erobert. Hat auch gegenüber Jonas Urbig am Ende nicht den Kürzeren gezogen. Auch in den eher schwierigen Saisons hat man seine Leistung immer ausgeklammert, wenn es darum ging, die Schuldigen auszumachen: „An ihm lag es nicht“. Der Vertrag läuft allerdings im kommenden Sommer aus. In der zurückliegenden Transferperiode vernahm man auch vereinzelt Meldungen, der FC wäre auch bereit, Schwäbe bei einem guten Angebot abgeben zu wollen. Der Transfermarkt ist aber jetzt geschlossen, Marvin Schwäbe weiterhin die Nummer 1 im Kölner Tor und zumindest noch in der kommenden Saison eine Identifikationsfigur des FC.
Schwankende Leistungen
Thielmann, Maina und Waldschmidt teilen alle ein ähnliches Schicksal. Die Leistungen schwanken zwischen Genie und Wahnsinn. Von allen erhofft man sich Jahr für Jahr, dass der Knoten doch endlich platzen muss. Gerade Thielmann, Eigengewächs, Deutscher B-Jugend-Meister, Kabinen-DJ, wäre als Kölsche Identifikationsfigur prädestiniert. Man hat bei ihm aber eher das Gefühl, dass er den Status des ewigen Talents nicht mehr loswird. In keiner Saison hat er mehr als drei Tore geschossen. Auch bei ihm vernahm man, dass man ihm bei einem möglichen Wechsel keine Steine in den Weg gelegt hätte.
Timo Hübers schwere Verletzung war auch ein Grund, warum der FC in der vergangenen Saison ins Straucheln geraten ist. Der Mannschaft fehlte ihr Abwehrchef spürbar. Hübers Qualitäten als Führungsspieler und Identifikationsfigur sind unbestritten. Nicht umsonst hat er die Mannschaft eine Saison lang als Kapitän auf den Platz geführt. Trotzdem muss man sich, so weh es auch tut, fragen, ob Hübers nach der schweren Verletzung überhaupt noch einmal zu seinem alten Niveau zurückfinden, im schlimmsten Fall sogar, ob er überhaupt noch einmal spielen kann. Aber auch neben dem Platz ist Hübers eng mit der Mannschaft verbunden, ist mit ins Trainingslager gefahren und arbeitet kontinuierlich an seinem Comeback. Den Traum, ihn nochmal im FC-Trikot auf dem Platz zu sehen, teilt er mit den Fans.
Der Rückkehrer
Bei seiner Entscheidung, zum 1. FC Köln zurückzukehren, dürfte Ellyes Skhiri sicherlich auch der 27. Mai 2023 in Erinnerung gekommen sein. Beim emotionalen Abschied von Timo Horn und Jonas Hector wurde plötzlich auch er von den Fans zur Südkurve geordert und lautstark gefeiert. Flaco hatte sich das Standing in den vier Jahren im FC-Dress aber auch reichlich verdient. Nicht als Lautsprecher, sondern mit seinen Leistungen. Keiner ist so viel gelaufen wie er, Einsatzwille von der ersten bis zur letzten Minute und mit sieben Toren in seiner letzten Bundesligasaison war er plötzlich auch torgefährlich. Ihn nicht adäquat ersetzt bekommen zu haben, war auch einer der Gründe für den Abstieg in der darauffolgenden Saison.
Umso größer ist jetzt die Freude über seine Rückkehr. Auch wenn diese nicht allein auf seine sportliche Leistung in der jüngeren Vergangenheit zurückzuführen ist. Bei Eintracht Frankfurt war er in der letzten Saison eher als Rotationsspieler unterwegs, dazu hat er mit Tunesien eine WM zum Vergessen gespielt. Aber genau das macht ihn zu einem Topkandidaten als alte neue Identifikationsfigur. Der verlorene Sohn, der genau da zu alter Stärke findet, wo seine Karriere erst so richtig Fahrt genommen hat. Das ist genau das, was die Fans sehen wollen. Und spätestens, wenn er dann noch einmal ein Tor im Stil seines allerersten Bundesligators gegen Freiburg erzielt, ist er auch beim letzten Fan zurück im Herzen.
In diesen Herzen hat er bereits einen sehr großen Platz eingenommen. Und würde man unter FC-Fans eine Umfrage nach der größten Identifikationsfigur machen, fiele sein Name wohl am häufigsten – Saïd El Mala. Und dafür hat er nur eine Saison gebraucht. Wobei, wenn man ehrlich ist, haben seine ersten 44 Minuten dafür ausgereicht. So lange hat es nämlich gedauert, bis er sein erstes Tor für den FC erzielt hat. Und nicht nur irgendwie, sondern mit einem Strahl genau in den Knick. Eine Art von Tor, das wir nicht zum letzten Mal bestaunen durften. El Mala erfüllt die Sehnsucht, die FC-Fans seit Lukas Podolski hegen.
Einen Spieler in den eigenen Reihen zu sehen, der Dinge kann, die kaum ein anderer kann. Ein Spieler, der, wenn er am Ball ist, immer und aus jeder Situation ein Tor erzielen könnte. Ein Spieler, der einfach zu gut für diesen Verein ist, der dennoch dessen Trikot trägt. Und dass dieses Trikot jetzt die Nummer 10 ziert, ist kein Affront gegenüber Podolski, sondern im Gegenteil – die Bestätigung, dass dieser Spieler genau das mitbringt und auslöst, was einst Podolski ausmachte. An El Malas Rolle als Identifikationsfigur gibt es also keine Zweifel. Das Problem: Selbst die größten Optimisten müssen sich wohl eingestehen, dass dies die letzte Saison der neuen Nummer 10 in Köln sein wird. Aber bis dahin heißt es einfach: Genießen und bestaunen. Und wer weiß, vielleicht spielt sich ja schon in dieser Saison eine neue Identifikationsfigur in die Herzen der FC-Fans.
Skhiri spielte von 2019 bis 2023 für den FC und bestritt in dieser Zeit 118 Spiele für den Club. Zudem erzielte er 17 Tore unter anderem in der UEFA Conference League.
Der breite Kader bietet taktische Alternativen – sie müssen nun genutzt werden
Elias Schnaubelt
Für die deutschen Vereine schloss das Transferfenster am vergangenen Montag seine Pforten. Dem 1. FC Köln gelang auf der Zielgeraden noch ein Doppelschlag, wobei aus taktischer Sicht vor allem der Leihwechsel von Borna Sosa interessant ist. Das könnten die Transfers für die Spielidee des 1. FC Köln bedeuten.
Die Sommertransferphase ist beendet, nun können alle Beteiligten erstmal wieder durchatmen. Thomas Kessler hat wahrlich für viel Bewegung im Kader gesorgt. Dabei stehen unter dem Strich deutlich mehr einflussreiche Zugänge als Abgänge, woraus sich laut transfermarkt.de ein Transferminus von 7,65 Millionen Euro speist. Doch weiß auch Kessler, dass nur geerntet werden kann, was zunächst gesät wird. Und der 40-Jährige hat für mehr als nur Tiefe im Kader der Kölner gesorgt. Vielmehr gibt er René Wagner das Rüstzeug für taktische Flexibilität an die Hand.
René Wagner beim Spiel des 1. FC Köln gegen Werder Bremen
Den wohl eindeutigsten Beweis für diese Vermutung liefert der Deadline-Day-Transfer von Borna Sosa. Wer den Spieler noch aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart kennt, weiß: Der Kroate ist alles andere als ein klassischer Linksverteidiger. In seiner sportlich besten Zeit bei den Schwaben brillierte der 28-Jährige als Schienenspieler in einer Dreierkette. Auf dieser Position offenbarte sich auch seine größte Stärke: Die Flankenqualität. Bereits 46 Vorlagen konnte Sosa in seiner bisherigen Karriere verbuchen, welche 233 Pflichtsiele umfasst. Die Verpflichtung des Kroaten wirft jedoch einige Fragen auf, so auch die nach Gideon Mensah. Der Ghanaer, der sich mit Sosa nominell die gleiche Position teilt, ist nahezu ein Gegenentwurf dessen. Mensahs Aufgabenbereich umfasst Zeit seiner Karriere hauptsächlich das Verteidigen, vornehmlich in einer Viererkette. Dass beide Spieler erst diesen Sommer in die Domstadt gewechselt sind, legt die Vermutung nahe, dass den Verantwortlichen beim FC ein klares Konzept fehlt. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Verzicht auf ein starres Spielsystem exakt die Idee ist.
Jeder Gegner ist anders, so auch die Herangehensweise
Eine Sache, die Wagner-Vorgänger Lukas Kwasniok wie keinen zweiten auszeichnete, war die Fähigkeit, sich auf jeden Gegner individuell einzustellen. Das bedeutete in der Umsetzung auch den häufigen Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette. Gerade zu Beginn seiner Amtszeit lieferte dieser Ansatz beachtliche Erfolge. Die Entlassung innerhalb seiner Debüt-Saison hatte hintenraus nur zweitrangig mit den Ergebnissen auf dem Rasen zu tun. So gelang es Kwasniok, jedem Gegner das Leben schwer zu machen. Haushohe Pleiten gegen große Konkurrenten sucht man indes vergebens.
Seinem Nachfolger wird nun das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, um diese Flexibilität fortzuführen. Allerdings mit deutlich mehr Tiefe und Qualität auf den jeweiligen Positionen. Einen klassischen linken Schienenspieler mit Flankenqualität vermisste Kwasniok schmerzlich – zumindest lassen die Scorerwerte eben jener „Wingbacks“ nur diesen Schluss zu. Außerdem verfügt der aktuelle Kader mit beispielsweise Said El Mala oder Mikey Moore über Spieler mit Eins-gegen-Eins-Qualität, zudem über Tiefgang mit ebenfalls El Mala, Maina oder Heskey. Auch kann René Wagner verschiedene Mittelfeldkonstellationen aufstellen, so verfügt der 38-Jährige über mehrere zuverlässige Optionen, um eine Doppelsechs aufzustellen und Johannesson offensiver auflaufen zu lassen. Der Punkt ist: Egal ob Dreier- oder Viererkette, egal welcher Gegner und egal welche Anforderungen jede Partie individuell mit sich bringt – Der Kader beinhaltet für alle Positionen die passenden Spieler, um es jedem Gegner schwer zu machen. Das verschiebt aber auch die Verantwortung und verlangt viel taktisches Geschick vom neuen Coach.
Eine aufgeweichte Spielphilosophie
Mit dem Auftaktsieg gegen Hoffenheim gelang bereits ein wichtiges Ausrufezeichen, das zunächst Druck vom Kessel nahm. Es folgte die bittere 1:4-Pleite gegen Stuttgart – mit nur einem Wechsel in der Startformation – und die erzwungener Maßen durch den Ausfall von Said El Mala. Alternative Spieler und Taktiken sind da, sie müssen eben nur genutzt werden. Es wird spannend zu sehen sein, ob gegen andere Gegner die Dreierkette zum System der Wahl wird. Kessler hat zumindest dafür gesorgt, dass für beide Formationen die richtigen Profile vorhanden sind. Damit weicht der Sportdirektor abermals die Nachwuchsphilosophie von Christian Keller auf. Dieser hatte das Ziel ausgerufen, vom Jugend- bis in den Herrenbereich ein Viererketten-System spielen zu lassen, um Jugendspielern den Wechsel zu den Profis zu erleichtern. Bestimmt wanderte damals der ein oder andere sehnsüchtige Blick zum FC Barcelona, wo genau das seit vielen Jahren auf allerhöchstem Niveau erfolgreich praktiziert wird.
Allerdings stellt die Amtszeit von Kessler keinen Bruch in der Idee der Nachwuchsförderung dar, vielmehr ist es ein anderer Ansatz. Im Nachwuchs wird auf ein starres System verzichtet. Anhand der verfügbaren Spielerprofile wird eine individuelle Ausrichtung entworfen. Somit wird verhindert, dass vielversprechende Talente dem System zum Opfer fallen, wodurch auf der anderen Seite sogar mehr Durchlässigkeit entstehen kann. Ja, beim FC Barcelona funktioniert die Idee der einheitlichen Spielphilosophie. Aber muss und sollte man sich als 1. FC Köln an einem Giganten des Weltfußballs orientieren?
Feststeht, dass René Wagner eine Mannschaft mit viel Potenzial, sowohl taktischer als auch spielerischer Natur, zur Verfügung steht. Dieser Umstand wird dem jungen Trainer viel abverlangen, ihm gleichzeitig aber auch jede Menge Entscheidungsmacht übertragen. Damit einher geht unweigerlich eine große Verantwortung – und ob Wagner dieser Verantwortung gerecht wird, kann nur die Zukunft zeigen.